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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-06-14 · Heft 24 (14.6.1912) · p. Seite 278

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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Palästina. Dann die Organisierung und Förderung-von-Hilfsaktionen im, Falle des Bedürfnisses. Es muß eine Stelle Vorhänden sein,.wo die jüdische Masse nicht nur Objekt des Hilfswerks ist, sondern auch Subjekt, wo sie sagen kann, wie ihr geholfen werden soll., Weitere Punkte des . Programms sind die Förderung der jüdischen Literatur in echt jüdischem Geist,, die Vertretung der 'thoratreuen jüdischen Gesamtheit nach außen und. Abwehr aller: Angriffe gegen die: Thora -und ihre Bekenner. Auch alle diese Probleme, sind Welt Probleme, dieeine Weltorganisation erfordern. Diese soll volkstümlich beschaffen sein. Jeder Mann in der Masse soll wissen, daß seine Stimme zur Geltung kommen, kann; jeder muß das Gefühl haben, daß er. ein Bestandteil des. Ganzen ist. , Die Organisation muß aber getragen sein von dem jüdischen Gesetz. Die Vertreter der Thora müssen. Gelegenheit haben, jederzeit ihre Meinungen über alle Unternehmungen" maßgebend auszusprechen. Die einzelnen Landesorganisationen sollen ihrerseits, dafür sorgen,, daß den Bedürfnissen der: einzelnen Länder Rechnung getragen wird. Vier Strömungen sind in der jüdischen Gesamtheit zu unterscheiden. In Rußland lebt die Mehrzahl der Judenheit, genährt und durchtränkt von Thorageist. Dort, wie in Galizien und Ungarn, gedeiht das Thoralernen. Mit ihnen im Zusammenhang steht die große Masse der über das Meer Gewanderten, die den Zusammenhang mit ihren bisherigen Genossen nicht verlieren dürfen. Wir haben ferner den Chassidismus, jene Strömung, die mit besonderer Kraft durch die Wärme des Gefühls und die Tiefe der Weltanschauung uns noch vieles zu . geben hat. Wir haben ferner im Westen, in Deutschland und Ungarn die Leute, die im Kampfe mit Andersdenkenden gewöhnt sind, ihre Ueberzeugung einheitlich zu vertreten. Wir haben endlich dort Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit der westeuropäischen Kultur. Diese Strömungen-sollen sich aus dem Boden der Agudath Jisroel zu einer großen Einheitlichkeit ergänzen. Referent gab einige Winke für die Generaldiskussion und schloß unter stürmischem Beifall, indem er aussührte: Unser Werk ist von erdrückender Größe. Wir wollen es aber beginnen, wie auch immer das Ergebnis sein möge, ob wir viel oder wenig erreichen. Wir schauen ruhig in die Zukunft, denn wir gründen keinen Verein neben anderen; wir wollen alle zersplitterten Kräfte zusammensassen und wollen tun, wozu der Geisi der Thora uns zwingt. ■ Es gelangte eine große Anzahl von Begrüß-ungsdepeschen zur Verlesung, die sowohl von Gefamiorganisationen, wie von Einzelpersonen aus auen Teilen der'Welt angelangt sind. Rabb. S ch n u r - Tharnow sprach im Sinne der galizischen Rabbiner und zahlreicher Einzelpersonen feine Zustimmung zur Gründung der Vereinigung aus. Tr. S ch a e ch r e r - Budapest wünscht, daß in seinem Lande nur Mitglieder ausgenommen werden tonnen, die sich nicht von oer an vem Orte oesteyenden orthodoxen Gemeinde sernhauen, damit nicht Leute eindringen, die nicht in die Vereinigung passen. Ravb. Oip schütz-Kalif ch wünschte, daß die Aguoath Jisroel jede Angrsiffspoluit vermeide. Die uns Fernstehenden zu gewinnen, aoer nicht auszufchließen, ijt unsere Ausgabe. Herr Jacob vc os en h ei m- Franksurr a. M. erklärteres scheine, man' betrachtet die Agudath Jlfroet als eine jtnmpsorganisar:on. Das rst nicht der Fall. Wir wollen bauen. Das ist unsere vornehmste Ausgabe. Wir »vollen handeln. Bisher hat man uns vorgeworfen, wir kritisieren zuviel und tun zuwenig. Kritik ist notwendig, und wir haben nichts dagegen, wenn jeder seine Ueberzeugung aussprrcht. Die Hauptsache aber ist positive Arbeit. (Stürmischer Befall.) Arbeit, nicht nur für die Gegenwart, sondern für alle Geschlechter. Auch die Kinder derer, die heute noch nicht zu uns gehören, werden noch, kommen. Wir arbeiten nicht für irgendeine Ruance im Judentum, sondern gerade weil wir für die Thora arbeiten, für a l l e Juden, aus Erden. Kämpfen werden wir. nur, wenn wir kämpfen müssen, wenn wir von anderen dazu gezwungen werden. (Stürmischer Beifall.); Rabb..D e i ch e s-Leeds erklärte namens der englischen'orthodoxen Juden die Bereitschaft an der Mitarbeit. Rabb. Rottenberg -Wadowice sprach gegen die Heranziehung der Kultursrage. Dadurch würde, der größte Teil der galizischen Juden abgestoßen. (Heftiger. Widerspruch.) Rosenheim fand es natürlich, daß. die Brldungsfrage besprochen wird.. Es handelt, sich nicht darum, das westliche Bildungsideal nach Osten zu tragen. Aber die bedeutenden Männer sin Osten, der Brisker Räw, der Wilner Raw und andere große Männer aus Rußland, die. die Grundlage' zur Agudath . Jisroel gelegt' haben, - wissen, in welcher Weise die Erziehungsfrage zu lösen ist. Diesen Männern,' nicht, uns, solle man Vertrauen schenken. -- ' . Dr. Fr ei.ma nn-Holleschau begrüßte die Agudath Jisroel.. S ch n u r.