Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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betreffend Annahme von Legaten und Stiftungen, da die Beratungen noch nicht voll zu Ende geführt waren. Zu der vor einiger Zeit erhobenen Beschwerde darüber, daß an Sonnabenden und Festtagen aus dem Friedhof zu Ohlsdorf Arbeiten verrichtet worden seien, erwidert der Gemeindevorstand in einem Schreiben, daß, wenn derartiges vorgekommen, dies nicht mit Zustimmung des Gemeindevorstandes geschehen sei. Eine Reihe von wohltätigen -Stiftungen, die der - Gemeinde zugewendet, wurde von den Repräsentanten genehmigt. Das Kollegium erklärt sich weiter znftimmig, daß die für das Jahr 1912 anSzuschreibende Gemeindesteuer bis zu einem Prozent des Einkommens betragen soll. In der gemeinschaftlichen Sitzung des Gemeindevorstandes mit den Repräsentanten wurden die ausscheidenden Herren Dr. Max Cohn und Alfred Levy zu Mitgliedern des Genreindevorstandes wiedergewählt. München, 7. Februar, lieber das Thema „Das Judentum und seine Beziehungen zur Kultur" sprach kürzlich auf einem öffentlichen Vortragsabend der altkatholischen Jnngmaunschaft Dr. I. Weigl. An der Hand reicher Kenntnisse behandelte er wesentlich die religiöse Seite der Frage. Der Gegensatz zwischen Christ und Jude wird sich immer mehr in freudiges Zusammenarbeiten wandeln, je mehr wir die Juden und ihre kulturellen Ideale verstehen lernen, die den unseren wesentlich gleich sind. Der Kantor der israelitischen Gemeinde, Herr Professor K i r s ch n e r, trug daran anschließend altsynagvgale Gesänge und jüdische Volkslieder vor, zu denen er treffliche Erklärungen gab. Dr. v. Staden erzählte zur Diskussion einige Erlebnisse bei den „weißen" und „schwarzen" Juden in Indien. Rabbiner Dr. Werner schloß den Abend mit begeistertem Dank: Die Israeliten seien gern Gäste der Altkatholiken gewesen, bei denen sie ein Zeugnis echter Religiosität, echten Strebend nach Wahrheit erlebt Hütten. Der für sie unvergeßliche Abend bedeute einen Schritt vorwärts zu dem hohen gemeinsamen Ziele, daß einmal alle Menschen einträchtig zu ihrem Gott beten. Der Saal war dicht besetzt. Reicher Beifall wurde gespendet. er. Hoppstädten a. d. Nahe, 7. Februar. Wie das Herzogtum Oldenburg, so wurde auch unser Fürstentum bei der letzten . Landtagssitzung mit einer Unterstützung der jüdischen Institutionen bedacht.. Wahrend bisher der Staat 1600 Mark nur gewährte, erhält das Fürstentum nun als Beitrag zu dem Rabbinatsgehalt und als Unterstützung der im Fürstentum bestehenden israelitischen Privatvolksschulen 2230 Mark. Es wurde dies um so mehr begrüßt, als gerade durch Gründung der israelitischen Privatvolksschulen den einzelnen Gemeinden bedeutende Krtltuslasten ausgeladen waren. Bis zum'1. Januar 1909 bestand in Hoppstädten, bis zum 1. April 1910 auch in Sölern eine öffentliche israelitische Volksschule. Diese Schulen, die bis dahin von den bürgerlichen Gemeinden unterhalten wurden, sind ausgehoben, weil die Schülerzahl dauernd unter 25 betrug. Dadurch haben wir im Fürstentum Kultuslasten, wie sie sonst kaum - irgendwo zu finden sind. Zurzeit muß Sölern 101 Prozent, Hoppstüdten 98 Prozent, Bosen 162 Prozent der Gesamtsteuern an Kultuslasten aufbringen. Die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden im Fürstentum sind recht befriedigende. In drei Orten haben wir Privatvolksschulen, an zwei Orten wird Religionsunterricht erteilt, so daß -im ganzen Fürstentum jedes israelitische Kind seinen geregelten Religionsunterricht erhält und auch von keiner Seite dagegen je Einsprache erhoben wurde, trotzdem ein Zwang zum Religionsunterricht - von seiten des Gesetzes nicht besteht. — Ein Beweis für das intensivjüdische Leben im Fürstentum sind die Literatnrvereine, die sich allgemeiner Sympathie erfreuen. g<n> Gr ankfurt a. M., 12. Februar. Aus Einladung des Lokalkornitees der Alliance in Frankfurt a. M. hatten sich Vertreter einer Reihe von süd- und westdeutschen Lokalkomitees der Alliance am 11. Februar zu einer Besprechung in Frankfurt a. M. versammelt. In der Sitzung, welcher Herr Direktor Dr. Adler präsidierte, waren eine Reihe von Lokalkomitees, darunter Kassel, Köln, Frankfurt a. M., Mannheim, München, Nürnberg vertreten. In den mehrstündigen Debatten gelangte von allen Seiten . der Wunsch zum Ausdruck, eine Einigung aller-deutschen Lokal-Komitees herbeizuführen und zu einem Einvernehmen mit dem Zentralkomitee zu gelangen, damit endlich wieder die Alliance ungestört durch innere Kämpfe ihrer Arbeit nachgehen könne. Am Schlüsse der, Tagung, wurde