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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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b) gemütlichen geselligen Verkehr; e) gegenseitige Hilfe. (§1 >der. Statuten.) Der Verein zählt 24 Mitglieder. Der erste Vorsitzende ist ein Handü'erksmeister, 'und zwar Herr ^Schneidermeister Max L u st i g, die anderen fünf Mitglieder des Vorstandessind Handwerksgesellen, in dem gegenwärtigen Vorstände ihrem Berufe nach Klempner, Schlosser, Bäcker, Elektriker, Installateur. In der jüdischen Gemeindebibliothek ist für den Verein wöchentlich ein Leseabend eingerichtet worden. £2 Münsterberg, 31. Januar. Am 26. d. M. ist der langjährige Vorsitzende unserer Gemeinde, Herr Louis Hi r sch, seinen langen, mit bewundernswerter Geduld ertragenen. Leiden sanft, erlegen. Vorstand und Repräsentanten beklagen den Verlust dieses Mannes, der, stets hilfsbereit, von felsenfestester altjüdischer Glaubenstreue, unermüdlichem Pflichteifer, der ihm Herzenssache war, seine fürsorgliche Liebe der Gemeinde -bis in seine Leidenstage bewiesen hat. Auch in der Stadtgemeinde hat er sich die allgemeine Wertschätzung erworben. Schon vor seinem Eintritt in die Stadtverordnetenversammlung hat er, wie ihm die städtischen Körperschaften Nachrufen, jederzeit in der uneigennützigsten Weise die Interessen der Stadt wahrgeliommen und vertreten. Wir bedauern das Hinscheiden dieses treuen Bürgers unserer Stadt aufs tiefste. ^2 Sagarr, 31. Januar. Am 22. d. M. ist hier Herr Stadtrat Max Jonas im 69. Lebensjahre ganz unerwartet am Herzschlag die jüdischen Jugendverbände in Deutschland auf deren geschichtliche Entwickelung hin und erzählte von der in Sachsen.besonders interessierenden, ausgleichenden Wirkung des Plaueuschen Jugendbundes für die Ueberbrückung der Zwischen den deutschen und ausländischen Gemeindemitgliedern vorhandenen Gegensätze. Beide Referate fanden lebhaften Beifall. An die Tagung schloß sich ein durch zahlreiche hunwristisch-gemütvolle Toaste verschönertes Festmahl, zu dein Herr Kommerzienrat L. Ladewig die Konferenzteilnehmer eingeladen hatte. Köln, 31. Januar. Allläßlich der Tagung des örtlichen A u.s s chusses f ü r I u g e.n d p f l e g e in Rheinland und Westfalen fand auf dem Wahner Schießplatz ein großes Kriegsspiel statt, an dem sich eine ganze Reihe von Vereinen, besonders aus Köln, . Bonn und Siegburg beteiligte. Zu, diesem Kriegsspiel war auch die Wandergruppe des Jüdischen.Jugendvereins Gabriel Rießer eingeladen, und sie rückte mit 70 Mann aus, voran die- Kapelle der jüdischen Volksschule. .Man darf ruhig behaupten, daß sich gerade die jüdische Wandergruppe a u s z e i ch net >e, denn der die Parade abnehmende Offizier fand in der Kritik besondere Worte der Anerkennung für die Gruppe des Gabriel-Rießer-Vereins. Die straffe Disziplin zeigte sich besonders während eines plötzlich niedergehenden Hagelschauers, wo die jüdische Gruppe allein mit den Pfadfindern und Jungdeutschlandbünden weiter marschierte, während alle übrigen Vereine Deckung suchten. Besondere Würdigung fanden von maßgebender Seite auch die Erfolge in der Pflege des Volksliedes durch die jüdische Gruppe. Koblenz, 29. Januar. Vor einigen Tagen starb der Inhaber der Firma Deinhard und Cie., der Geheime Kommerzienrat Julius W egeler, der bereits zu seiner-Lebenszeit großzügig in Koblenz und für Koblenz gewirkt hat. Testamentarisch ordnete er die sofortige Verteilung von 10 000 Mark an hiesige Ax.me an. Von diesem Betrage wurden 500 Mark dem Vorstande der Synagogengemeiude für jüdische Arme überwiesen. Weiterhin wurden letztwillig noch verschiedene größere wohltätige Stiftungen ins Leben gerufen, die meistens zugunsten a l l er Konfessionen errichtet werden sollen. Luszland. M. M. St. Petersburg, 29. Januar. Bor einigen Tagen starb hier der frühere -Mitarbeiter des „Hainelitz", Dr. A. I. Goldenb a u m (Schwiegersohn des auch im Auslände bekannten Begründers des' genannten Blattes, Alexander Z e d e r b a u m) kurz vor seinem 85. Lebensjahr. Der Verstorbene, geboren zu Kempen in Posen, stammte aus einer streng religiösen Gelehrtenfamilie (sein Vetter und Schwager war der in Wien verstorbene Universitätsprosessor und Dolmetscher orientalischer Sprachen, Professor Dr. Goldenthal, der aus dem alten Währinger Friedhof beerdigt liegt). Er studierte. erst in Breslau, dann in Wien,, ging stpäter nach Odessa, woselbst er ein deutsches Gymnasium und eine jüdische Handwerkerschüle gründete- und wurde seinerzeit vom Kaiser Alexander II. wegen! seiner Verdienste mit einem Orden dekoriert. Späterhin