Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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jüdische Organismus erschöpft und blutlos ist. Da haben wir alle, Symptome der ökonomischen und. physischen Degeneration: Man. kann sich leicht vorstellen, welcher Gesundheit diese 90 000 Menschen sich erfreuen, welche Kinder sie erzeuaen, und welchen Stamm sie abgeben! Es entsteht eine schmerzhafte und große Frage: Wovon und wie leben diese Menschen das ganze runde Jahr, wo es keine Mazzokommission gibt? Und die Antwort auf diese Frage ist deutlich und entsetzlich durch ihre Wahrheit: Sie leben nicht,sondern sie vegetieren in dunklen feuchten Erdgeschossen! Diese Bevölkerung lebt nicht, sondern hungert, bettelt und stirbt. Es ist wahrlich höchste Zeit, das etwas Rationelles geschieht, um dem ferneren Fortschreiten dieses Nebels abzuhelfen. Zunächst erwächst den jüdischen Gemeindevertretern die Pflicht, ernstlich über die zu ergreifenden Mittel zur Verminderung und Linderung des fürchterlichen Elends der Bevölkerung nachzudenken. Was man auch darüber sagen möge, aber das Statut der Gesellschaft zur Unterstützung der armen Juden ist breit genug, und kann als Arena für eine verschiedenartige und fruchtbare Wirksamkeit dienen. Bei einer zweckdienlichen Vereinigung und Organisation wird vieles erreichbar und möglich sein. Besonders aber muß es den jüdischen Neichen eingeschärft werden, über ihre Pflichten den Leidenden gegenüber nachzudenken. Aus dem Bericht der Mazzokommission ersehen wir, daß unsere Aerzte, Advokaten, Journalisten, die Zehntausende von Rubel jährlich verdienen, sich mit einer Gabe von 10—20 Rubel begnügt haben. Bei einer so ungeheuren Not sind derartige winzige Spenden beschämend und unschicklich. In den jüdischen Flecken würden derartige Spenden für „Mves-Chitim" (Unterstützung für Mazzo) ganz einfach nicht angenommen. werden." Wenn man den Bericht über diese überaus traurige Lage der einst blühenden jüdischen Gemeinde Rußlands Heft - und Odessa war eine der größten und wohltätigsten im unermeßlichen Zarenreiche —, so beschleicht es einen mit tiefer Wehmut ,und unwillkürlich denkt man an die jüngstvergangene Zeit, wo zu Pessach sich höchstens 6000 Arme an die Mazzokommission wandten! Und nun sind es n e u n z i g t a u s e n d! Schrecklich, wie die Lage dort sich in einer kurzen Spanne Zeit, seit den gräßlichen schwarzen Novembertagen des unseligen Jahres 1905 verändert hat! Die blutigen Ereignisse jener schrecklichen Katastrophe haben tiefe'Wunden, namentlich der jüdischen Bevölkerung Odessas geschlagen, die bis jetzt nicht bloß nicht vernarbt und geheilt sind, sondern im Gegenteil, wie man. sieht, vergrößert und verstärkt wurden. Das Elend der armen Juden — dieser Parias der Gesellschaft —, ist dort stabil geworden, und die dem Elend preisgege'benen Unglücklichen nagen, im vollen Sinne des Wortes, am Hungertuche! — AmerÄa. Z. New Port, 22, April. Auf dem amerikanischen R a b b i n e r - v e r b a n d s t a g e, der am 14. Ilpril in Baltinwre tagte, hielt der Präsident Dr. Schulmann-Nerv Dort die Eröffnungsrede und, gedachte dreier europäischer Juden, deren Hinscheiden einen Verlust für die Gesamtheit bedeute: des Dr. Hermann Adler-London, Dr. Heinemann Vogelstein-Stettin und Joseph Israels. Dr. Adler, .der verstorbene Chief-Rabbi, habe mit weiser Würde, Bildung und großer administrativer Befähigung die englische Judenheit in vornehmer Weise repräsentiert. Der Tod Heinemann Vogelsteins' habe die deutsche Judenheit ihres Führers beraubt. Mit der Glut eines Propheten, der Demut eines Weisen und der Genialität eines wahren Menschenfreundes hat Vogelstein sich die Jugendfrische seines Geistes bis an sein Ende bewahrt und ist als Fahnenträger des deutsch-liberalen ■" Judentums gestorben Dann folgten die Gedächtnisreden auf Herm. Adler-London, Liebmann Adler-Chicago, dessen hundertster Geburtstag jetzt gefeiert wird, und auf Heinemann Vogelstein-Stettin. lieber das Wirken dieses Mannes sprach Rabbiner Philips o n - Cincinnati in einer längeren Würdigung. Er betonte unter anderem die Furchtlosigkeit und Konsequenz,' mit der Vogelstein zu allen Zeiten, trotz heftigster Angriffe und reaktionärer Strömungen, die Fahne des Liberalismus hochgehalten habe. Wie Abraham Geiger habe er, ohne mit alten Bräuchen zu brechen, vor allem aber aufrichtig gegen sich selbst, bei allem, was Aufklärung und-Fortschritt im Judentum heißt, an der Spitze geständen. Nach der Rede erhob sich die Zuhörerschaft, die die große Synagoge Baltimores füllte, und mehr als fünfzig Einrichtung einer Herrschaftsküche. Gebrüder Hammer Hoflieferanten Seiner Majestät des Kaisers und Königs BERLIN W 8 Mohrenstrasse 56 Telephon: Amt Zentrum, 685 5457 Moderne Küchen für Schlösser, Villen, Landsitze, Hotels, Restaurants, Cafds, Krankenhäuser und Kantinen. Wäscherei-, Warmwasseru. Kühlanlagen, Kamine, Heizkörper-Verkleidungen in gediegenster Ausführung. Öfen aller Systeme. N«r fit« Damen empfiehlt sich als Maniküre (Naaelpfleae) Gertrud Staps Neinickendf.'-Schönholz, Frühlingstr. 14. (Billige Preise, Postkarte genügt) Burkis Konditorei in Weissensee, Berliner Allee 33, empfiehlt den verehrlichen Friedhofsbesuchern ihre gastlich. Räume. Burkis Konditorei, Berliner Allee 33, ist die älteste und eleganteste Konditorei im Orte. Spezialität: Kaiserstreusel, Trüffeltorte usw. Stotterer erhalten eine vollkommene natürliche Sprache in Prof. Rud. 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