Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1912)
- Date
- 1912-10-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der Gemeinde scheidenden Lehrers Alexander-, der seinen großen Aufgabenkreis verläßt, um einen größeren als Direktor des neuen Seminars zu Peine zu übernehmen. Fast die ganze Gemeinde, einschl. der Jugend nahm an dem Feste teil. Ferner waren zu Ehren des Scheidenden Herr M. L i e b e n s e l d - Bochum, der Vorsitzende des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens, Herr Rechtsanwalt Dr. K atz e nft e i n - Cassel als Präsident der SinMoge'daselbst wie einige Nachbarkollegen und der Nachfolger des Herrn Alexander erschienen. Bot die Feier in dem Festessen, Theater und anschließendem Ball das bei änhnlichen Anlässen äußerlich gleiche Bild, so unterschied sie sich von diesen ganz wesentlich durch das Bild, das Herr Block von der 17 jährigen Tätigkeit des Scheidenden entwarf. Kaum war es zu verstehen, daß eine Einzelperson auf so mannigfaltigen Gebieten, in der Volksschule, als Lehrer der städtischen Fortbildungsschule, als Religionslehrer der höheren Schulen, wie als Prediger so Vorzügliches leisten und nicht nur die Liebe und Verehrung, Schätzung und Anerkennung der Gemeinde, sondern auch der städtischen und staatlichen Behörden finden konnte. Aber dmnit war der Umfang seiner Tätigkeit nicht erschöpft. Gleich Hervorragendes hatte er nach den Worten des Herrn Block und der übrigen Redner des Abends auch geleistet auf sozialem Gebiete, in der Förderung und persönlichen Unterstützung der wirtschaftlich Schwachen, in den mannigfachen, seitens der Gemeinde, der Stadt wie des Westfälischen Gemeindeverbandes ihm übertragenen Ehrenämtern, als Vorsitzender des „Westsälisch-Lippischen Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur", innerhalb der. Loge, an deren .Sitzungen er trotz der räumlichen Entfernung regelmäßig teilnahm, und in seiner Betätigung als Kollege. Sein Scheiden wird daher von allen Seiten tief bedauert und ihm iu seiner neuen Stellung mit neuen großen, bisher ungelösten Ausgaben gleiche Erfolge und Anerkennung gewünscht. Zur Erinnerung überreichte der Vorstand der Synagogengemeinde dem Scheidenden ein schönes Silbergeschenk und Herr Liebenfeld ein in warmen Worten der Anerkennung gehaltenes Schreiben des Ausschusses des Westfälischen Gemeindeverbandes. Wie bereits erwähnt, folgte dem Festessen eine bis ins einzelne wohlgelungene Ausführung „Ein Stündchen in der Schule", in der groß.und klein zeigte,, mit welcher Hingebung die Festlichkeit vorbereitet war. Eine ganz besondere Ueberraschung aber bot in vorgerückter Abendstunde der von befreundeten Damen des Alexanderschen Hauses mit reichem Humor und großem Geschick dargestellte Einzug des „Herrn Direktors^ - in Peine, der uns manche intime Seiten des „Herrn und der Frau Direktor", ihre Stellung zur „Äcode", zu „Gesellfchaften", — alias Kaffeekränzchen —, aber auch Zeigte, mit welchem Ernste beide ihre Pflichten aussaßten. Als gewissenhafter Berichterstatter muß ich noch hinzusügen, daß fast der Morgen graute, als die Letzten „Abjchied" nahmen. ££> Köln, 11. Oktober. Zum siebenten Male unterbreitet der hiesige Jugendverin ,-Gabriel Riesser" seinen Mitgliedern und Freunden den Jahresbericht. Aus demselben ist zu ersehen, daß der Verein in jeder Beziehung, eine zielbewußte Tätigkeit im Dienste des Judentums entfaltet. Er will seine Mitglieder vor allem zu überzeugungstreuen Juden erziehen, daneben verfolgt er aber noch den Zweck, sie zu tüchtigen Staatsbürgern heranzubilden. Der Verein weist in dem Bericht auf seine Vortrags- und D i s k u s si 0 n s a b end e, auf seine Fr eitag sab ende, aus seinen staatsbürgerlichen Kursus, seine Heimabende, seine geselligen Veranstaltungen sowie seine Wandergruppe hin, welch letztere sich in den Dienst der körperlichen Erziehung der Mitglieder gestellt hat. Für das nächste Jahr ist eine Turnriege geplant, ferner ein dramatischer Kursus, sowie ein musikalisches Kränzchen in Aussicht genommen, desgleichen sind zwei jüdische Geschichtskurse vorgesehen, sowie französische und englische Kurse. Der Verein hat Verträge mit den bedeutendsten Kölner Bühnen, abgeschlossen, wonach den Mitgliedern das -Besuchsrecht zu den Theatern zu ermäßigten Preisen zusteht. Im riächsteu Jahre^ sollen die Interessen der weiblichen Mitglieder durch einen besonders dafür eingesetzten Ausschuß eine ganz spezielle Würdigung erfahren. Der Verein ist im städtischen Ausschuß für Jugendpflege vertreten, im Vorstande des Gesamtverbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Sitz Berlin, und hat den Vorsitz des von ihm gegründeten