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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-03 · Heft 18 (3.5.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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lottenburg, Schöneberg, Neukölln und Lichtenberg und' mit Fränz von Men d elsso h n und Geheimrat HerzT viele andere Führer unseres wirtschaftlichen Lebens. ' Wie für so manchen anderen Humanitären Gedanken hatte Emil Jacobs die Anregung gegeben, den Schutzleuten ein Erholungsheim zu schassen. Sb war es denn auch die Kapelle dieser Beamten, die am Sarge die Tr auerseier einleitete. Nach dem Gesang des Synagogenchors hielt Rabbiner Dr. Blume nt h a l, die Gedenkrede. Er wies darauf hin, wie aus all den Nachrufen und Beileidsbezeugungen rin Grundton klingt: Emil Jacob war ein Mann von lauterem Charakter, ein Mann von ^gutem Herzen. Der Dahingegangene hatte, als er im September 1909 nach seiner Genesung 'zum ' erstenmale das Gotteshaus betrat und dort aus. Dr. Blumenthals Munde eine Betrachtung über das Prophetenwort: „Der Gerechte lebt in seiner Treue" vernahm, dieses Wort für seine Grabrede bestimmt. Und wirklich, Treue war der Kern von dem Wesen 'Jacobs. Neben der religiösen Treue erfüllte ihn die Treue zu seinem Berufe. Er war treu in seiner Arbeit als Kaufmnnn; ein sittliches, ein herzliches Band verknüpfte ihn mit seinen Angestellten. Es trieb ihn, der schon als Jüngling eine Vereinigung vom Roten Kreuz ins Leben gerufen hatte, für das Gemeinwohl zu wirken. In wenigen Sätzen erinnerte der Geistliche an die vielgestaltige Tätigkeit Jacobs im Dienste, fürsorgender Liebestätigkeit. Möge ihm, der stets an einem Friedenswerk arbeitete, der die Gegensätze bei den Vertretern der Erwerbsstünde auszugleichen suchte, die Nöte der Gedrückten zu lindern suchte,, der Schlaf süß sein. Nachdem dann die Kammersängerin Frau. Marie Götze unter Harsenspiel: „Ruh'n in Frieden alle Seelen" gesungen hatte, sprachen die Vertreter der Korporationen, in deren vordersten Reihen der Heimgegangene geständen, und mit dem Chorgesang „Wie sie so sanft ruhn" schloß die Feier im Saal. Der Sarg wurde dann hinausgetragen, und im langen Zuge nach dem Friedhof in Weißensee geleitet. Mitglieder der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, die als Ordner im Saal gewirkt hatten, schritten voran. Eine noch weit größere Trauergemeinde, als der Saal im Zoologischen Garten fassen konnte, hatte sich hier versammelt. Unter den Klängen des Chopinschen Trauermarsches, den die Kapelle der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz spielte, betrat man den Friedhof. Hier in der Trauerhalle wies Rabbiner Dr. Weiße auf Emil Jacobs Familiensinn hin, betonte, daß der Dahingegangene gezeigt hat, wie man ein guter Patriot und Jude sein kann. Kommerzienrat Bamberg nahm im Namen der Freunde wehmütigen Abschied. Unter den üblichen Gebeten wurde dann die sterbliche Hülle Emil Jacobs neben der seiner Gattin, die. vor zehn Jahren von dieser Erde, geschieden ist, zur ewigen Ruhe gebettet. . ' ' L2 Berlin, 30. April. Am 26. d. M. wurde aus dem jüdischen Friedhose zu Weißensee Herr Alexander Löwenherz, der frühere Chef des bekannten Berliner Bankhauses, zur Ruhe bestattet. Obgleich aus Wunsch des Verewigten von der Bekanntmachung der Beerdigung Abstand genommen war, hatte sich doch eine stattliche Trauerversammlung eingesunden, um dem hochverdienten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Neben den Angehörigen, zu denen der Berliner Stadtrat H a m b u r g e r gehört, waren der Vorstand der Jüdischen Reformgemeinde unter Führung der Herren Dr. Minden und Rudolf Mosse und die. Repräsentanten mit ihrem stellvertretenden. Vorsitzenden. Herrn Jiustizrat S a n d b e r g erschienen. Herr Direktor Dr. Holz man vertrat den Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen, dessen Vorsitzender der Heimgegangene war. Der Chor der Neformgemeinde unter Leitung des Kapellmeisters Ed. L e v y erösfnete. die Feier durch Gesang, woraus .Prediger Dr. Lev in die Trauerrede hielt und Prediger Dr. Jelski die Liturgie-sprach. — Alexan- . der'Löwenherz-entstammt einer alten Berliner Familie. Er verlebte seine Jugend, in jenem vornehmen Gebäude Ecke der Kloster- und Parochialstraße, welches Friedrich der Große für einen seiner Minister erbaute und in. welchem sich jetzt mehrere städtische. Verwaltungen befinden. Das Haus gehörte damals seinem Vater) welcher als freiwilliger Jäger den Freiheitskrieg mitgemacht'hatte und Mitbegründer der Neformgemeinde war. 8. X. Osterode (Ostpr.), 26. April. Der letzte Tag des verflossenen Peßachsestcs war für unsere Gemeinde, aus welcher nur selten etwas in die Oesfentlichkeit dringt, ein doppelter 'Festtag. An diesem Tage - feierte unser hochverdienter, erster Vorsteher der. Synagogengemeinde, der zugleich erster Vorsteher der Ehewro Kadischa ist,. Herr Ludwig W i tt'e n b e r g , in seltener geistiger und