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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-24 · Heft 21 (24.5.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 21 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 21 Berlin, 24. Mai 1912 Der Gemeindebate. Detlagr zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums". Lorrelpondm?m und Machrichtm. Deutschland. Berlin. 21. fflri. Der am 16. d. M. stattgehabte XIII. außerordentliche I s r a e l i t i s ch e G e m e i n d e t a g hat wiederum Symptome gezeigt, die nicht mit Unrecht .von verschiedenen Seiten als „höchst bedenklich" bezeichnet wurden. Einer unserer bedeutendsten jüdischen Männer der Gegenwart äußerte bei einer diesbezüglichen Besprechung: „Man muß unterscheiden zwischen Zionismus und Zionisten; der Zionismus offenbart sich in den verschiedensten Schattierungen, und ich kann begreifen, daß man sich für den Zionismus in einer Schattierung interessieren kann, wo es sich um die sittliche, geistige und wirtschaftliche Förderung unserer notleidenden Glaubensgenossen handelt; nicht aber begreife ich die Art des Zionismus, der von Leuten geführt wird, die ihre Hauptaufgabe in Politischen Atanisestationen erblicken, einen jungen Nachwuchs mit demagogischen Grundsätzen erziehen, die überall Protest erheben, wann, wie und wo es auch sei und die man als „jüdische Protestanten" bezeichnen könnte." Obwohl auf dem Deutsch-Israelitischen Gemeind'etage die Anhänger des D. I. G. B. des Sieges absolut sicher waren, hat man den besiegten Zionisten und Orthodoxen Konzessionen gemacht; wenn auch diejenigen, welche die Charakteristik der Zionisten seit Jahren studiert haben, vor 'einer solchen Konzession warnten, da sie im voraus wußten, daß die Zionisten doch nicht zufrieden und „Protestanten" bleiben würden, so wird für künftige Fälle dieses Symptom für die deutschen Juden von Bedeutung fein, da auf dem Gemeindetage die Gefahr der Zionisten (nicht des Zionismus) vor Augen geführt wurde. Die Zionisten wußten bereits bei ihrer Vorbesprechung im Burg-Hotel an: Mittwoch abend, daß von den angemeldeten 1070 Bundesgemeinden mindestens 835 für die Statutenänderung des D.J.G. B. auf Grund der Vorlage stimmen werden und Maximum 235 dagegen, selbst wenn die zweifelhaften Mandate der Minorität zugerechnet werden.. Trotz glänzender Agitation und Organisation hat es die Minorität aus noch nicht ein Viertel der Stimmen bringen können; ein Beweis, daß die kleinen Gemeinden die Bestrebungen ihres sogenannten Schutzkvmitees längst erkannt haben, und daß, wenn es sich um große und ernste Fragen handelt und wenn eine Aufklärung stattsindet, die vor dem 12. Gemeindetage leider gefehlt hatte, die jüdischen Gemeinden sich nicht zum Stimmvieh herabdrücken lassen. Die von den Führern der. Zionisten und Orthodoxen in der Vorbesprechung verfolgte Taktik war,-durch Gefchäftsordnungsdebatte, Proteste gegen die Wahl des Präsidiums und dip verlangte Prüfung der Mandate die Verhandlungen zu verzögern und die Majorität mürbe zu machen. Symptomatisch war, daß, wiewohl man in das Präsidium einen Orthodoxen (Hirsch-Hälberstadt) wählte, Protest gegen dessen Wahl.erhoben wurde, weil — nun weil derselbe sich nicht den zionistischen Forderungen angeschlossen hatte. Es war geradezu eine unglaubliche Herausforderung von der Opposition, obwohl sie wußte, daß eine große Anzahl ihrer Mandate nicht zu Recht bestand, der Versammlung zuzumuten, die betreffenden Mandatsinhäber. in den Saal einzulassen, bis die Prüfung der Mandate erledigt sei, die wahrscheinlich nie fertig geworden wäre. Würde die Leitung der Versammlung eine schneidigere gewesen sein, würde die Tagung wahrscheinlich eine andere Wendung genommen haben. Die Majorität wollte aber Spektakel vermeiden und wollte die Minorität, die stundenlang Obstruktion trieb; nicht in die Nolle der Besiegtendrücken. Obwohl die Majorität ihres Sieges sicher war, ging man — was von vielen Seiten bedauert wurde - - auf Friedensverhandlungen ein. Man machte der Mnorität eine Konzession, indem man freiwillig ihr eine Resolution gab, durch die zu erkennen gegeben werden soll, daß bei den Ausschußsitzungen tunlichst alle Richtungen berücksichtigt werden sollen- und man konzedierte der Minorität freiwillig eine Bestimmung, daß, wenn jemand als außerordentliches Mitglied fünf Jahresbeiträge zahlt, er berechtigt fein soll, eine Gemeinde auf dein Gemeindetage zu vertreten, und dergl. mehr. Wer aber geglaubt hat, daß nun Ruhe und Frieden Eintreten würde, der hat die Rechnung ohne — die Zionisten gemacht. Man