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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-07-19 · Heft 29 (19.7.1912) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
Seite 346 (sequence 10)
Language
German
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denen die neue Ausgabe gestaltet iffcy Die Abhandlung Walzels in ihren Hauptteilen ist . eine geistreiche, aber .-nicht leicht verständliche Abhandlung, deren Besprechung freilich mehr in ein literarhistorisches Blatt als in das, unserige gehört.- Die : fleißigen Anmerkungen Frankels verzeichnen die ersten Drucke, die'. Veränderungen der späteren Ausgaben, weisen auf Handschriften sowie auf die Quellen hin und geben manches zur Erklärung Nötige. L. G. ' # — Die schönsten Sp-rüche au-s Rück er ts : W e isheit des Brahmanen. Herausgegeben von Arthur Altschul. Dresden.. In Kommission bei Alexander Kühler, 1911. Diese von einem Juden herausgegebene Auswahl, ist hocherfreulich, denn die vollständige, sehr 'umfangreiche Uebersetzung erfreut sich jetzt keiner großen Popularität mehr. Der neue Herausgeber hat maüches m jener Rückertschen Fassung, wie es scheint, recht glücklich geändert. Es steckt in diesen Versen so viel Weisheit, so viel .fromme Innigkeit, das; jeder, wes Glaubens erauch sei',- sie lesen und beherzigen kann. Auch 'ein gläubiger Jude kann viele Verse nachsprechen, wie etwa den folgenden: . Die Sonne, die das Licht zu sehen dir gespendet, Siehst du ihr Angesicht, bist du davon geblendet; lind so im Men-schengeist erlisch, was in ihm denkt, Wenn er sein Denken dreist im höchsten Geist versenkt, Mußt du. die Sonne sehen? Sieh Fluren sonnerhellt; Und willst du Gott sehen, sieh die gotterfüllte Welt. Der Sonne echte Kraft siehst du im Schmelz der Flur, ' Und Gott, den du nicht siehst, in seinen Werken nur. L. G. ■* — Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen I u d e n. Herausgegeben von Dr. Eugen Täuble t. 3. Jahrgang.. 1. Heft. Leipzig, Buchhandlung von Gustav Fock, G. m. b. H. 1911. Das neue Heft der rüstig fortschreitenden wichtigen Zeitschrift gibt die Akteninventare der Synagogengemeinden zu Beverungen, Bielefeld, Burgsteinfurt, Soest und wichtige Anlagen zu dem letzten Verzeichnis, nämlich über den Aufbau der Gemeinde nach , ihrem Mitgliederbestände, die Organisation der Gemeinde vor der Erlangung der Körperschafts- ' rechte, die Bestrebungen um Erlangung der Körperschaftsrechte. Sehr ausführlich ist der am Schluß stehende Bericht über die Tätigkeit des Gesamtarchivs der deutschen Juden. Sehr merkwürdig ist die folgende Notiz aus Bielefeld: Der Landrabbiner für das Herzogtum Westfalen, I. Friedländer in Brilon, erließ ein Publikandum, das von dem Obervorsteher L. L. Hellwitz in Soest dem Vorstande-der Gemeinde Bielefeld mitgeteilt wurde,, „um ihnen einen Beweis zu geben, wie sehr mir das Wohl meiner Glaubensgenossen am. Herzen liegt". Dieses Publikandum vom 18. März 1833 enthält die Abschaffung des zweiten Feiertags. Man weis; freilich, daß die Bemühungen der beiden wackeren Männer nur geringen Erfolg hatten, aber man bedenke, wir schreiben jetzt 1912 und haben noch nicht den Mut gesunden, das zu tun, was zwei einzelne freisinnige Männer, vor fast 80 Jahren planten und verfügten. L. G. *• — Sophie Schwerin. Ein Lebensbild von Amalie v. Nomberg. Bd. I. 1909. Bd. II. 1911. Verlag von Fritz Eckardt, Leipzig. Ein Frauenbuch im besten-Sinne, dessen Lektüre einen Gewinn für Geist und Gemüt bedeutet, das aber kaum von der deutschen Frauenwelt jüdischen Glaubens beachtet werden dürfte, liegt vor mir. Die Sphäre, in der sich das lange, liebe- und segensreiche Leben der Gräfin Sophie Schwerin, einer Aristokratin in der schönsten Bedeutung, des Wortes, abgespielt hat, scheint kaum Berührungspunkte mit Juden und Judentum zu kennen. Und siehe da! Gegen den Schluß des ausgezeichneten Buches, in den letzten Lebenstagen der Frau, begegne, ich dem Namen „Dr. Veit". Gräfin Sophie Schwerin ist am 27. Januar 18.63 von dieser Erde geschieden. „Ter uns so unermüdlich treu zur Seite stehende Dr. Veit"— wie Frau v. Nomlerg in ihren Aufzeichnungen: über die Krankheit und den Tod jlzrer Schwester von deren Hausarzt schreibt, hat die Gräfin Sophie Schwerin nur ein Jahr überlebt.