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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-09 · Heft 32 (9.8.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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GM ein Kranz, den Herr prakt. Arzt Dr. M e y e r namens der Vereinigung das liberale - Judentum unmittelbar vor - Beginn des 'Festaktes niederlegte. .Nachdem um die -Grabstätte des'•Entschlafenen die Versammelten Aufstellung : genommenhatten, Und ein- Gebet gesprochen worden war, nahm Herr Rabbiner Dr.-Wien er das Wort' zur Ansprache an die Versammelten, die sich zusammengefunden hätten, um Pas Andenken eines Mannes-zu ehren, den die Gemeinde so lieb gewonnen hätte, weil er ihr-ganz gehörte und ungeteilt gehören, chollie,-,Jeder Mensch, von scharfer Prägung besitze im Gefüge seines Charakters Züge, die. gewissermaßen den Schlüssel zu seinem Leben bedeuten. Heinemann Vogelstein sei ein solcher Mensch gewesen, seine Charaktereigenschaften seien freudiger Glaube an das Leben und aufrichtiger Wahrheitsmut gewesen. Freudiger Glaube auch an die Menschen. Redner feierte die prachtvolle Humanität und die Wahrheitsliebe des, Entschlafenen, den auch die positive Wahrheitsliebe beseelt habe. Er habe sich im Herzen der Gemeinde ein Denkmal, gesetzt, dessen äußerer schwacher Ausdruck dieser Stein sei. Heinemann Vogelstein wird sortleben in dieser Gemeinde und in der ganze deutschen Judenschaft durch fein Leben und durch sein fortzeugendes Werk; „denn die,Weifen, sie werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit hingeführt, wie die Sterne." Nunmehr trat der Sohn des Verstorbenen, Nabdiner Dr.'. Vogelstein in Königsberg, an das Grab heran, um im Namen der Familie tiefempfundenen Dank für die Errichtung des Gedenksteins abzustatten, der, wie sie wüßten, nicht bloß die Erfüllung einer äußeren Form sei, sondern der Ausdruck wirklicher Liebe. Er erneuerte namens der Seinen, diesmal auch für die damals abwesenden Enkelkinder des Verstorbenendas Gelöbnis, das er im Vorjahre am offenen Grabe abgelegt hat:!Des Entschlafenen Werk in seinem Sinne fortzuführen. - — Leipzig, 1. August.. Unter großer Beteiligung fand am 25. v. M. die Beisetzungsfeier, für den /in Bad. ^Oeynhausen verstorbenen Rittmeister a. D. Generalkonsul Georg Schrei b e r aus dem Friedhofe in der Berliner Straße statt. Unter dem Trauer- ' gefolge sah man Oberbürgermeister Dr. .D ittrich, Bürgermeister Dr. Weber, .Stadtverordnete und .Vertreter, der Leipziger - Bank- und Handelswelt, Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde, vom Landwehrbezirk I und II 3 Offiziere, vom Militäxv.erein „Deutsche Kavallerie", dessen Ehrenmitglied, der Verstorbene war/ eine Fähnendeputation und eine Anzahl Mitglieder.. Nach einleitendem Gesanghielt Rabbiner Dr. Porges unter Zugrundelegung. des Bibelwortes: „Dahin ist die Wonne unseres Herzens, gefallen die Krone unseres Hauptes", die Gedächtnisrede, in der er mit tiefempfundenen Worten das Lebensbild des Verklärten zeichnete. Fabrikbesitzer. M a g wu s rief -namens der Gemeinde Worte ehrenden Gedenkens , nach.. Die Gemeinde beklage tief und aufrichtig den Verlust dieses edlen. Mannes, in dem nun schon der dritte stellvertretende Vorsteher in kurzer Zeit dahingeschieden sei. Sie sage ihm Dank für die vornehme Gesinnung, mit der er sein Amt versehen habe. Von Beamten der. Gemeinde wurde sodann der Sarg hinausgetragen und in dem Erbbegräbnis der Familie beigesetzt. Am Grabe sprach der Vorsitzende des Militärvereins „Deutsche Kavallerie", Albrecht, der im Namen des Offizierkorps und des Vereins einen Kranz am Sarge niederlegte. Damit war die Trauerfeier beendet. — Armaberg, Erzgeb., 1. August. Bei der letzten Anwesenheit des Königs Friedrich August in unserer Stadt fand eine Begrüßung de.s Königs durch die Behörden statt. Der Prediger der hiesigen Gemeinde, Herr Rektor Sa p h r a, welcher sich den geist- - lichen Kollegen der beiden anderen Konfessionen angeschlossen hatte, wurde vom. König huldvoll empfangen und in ein auffallend langes Gespräch gezogen. Der König erkundigte sich in eingehender Weise über Gemeindeverhältnisse und schied mit einem freundlichen Händedruck. ' . Rußland. z. Warschau, 2. August. Die Losreißung des Chelmer Gebietes von Polen hat die Juden dieses Gebietes in eine womöglich noch schlechtere Situation gebracht als die bisherige. Während sie bis jetzt stets mit den Polen gingen und. sich auch sehr stark polonisiert hatten,, wissen sie jetzt nicht recht, was zu tun, um in Frieden leben -zu können. Schon erließ die offiziöse' „Chelmskaja Rußj" an die Juden und Deutschen des Chelmer Gebietes eineMahnung, in? welcher/die -Behauptung ausgestellt wird,' daß die Juden der Entwicklung dieses Landes hinderlich' seien, und die Forderung aufgestellt, daß die Juden, falls sie nicht haben wollen, daß sie als die 'Femdst' Rützlstsibs' angesehen-.