körperlicher Rüstigkeit, umgeben , von der Gattin, den Kindern und Enkeln, seinön 70. Geburtstag-. Der Jubilar ist seit 25'. Jahren der populärste Mann in unserer Gemeinde, der bei Freud und Leid und bei allem, was irgendwo geschieht,, als erster zu jedem Rat, zu jeder Hilfe bereit ist. In der Predigt gedachte auch, als sein, alter Freund, Herr Prediger Sturmann des Verdienstvollen und erflehte für sein ferneres Leben den Segen des Allmächtigen. Fast die ganze Gemeinde, darunter die Verwandtschaft, kam zur Gratulation, überbrachte reiche Geschenke und Blumenspenden. Möge es dem Greise vergönnt sein, noch lange-zum Wohle der Gemeinde-tzu wirken. J. Breslau, 26. April. Ueber die hiesige Gemeindereligionsanstalt, die jetzt in ihr 70. Lebensjahr eintritt und wohl eine der ältesten jüdischen Religionsschulen ist, ist soeben der 69. Jahresbericht erschienen. Er hat Herrn Professor Dr. Guttmann zum Verfasser, der ' in der Einleitung des Berichtes aus den engen historischen Zusammenhang der Begründung jüdischer Religionsschulen mit der Emanzipation, deren hundertsten Gedenktag wir kürzlich feierten, hinweist. Die Breslauer Anstalt ist, so heißt es dort, vermutlich gleich vielen anderen ihrer Schwesteranstalten, gegenwärtig an einem kritischen Wendepunkt angelangt. Der Gedanke der Gleichberechtigung der Juden, in mancher anderen Beziehung noch immer nicht in seinem ganzen Umfange anerkannt und zur Durchführung gelangt, hat sich doch aus dem Gebiet des Schulwesens soweit durchgerungen, daß der Staat und die Kommunalbehörden sich der Verpflichtung nicht mehr entziehen konnten, in den höheren Schulen, wo eine genügende Anzahl von jüdischen Schülern vorhanden war, auch für die Erteilung eines jüdischen Religionsunterrichtes Sorge zu tragen. So ist jetzt in fast allen höheren und mittleren Schulen. Breslaus jüdischer Religionsunterricht eingesührt. Er beschränkt sich allerdings aus die Fächer der biblischen, und nachbiblischen Geschichte und der Religionslehre. Der Unterricht im Hebräischen als Vorbereitung für das Verständnis des Gemeindegottesdienstes ist in diesen Anstalten prinzipiell ausgeschlossen. Leider begnügt sich die Mehrzahl der Eltern mit diesem Unterricht ihrer Kinder, ohne für die. Unterweisung im Hebräischen anderweit zu sorgen. Das führte zu einer Abnahme der Frequenz der Religionsschule. Seit einigen Monaten aber ist noch ein Neues hinzugekommen. Seit dem Anfang des Wintersemesters wird den die Volksschulen besuchenden, jüdischen Mädchen und einem Teil der diese Schulen besuchenden jüdischen Knaben durch jüdische Lehrer, die von der Stadt vornehmlich zu diesem Zwecke a n g e ft e l l t sind, Religionsunterricht erteilt, und diese Einrichtung wird nunmehr noch eine weitere Ausdehnung erfahren. Es wäre, so heißt es in dem Bericht,, undankbar, die w o h l w o l l e n d e Gesinnung nicht anzuerkennen, von der unsere städtischen Behörden sich bei dieser Einrichtung leiten ließen. Sie stellt einen weiteren Fortschritt in der praktischen Durchführung derIUd e n - e ui a n z i p a t i o n d a r. Den Gemeindereligionsunterrichtsanstalten werden dadurch allerdings Hunderte von Schülern und Schülerinnen entzogen. Der Rückgang, der dadurch in dem Besuch der Gemeindemyrall eingetreten ist, wird aus ihre Organisation nicht ohne Einfluß bleiben. Die Religionsunterrmstsanstalt 3 wird die eingetretene Krise nicht überdauern. Sie wird ihre' Tätigkeit jetzt einstellen müssen. Am 1. Februar 1912 betrug die Zahl der Schüler und Schülerinnen an der Religionsunterrichtsänstalt 2 insgesamt 260, und zwar 149 Knaben und 93 Mädchen sowie 18 Teilnehmerinnen am hebräischen Kursus. Erteilt wurde der Unterricht in 7 Mädchen- und in 9 Knabenklassen. - - Nordhausen, 26. April. Wie die,Väter der Bibel in der Stunde ihres- Todes ihre Lieben um sich versammelten, sie segneten und mit seligem Gottvertrauen ihre Seele aushauchten, so. mutet der Patriarchentod des Veteranen im jüdischen Gemeindedienst, des K an tor s D. W aren h eim, an. Im 83. Lebensjahre ging er dahin, nach über 60 jähriger Amtstätigkeit, deren größten Teil ~ über 40 Jahre — er in unserer Gemeinde ausgeübt hatte, in allen Kreisen der Bevölkerung wegen seines mitfühlenden Herzens, sein.es sonnigen Humors beliebt und.-geachtet, im städtischen Dienst als Armelipsleger und Bezirksvorsteher ein, Vater der Armen und Bedürftigen, Reorganisator und unermüdlicher Mitarbeiter in der Chewra kadi schätz, im Amt des Lehrers i und Kantors ein bis zum Uebermaß gewissenhafter und pflichttreuer Beamter, der. seinen Beruf als eine heilige Ausgabe betrachtete. Mit dem Kronenorden 4. Kl. geschmückt, verbrachte er seinen Lebensabends umgeben von Kindern und Enkelkindern, in heiterem beglückenden. Greisenalter, mit ewigjungem Geiste dem allmählichen Schwinden der Körperkräste gegenüber seine Fassung bewahrend, noch im Tode seiner. Devise getreu: „Nicht'sterben'werde

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