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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-29 · Heft 48 (29.11.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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.stattfinden wird/ Es handelt sich um den ersten - Turntag des in diesem Jahre in Berlin organisierten westöfterreichischen -Kreises der jüdischen : Lurnerschaft. Den Abschluß dieser Veranstaltung - soll ein Schauturnen im Sophiensaale bilden, woran alle Wiener und fast alle Provinzvereine teilnehmen werden. Für den jüdischen Turntag gibt sich liberall das größte Interesse kund. Es ist auch zu hoffen, daß er zu aller Zufriedenheit musfallen wird. — Vor einigen Tagen wurde hier Frau Ernestine Thorsch, Witwe - des Bankiers Philipp Thorsch, zu Grabe getragen..! Das Hinscheiden dieser wahrhaft edlen- und hochherzigen Dame bedeutet einen unersetzlichen Verlust für viele Arme und. Unglückliche in Wien und auch in per Provinz. In ihrer stillen Art, die jeden äußeren Schein permied, wirkte Frau Thorsch im stillen und immer ungenannt zum Wohle und zum Besten ihrer Mitmenschen. Nie klopfteein würdiger Bedürftiger vergeblich an ihre Tür, und - sie ' half immer, wo es not tat, und im Sinne ihres verstorbenen Gatten spendete sie in den letzten Jahren große Summen für gemeinnützige Zwecke und Wohltätigkeitsanstalten. An ihrer Bahre erfüllt alle, denenfte Gutes getan hat — und deren Zahl ist groß genug..-- tiefste Trauer. — Die Herren Theodor und Stephan von Auspitz haben zu Ehren ihres verstorbenen Vaters Karl v. Auspitz 150 000 Kr. für Wohltätigkeitsinftitute gespendet. Mit größeren Spenden wurden namentlich bedacht: Das Kaiserin-Elisabeth-Jnstitut für israelitische Krankenpflegerinnen, der israelitische Frauenwohltütigkeitsverein und der Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger jüdischer Waisen. — Auf 'Veranlassung der israelitischen Gemeinde in Belgrad beschloß die Ehewra-Kadischa in Budap e st, auf ihre Kosten vier jüdische Aerzte nach Serbien zu schicken, um den verwundeten Soldaten, die aus Mangel an ärztlicher Hilfe verkümmern, rettend beizustehen. — Unter den verwundeten Kombattanten nchmen die Juden einen unverhältnismäßig hohen Prozentsatz ein.'— Nach dem ungarischen statistischen Jahrbuch sind im Jahre 1910 in Ungarn 512 Juden (263 Männer und 249 Frauen) aus dem Judentum ausgetreten. In demselben Jahre traten 124 Personen (43 Männer und 81 Frauen) züm Judentum über. In den letzten fünfzehn Jahren sind im eigentlichen Ungarn insgesamt 5046. Personen aus dem Judentum ausgetreten, in Kroatien und Slawonien betrug die Zahl der Austretenden von 1898 bis 1910 zusammen 285 Personen. Es sind dies wahrhaft erschreckende Zahlen. Enslany. . z. London, 22. November. In der Zentralsynagoge in der Great Portland Street hat Mittwoch den 20. d. M. um 2 Uhr nachmittags der Rabbiner Dr. Michael Adler in feierlicher Weise die Vermäh- ' lung des Barons. Alsons Rothschild mit Miß Elairice Sebag-Montefiore, Tochter des . Mr. 'Edmund Sebag-Montefiore und der verblichenen Mrs. Julia Sebag-Montefiore, vollzogen. Von seiten der Familie Rothschild hatten sich zur Hochzeitsfeier eingefunden: Die Brüder des Bräutigams, die. Barone Louis und Eugen Rothschild, die Schwester Frau Valentine Springer-Rothschild mit ihrem Gemahl Herrn Siegmund Springer, ferner die Mitglieder der Londoner Familie Lord und Lady Rothschild, Mr. und Mrs. Leopold Rothschild, Mr. und Mrs. "Charles Rothschild, Mr. und Mrs. Lionel Rothschild, Antony und Evelyn Rothschild; aus Paris Baron und Baronin E d o u a r d- Rot h s ch-i l d, Baron James Rothschild, Baron Maurice Rothschild, Mr. und Mme. Maurice Ephrussi; weiter die'Familie ünü die Verwandten der Braut; der österreichische Botschafter am großbritannischen Hose Gras Lllfons M e n s darf f - P ö u i l l y - D i e.-t r i ch st ein war mit den Herren der Botschaft erschienen, und auch der deutsche Botschafter Fürst L i ch- . nowsky wohnte der Trauung bei. Außer den Genannten waren -einige zum intimsten Freundeskreise des Barons gehörige Persönlichkeiten aus Wien und. zahlreiche Mitglieder der englischen Gesellschaft anwesend. — Baron Alsons Rothschild hat aus Anlaß seiner - Vermählung einen Gesanckbetrag von 130 000 Kronen für verschiedene. Wvhltätigkeitszwecke in Wien gespendet. Der Betrag kam schon heute in ' folgender Weise zur Verteilung: Für Arme 10 000 Kronen, uttb zwar je 5000 Kronen durch die n.