Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1913)
- Date
- 1913-03-28
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Uebertrag 516 322.- M. Für Hypotheken sind an Zinsen abzüglich eingehender Verzinsung für Effekten und Kapitalien zu zahlen 87 703.34 „ Zum 3..Amörtisationsfonds sowie zum Reservefonds find bestimmt worden für 1913 . 71 150.60 „ während für 1914 und 1915 je IstO OOO M, mehr eingestellt sind. Der 3. Amortisationsfonds soll zum Ankauf eines neuen Fried- . Hofes dienen.' Summa: 675 175.94 M. Die Ausgaben für die beiden 'Verwaltungsgrundstücke Oranienburger Str.. 28/29 und Rosenstr. 2/4 erfordern den Betrag von ' 47 000.— M. . ' dagegen bezieht die Gemeinde ' ' . ' an Erlös aus Erbbegräbnissen / und Miete 85 955.— . „ so daß ein Ueberschuß von _38 955.— „ verbleibt. Die Vermögensverwaltung der Gemeinde erfordert daher insgesamt. 636 220.94 M. Die Zusammenstellung der einzelnen Positionen ergibt als Zuschüsse für 1. Armenwesen und Wohltätigkeitsanstalten 596 427.20 M. 2. für Kultus und Ritualangelegenheiten 677 015.— 3. für GemeindeundReligionsschulen sowie - für die Bibliothek . 415141.75 „ 4. für die allgemeine Verwaltung 760 022.32 „ 5. für die Vermögensverwaltung 636 220.94 „ .3 084 827.21 M. Hiervon ist abzurechnen der Ueberschuß beim Beerdigungswesen 59 860.— „ verbleiben . 3 0?4 967.21 M. das ist der Betrag, der durch Gemeindesteuern im-Jahre 1913 aufzubringen Ist. Im Jahre 1909 betrugen die Gemeindesteuern nur 2 122 228.23 Mark; sie sind also in den letzten vier Jahren um 902 748.98 Mark, das ist um 42 Prozent, gestiegen. Der Etat für 1913 schließt in - Einnahme und. Ausgabe ab mit 5 284127.77 Mark. Das. ist -eine Niesensumme.für eine jüdische Gemeinde. Wie aber zum Kriegführen Geld, Geld und wiederum Geld gehört, so ist auch eine so große Gemeinde wie die Berliner nur mit Geld, Geld und wiederum Geld zu leiten. Es muß nur daraus geachtet werden, daß die Finanzverhältnisse gut geordnet sind, und daß die Steuerkraft der Gemeiudemitglieder nicht zu sehr angespannt wird. Hieraus -ist bis jetzt stets Rücksicht genommen worden, denn in allen deutschen Großgemeinden sind die Gemeindesteuern höher als bei uns. Eine gute Finanzwirtschaft ist die Grundlage für das Gedeihen eines Gemeinwesens. In unserer Gemeinde befindet sich die Verwaltung der Finanzen .in girten Händen, denn es herrscht darin eine musterhafte Ordnung. Achten wir darauf, daß es stets so bleibe, dann wird unsere Gemeinde auch ferner blühen und gedeihen! / , SynsgogkngMlig. Vom Kaiserlichen Rat Joses Singer weiland Oberkantox der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien mitgeteilt anläßlich feiner - - > ersten Jahrzeit.,; Vom Königl. Musikdirektor A. Fried m a n n - Berlin. . . er Ausgangspunktdes' modernen Synagogengesanges . w ird mit Unrecht. als iü. düstere Nebel -gehüllt dargestellt.