Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229022--68174-3280420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

*1 Berlin, 9. Februar 1912 76. Jahrgang Nr. 6 4 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Such- Handel oder die Post (in Berlin und vor» orten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson Unter Leitung des * ■! Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen f*r Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der »Allgem. Zeitung de» Judentum»*, Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/^9, zu richten. Verlag von Rudolf rnoss«, Berlin. TintrUit' drief eines. Siebzehnjährigen zur Varmizwahfeier seines Bruders.^ —. Die Woche. — Reverend R. H. Moses Benaim.— Das jüdische Antlitz. Von Rahel Edelstein-Friedmann, Wien. — Der Kampf um die Inquisition in Portugal 1522—1557. Von Dr. Sch. Ochser-Kuttenplan. — Die Juöensrage auf dem Rassenkongretz. Von Leopold Kätscher-London. — Wilhelm v. Humboldt und die Juden. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Ein Dilemma. Von Ludwig Klausner-Davoc. — Lesefrüchte. — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): .Berlin, Aus Oherschlesien, Hamburg, Nürnberg, Frankfurt a. M., Wien, London. — Von Nah und Fern. löriek eines SikbHrhnjshrMH?ur Lsrmi-wshkeier keines Lruders." ^^^enn das Gefühl der Trennung, des Lösgelöstseins V von allen seinen Lieben schon unter gewöhnlichen Verhältnissen oft recht schmerzlich empfunden wird, so wird es doppelt und dreifach schmerzlich empfunden zu Zeiten und an Tagen, tvo man die Seinen alle froh zur Feier eines Festes vereint weiß und allein durch den trennenden Raum von der Teilnahme an dem freudigen Ereignis ausgeschlossen ist, seine Zuflucht zu dem schwachen und unzureichenden Hilfsmittel . des schriftlichen Verkehrs nehmen muß. Auf dem langen Wege von dem Herzen durch den Kopf und die Hand in die Feder geht soviel verloren,'und was bleibt, kommt oft in ganz veränderter Gestalt zum Vorschein, als es ursprünglich gedacht und empfunden wurde. Das einzige, was uns in solchem Falle unverkümmert bleibt, ist die geistige Teilnahme. ^Und daß ich morgen mit meinen Gedanken bei Dir weilen werde, davon sei überzeugt. Ich werde des Morgens mit Dir aufstehen und Dir vielleicht als erster meine herzlichste Gratulation zu diesem freudigen Feste die besten Wünsche für Dein ganzes künftiges Leben darbringen; ich werde Dich dann in die. Synagoge begleiten und Deiner Ausnahme in die religiöse Gemeinschaft der Juden beiwohnen; ich werde mit Euch am Mittagstisch sitzen und Deine Ansprache an die Eltern anhören, ich werde alle .Deine schönen Geschenke und Bücher mit Dir bewundern und werde endlich in Gedanken bei Dir sein,wenn Du Dich des Abends zu Bett legst und nach all; dem Trubel des Tages in der Stille vor dem Einschlafen noch einige Augenblicke verwendest, über die eigentliche Bedeutung des schönen und frohen Tages, den Du y Der nachfolgende Artikel, am 21. November 1890 von einem jungen Manne geschrieben, der sich seitdem als Redner und Schriftsteller in Verteidigung des liberalen Judentums sehr bewährt' hat, ist mir behuss.Veröffentlichung zur Verfügung gestellt worden. Da er, Anschauungen. enthält, die «nochheute. sehr beherzigenswert sind so seier.hier mitgeteilt. ' ' - Die Redaktion. eben durchlebst, über die Aufgaben, die er mit sich bringt, über die Pflichten, die er in sich schließt, ernsthaft nachzudenken. Der Tag der Varmizwah hat eigentlich eine dreifache Bedeutung: eine soziale, eine religiöse und eine, moralischethische. Die erstere, die in den alten. Zeiten des jüdischen Reiches und noch viele, spätere Jahrhunderte hindurch die hervorragendste war, ist jetzt fast ganz in den Hintergrund getreten, für einen großen Teil der heutigen Juden ganz bedeutungslos geworden. Denn während früher bekanntlich der Tag der Varmizwah zugleich Derjenige war, an dem der jüdische, Knabe selb wurde, das heißtdas Elternhaus verließ,, um sich nun sein Brot selbst zu verdienen, .trittdieser Fall heute wohl nur recht selten ein. Im allgemeinen braucht man heute erst einige Jahre später in die Fremde zu gehen und dann unter Verhältnissen, die mit der alten Zeit wohl nicht mehr viel Aehnlichkeit aufweisen. . . Während also die erste Bedeutung in bezug auf die äußere Lebensstellung heutzutage fast ganz-.außer Betracht kommt, hat die zweite Seite, die religiöse, erheblich an Wichtigkeit und Bedeutsamkeit gewonnen. Zwar ist die Einführung in die Gemeinschaft der Juden von jeher an diesem Tage und unter denselben Formen vollzogen worden, wie heute, aber sie hatte, nicht die gleiche Bedeutung. Während sie nämlich früher, in Zeiten, wo dev als Jude Geborene.selbstverständlich auch als Jude starbmehreine äußerliche Zeremonie, ein ritueller Akt war, an den sich die , Bedingung zur Teilnahme am öffentlichen religiösen Leben knüpfte, so hat heutigentags diese Aufnahme in den-Bund der Juden einen gewichtigen inneren Wert. In einer Zeit, wo die Juden über die-ganze Welt zerstreut sind, sich -durch Nationalität, Sprache, Sitten und Gebräuche sehrvoneinander unterscheiden/ in einer Zeit, . wo ihrer Feinde. so viel, die Angriffe und Gefahren,' denen sie ausgesetzt sindso groß sind, in solcher Zeit hat ein Tag, an welchem wir uns durch ein an geweihter Stätte abgelegtes Gelübde öffentlich zur Zugehörigkeit zum Judentum bekennen, eine hohe Bedeutung.: Er führt uns in der eindringlichsten und nachdrücklichsten WeM die Verpflichtung vor Augen, uns stets der Zusammen- , gehörigkeit mit der Gemeinde der Juden bewußt zu ^bleiben. Mag man über.den Wert' der verschiedenen Religionen denken, . wie man will, mag man über den Werk, der. Religion über-^ Haupt streiten, die Pflicht an dem einen, durch die Geburt auferlegten Religionsbekenntnisse unverbrüchlich sestznhal.Au, z ihm unbeirrt durch alle Angriffe und Anfeindungen von' außen, alle Zweifel und Bedenken.'von innen, treu zu bleiben)/ diese Pflicht ergibt sich.mit logischer Notwendigkeit für jeden, . der überhaupt an. eine „Bestimmung" der Existenz des Einzelnen Individuums und der gesamten Menschheit, also auch »■- ■y.lTäs Ui

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.