Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Berlin, 25. Oktober 1912?6V Jahrgang Nr. 43 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel er die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsflellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 324. Begründet von RabbinerDr. Ludwig Philipps»» Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mossc, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adrcffe: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Strotze 46/49, zu richien. ' Verlag, von Rudolf rnosse, Berlin. Die Tätigkeit der Jewish Colonizatwn Association pro 1911. Von I. Tnroff. — Die Woche. — Friedrich Nippold's neuestes Buch. Von Ludwig Geiger. — Taufjuden und Neuchristen. Von Dr. Carl Pinn. — Bonner Brief. Von Tr. Lichtenstein-Bonn. — Jüdisches in den Werken von Edgar Allan Poe. Von Tr. M. Grünfeld. — Neisebriefe Von Sanitätsrat Dr. Steinthal. — Feuilleton: Nässe' Erzählung von Georg I. Plotke. — Literarische Mitteilungen. — Bücherei» lau s. — Sprechsal. Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Vromberg, Posen, Breslau, Frankfurt a. M., Bad. Dürrheim, Arla. — Von Nah und Fern. Die Tätigkeit der Jewilh Colom?atimr Klloristion pro ISN. Von I. Turo ff. er kürzlich erschienene Bericht der Jßwish Loloniz a£t o n As s o crat io n pro 1911 gibt Rechenschaft - über die über vier Weltteile sich erstreckenden Bemühungen dieser größten jüdischen Organisation, den jüdischen Volksmassen neue Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen. Zu diesem Zwecke werden von ihr nicht nur Zahlreiche Schulen und Abendkurse zur . Ausbildung immer . neuer Scharen jüdischer Handwerker unterhalten, die I. C. A. sucht namentlichden Ackerbau'üüter' - den Juden zu verbreiten und durch Begründung jüdischer Kolonien den Auswanderern neue Zustuchtstätten. zu eröffnen. Aus dem umfangreichen Bericht lassen wir hier nachstehende Auszüge folgen: , . - Zn A r g e nt i n i e n . besitzt die I. E.. A. . gegenwärtig 569 000 Hektar.Land, auf.welchem sie bis setzt acht' Gruppen von jüdischen Ansiedelungen mit 2819 Bauern-, 800 Laudgrbeitersamilien und 20.038.. Seelen begründet hat. Nach zehnjährigem Stillstände nahm. im Jahre 1904 die Kolonisation Argentiniens einen neuen Aufschwung. Neue Ländereien, wurden erworben, aus denen die Kolonien San Antonio, Santa Zsabel, Baron'Hirsch, Bernasconi und im Berichts?? jähre die Kolonie Dora entstanden sind. Mit Ausnahme der letztgenannten,Ansiedelung,^ ..welche„nur" 3000 Hektar groß ist, sind die Kolonien Argentiniens alle'von gewaltigem Ilmfange. . So umfaßt. die .Kolonie Clara 175 000, Mosesville 117 000 Hektar und die, erst im/Jahre '1905 begründete. Kolonie. Baron Hirsch 110 000- Hektar. 'Die Bevölkerung dieser 'Ansiedelungen ist im Vergleich zu/ ihrer Ausdehnung verhältnismäßig geringfügig/ So-zahlt'Elära .4821^Dchsesville 4768 und Hirsch 1943 .Seelen. ^Das MßpMDAs der MpMersinWder Kolonien zu deren Umfang belveist,daß den KolpnislM HW größ^..Unteile. zugewiesemworden sind. "/Zn der Tat. betraget dchHnzelnen Anteile der Bauern 150 bis 230--HDektar..:.ustp• pärüber-ist ber einem solchen' -Bodenbesitz.i begt-eiflich,s wenn 'die'.'wirtschäD;che Läge der jüdischen Bauern in,3 Argeirtinien. eine gtradeM.^glänMgde ist. - Obgleich von 155.000 Hektar, diWin. Zähre- .1910' bestelltHvWen,rnur 72 060 Hektüreine Ernte erbrAtchahG>/mnd/öbwohl/Ii^odenertragnifsL/-ük MgentinseN in- - solge^trhditiynelle;-, eigentlich-.aus Räubbam ausgehender' Bearbeitung?...... ....