Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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„In der großen Sachean der wir arbeiten/versetzte Hedwige „-muß jede Rücksicht und daseinzelne Individuum weichen, -dürfen die Opfer nicht gezählt werden. In einem Kriege gilt das Leben von Tausenden nicht, es gilt bloß das Ziel. Schau' mich an, ich hätte ruhig und zufrieden in glücklicher Häuslichkeit leben können, aber als der Ruf an mich erging, zögerte ich keinen Augenblick, in die Reihe der Patrioten zu treten. Wenn man von mir gefordert hätte, daß ich mich' dem Himmel weihe und Nonne werde, ich täte es nicht, aber als man von mir forderte, daß ich mich der Regeneration des/Vaterlandes widme, war ich sofort bereit, den gefährlichen Posten zu übernehmen. Und wenn ich zugrunde gehe, was zählt das? Der einzelne sinkt unter, ertrinkt. Tausende schwimmen an seine Stelle. Ein Menschenleben fällt ins Wasser, es bilden sich einige kleine Kreise, als ob ein Stein Hineingefallen wäre, dann glätten sich die Ringe, und an der Vbersläche ist nichts zu merken. Wir hatten ein großes Vaterland, das nicht das deine war, und haben es verloren-- -wie Hr euer palästinisches Vaterland verloren habt. Ihr habt /Pie Wiedereroberung aufgegeben, weil sie aussichtslos wäre, .schon deshalbweil alle Mächte vor den heiligen Orten Wach< . haltendie in eurem ehemaligen Väterlande liegen und den - Christen, ein heiliges Vermächtnis sind/ Ihr weint eurem verlorenen Reiche nach und wartet, bis Gott, versöhnt, es euch .wieder schenkt. Wir wollen unser eigenes Schicksal, die Hand- -langer Gottes sein und ihm helfen, uns das.eigen zu machen, was uns die Gewalt abgerungen. Solange dies nicht geschehen, werden wir nicht ruhen und nicht rasten, mögen die Opfer noch so groß sein an Gut und Blut." „So nähe mir das Vaterland geht — der Vater steht mir Mäher. Dü begreifst und billigst es. .'Wäre deine Liebe nicht der Preis, stündest du nicht an der Spitze dieser groß angelegten Bewegung, die unser Lebenszweck geworden, nie würde ich darein gewilligt haben, daß man unter den arglosen schritten meines greisen Vaters eine Mine anlege, die jeden Augenblick explodieren kann. Meine Liebe zu dir und meine Hingebung an unsere patriotische Ausgabe sind stärker als ich, und wenn meine Vernunft mein Herz beherrschen und darüber eine Kruste-legen will, da genügt ein Strahl deines Auges, da genügt ein Lächeln deiner Lippen, und was zu Eis erstarren sollte, lodert zu -Feuer aus!" (Fortsetzung folgt.) Liteksrilche Mitteilungen. — Die w ich ti gsten Krankheiten. Wie erkennt man sie rechtzeitig? Welche Gefahren bringen sie? Von Dr. med. Eugen Gr ätz er. Verlag von Otto Salle in Berlin. Preis 3 Mark. Das Buch ist ein Buch zur Aufklärung und Beratung durch einen erfahrenen Arzt. Es zeigt, wie gefährlich es ist, wenn )nan nicht. rechtzeitig bei gewissen Krankheiten den Arzt zu Rate zieht,, sondern entweder sich selber zu kurieren sucht oder zum Kurpfuscher geht. Nur der Arzt kennt den menschlichen Körper, nur er kann finden, was daran nicht in Ordnung ist, und wo die Behandlung einzusetzen hat, damit große Gefahren vermieden werden und eine baldige Heilung erzielt wird. Namentlich für den Beginn bestimmter wichtiger Krankheiten (wir nennen nur Lungenschwindsucht, Mittelohrentzündung, Magen- und Darmkrebs usw.), und wie man sie frühzeitig erkennen und baldmöglichst ärztliche Hilfe suchen soll, soll dieses Buch als Führer und Berater dienen, und es erfüllt diese Aufgabe in vortrefflicher Weise, so daß es beste, Empfehlung verdient.; , Sanitätsrat Dr. Scherbel. in Lissa i. P. - - * Halssch nitt, ni cht Hirnzer krümmer un g! Eine Antwort auf die Backsche Streitschrift: Schächten oder Betäuben? Von Dr. E d u a r d B i berfeld, praktischer Arzt und Rabbiner. Verlag Louis'Lamm, Berlin. Preis 0.40 Mark. ■ Diese Broschüre ist die Antwort auf eine Schrift des praktischen Arztes Dr. AL. Back in Straßburg i. Elf. „Schächten oder Betäuben? eine Bedürfnisfrage", die schon deshalb besondere Aufinerksamkeit gefunden hatte, weil ihr Verfasser Herausgeber einer vielgelesenen Zeitschrift, der „Aerztlichen Mitteilungen", ist, die