Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
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Um nun der Ausweisung zu entgehen, haben 400 jüdische Familien den Glauben Buddhas angenommen. Allerdings haben diese Ueberlänfer die Rechnung ohne den Generalgonverneur gemacht, der diese neuen „Götzendiener" nicht anerkennen will und seinen Ausweisungsbefehl gegen sie auch weiter ausrecht erhält. Die neuen Buddhisten haben nun gegen diese Verfügung an den Senat rekuriert, welcher jetzt über die interessante Frage zu entscheiden haben wird, ob ein Jude, der znm buddhistischen Glauben Übertritt, als Götzendiener zu betrachten sei und daher ans alle bürgerlichen Rechte Anspruch habe. Nach der bisherigen Nechtspraxis des Senats dürste seine Entscheidung gegen die buddhistischen Marannen ausfallen. — Die Gerichtsverhandlung gegen den des Mordes an dem Knaben Justschi.nsky angeklagten Inden Beilis findet im Mai d. I. statt. Als Sachverständige für die Frage, des Vorhandenseins sogenannter „Ritnalmorde" bei den Juden hat die Verteidigung eine Reihe russischer Universitätsprofessoren — Theologen, Orientalisten, Psychiater und Chirurgen — sowie den Berliner Professor H. A. Strack vorgeschlagen. Unter den Verteidigern von Beilis befindet sich auch der hervorragende Advokat Bobritschew - Puschkin. Die infolge der Enthüllungen des Journalisten Brasul-Brnschkowsky verhaftete Frau Tschebyriakowa wurde vom Polizeigewahrsam ins Gefängnis übergesührt. — Mit welchen Waffen man gegen die Juden im heiligen Rußland kämpft, bekunden folgende Fälle: In Astrachan erschien kürzlich eine russische Frau in der Synagoge und bot einen Knaben znm Verkauf an. Die anwesenden Juden durchschauten natürlich sofort die provozierenden Beweggründe der „dienstfertigen Dame" und überlieferten sie der Polizei. Unsere Glaubensgenossen befürchten, daß die Großrussen sich mit diesem Manöver allein nicht zufrieden geben, sondern irgendein Märchen in einer oder der anderen Weise erfinden würden, um neue „Ritualmord"- Beschuldigungen herauszubeschwören. — So hat .ein 12 jähriger russischer Knabe in Proscurow, der von der in Rußland allgemein verbreiteten Krankheit der Schülerselbstmorde befallen war, letzte Woche einen Selbstmordversuch gemacht. Seine „hilfsbereiten" Freunde brachten ihn zu diesem Zweck vorher in die Wohnung eines jüdischen Schlächters, wo der lebensmüde Jüngling seinen Plan gerade zur Ausführung bringen wollte, als glücklicherweise der Schlächter den Schauplatz der Szene betrat, dem es gelang den Knaben von. seinem Vorhaben abznbringen. — Aus Jaroshilovka (Podolien) kommt ähnliche Kunde. Dort verschwand jüngst ein bei einem jüdischen Händler beschäftigter russischer Knabe, und. sofort verbreitete .sich natürlich die Nachricht, daß . die Juden den Knaben gestohlen hatten. Großrussische Agitatoren entwarfen auch schon .ein Pogromprojekt, als der Knabe zum Glück nach dreitägiger Abwesenheit von einemBesuch bei seiner in einem benachbarten Dorfe wohnenden Tante zürückkehrte. — Das Purimsest war der hiesigen antisemitischen Presse natürlich auch ein willkommener Anläß zuUi'Zwecke der Hetzpropaganda. So hat die „Zemstchma" der Welt neuerdings die „Tatsache"-angekünditz't, daß die Juden den Ritualmord am Purim zum Gedächtnis an die Hinrichtung Hamans ausüben. Gegen diese blöde Beschuldigung hat. sich sogar das antisemitische Organ des heiligen Synod „Der Kolokol" veranlaßt gesehen streng einzuschreiten, indem ein.strenger Artikel darin veröffentlicht wurde, den Abgeordneten Markow daran mahnend, daß die Purimgeschichte vollständig in der Bibel erzählt wird, die auch den ortodoxen Russen heilig sei. — Zum Schluß noch eine -traurige Kunde aus Lodz. Vor einigen Tagen bewaffnete sich hier eine Bande von Jünglingen mit Messern und griff die Juden in den Straßen an. Ein Glaubensgenosse, Naphtali G u t t e r m a n n wurde ernstlich verwundet, und fünf andere erlitten weniger schwere Verletzungen. Drei der Hooligans wurden verhaftet. Von Mh un& JFmu — Am Sonntag, den 17. März 1912, vormittags 10% Uhr wird im Gotteshause der I ü d i s ch e n R ef o r m g e m e i n d e, Johannesstraße 16, der Gottesdienst mit einer Feier zur Erirmerüng an die vor einem Jahrhundert erfolgte Emanzipation der preußischen Juden verbunden werden. Die letzte Vorlesung in dieser Saison znm Besten des Stiftend ien fands der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums findet Montag/ den 18. d. M., abends 8 Uhr in der Aula der Anstalt statt. Den Vortrag über „Die Inden und das Wirtschaftsleben" hält an Stelle des verstorbenen Privatdozenten Dr. Caro-Zürich Herr Dr.,.Su ß n i ß ki - Berlin. — Geheimer Sanitätsrat Dr. S i m o n in Berlin beging am 13. d. M. sein 50jähriges Dvktorjnbiläum. — Der Architekt P. F. Gold mann in Berlin wurde vom Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha zum Hofbaurat er- «\StfTI SCH* "Mchyloh *W/0D*PUDfc& Seit Jahrzehnten bewährt, von hervorragenden Aerzten empfohlen als unübertroffenes Elnstreupulver für kleine Kinder. Gegen starken Schweiss,'.Wuudlaufen, Entzündung, Bötung der Haut, bei Verbrennungen . Hautjucken, _Durchliegen uaw. -*1-ru’'-“UCIl Im: ■t&ndigen Gebrauch von Krankenhäusern, derma* tologisohen Stationen und Entbindungsanstalten. Best: Diaohylonpflaster, Borsäure, Pttder. la des Apotheken, mmmz Ems erWasser V HeMewährtbelj-KatarrhemHüsten ÄTc\ % Heiserkeit. Verschleimung Magen-: m ffefTigJ * säure,Jnfluenza u.Falgezustande. W l wfß lliera" und r Sinalco! 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