-v sehr gering sind, haben doch die Kolonisten zusammen etwa 25 000 Tons Getreide geerntet und gegen 2100 Francs pro Familie allein aus dem Getreidebau erhalten. Für die Kolonien Mosesville und Mauricio mit ihren 45 700 Hektar umfassenden L u z e r n e s e ld e r n kommen noch die Einnahmen aus dem Anbau von Futtermitteln und dem umfangreichen Betrieb von Viehzucht hinzu. Daher ist ein großer Teil der Kolonisten in der Lage, bedeutende Ersparnisse zu machen und der I. C. A. alljährlich ziemlich hohe Beträge zurückzuzahlen. Diese Rückzahlungen, welche im . Jahre 1899 kaum 47 000 Francs betrugen, erreichten im Berichtsjahre eine Höhe von 1 511 844 Francs. Durch die überreichliche Versorgung ihrer Kolonisten mit Land hat.aber die I. C. A. ihren enormen Landbesitz bis auf etwa 100 000 Hektar an relativ wenige Kolonisten verteilt, so daß sie der Zukunft mit einiger Besorgnis entgegensieht. Daher sucht nunmehr die Gesellschaft zum Betrieb einer Jntensivwirtschast geeignete Elemente zunächst in Argentinien selbst anzusiedeln und sie mit weniger Land auszustatten. Der erste Versuch dazu ist im Berichtsjahre in der neuen Kolonie Dora gemacht worden, in der 63 Kolonisten mit je 30 Hektar Land installiert wurden. Andererseits hat sich aber die I. C. A. beizeiten nach einem n e u e n K ö l o n i s a t i o n s g e b i e t umgesehen, auf dem sie ihr kolonisatorisches Werk aus neuer Grundlage weiter führen könnte/Schon im Jahre 1904 wurde in der Provinz Rio Grando du Sud im B räsilie n die nur 5500 Hektar Land umfassende. Kolonie Philippson begründet. Die Anteile der Kolo- . nisten betrugen anfangs nur 25—30 Hektar, mußten'aber 1908 aus 50 bis 60 erhöht werden, von denen freilich zwei Drittel Urwald waren. Da die Kolonisten außerdem sechs bis acht Milchkühe erhielten, so können sie gegenwärtig vom Ertrage ihres Bodens leben und mit der Rückzahlung der Jnstallationskosten von etwa 20 000 Francs pro Familie beginnen.' Nunmehr wägte die I. C. A. in Brasilien einen / weiteren Schritt, erwarb in. genannter Provinz neue 92 000 Hektar, darunter 40 000 Hektar Wald, um? daselbst zunächst eine zweite Ko- ' fönte mit 80 Familien zu begründen. > / Mit weit größerem Erfolge als in Südamerika arbeitet unsere Gesellschaft in Nordamerika. In den V er ein i g t en St a aten wird das-Kolonisationswerk jedoch nicht von der I. C. A. direkt, sondern.von dieser durch/Vermittlung des „Hilfsvereins, für Landwirtschaft und Industrie" betrieben. Dieser Verein-begründet aber selbst keine neuen Kolonien, sondern unterstützt pur Juden, welche aus freien Stücken und auf. eigene Kosten und. Gefahr sich der Landwirtschaft gewidmet haben.' Zu diesem Behufe unterhält er eine' Anzahl Fachmänner) welche die in zahlreichen Provinzen der Vereinigten''Staaten zerstreut lebenden jüdischen Farmer auszusuchen und? sich ihsten durch ihre Kenntnisse und Erfahrungen nützlich zu machen 'haben. Nebst wichtigen' Ratschlägen erhalten aber die Farmer - unter geeigneten Käutelen für die 'Rückzahlung erhebliche Darlehen.' Im..Lause seiner 'Zwölfjährigen Tätigkeit hat'der Hilfsve?rein 4 641000 Mark an 1950 jüdische Farmer verliehen, usid- 1-18^000 Mark an Kapital und 858 000./Mark an Zinsen./.von ihnen zurückerhalten.. Gegen 3 000 000Mark Jtehen/noch'aus und--werden zweifellos. mit . cher. Zeit ln die>.Kässe-dH WbsDvereins zurückfli.eßen. - Die Zahl der ^jtldifHen Hatmer ln den'Äeririnigten Staaten beläuft sich auf.30.M0!