das offizielle Organ des „Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen", also des sogenannten „Leipziger Verbandes" ist. Der Verfasser per vorliegenden Broschüre erklärt , die Backsche Schrift für ein-krhptoschächtfeindliches Buch. Es wolle die Juden zur Preisgabe einer Satzung ihres Religionsgesetzes und zum Bekenntnis des Betäubungsverfahrens erziehen. Demgegenüber weist Dr. Biberfeld nach, daß die Behauptungen Dr. Backs, das Schächten verursache dem Tiere Schmerzen und Qualen, es raube ihm nicht das Bewußtsein usw., nicht im Einklang stehen mit dem Urteil bedeutender physiologischer und medizinischer Autoritäten, und daß nach dcn Erklärungen vieler praktischer Tierärzte und Schlachthosdirektoren — deren Zeugnisse zum Teil wörtlich angeführt werden — das Schächten den anderen Schlachtmethoden in bezug auf Humanität mindestens gleichberechtigt zur Seite steht, ja ihnen in vieler Beziehung vorzuziehen ist.. Keine Angriffe, auch von scheinbar wisienschaftlichen.Schächtgegnern, würden die Juden von der Beibehaltung dieser Religionssatzunß abbringen können, die ' durchaus im Einklang steht mit dem Geist der Humanität, der das ganze Judentum erfüllt. Die mit warmem Herzen und in klarer, überzeugender Weise geschriebene' Broschüre stellt einen wertvollen Beitrag zur Schächtfrage dar und wird wohl bei dem bekannten Antrag Gröber im Reichstage eine Rolle spielen. Sanitätsrat Dr. Scherbe! in Lissa i. P. G — Die Septuaginta hat bekanntlich im - Laufe der Zeit durch zahlreiche Korrekturen und Bearbeitungen mannigfache Wandlungen erfahren. Es ist daher schon seit Jahrhunderten die Forderung einer Wiederherstellung des ursprünglichen Textes der Septuaginta erhoben worden. Vor einigen Jahren hat die königliche Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen den Plan einer wisienschaftlichen Wiederherstellung der Septuaginta ausgenommen und eingehende Vorarbeiten veranlaßt. . Das bedeutsame Unternehmen, dessen nachdrückliche Förderung durch die dem Kartell der, Deutschen Akademien angehörenden wissenschaftlichen Körperschaften zugesichert ist, wird einen Kostenaufwand von ,.450 000 Mark erfordern und vorau ssichtlich in etwa 30 Jahren durchgeführt werden können. Zu den Kosten des Unternehmens soll seitens. Preußens ein Beitrag von jährlich 4500 Mark bereitgestellt werden. - A. K. ' * — U n g ar i s ch -jüdischer Alm a n ach. Das ungarischlesende jüdische Publikum verfügt seit kurzem über ein Buch, welches, das darf getrost behauptet werden, seinesgleichen in der jüdischen Literatur. nicht hat. Wir meinen den Almanach, dessen I. Jahrgang soeben unter der umsichtigen und überaus geschickten Redaktion des jungen, .aber durch seine meisterhaften Uebertragungen 'von' - hebräischen Poesien rasch bekannt gewordenen Dichters Dr. Josef Patai, verheißungsvoll die Presse Verlassen hat. Es ist das mehr ein künstlerisches als. literarisches Ereignis. In dem ganzen, etwa 300 Seiten starken Buch in Lexikonformat herrscht eine fürstliche Pracht^ ein verschwenderischer Glanz, ein Reichtum an prächtigen, Illustrationen, Photographien und Zeichnungen, wie sie selten zu finden sind. Mit stiller, erhebender Genugtuung sehen wir hier die gottbegabten Künstler "und Genies unseres Volkes "heranschreiten, um uns den unvergänglichen Ruhm Israels, seine Freude und sein Leid in den Farben und Tönen der Kunst zum Bewußtsein zu bringen. Wir begegnen den Malern und Bildhauern Lilien, Struck, Israels und Kaufmann; die herrlichen hebräischen Melodien Byrons sprechen zu uns in Goldmarks Vertonung; die Bühnengrößen unserer Zeit, soweit sie Juden sind, treten in ihren Bildern gewissermaßen vor uns auf; Max Nordau und Zangw i l l erfreuen uns . mit ihren Schöpfungen, wie denn auch die ganze künstlerische Welt des hebräischen und des jüdisch-deutschen Schrifttums hier sich ein Rendezvous gibt. Die literarischen Arbeiten stammen aus den Federn der besten Männer des Geistes, über welche Ungarn gegenwärtig verfügt;' in dieser Beziehung sollten zunächst die Autoren genannt tverden, die, auf rein nationalem Gebiet tätig, sich in ihrem Heimatlande mit Recht eines hohen Ansehens erfreuen.