^' Breslau. Regina Neißer. — Luthers Stellung zu den Juden. Ein Beitrag zur Geschichteder Juden in Deutschland während des Reformationszeit- > ters von Dr. Reinhold Le-win. Berlin, TrowitzschL Sohn, 1911. Dieersten Kapitel des Buches sind schoni früher besprochen/ da : sie als Breslauer Dissertation - erschienen. < In dein vorliegenden Druck sind die Hauptkapitel,.die in jener Dissertation fehlten, nachgetragen, nämlich Kapitel 5 bis; 8, die folgende Gegenstände behandeln: Luthers Verhältnis zur jüdischen Schristauslegung. Josel von Rosheim 1537. Der Brief wider die Sabbater 1538. Von den Juden und ihren Lügen. Vom Schem Hamphoras 1543. Die Wirkung der beiden Schriften. Von den letzten Worten Äavids 1543. Die Vermahnung wider die Juden 1546. Der Verfasser gibt eine überaus sorgfältige, gewissenhaft aus den Quellen geschöpfte.Zusammenstellung. Er enthält sich womöglich jedes eigenen Urteils, und höchstens der Schlußsatz seiner Schrift gibt seine Anschauung wieder. Dieser Satz S. 110 lauiet so : „Die Saat des Judenhasses, die er darin ausstreut, schießt zwar zu seinen Lebzeiten nur verkümmert empor. .Sie geht aber darum nicht spurlos verloren, sondern wirkt noch lange durch die Jahrhunderte fort; wer immer aus irgendwelchen Motiven gegen die Juden schreibt, glaubt das Recht zu besitzen, triumphierend auf Luther zu verweisen." Man muß dem Verfasser für seine sehr fleißige, vollständige Zu-. sammenstellung, die mm so rühmlicher ist, weil sie von einem Juden . herrührt, dem es gewiß sehr schwer wurde, gehässige Anklagen unerwidert zu lassen, für seine mühevolle Arbeit Dank sagen. . L. G. — El kan ah ben A a x. o n. ' Die moralische Weltordnung und: das Gesetz der Menschengeschicke. Erster Teil. . Zweites Buch. Drittes Buch. Leipzig, Kommissionsverlag von Otto Wigand m. b. H. 1912. Eines jener gutgemeinten Bücher, von humanen Gesinnungen erfüllt, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß das Christentum, oder richtigerdessen Vertreter, bei allem Segen, den sie gestiftet, auch viel Unheil gesät und geerntet haben. Das Buch möchte zwischen Wissen und Glauben vermitteln, neben allem Pessimismus, den er verkündet, doch dem Optimismus zum Sieger verhelfen. Zum Beispiel in dem Satz: „Weil die Leibesder Geistes- und die Geistesder Seelenkrast unterworfen ist, muß in dem Lebenskämpfe, der; Menschen miteinander schließlich immer über die physische Kraft dje intellektuelle und über die intellektuelle wiederum die. moralische Kraft den Sieg davontragen."' In dem Buch wird sehr häufig auch der Juden gedacht, z. B. in dem Satz: „Wahrhaft rührend ist unterall den verschiedenen Glaubensansichten nur das kindliche Gottvertrauen der Juden, d. h. desjenigen Volkes, das, obgleich es unterallen andern Völkern der Erde am meisten unter der furchtbaren ' Ungerechtigkeit leidet, dennoch seinen Eauben an die göttliche Allgüte' und Allgerechtigkeit nicht verloren hat und sich übex ihr nimmer endendes unsägliches Leid mit der schönen Sage tröstet, daß alle Tränen, die die Juden vergießen, in eine vor dem Gottesthron, ausgestellte Schale fallen, und wenn diese Leidensschale voll fei, , endlich auch dann die Zeit ihrer Erlösung gekommen fein wird.". D a^ Judentum freilich, an das der Verfasser denkt, ist nicht das im Laufe' i der Jahrtausende emporgekommene, sondern der reine Mosaismus: Sehr stark polemisiert der Versafier an anderen Stellen-gegen die Art der Behandlung der Juden in den sog. christlichen Staaten,, auch? hier..mag die-Anführung einer Stelle genügen: „Tatsache istes aber jedenfalls, daß die. Tortur der jetzigen jüdischen Märtyrer, unter der Willkürherrschaft christlicher Nächstenliebe, wenn auch weniger.' blutig, doch zweifellos eine noch weil raffiniert grausamere als die' der einstigen christlichen Märtyrer unter der Schreckensherrschaft'' heidnischer Selbstsucht ist. Schon deshalb, weil eine kurze physische' r Todesweit leichter als eine-endlose moralische Lebensq'üali- 'zu - ep-n.' tragen ist." Man mag aus solchen Proben erkennen, daß das Werk.: manche Wahrheiten enthält. Nur leider.ist das Werk so unklar und; Zusammenhanglos — es fehlt jede Einteilrmg, es läßt so sehr-strenge- Methode vermissen—, daß.man bei aller Uebereinstimmung im einzelnen zu einer rückhaltlosen Enrpsehlung des Ganzen nicht-.geneigt sein kaum L. G. - — Bibliothek der Aufklärung: Die Naturgeschichte der Relig ion von David- Hum e. Uebersetzt und mit einem Abriß über die Geschichte des Deismus in England eingeleitet von AlphoNs I. Sußnitzki. Frankfurt a. M. Ich kann natürlich nicht die gesamte literarische Tätigkeit meiner - HerrenMitarbeiter erwähnen, - namentlich nicht in dem Falle, daß

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