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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-01 · Heft 44 (1.11.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 44 (1.11.1912)
Date
1912-11-01
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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land > bald: .einleben. Allein tuhiesiger ’ Gemeinde leben über hundert' Köpfe eingewanderter Holländer. Die Söhne der ' Familien sindentweder ebenfalls im Bergbau tätig oder sie widmen sich einem Handwerk. Jedenfalls kommen alle die Einwanderer bald in bessere Lebensverhältnifse, als sie sie früher in Amsterdam kannten. Leider läßt es der Zechenbetrieb nicht zu, daß die Arbeiter am Sonnabend frei sind. .An den hohen Feiertagen werden sie jedoch anstandslos' beurlaubt. Da diese Ansiedelungen nicht neu sind, sondern einzelne Familien schon fünf bis sechs Jahre hier wohnen, so dürfte hier der Beweis von der Arbeitsfähigkeit der Juden, sofern sich nur Arbeitsgelegenheit bietet, wieder einmal erbracht sein. Oesterreich-Ungarn. L. Wien, 23. Oktober. Zum 70. Geburtstage des vor zwei Jahren verstorbenen Baurates Wilhelm Stiaßn.y wurde am Ehrengrabe des Verblichenen, der viele Jahre hindurch dem Präsidium der hiesigen Kultusgemeinde angehörte, ein Denkmal auf der israelitischen Abteilung des Zentra'lsriedhoses errichtet und am 16. d. M. im Beisein zahlreicher Ehrengäste und Abordnungen , enthüllt. Es ist ein kleiner Tempel mit pyramidenförmigem Aussatze über dem Hauptgesimse, der in seinen Formen das Grabdenkmal des Propheten Zacharias im Tale Joschasat wiedergibt. Der Bau soll an das ernste Studium Stiaßnhs über die Kultur und Kunst des heiligen Landes erinnern. Das Denkmal ist von Professor Mayreder ausgeführt. Im Namen der Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums sprach Hosrat Professor Politzer. Professor Ehrmann würdigte die Verdienste Stiaßnhs als ' Mensch, Juden und guten Bürger der Stadt Wien. — Im Alter von 87 Jahren ist am 16. d.. M. in I gl au (Mähren) der langjährige Rabbiner der dortigen israelitischen Kultusgemeinde Dr. I. I. Unger gestorben. Der Verblichene war der älteste Rabbiner Mährens und mit Ausnahme des Dr. A. Schmiedl der Nestor der Rabbiner Oesterreichs. Dr. Unger blickte aus eine mehr, als 54jährige segensreiche Tätigkeit zurück und erfreute sich nicht nur der Liebe und Verehrung seiner Gemeinde, sondern auch der Achtung und Wertschätzung der gesamten Bevölkerung und der Behörden. Als wahrer Priester liebte der Verblichene den Frieden über alles, und es gelang ihm auch in Frieden zu leben mit seinen Kollegen wie allen Mitgliedern seiner großen und angesehenen Gemeinde. Dr. Unger war auch ein anerkannter Gelehrter aus rabbinisch-talmudischem Gebiete, ein glänzender Kanzelredner und ein tüchtiger Pädagoge. Sein Andenken wird fortleben in seiner Gemeinde, die jetzt trauernd an der Bahre ihres geliebten Seelenhirten steht, wie im Herzen aller, die ihn kannten und namentlich derer, die seine Schüler waren. — In Linz fand vor einigen Tagen das Leichenbegängnis des auf sehr tragische Weise verstorbenen höheren Bahnbeamten Dr. Hugo Tauber statt. Dr. Tauber, ein hoffnungsvoller junger Mann, wollte für einen Tag eine kleine Alpentour unternehmen, glitt aber dabei aus und blieb aus der Stelle tot. Für die Beliebtheit, deren sich der Dahingeschiedene erfreute. Zeugte die zahlreiche Beteiligung. Man sah nebst behördlichen Vertretern und solchen verschiedener Vereine den Staatsbahndirektor Hosrat Dr. Messerklinger mit dem ganzen Stabe der Eisenbahnbeamten. Rabbiner Dr. Friedmann hielt eine ergreifende Rede, in der er die Verdienste des Verblichenen als Mensch, Juden und Beamten pries. Seit vielen Jahren hat man in Linz eine derartige Massenbeteiligung au einem jüdischen Leichenbegängnis nicht gesehen. Frankreich. z. Paris, 25. Oktober. Am 22. d. M. ist'hier die Baronin Gustav v. Rothschild, die Gemahlin des im Dezember 1911 verstorbenen Barons Gustav v. Rothschild, des österreichisch-ungarischen. Generalkonsuls in Paris, nach längerem Leiden in ihrem Schloß Laversines gestorben. Mit der Baronin Cäcilie v. Rothschild, die ein, Alter von 72 Jahren erreicht hat, ist was zurzeit älteste Glied der Familie Rothschild dahingegangen. Sie war die Töchter eines Rates beim französischen obersten Gerichtshof namens Anspach. und entstammte einer nicht gerade begüterten Familie. Als Baron Gustav v. Rothschild sich in das junge Mädchen verliebte und die kaum Neunzehnjährige heiraten wollte, machten sich -im Kreise seiner Verwandtschaft gegen die geplante Eheschließung sogar ziemlich' starke Widerstände geltend.,. Cäcilie Anspach aber wußte durch ihre große Schönheit den Vater ihres Bräutigams