hatte es als selbstredend, betrachtet, daß die in den Vormittagsverhandlungen von der Opposition eingelegten Proteste durch Annahme der in der Friedenskommission erledigten Bedingungen als erledigt betrachtet sein würden. Die gutgläubigen Mitglieder, die Friedenskommission — insofern sie der Majorität angehören — und selbst der Landtagsabgeordnete Wolff-Lissa hatten es übersehen, als'integrierenden Bestandteil der Friedensbedingungen hinzuzusügen: „Die eingelegten Proteste werden zurückgezogen", welche Bedingung die Minorität unbedingt akzeptiert hätte. Es war eine Handlung-gegen Trtzu und Glauben, daß die Minorität, nachdem die Statuten mit der vorerwähnten Abänderung angenommen waren, nunmehr die durch einen Fehler der Friedenskominission nicht erledigten Proteste ausnahm, um, wie sich sodann bei d'er Diskussion herausstellte, noch etwas herauszuholen. Bei dieser, selbst von einem Zionisten als „nicht anständig." bezeichneten Handlung haben sich die O r t h o d o x e n w e n i ger beteiligt, die Zionisten aber desto schärfer. Das Toben der Zionistenführer war ungeheuerlich. Und wie tiefen, mächtigen Eindruck auch dre geistvollen und kräftigen Worte des ergrauten Rabbiners Professor Dr. G u t t m a n n - Breslau ausdie Versammlung machten, der den Zionisten, eine gehörige Zurechtweisung und Absage erteilte, die mit tosendem Beifall der Majorität beantwortet wurde, die Zionisten erwiderten die kernige Rede mit Zischen und Gelächter! , Die Zionisten haben wiederum bewiesen,, daß sie den Frieden gar. nicht wollen, sondern daß sie weiterkämpsen wollen, daß sie die Leidenschaften entfachen, und daß mit ihnen nicht zu verhandeln ist. Das beweist auch der A lli a nz str e i t, den sie in ähnlicher Weise heraufbeschworen haben. Die neugegründeten Komitees in Nürnberg, Köln, Hannover, Stuttgart usw. und die Begründung des sogen. Landeskomitees sind ein Werk von Zionisten. , Die Männer, die an der Spitze des nunmehr von der Oberfläche verschwundenen Landeskomitees standen, haben selbst zügegeben, daß bekannte Vorgänge. (Strafanzeige und Zivilklage gegen die Beamten, Obstruktion gegen die Mitglieder der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft und dgl. mehr) ein Werk der zionistischen Beiräte sei, und man weiß, daß die Artikel in Politischen Tageszeitungen aus Zionistenkreifen herrühren.' In'diesem Kampfe schießen sie übers Ziel, und jede Agitätionsgelegenheit ist Mittel zum Zweck. Die Abneigung gegen die Zionisten hat sich durch den Deutsch- Israelitischen Gemeindetag verschärft und Hai sicher nicht zum Prestige des Zionismus beigetragen. Berlin, 21. Mai. Die Herren Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M., Justizrat Blau, Frankfurt a. M., Justizrat D z i a l o f z y n s k i, Berlin, Senator Fis ch e r, Linden-Hannover, Kommerzienrat G a l l i n g e r , Nürnberg, Stadtrat G i m k i e - wicz, Berlin, H. Gumperz, Hamburg- Justizrat Dr.. Held, Nürnberg, Professor K a l i f ch e r, Berlin- ■ Rabbiner Dr. Ko p s - st e i n, Beuthen, Geheimrat L a n d a w/ Berlin, Rechtsanwalt Lippmann, Hamburg, Philipp S ch i ff -^Frankfurt a. M., Professor Dr. Silbergleit, Berlin, Rabbiner Dr. Werner> München, Justizrat Wolfs, M. d. R., Lissa, sind am 15. d. M. zu einer Besprechung zusammengekommen und haben einstimmig beschlossen, die zwischen den bestehenden Vereinigungen der deutschen Mitglieder dew A. I. U. und dem C. C. in Paris vorhandenen Mißverständnisse zu beseitigen. Es ist nach Längerer.Beratung eine Kommission gewählt worden-welche den Weg hierzu feststellen soll. Berlin, 21. Mai. Anläßlich des 5. j ü d i s ch e.n T u r.n t a g e s veranstaltet die jüdische Turnerschast am Pfingstmontag, den 27. Mai, nachmittags 4 Uhr, ein großes jüdisches Sportfest auf dem Sportplatz des Bar Kochba in Schulzendorf (bei Tegel). Das Fest ist das erste in feiner Art und stellt die besten jüdischen Sportmannschaften' per ganzen Welt im friedlichen Wettkampf gegenüber. Im Mittelpunkt des Interesses steht ein Fußballmatch zwischen Berliner, Hamburger und Budapester jüdischen Turnerch- Aber auch alle anderen Sportarten sind erstklassig besetzt. Da der Sportplatz bequem mit der Stadtbahn (Stettiner Vorortbahnhof) zu erreichen und der Zutritt vollkommen frei ist, können wir nur zu einem Besuche des Sportfestes raten. .Der V. jüdische Turntag wird am Pfingstsonntag, den 26. Mai, vormittags 11% Uhr, eröffnet. Er findet statt im Marinehaus Brandenburger Ufer 1, und ist öffentlich. Der Eintritt ist jedermann gern gestattet.

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