ein Antrag dahingehend, daß..die süd- und westdeutschen Lokalkomitees Mitglieder zu der am 28. Januar d. I. in Berlin bestellten Kommission delegieren sollten, um im Verein mit denselben über die Grundlagen für das zu schaffende deutsche Landeskomitee und dessen Statuten zu beraten, sowie ein weiterer Antrag, es solle eine Kommission von fünf Personen bestellt werden, um mit der in Berlin bestellten Kommission gemeinsam über die weitere Ausgestaltung der 'deutschen Organisation der Alliäncemitglieder zu verhandeln, gegen die Stimmen der Lokal komitees München, Erlangen, Kissingen, Schweinsurt und Wilhermsdorf abgelehnt. Dagegen fand folgender von Herrn 'Jüstizrat Dr. Blau-Frankfurt a. M. und Herrn Justizrat Held-Nürnberg gestellter Antrag gegen die Stimmen der obengenannten fünf Komitees Annahme: Das Frankfurter Lokalkomitee wird als Vorort eines zu bildenden süd-, südwest- und westdeutschen Bezirkskomitees der „Alliance Isra61ite Universelle“ beauftragt, sowohl mit einem zu bildenden nordwestdeutschen Bezirkskomitee als auch mit Berlin zu verhandeln, um einerseits eine Einigung sämtlicher deutscher Lokalkomitees herbeizuführen und anderseits den Frieden^ mit dem Zentralkomitee in Paris herzustellen. Die Vorsitzenden der also vereinigten Teilorganisationen, welche somit die sämtlichen Lokalkomitees der „Alliance Isra61ite Universelle“ in Deutschland umfassen sollen, bilden alsdann die Leitung und Vertretung der deutschen Mitglieder der „Alliance Israölite Universelle" gemäß deren Satzungen und haben den Auftrag, die Einigungsbedingungen. mit dem Zentralkomitee in Paris herbeizuführen. Die Vertreter von Mannheim und Ludwigshafen hatten sich der Abstimmung enthalten, während der Vertreter des Lokalkomitees Freiburg erklärte, daß er bereits seinen Anschluß an das Berliner Landeskomitee vollzogen Haie GesterretH-Nngsrn. K. Wien, den 8. Februar. Die „Nene Freie Presse" vom 3. d. M. veröffentlicht eine Zuschrift des Verbandes der israelitischen Neligionslehrer an den Mittelschulen in Böhmen, irr' der über die traurige Lage der Mitglieder dieses Verbandes und ihre geradezu lächerliche Besoldung seitens der Unterrichtsverwähtirng Klage geführt wird. In der Zuschrift wird u. a. ansgesührt: Der israelitische Relrgionslehrer an den Mittelschulen ist Mitglied des Lehrkörpers, lehrt einen obligaten Lehrgegenstand, hat alle Pflichten eines obligaten Lehrers: Unterricht, Sprechstunden, Teilnahme an den Konferenzein Ganginspektion usw. und erteilt den Unterricht in den Mittelschulen 14 Stunden Plus 2 Stunden Exhorte resp. 16 Stunden Plus 2 Stunden Exhorte, hat also die Lehrverpflichtung wie jeder andere Religionslehrer. Und ferne Entlohnung? In den Hauptstädten 120 Kronen (nach fünfjähriger tadelloser Dienstzeit 160 Kronen) Remuneration, in den Landstädten 80 Kronen Per Stunde und pro Jahr! Dabei keine Pension, keine Witwenversorgung. Letzthin wurden diese Lehrer, - denen das Unterrichtsministerium sogar den Prosessorentitel verleiht, weil sie Gymnasium, Universität und Theologiestudium absolviert haben, gänzlich übergangen, was nicht bloß eine materielle Einbuße, sondern auch eine -moralische Schädigung bedeutet." So sieht die Gleichberechtigung der verschiedenen Konfessionen und deren Seelsorger, denn die meisten israelitischen Religionslehrer sind zugleich amtierende Rabbiner, in Oesterreich aus. Kommentar wohl überflüssig. — Der vor einigen Tagen in Olmütz verstorbene Hausbesitzer Albert Redlich hinterließ für die Stadtgemeinde Olmütz 110 000 Kronen und einen gleichen Betrag von 110 000 seiner Vaterstadt Mährisch-Neustadt. Die Stadt Olmütz soll 60 000 Kronen für das deutsche Theater, 50 000 Kronen für das deutsche Haus -und außerdem 10 000 für die Armen verwenden. Die Beträge für Mährisch- Neustadt sollen der dortigen Wasserleitung und sonstigen städtischen Institutionen zusallen. — Der König von Rumänien hat dem Direktor des Wiener Bankvereins Felix Kuranda das Großosfizierkreuz des Kronenordens verliehen^ Felix Kuranda ist ein Bruder des bekannten Reichstagsabgeordneten Ministerialrat Adolf Kuranda und ein Sohn des berühmten ehemaligen Sekretärs der Wiener Kultusgemeinde Dr. Kuranda, dessen -100. Geburtstag vor einigen Monaten gefeiert wurde. Von Sah und Fern. — Die Bibliothek des verstorbenen Geheimen Medizinalrats Hermann-Senator wurde von seiner Witwe dem königlichen poliklinischen Institut der. Berliner Universität, an dessen Spitze der große Arzt bis 1910 gestanden hat, als Geschenk überwiesen. Der Minister hat die Annahme dieser hochherzigen Schenkung ge-