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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-02 · Heft 5 (2.2.1912) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 5 Berlin, 2. Februar 1912 'T Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse vegründet von «abbiner Vr. Ludwig Philipps»« Unter Leitung des . , Geheimen Mgierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Uüciolk ^Losse, verlln» Jerusalemer Strasse 46/49 Tiefe *. Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und vor- . orten durch, unsere vertriebsstellen) bezogen ' vierteljährlich L M. Alle Ausendungen, ftr Redaktion' «ud r Expedition sind an die Adresse: verlag.der »Allgem. Zeitung de» Judentum»", Berlin SW., Jerusalemer Straße zu richten. . Verlag von Rudsls Masse, BerLin. TinB^lli' . Die? russische,Paß frage. Von Albert Katz. — Die Woche. -. Jutzbn als Erfinder und Entdecker. Von Max Erun,- wald. — Hugo Lublinex. Die Volksschriften über die israelitisch-jüdische Neligionsgeschichte:, Von I.Ziegler. — Betrachtungen zur Privatbeamtenversicherung. Von Dr. Liktin-Qels. — Der! Wanderbettel im, Talmud. Von Rabbiner Dr. Tänzer-Göppingen. — Der Kampf um die Inquisition in Portugal 1522—1557. Von Dr. Sch. Qchser-KuttenPlam—Feuilleton: Ein Dilemma. Von Ludwig KlauZner-Davoü. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlaus. Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums^). Berlin, Köpenick bei.Berlin, Aus/Oberschlesien. Aus : der Provinz Posen, Hamburg, Bad Kissingen, Elberfeld,. Hannover, Straßburg i. E., Wien, London-Petersburg. — Von Nah und Fern. Die rulMche KgUrsgk. Von Albert Katz. u den mannigfachen Fragen, die gegenwärtig das allgemeine Tagesgespräch bilden, ist in jüngster Zeit auch die sogenannte russische Paßfrage getreten, die, von der Regierung der. Vereinigten Staaten von Nordamerika durch die Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland aufgerollt, die Juden der ganzen zivilisierten Welt in begreiflicher Spannung hält. Man war und . ist auch jetzt noch der Ansicht, daß Amerika diesen in seinen Folgen unberechenbaren Schritt einzig und allein im Interesse seiner jüdischen Staatsangehörigen unternommen habe, und man. knüpfte daran die Hoffnung, daß durch das amerikanische Vorgehen ermutigt, die. Regierungen der westeuropLischen Staaten wenigstens auf freundschaftlichem Wege zugunsten ihrer jüdischen Staatsbürger, die den geheiligten Boden Rußlands betreten müssenbei der. Regierung des mächtigen Zaren intervenieren würden. Diese Hoffnung erweist sich leider ebenso, trügerisch wie die Meldung des „Temps". vermutlich falsch ist, daß ein New Yorker Jude namens Kamaiko, Redakteur. des „Jiddischen Tageblatts", es gewesen sei, der die Veranlassung zu dem Vorgehen Amerikas in . der Paßfrage gegeben hat. Präsident Taft — wird dem „Temps" aus Petersburg geschrieben — hatte Kamaiko, einen aus Rußland stammenden Juden, beauftragt, die Frage der jüdischen Emigration in Rußland zu studieren. Aber von Rußland wurde ihm der Paß verweigert. Daher der Konflikt. Uns will, es scheinen, daß diese Nachricht denselben russischen Quellen entstammt, die mit apodiktischer Gewißheit behaupten, daß die Juden es waten, die den unglücklichen Krieg mit Japan heraufbeschworen, die Revolution entfacht, das gräßliche Attentat aus Stolypin ausgeübtund den. Knaben Juftschinski in.Kiew ermordet haben. ... Wie wenig wir auch sonst die .bekannten Anschauungen, von Max Nordau teilen, so unbedingt stimmen wir ihm diesmal in seiner Beurteilyng , des amerikanisch-russischen Konfliktes zu, Einem Mr. N. S. Burstein in Cardiff, der Nordau um.seine Meinung über den russisch-amerikanischen Streit befragte erwiderte Nordau: „Paris, 12. Januar 1912. Geehrter Herr Burstein! . Wir Juden haben tatsächlich nicht unseresgleichen in unserem unverwüstlichenOptimismus, den kein Mißerfolg zu trüben vermag. Den Ihren bewundere ich geradezu. Wie können Sie erwarten, daß die Paßagitation, der die Schlauheit kriecherischer Achselträger in Ämt und Würden den Stachel genommen hat, irgendwelche gute Folgen zeitigen wird? Mr. Taft war gezwungen, den Vertrag mit Rußland zu kündigen, aber er wußte die Form dieser Kündigung so einzurichten, daß es Rußland ermöglicht wurde, schamlos zu versichern, die Paßfrage habe mit diesem Schritt nichts, zu tun. Rußland wird nicht nachgeben. Amerika wird auf seiner Forderung nicht bestehen, und keine andere Regierung wird das Beispiel der Vereinigten Staaten . nachahmen.. Die englischen Juden werden sich nicht rühren. Die Lage der Juden in Rußland wird schlimmer sein als zuvor und, die Antisemiten in Amerika werden die amerikanischen Juden für . ihr mannhaftes Auftreten schwer büßen lassen. Das ist alles." Wie richtig Max Nordau die Situation beurteilt, geht auch aus? folgendem Bericht hervor. Derselbe Mr. N. S. B u r ft e in hatte sich an das englische Ministerium des Äeüßeren mit einem Schreiben gewendet, in welchem er der Regierung nahelegt, zur Paßfrage in Rußland Stellung zu nehmen. Hierauf erhielt Mr. Burstein ein vom 8. Zanuar 1912 datiertes Schreiben des Auswärtigen Amts, das folgendermaßen lautet: „Mit Bezug auf Ihren Brief vom 26. v. M. habe ich den Auftrag vom Staatssekretär Sir Edward Grey, Ihnen mitzuteilen, daß die Regierung ,Seiner Majestät sich zu wiederholten- Gelegenheiten mit. Vorstellungen wegen Einlaß britischer Untertanen jüdischen Glaubens in Rußland an die russische Regierung gewendet hat. Ich habe ferner den Auftrag, Sie auf die Antwort zu verweisen, welche Sir Edward Grey aus eine von dem Parlamentsmitglied Mr. O^Gradh in dieser Angelegenheit an ihn gerichtete Anfrage am 25. November 1909 im Unterhause erteilt hat." Die Juterpellationsbeantwortung, auf welche sich der Brief des Auswärtigen Amts beruft, erfolgte damals, wie ausländische Blätter berichten, auf die Anfrage des Parlamentsmitglieds O^Gradh,. ob zwischen England und Rußland ein Geheimabkommen bestehe, in welchem . .England seine Zustimmung, gibt, daß englische Juden nach

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