-ö. Statthalterei und die israelitische Kultusgemeinde; für die Poliklinik, die österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuze, den „Bettinas-Pavillon, das Rothschild- " Spitabünd'die ifraelitifche-Altersvevsorgungsanstalt je 20000 Kronenmnd je 10 0.00: Kronen für Wohltätigkertsakte^aus den Herrschaften Langdm und. Schillersdorf. ,. •••.' .M, h r LusZlÄNV. >. Petersburg, 22. November. Vor kurzem ging ein zynischer Witz-des russischen Kultusmmisters durch die Presse^uEine jüdische Frau hatte ihn zu seiner Errettung bei einem Zusammenstoß beglückwünscht und daran die Bitte geknüpft, der Minister möge ihrem Sohn den Besuch der Universität' gestatten und daraus prompt die Antwort erhalten, der Stoß sei zu schwach gewesen, um die Prozentnorm erschüttern zu können. Jedenfalls ein bezeichnender Ausspruch! Man kann daraus schließen, welche ungeheuren Schwierigkeiten die Juden zu überwinden haben, wenn sie über die Prozentnorm an den Hvch- und Mittelschulen Ausnahme finden wollen, und daraus ersehen, welch ehrendes Zeugnis ihnen die folgenden Ziffern ausstellen. An der Universität Odessa bilden sie 24 Prozent, Petersburg ll Prozent, Kiew 18 Prozent, Charkow 11 Prozent, Warschau 10 Prozent, an den anderem fünf russischen Universitäten 5 bis 8 Prozent der Gesamtzahl der Hörer. Bedenkt man, daß an den größten Universitäten die kleinste Prozentnorm vorgeschrieben ist, so für Kiew 8 Prozent, Petersburg und Moskau 3 Prozent, so sollten alles in allem höchstens 6 Prozent jüdischer Hörer inskribiert sein, tatsächlich bilden aber die 4244 jüdischen Studenten fast 11 Prozent der russischen Universitätshörer. An den sechs russischen Techniken sind 1000 Hörer, das ist fast 10 Prozent, inskribiert,-während die Prozentnorm für Petersburg und Moskau nur 3 Prozent, für die anderen Techniken nur 5 Prozent zuläßt. Anden oier tierärztlichen Schulen bleiben die jüdischen Hörer hinter der Prozentnornr zurück, nur in Warschau übersteigen sie sie bedeutend. An den russischen Gymnasien beträgt die.jüdische Schülerzahl 12 0.00, sie bilden fast 10 Prozent der Gesamtschülerzahl (in einzelnen Städten, wie Warschau freilich fast 26 Prozent, Odessa 19 Prozent, Wilna 16 Prozent); an den Realschulen gibt es fast 5000 jüdische Schüler, das ist gleich 8 Prozent der Gesamtschülerzahl, in Warschau freilich bilden sie 37,1 Prozent der Realschüler. Alles in allem gibt es in Rußland 5300 jüdische Hochschüler und 16 980 Mische Mittelschüler, unter russischen Verhältnissen gewiß ein ehrendes Zeichen für den Bildungsdrang unserer verfolgten Stammesgenossen. Amerika. Z. New York, 18. November. Am 1. ü. M. wurde hier der Grundstein für ein n eu e s jü d i s ch e s As y kfür unheilbare Kranke, das den Namen „Montesivre-Home" führen wird, unter großen Feierlichkeiten gesetzt. Dieses neue Asyh Lessen Errichtung über zwei Millionen Dollars kosten wird, liegt in der herrlichsten Umgebung von New Ä)ork und wird 700 Patienten zu gleicher Zeit beherbergen können. Wie der Bürgermeister G ayno r von .New Dort in seiner Festrede hervorhob, wird dieses Asyl die größte Anstalt der Welt sein,, welche für unglückliche Menschen, die von einer unheilbaren Krankheit befallen sind, existiert. Das Budget der Anstalt, die in einem Jahre fertiggestellt sein soll, wurde mit 300 000 Dollars pro Jahr in Aussicht genommen. Sowohl die Baukosten als auch die Unterhaltungskosten wurden ausschließlich von amerikanischen Juden gespendet. Die Rede des Bürgermeisters Gaynor machte besonders guten Eindruck, als er aussührte: „Der Name, der an der Front dieser großartigsten aller Wohlfahrtsanstalten einst prangen wird, ist an sich schon ein ganzes Programm. Denn so, wie man den Namen Heine nennt, wenn von Poesie gesprochen wird, wie man Spinozas gedenken muß, wenn.von. Philosophie'die Rede ist, und dort,, wo von der Geschichte der Gesetzgebung verhandelt wird, die Namen der Juden Jessel und Benjamin an erster Stelle genannt werden müssen, so ist es undenkbar, über großzügige Philantropie zu sprechen, ohne des größten Philantropen, S i r M o s e s Möntesiore, zu gedenken.- Gerade auf dem Gebiete der Philantropie Haben die Juden stets nicht nur Großartiges geleistet, sondern in den meisten Fällen Ausgaben erfüllt, die eigentlich in die Pslichtsphäre des Staates fallen." Von MH und Fern. — Vor einigen Tagen wüßten Berliner Blätter über eine geheimnisvolle 'Reise des berühmten Berliner -Chirurgen Professor Dr. Israel nach Rußland zu berichten. Das Ziel der Reise wurde streng, geheim gehalten. Nunmehr ist das Geheimnis gelüstet. Laut feiner Meldung der Preß-Centräle erfuhr' die „Daily Mail" aus Petersburg, daß Professor Israel: awAas Krankenlager des -russische n Th r ans o l ge r s berufenworden ist, — Herr Rabbiner Dr. L e w k o Witz in Schneidemühl ist vor kurzem zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin gewählt wordenWnd tritt, wie uns mitgeteilt wird,, schon am 1. Januar 1913 sein neues Amt. an, — Am 20. d. M. ist der

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