-werden,: aufhören, polnisch zu^.sprechen. ' Die Juden hätten die Aufgabe, in den Dörfern.die Rüssisizierung zü besorgen. Sollten sie dies nicht tun, so würden sie als die gefährlichen Verbreiter des Polentums sich .die Konsequenzen selbst zuzuschreiben Hallen. Es braucht nicht erst besonders betont zu werden, daß zur selben Zeit die polnisch-nationalen Blätter den Juden bereits den Vorwurf machen, -daß -sie im Chelmer Gebiet sich als die Propagatoren der russischen Sprache betätigen und sich wie unverläßliche Fahnenflüchtige benehmen. .Es ist daher kein Wunder, daß die Auswanderung -der Juden aus dem Chelmer Gebiete täglich zunimmt, da sie es satt haben, zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben zu werden. — Vor einigen Tagen starb im Alter von 86 Jahren.der Vorsteher der jüdischen-Gemeinde in Petrikau, Max Hirsch. Als junger Mann machten aus ihn die - heldenmütigen Freiheitskämpfe der Buren einen so mächtigen Eindruck, daß er seine Heimat verließ und nach Transvaal ging,- um in die. Burenarmee einzutreten. Hier zeichnete sich Hirsch in verschiedenen Kämpfen der Buren durch seine.. Tapferkeit und Heldenmut aus und trug auch vielfach schwere Verwundungen davon. Als Dank für seine heldenmütigen militärischen Leistungen wurde er in den Rang eines Obersten erhoben. Hirsch kehrte vor einigen Jahren wieder in-seine Heimat zurück, um feinest Lebensabend im Kreise seiner Verwandten zu vollenden: In Petrikau genoß der jüdische Burenoberst bei der Gesamtbevölkerung großes Ansehen, und die Sympathien für den' Verstorbenen kamen denn auch in der Beteiligung sowohl der jüdischen als auch der nichtjüdischen Bevölkerungsschichten an dem Leichenbegängnis, zum Ausdruck. —. In Livland starb vor einigen Tagen plötzlich der jüdische. Kaufmann Jsaac F r e i m a n n. Der Verstorbene war russisches. Offizier im Ruhestande. In den siebziger Jahren diente er'in de^^ russischen Armee und hat sich so verdient gemacht, .daß er' vom gemeinen Soldaten bis zu allen russischen Juden zugänglichen Chargen, emporstieg und dann schließlich für seine-besondere Tapferkeit und' Tüchtigkeit ausnahmsweise zum Offizier befördert -wurde. Mit diesem Titel quittierte er dann den Militärdienst und hatte, was in, Rußland sicherlich-eine Seltenheit ist, bis an sein Lebensende alle Rechte eines OffiZrers der russischen Armee. . v * z. Lodz, 1. August. Unter reger Beteiligung seiner Mitglieder'. fand hier. - vor kurzem die Generalversämmlung des^ V er eins zur Unter stütz un g jüdischer M i tt els ch ul e n! statt. Herr Dr.- M. Braude erösfnete die Versammlung mit einer-Rede,, in welcher er auf die Notwendigkeit jüdischer Mittelschulen hinwies,; in welchem die Kinder eine Erziehung in jüdisch-traditionellem 'Geist' erhalten könnten. Darauf wurde Herr Dr.. Bryude zum Vorsitzenden^ der .Versammlunggewählt, der zu'Bei sitzenden die Herren Henryk Hirschberg und Uryfohn und zum Schriftführer Herrn Artur- Gold statt-berief. Es wurde beschlossen, das jüdische Gymnasium, ' zu dessen Eröffnung Herr Dr. Rabinowitsch die Konzession er-' halten, unter das Patronat des Vereins zu nehmen. -In diesem^ Jahre sollen von den acht Klassen, welche das Programm dieser Lehranstalt umfaßt, nur-die.beiden Vorbereitungsklassen sowie die erste und zweite eröffnet werden. Das Aüsgabenbudget des Gymnasiums für das Lehrjahr 1912/13 wird mit 24 960 Rubel veranschlagt, die Einnahme mit 20 640 Rubel. Die Versammlung bevollmächtigt die Verwaltung, das an der Magistrackastraße 5 gelegene Gebäude als Schullokal zu mieten und dem Organisationskomitee alle gehabten Ausgaben zurückzuerstatten. , Der Verein zählt 300 Mitglieder, von denen jedes 3.00 Rubel deklariert hat. .Eingezahlt wurden bisjetzt 12 750 Rubel. Nach lebhaften Debatten wird beschlössest daß Kinder von Mitgliedern, von der Zahlung der 100 Rubel Einschreibegebühr befreit fein sollen. Es werden noch, die Anträge des Herrn Ad. B. Rosenthal, betreffend die Gründung einer Finanzkommission, und des Herrn Dr. Braude um Nachsuchung einer neuen Konzession zu einem Gymnasium angenommen. Herr Dr. Braude wird alsdann zum Ehrenmitglied, des Vereins erwählt und dem Organisationskomitee der Dank des. Vereins für erfolgreiche Tätigkeit ausgesprochen. - Von Oah und jfrru. / — Prosesior Max Reinhar dt, Direktor . des Deutschen' Theaters und der Kammerspiele in Berlin, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernant worden. — Dem Geheimen Regierungsrat Professor Proskauew - Berlin, Direktor des städtischen Untersuchüngsämts für hygienische und gewerbliche Zwecke, ist das Ritterkreuz des säch-. -E

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