Westdeutschen.Bezirksverbandes inne. ■ ssv München, 13. Oktober. Von unterrichteter Seite wird daraufthingewiesen, daß man sich um Erteilung der im einzelnen Falle mindestens 300 Mark jährlich betragenden Stipendien aus der'zum Andenken an den am 4. März 1894 verstorbenen Rabbiner Dr. Joses Perles in München begründeten Perles-Stiftung in München nicht hinreichend bewirbt. Nach der Satzung wird das dem Studienverein für Israeliten in München zur Verteilung unterstellte Stipendium solchen bayerischen Staatsangehörigen israelitischer Religion gewährt, welche durch hervorragende Leistungen sich bereits ausgezeichnet haben, eine bayerische Hochschule besuchen oder noch nicht länger als 3 Jahre eine solche verlassen haben, einen geregelten Studiengang eingehakten und dabei die vorgeschriebenen Prüfungen bestanden haben (der Abschluß der Studien ist kein Hindernis); bei Theologen (Studierenden oder solchen, welche dieses Studium bereits abgeschlosien haben) bildet der Besuch einer bayerischen Hochschule keine Bedingung. Obwohl die Bewerbungssrist für 1912 bereits abgelausen ist, können nachträgliche Gesuche, einzureichen bei Rabbiner Dr. C, Werner in. München, Herzog-Max-Straße, noch Berücksichtigung finden. Aber auch für kommende Jahre sei aus diese Stif-' tung hiermit jetzt schon hingewiesen. Mannheim, 10. Oktober. In einer gestern hier unter Vorsitz des Herrn Hermann Löb Stern abgehaltenen Versammlung des Badischen Landeskomitees der A. I. U., zu der eine große Anzahl Komitees teils persönlich erschienen waren (namentlich die sehr tätigen Komitees Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg, Mosbach), teils durch andere Komitees vertreten waren, wurde mit großer Einmütigkeit beschlossen, den Status quo ante 1905, das heißt '.vor Gründung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft,- wiederherzustellen und ausschließlich und direkt mit dem Zentralkomitee in Paris zu verkehren und auf die zudringlichen Briese des sogenannten Berliner Landeskomitees, dessen Verfahren scharf mißbilligt wurde, nicht zu antworten. — Aus Ludwigshafen a. Rh. kommt folgende Mitteilung: Das Bayerisch-Pfälzische Komitee hat sich einstimmig dem auch einstimmig gefaßten'vorgestrigen Beschluß des Badischen Landeskomitees angeschkossen, sich vom Berliner Landeskomitee losgefagt und die Beiträge nach Paris abgeführt. Von Motz und Jftrn. Am 7. d. M. fand hier die Eröffnung des ersten Mädchenklubs des Jüdischen Frauenbundes (Rosenthaler Straße 40—41) statt, der erwerbenden Frauen und Mädchen Gelegenheit zu Unterhaltung und Belehrung bieten soll. Kurse in Sprachen, Haushaltung, Nähen usw. sind vorgesehen, eine kleine Bibliothek steht den Besucherinnen zur Verfügung. Der minimale Mitgliedsbeitrag beträgt wöchentlich 10 Pf. — Die Wahl des Oberlehrers Professor Dr. Robert Burg, Friedenau, an der Auguste-Viktoria-Schule in Charlottenbrg zum Direktor des in der Entwicklung begriffenen IV. städtischen Lyzeums in Charlottenburg wurde bestätigt. — Die Meldung des in Kattowitz erscheinenden „Oberschlesischen Wanderer", die Negierung habe sämtliche in den oberschlesischen Gruben beschäftigten ausländischen jüdischen Arbeiter ausgewiesen, ist, wie uns mitgeteilt wird, unrichtig. Der Minister des Innern hatte gegen die Zulassung jüdischer Arbeiter Bedenken geäußert, hat aber widerruflich deren Beschäftigung gestattet. In der Hauptsache ist diese Sinnesänderung durch Petitionen der Grubenbesitzer herbeigesührt worden, welche mit den jüdischen Arbeitern überaus zufrieden sind und dieselben nur sehr ungern entlassen würden. — Der Rat der Residenzstadt Dresden hat den Stadtverordneten eine Vorlage unterbreitet, nach der für das Schächten eine erhöhte Gebühr erhoben werden soll und nach der die Fleischer, die geschachtetes Fleisch zum Verkaufe bringen,-verpflichtet werden sollen, dies durch Anschlägen in den Läden bekanntzumachen. — Am Polytechnikum zu Cöthen in Anhalt habilitierte sich Prof. Dr. Otto Landsberg, Direktor des statistischen Amts der Stadt Magdeburg. — Am 1. Oktober waren 25 Jahre verflossen, seit Herr Kantor und'Religionslehrer S. Rotschild sein Amt bei der Duisburger Gemeinde angetreten hat.^ DieGemeinde beging die Feier des Jubiläums am Schemini azereth im Anschluß an den Gottesdienst. — Der Magistrat Schweinsurt hat beschlossen, der Kultusgemeinde Schweinfurt einen jährlichen Zuschuß zu den Kosten der Religionsschule beizusteuern sowie auch den Religionslehrer, Herrn Adler, in die städtische Pensionsanftalt aüszunehmen. — Herr Josef Baum in Wiesbaden, Präsident der' Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-' Erholungsheime, erhielt den bayerischen.Verdienstorden vom heiligen