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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-23 · Heft 8 (23.2.1912) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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Antichrist wird aus einer jüdischen: Familie hervorgehen. Solange -Rußland fest an der Orthodoxie halb und den gesalbten- Zaren be- - sitzt, dem die Macht von- Gott gegeben ist, solange ist/in-Rußland kein Raum für den Antichrist. Aber die Revolutionäredie Freimaurer unddie Judendie'bereiten die Ankunft des" Feindes dev Menschheit vor: Wer besitzt alles? Geld? Die Juden! Alle Länder-' sindden Juden verschuldet: (!!) Die Juden unterjochendie. Weltdurch ihr Kapital und ausden Juden wird der Antichrist hervorgehen." — Wie man aus Wilna berichtet, ist' der Klostervorstand des dortigen russischen! Liebfrauenklosters, Archimandrit Zosima, wegen sittlicher. Vergehen, gegenüber minderjährigen Mädchen - vor. das Strafgericht' gestellt und zu elf Jahren Kerkers verurteilt; worden- Beiden: poli- - tischen Nachforschungen, über das Vorleben dieses russischen Archimandriten wurde festgestellt, daß: derselbe ein getaufter litauischer Jude ist, der Salmen Mordvchai Raschin geheißen hat. — Wie sagte doch Är. Martin Luther: „Wasser tut's freilich nicht!" Von MH und Lern. — Frau Dr. Lydia R a b i n 0 w i t s ch - K e m p n e r, der bekannten Mitarbeiterin Robert Kochs und Orths, ist der .Titel Professor verliehen worden: Sie ist 1871 zu Kowno in Rußland geboren: — Dem Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, Pros. Dr. H. Sil b e r g l e i t, ist der- Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden: — Der Seniorchef der alten, angesehenen Getreidesirma M. Re.ufeld u. Co., Herr Joseph Hey mann, feierte am 16. d. M. seinen 70. Geburtstag.— Der Israelitische F r a u e n v e r e i n in Schwetz feierte kürzlich in überaus' würdiger Weise das Fest seines fünfzigjährigen Bestehens. Der königliche Landrat sandte ein Glückwunschschreiben an den. Verein. Der Verein zählt gegenwärtig 61 Mitglieder und hat während seines. Bestehens; segensreich gewirkt. — Herr Rabbiner Dr. H alp ersah n von der Bethamidrasch-Gemeinde in Hohensalza isteinstimmig zum Rabbiner der Synagogengemeinde in Briefen (Westpreußen) gewühlt worden. Herr Dr: Halpersohn wird bereits am 1. April fein neues Amt dort übernehmen. — Herrn Bernard Wolf in Firma I, & B. Wolf in Plauen i. V., ist auf der Ausstellung in Brüssel vom König der Belgier das O f s i z i e r s k r e u z des Kronenordensverliehenworden. — In Segeberg verschied Herr Nathan Levy im 87. Lebensjahre, der länger als ein halbes Jahrhundert das Amt des Vorstehers-der Chewra kadrscha bekleidete. Der Verstorbene war ein Veteran der schleswig-holsteinischen Befreiungskriege 1848/51. — Aus Ansbach wird geschrieben: Ern alter Achtundvierziger ist in dem Rabbiner Henry H o ch h e i m e r in Baltimore dahingegangen. Er war vor 92 Jahren in Ansbach geboren und mit Karl Schurz nach Baltimore gekommen. Dr. Hochheimer war ein Mann-, von gründlichem Wissen und hat eine reiche literarische Tätigkeit entfaltet. — Geheimer Kommerzienrat Siegm. H eichelheim, Präsident der jüdischen Gemeinde in Gießen, hat anläßlich seines 70. Geburtstages für den zu errichtenden Saalbau und für das Handelskammergebäude je 50 000 Mark gestiftet. — Herr Bankdirektor Arno K u h n in Mannheim ist zum Konsul der Republik Kolumbien für das. Gebiet des Großherzogtums Baden mit dem Amtssitz in Mannheim ernannt worden. Nach erfolgter Zustimmung der Reichsregierung, ist ihm jetzt das Exequator dem großherzoglich badischen. Regierung erteilt worden. — Anläßlich seiner goldenen Hochzeit wurde das- Ehepaar Albert Herz und Frau .Mathilde geborene Levi in Stuttgart seitens des königlichen Kabinetts. durch ein Glückwunschschreiben und eine Plakette mit dem Bildnis des Königs ausgezeichnet. — Herrn Oberrabbiner A. Ury in Straßburg i. E. ist von dem Dekan der philosophischen Fakultät der Auftrag erteilt worden, bei den philologischen Staatsprüfungen die israelitischen Kandidaten in der Religionslehre zu. prüfen. — In verschiedenen Schlachthäusern Hollands, wie Haag, Nijmwegen, Rotterdam, wurde in der letzten Zeit die Schußmaske eingeführt, wobei jedoch keinerlei Beeinträchtigung der jüdischenReligionsfreiheit versuchtwurde. Neuerdings wünschten auch einige-nichtjüdische Fleischer in Rotterdam ebenfalls das Recht zu haben, den Halsschnitt anzuwenden, und hiergegen richtet sich, ein von der Rotterdamer.Stadtverwaltung, allerdings mit kleiner Majorität, gefaßter Beschluß. Es ist zu hoffen, daß. auch dieser Beschluß keine dauernde Geltung - erlangen wird.