zog der Verstorbene nach St. Petersburg, wurde Mitredakteur des „Hamelitz" - und setzte sich nach dem Tode seines Schwiegervaters Zederbaum Und Verkauf der betr. Zeitung in den wohlverdienten Ruhestand. Der Verblichene hinterläßt neben seiner Gefährtin, zwei Kinder, von denen der Sohn als Dr. med. Kollegienrat und die Tochter als Pros, der Musik angesehene Stellungen einnehmen.' Die Beerdigung fand.unter recht ^zahlreicher Beteiligung statt. Friede seiner Asche! Amerika. z. New Nork, 23. Januar. Mit großer Feierlichkeit ist die zu Ehren des Präsidenten Taft voll dem Orden „Bne Brith" geprägte große goldene Medaille von einer Delegation hervorragender Vertreter des Ordens am 31. v. M. Herrn Taft überreicht worden. Anlaß zur Ueberreichung dieser Medaille war die von Taft Unterzeichnete Kündigung des russischen Handelsvertrages. Führerder Delegation war. der Großpräsident Adolf K r a n s-Chicago, und unter den Mitgliedern waren die prominentesten Männer des Ordens aus allen Teilen der Vereinigten Staaten. Es fand aus diesem Anlasse in Washington ein Festbankett statt, und bei Entgegennahme der Medaille sagte der Präsident Taft: Er fühle sich geehrt und sei tief gerührt durch diesen Belveis der Allerkennung und der Bestätigung seiner Anstrengungen, die Pflichten als Präsident der Vereinigten Staaten zu erfüllen und vor aller Welt zu bekunden, daß wenigstens in diesem Lande die Wohltaten, des Gesetzes für jedermann, ohne Unterschied, die gleichen sind, und daß nicht bloß die Gesetze, sondern auch der Geist der Administration und die Prinzipien der amerikanischen Konstitution von der Idee der Rechtsgleichheit dllrchdrungen sind. Was den jüdischell Stainnl betrifft, so dürfen seine Söhne mit berechtigtem Stolze ihrer Abstammung sich rühmen; die Stärke der Rasse, die Geduld und die Allsdauer, mit welcher dieser Stamm durch so viele Jahrhunderte . für die Idee der Rechtsgleichheit kämpft, ist ganz ungewöhnlich in der Geschichte. Die Verfolgungen, welchen er wegen feines Festhaltens an den alten überlieferten religiösen Ueberzeugungen unterworfen war . und noch ist, haben seinen Charakter entlvickelt und. seine Rasse gestärkt. Aber es.bedurfte eines freien Landes, lvie Amerika, daß die Blüten dieses Stammes sich frei entwickeln, um der Welt die lnerkwürdigen Eigenschaften dieser Rasse zu zeigen, als starke Stütze von. Gesetz und Ordliung unter einem Regime der Freiheit und der Rechtsgleichheit. Der Präsident fügte dann hinzu: „Mein Vater war ein Unitarier und ich bin in' der unitarischell Religion erzogen worden. In derselben Gasse gegenüber der unitarischen Kirche in Cincinnati befand sich die Synagoge, in welcher Rev. Jsak M. Weiß als Rabbi lvirkte. Unsere Geistlichen wechselten häufig miteinander ihre Kanzel, und ich bin in meiner Jugend oft zu Füßen von Rabbi Dr. Weiß in der unitarischen Kirche gesessen und habe dort seiilen Predigten gelauscht. Darum sind mir die Vorurteile der Kleingeister und kleinköpsiger Menschen stets sreind geblieben. Meine Herren!'Es ist kein Zweifel, daß eine Nässe wie die jüdische, in dem Gang der Zivilisation sich durchschlagen und die Ungleichheit und die Verfolgung, die sie noch in manchen Ländern zu erdulden hat, überwinden wird. Das ist so sicher wie der Tag, und es muß uns zur Befriedigung gereichen, daß die Bewegungen zur Anerkennung der' sozialen Gerechtigkeit gegenüber allen Unterdrückten ihre erfolgreiche Initiative in unserem Lande gesunden habe. Ich schätze den Beweis Ihrer Anerkennung als eine der größten Ehren und Auszeichnungen meiner Wirksamkeit als Präsident der Vereinigten Staaten." * ' ' Von Sah und Fern. — Der Kaiser hat am 1. d. M. vormittag bei Geheimrat Dr. E d u a r d S i m o n einen Besuch geinacht und verweilte eine Stunde in der von Messel erbauten Villa, Viktoriastraße 7, um sich von dem Hausherrn dessen'Kunstschätze zeigen zu lassen. — Dem Rentier und Stadtverordneten von Charlottenburg, Ludwig R u ß, ist vom Kaiser von Oesterreich der Orden der Eisernen Krone dritter Klasse verliehen worden. — Prof. Dr. Flatau ist von der America Medical Association als Ehrengast der laryngologischen Sektion eingeladen worden, im Juni d. I. über seine Methoden der Erkennung und Behandlung der Stimmstörungen in Amerika Vorlesungen zu halten. —- Am 30. v. M. vollendete der Kapellmeister Albert Keller mann in Berlin sein 50. Lebensjahr. 1863 zu München geboren, studierte er an der dortigen Hochschule Musik und kam 1892 als erster Kapellmeister an die neue deutsche Oper in'Berlin. Seit'1893 steht

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