- Tarnow verteidigte energisch seinem Standpunkts'Thora mit Derech Erez zu vereinigen. '? - .' Rabb. F ü r.st - Wien vertrat Len ungarischen Standpunkts '' Rabb. H i l.l m a n'n - Glasgow betonte, es .sei. nötig, daß in England die Vereinigung', stärk arbeite. Die Vereinigung muß aber so" beschaffen sein, daß alle' Gelegenheit haben, zur Vereinigung zu kommen.. ..- . Moses S chm e l k es - Krakau gab für eine Anzahl galizischer Herren die Erklärung ab, es handle sich ausschließlich' darum, die alten jüdischen Ideale in ihrer Reinheit zu erhalten. (Hieraus tritt eine Mittagspause, ein.) Na chm ittagssitzu n g. Dr. K o h n - Ansbach: Die Herren aus dem Osten werden die Ueberzeugung, gewonnen haben, daß. auch . in. Deutschland Thora vor- . Händen ist. Man muß die Organisation nach den Bedürfnissen der einzelnen Länder einrichten. Die Thoralehrer müssen berufen sein, auf die Vereinigung Einfluß zu haben. Rabb. R e i ch-Baden sprach, über die österreichischen.Verhältnisse und erwartet für die dortigen Juden Großes, von der Agudath. Jisroel. . Rabb. G r au b art H.-Bendzin: Unsere Agudath Jisroel kann der Anfang der Geula sein; nötig aber ist es, daß wir auch für die Masse jetzt Arbeit schaffen. ' Rabb. Dr. K a-a tz - Zabrze: Wir müssen positiv arbeiten und diejenigen heranziehen, die noch fern stehen, statt daß wir sie bekänrpfen. Rabinowi t s ch - Pultawa bedauerte, daß die deutschen Reden nicht im Jargon übersetzt wurden und verlangt ein Resultat der Versammlung. G r oß b er g.-Lodz: Man muß den jüdischen Arbeitern in Polen Arbeit verschaffen. Er dankt der Agudath für ihre Absicht. R o s e n h e i m erklärte nochmals, daß der Agudath Jisroel keine. Kampsorganifation sein soll. Der Vorredner habe gesagt, es seien -keine Resultate zu erwarten. Das ist nicht der Fall. Für die Praktischen Arbeiten ist alles vorbereitet. Eine Resolution wird sofort vorgelegt werden. Der Statutenentwurs ist in seinen Grundzügen fertig. Er wird , einer Kommission überwiesen werden, die weiter beraten soll. Ebenso sind Kommissionen zu gründen für Propaganda und die geplanten praktischen Arbeiten. Ein spezielles Projekt, um jüdischen Arbeitern, die den Sabbat halten wollen, Arbeit zu verschaffen, ist in Angriff genommen. Der Vorsitzende unserer Komitees hat dafür 25 000 Mark zur Verfügung gestellt. Auch für diese Arbeiten soll eine Kommission zusammengestellt werden. (Großer Beifall.) Heute wird nur der Grundstein gelegt. Der eigentliche Bau wird erst aus der Hauptversammlung begründet werden. Dr. S ch e r h e y - Riga ermahnte, alle Kräfte an die Gründungder Agudath zu setzen. Rabb. Reich- Ban wendete sich gegen die Ausführungen der ungarischen Herren. Dr. Franck - Altona widersprach der Behauptung, die. Zionisten wollten die Gründung hintertreiben. Er begrüßte im Gegenteil die Begründung und hätte niemals daran gedacht, das zionistische Pro- , blem in die Debatte zu werfen. Das fei von anderer Seite^geschehen. Rabb. Hc> rwitz - Dwinsk sagte Dank für die Grundsteinlegung der Agudath. , . . Hierausverlas der Vorsitzende die Resolution, die ins Hebräische übersetzt wurde. , 1 Gab e l verlangte anstatt thoratreu: orthodox zu setzen. Dr. Hofs mann wendete sich gegen Gabel. .Sowohl der Ausdruck orthodox, als auch der Vorschlag glaubenstreu, seien nicht richtig. Nicht der Glaube sei die Hauptsache im Judentum, sondern die Tat. Dr. Mo ll ev-Altona, der Vorsitzende der Möriah-Vereinigung. bezweifelte, ob die Agudath Jisroel in richtiger Weise sich auch der Palästinaarbeit widmen werde, und bat darüber um Auskunft.; Au erba ch - Hamburg polemisierte gegen Möller. ' - - -Rosenheim . Wir unterscheiden uns von der Moriah därM daß.wir die Palästinaangelelgenheiten nicht zur einzigen AnfgaU einer Gesamtorganisation machen wollen. Er teilte mit,, daß MH -'

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