- — Aus wird gemeldet: Der bekannte Augenarzt Dr. G o. u r f e i n, ein in der Schweiz naturalisierter russischer Jude, wurde zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Einige von Gourfeins Wissenschaft^ lichen Arbeiten sind vom Institut de France und der Academia de medicine de Paris preisgekrönt worden. — In Karlsbad ist der bekannte Badearzt Dr. Josef Ruff im 66. Lebensjahre, gestorben: Er kam 1885 nach Karlsbad und war in vergangenen Jahren während der Wintermonate in Stuttgart tätigwo er auch die Stelle eines Kultusvorstehers der dortigen israelitischen Kultusgemeinde bekleidete. Er besaß einen Ruf als medizinischer Schriftsteller und schrieb zahlreiche medizinische Werke. Auch wirkte er als Lehrer der Hygiene am Karlsbader Mädchenlyzeum. — Am 17. d.. M. ist der Oberrabbiner von Prag, Dr. Nathan Ehren-feld, an den Folgen einer schweren Rippenfellentzündunggestorben. Nekrolog folgt. — Aus Anlaßder ersten Wiederkehr des Todestages ihres Vaters haben die Freiherren Dr. Alfons, Louis und Eugen v. Rothschild für Wohlsahrtseinrichtungen der Witkowitzer Gewerkschaft eine Million Kr onen gespendet. Diese Summe soll je zur Hälfte für das Waisenhaus in Witkowitz und zur Errichtung eines Wohltätigkeitsfonds für erwerbsunfähig gewordene Arbeiter der Witkowitzer Gewerkschaft, verwandt werden. Gleichzeitig . widmeten die Freiherren v. Rothschild der Stadtgemeinde Mährisch-; Ostrau einen- Betrag-, von 200000 Kronen zum-Zwecke der Erbauung eines-chirurgischen Pavillons im. dortigen Krankenhause. — Wie aus Paris geschrieben wird, hat sich-Baron Edmond d e Roths child : an jene Stelle nach > Oberägypten begeben, wo bekanntlich aust Kosten des Baroys Ausgrabungen für wissenschaftliche Zwecke vorgenommen werden. Baron Rothschild will die archäologischen Forschungen persönlich überwachen. — Gegen die überhandnehmende Einwanderung ausländischer Juden in Paris macht sich eine heftige Agitation'geltend, die schon jetzt den unangenehmen. Erfolg aufzuweisen hat, daß die Hausbesitzer des Bastilleviertels beschlossen haben, Juden keine Wohnung zu vermieten. Auch in den Fabriken und Werkstätten wird; es' den Juden immer schwerer gemacht- Arbeit zu bekommen. Es-wäre dringende Pflicht der jüdischen Organisationen, sich, der armen: Glaubensgenossen tatkräftig anzunehmem — In London verschied im; 68. Lebensjahre der in englischen Kreisen weit und breit bekannte Politiker- Lord W a n d s wort h. Der Verblichene, ein liberal gesinnter Glaubensgenosse, hatte stets Interesse für seine jüdischen Mitbürger bekundet und war Mitbegründer und Förderer zahlreicher jüdischer und. nichtjüdischer Wohlsahrtseinrichtungen. Da Lord Wandsworth unverheiratet war, erlischt mit seinem Todesein hoher Titel. — Aus Petersburg wird unter dem- 8. d. M. berichtet: Der hier tagende Kongreß von Vertretern aller russischen Börsen und der russischen Landwirtschaft sprach sich einstimmig gegen die Beschränkung der Rechte der Juden in Rußland aus: Die- Resolutiondes. aus rein rechtgläubigen Rüssen bestehLNden Kongresses - erregt inallen Kreisen großes Aussehen. — Eine weitere- Meldungaus Petersburg lautet: Die russische- Regierungverständigtevertraulich;-- alle Börsenkomitees und' handelsindustriellen Organisationendaß die: Petitionen zugunsten der Juden unberücksiWg4: Mlassen würdenweil die - Regierung diegeplante- Einschränkung dev^ WÄHnrechte der-Indem als notwendig betrachtet. — Aus Colomb-Bechard wird gemeldet, daß der Groß r ab bi ner von Tafilot, der von einer Reise nach Fez und Mekines sich aus dem Rückwege nach Colomb-Bechard befand, zwischen Tulal und Bakum ermordet ausgesundey worden ist. Eine große Summe-Geldes, die er als Steuer bei seinen. Glaubensgenossen eingezogen hatte, ist verschwunden. Auch die Begleiter des Troßrabbiners sind, wie man befürchtet, ermordet worden. Die französischen Behörden in Marokkohaben umfassende Nachforschungen angestellt. — Nach einer sorgfältigen Statistik des. Herausgebersder „American Hebrew", Dr. Joseph Jacobs, betrug/ die jüdische Bevölkerung New Jorks am 1. Januar 906 400 Seelen. 1877' wohnten in New Jork 60 000 Inden. Seitdem landeten im New Jorker Hafen 1372 189 Juden, von denen ein großer Teil sich, in anderen Städten der Union niederließ. — Aus New / Jork wird? uns mitgeteilt, daß gelegentlich eines: Balles des-großen Vereins „Heim der Jacobstöchter" die Festgenossen mit dem Besuche des: Präsidenten Tust beehrt wurdenwelcher vor dem äußerst zahlreichen Publikum einewarmherzige Ansprache hielt, worin der Präsident diehumane' Wirksamkeit und den Wohltätigkeitssinn der Juden lobend^ hervorhob. Verantwortlicher Redakteur: Aib ert «ätz in BtzrliüiPänww, ZM^straße 88. Wrantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnlän-er- NeuDlkn-Berlin. Dmck mid MMg-vE-Mdolf Miiffe in Berlin

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