-. Ein Blick in das . Buch der Bücher genügt, um der Tatsache näherzutreten-''daß sofort nach der Erzählung der Schöpfungsgeschichte .Jubal als ausübender Musiker auf Saiten- und Blasinstrument angeführt erscheint. Gleichfalls unstatthaft ist die Annahme, daß die Musik der alten Hebräer auf ein ungeordnetes Longewirr und rohe Schallwirkung beschränkt bleiben muß. Das Vorhandensein von Schlaginstrumenten, deren Wirkung nicht anders als in einzelnen Schlägen, demnach gewissermaßen als Zeitmesser gedacht werden kann, berechtigt zu der Annahme, daß die alten Hebräer schon eine Ahnung von einer Takteinteilung hatten. Sollten wir noch ferner darauf Hinweisen, daß Laban bei der Flucht Jakobs von Gesang, Adufe und Zither spricht, daß Mosesdie. Israeliten und später Mirjam nach vollendetem Durchgänge durchs Rote Meer Kriegsgesänge anstimmten, oder daß zur Zeit der Propheten und Könige schon von Harfen, Adufen, Zithern, Sistern, Weziloth, Becken und Trompeten, demnach von bedeutungsvoller Mannigfaltigkeit der Instrumente und Jnstrumentalisten die Rede ist? Jedem Bibelkundigen sind diese Tatsachen genügend bekannt, und ein nicht minder schwerwiegender Umstand, daß eine aus zwölf Stämmen bestehende Nation einen Stamm, demnach den zwölften des Volkes, für Gesang, Musik und Gottesdienst bestimmte. Erwägen wir weiter, daß die Massenchöre von Ober- und Unterdirigenten geleitet werden, ja sogar bezüglich der Aufstellung der Sänger und Musiker strenge Regeln bestanden, so dürfte ein bemerkenswerter musikalischer Aufschwung im Schoße.des uralten Judentums kaum angezweifelt werden. Der Vollständigkeit halber soll noch darauf hingewiesen sein, daß in Chronik,! die Namen der Dirigenten angeführt und-sogar vom Sangmeister, von einem Musikgelehrten und von einem Musikeleven — demnach von einer Musik- und Gesangsanstalt die Rede ist. Dieser kolossale Aufbau eines Musikinstitutes war ursprünglich allerdings lediglich dem Dienste des Herrn geweiht, poch alsbald fanden Musik und Gesang auch bei. weltlichen Veranlassungen .Anwendung. Beim Tode Josias stimmte Jeremias einen Trauergesäng an, und alle Sänger und Sängerinnen unterstützten ihn. (Chronik II, 25, 35), und (Jesaias 5,11, 12) jammert darüber, daß die Juden bei Zither, Harfe, Adufe und Wein-sich belustigen und auf Gott nicht schauen. Welcher Qualität diese altjüdische Musik und welchen Gesetzen dieselbe unterworfen war, darüber herrschen in. Gelehrtenkreisen entgegengesetzte Anschauungen'. . Der berühmte Altertumsforscher Forkel behauptet, der . Gesang der alten Juden war die Kantillation. Dieser Annahme tritt Saalschütz auf das entschiedenste entgegen, indem er einen Ausspruch Philos zitiertnach welchem Moses von den ägyptischen Gelehrten nicht bloß die Rechen- und Meßkunst, sondern auch Rhythmik, Harmonie und Metrik, wie überhaupt Musik in deren ganzem Umfange sowohl theoretisch als praktisch gelernt haben sollte. ,; Erscheint es nun geradezu unerklärlich, weshalb Saälschütz, der Jride, dem Gewährsmann Philo mehr Glauben schenkt als der heiligen Quelle der Bibel, allwo einer Ausbildung Moses" oder gar einer musikalischen Betätigung — mit alleiniger Ausnahme der drei Wortet os jasebir moscheli —. nicht mit einem Federstrich Erwähnung geschicht/P/ ist es überhaupt nicht.abzusehen, weshalb Moses' der, wie genügend bekannt, von'seinen anderen am! ä'ghptischen Hofe'erlernten Künsten so verschwenderischen Gebrauch.machte/gerade in musikalischer Beziehung von der Bibel als so schweigsam hingestellt wird. Allein selbst bei jener rtwaigen Annahme dieser Saalschützschen Doktrin ist. es nicht ersichtlich, welche namhafte Theorien der Musik Moses am. ägyptischen Hofe erlernt haben sollte, da doch die ägyptische Musik zur Zeit Moses" über die erste Entwickelungsphase nicht hinaus-