so. M bezaubern, daß er. endlich seine Einwilligung gab. Er hatte diesen Entschluß nicht zu bereuen. . SEat?; sächlich war dann die Ehe bis zu dem um vergangenen Jahre erfolgten Tod-Gustav v. Rothschilds von ungetrübtem Glücke erfüllt. Baronin Cäcilie gewann mit der Zeit auf ihren Gatten großen Einfluß, und sie war es auch, die die Anregung zu jener Zehnmillionen-Stiftung gab, durch die für die Pariser Arbeiter billige, gute Wohnungen geschaffen würden. Nach dem Tode' des Barons . Mayer Alfons v. Rothschild gälbbie Dame alsdas eigentlicheOberhaupt des Pariser Hauses, unßf-OeU nllen' Mößeren 'Fmianzunternehmungen wurde ihr Rat eingeholt. -Cut schwerer Schlag war für sie'der Verlust ihres Lieblings- . kindes Aline, und feit damals zog'sie sich vom gesellschaftlichen Leben fast ganz zurück. Baronin Cäcilie lebte während der letzten Jahre - zumeist auf Schloß Laversines. . - - Luszland. - L. A. T. Petersburg, 25. Oktober. Während die Feierlichkeiten , im vorigen Monat zur Erinnerung an den vaterländischen Krieg des denkwürdigen Jahres 1812 versammelten sich in' Odessa die jüdischen; Georgenritter, die Reserve- und verabschiedeten Soldaten in der neuen Synagoge, wo ein Trauergottesdienst für den verewigten Kaiser Alexander I. und alle gefallenen Krieger veranstaltet wurde. Hierauf wurde ein Bittgottesdienst für das Wohl seiner Majestät und des-Kaiserlichen Hauses abgehalten. Nach Beendigung desselben erklärte der Synagogenvorsteher in einer kurzen Rede die Bedeutung dieser - Feier für die Juden. Hierauf begaben sich, die Georgenritter und Soldaten der Reserve auf den Kathedralplatz, wo sie sich der - Prozession anschlossen, die sich nach dem Kulikowfeld begab. Von der Ankunft der Deputation wurde dem Stadthauptmann angezeigt, der dieselbe in seine Loge einlud. Die bevollmächtigte Deputation, aus den Herren Margolin und Tscherkez bestehend, teilte dem Kammerherrn Sösnowsky den Beschluß der Versammlung der jüdischen Soldaten mit und legte dem Stadthauptmann den Text des untertänigsten Telegramms mit der Bitte vor, zu den Füßen S. M. des Kaisers' den Ausdruck ihrer treuergebenen Gefühle zu unterbreiten. Der Städthäuptmann dankte der Deputation und versprach, das Telegramm au seinen Bestimmungsort zu übersenden. — In Warschau verteilten im Sächsischen Garten englische Missionare Broschüren, die das Christentum Predigten. Infolge Protestes einiger Juden ent? stand ein Skandal. Die Polizei brachte die Missionare und die Juden aus das Polizeikommissariat. Amerika. z. New Uork, 20, Oktober. Durch den am 8. d. M. erfolgten Tod des hier allgemein bekannten und verehrten Pros. L o e b haben unsere hiesigen Glaubensgenossen einen schweren Verlust erlitten, denn der Dahingeschiedene genoß nicht nur. das Ansehen eines tüchtigen Gelehrten, sondern er war auch ein warmherziger Förderer zahlreicher philanthropischer Bestrebungen. In Cincinnati als Sohn des Herrn Salomo n Loeb, eines der Mitbegründer des großen Bankhauses , „Kuhn, Loeb. &' Co." geboren, hatte der Verstorbene an einigen Amerikanischen Hochschulen und an den Universitäten Berlin, Heidelberg und Leipzig seine Ausbildung genossen. Als.Professor der Chemie an der New Yorker Universität, wurde er auch zum Direktor des hie- . sigen chemischen. Laboratoriums ernannt. Doch zog sich Prof. Loeb iui Jahre 1910 von dieser Tätigkeit zurück, um sich privaten chemischen Studien und vielseitigen öffentlichen Angelegenheiten zu widmem Die ausgezeichneten Kenntnisse des Herrn Prof. Loeb wurden schon frühzeitig von seinen Kollegen anerkannt, und. neben vielen anderen Ehrungen, die man dem Gelehrten zuteil werden ließ, wählte man ihn auch in die „Amerikanische Akademie-der .Wissenschaften" und zum Präsidenten und Mitgliede vieler wissenschaftlicher und philanthropischer Institutionen.. So war der Verstorbene z. B. Mitbegründer fcer ,;Educationel Alliance“ in New Bork, als deren Vorsitzender er bis zu seinem Tode wirkte; und wiederholt war er als Präsident des hiesigen „Board of Education“ von New-Pork City tätig. Auch jüdische Institutionen konnten ihn ihren Vorsteher nennen. Es seien hier nur das „Hebrew Technical Institute“ erwähnt und die „Jewish Agricultural and Industrial Aid Society“, Als einer der ersten, die sich mit dem Emigrationsproblem befaßten, hatte er aus eigene 1 . Kosten ein statistisches. Bureau errichtet, um alles geeignete Material / zur Lösung dieser Frage zu sammeln. Neben den vielen anderen Institutionen-, die stch seines besonderen Interesses, erfreuten, seien, noch die.-landwirschastliche Station in- Heisa (Palästina) und. das Gelvestonkomitee. für -bievjüdische^ Einwanderung genannt.. Von-den Wielseu' ..>

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