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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-12 · Heft 2 (12.1.1912) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 12. Januar 1912 76. JahrgangNr.2 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnements-preis: durch .den,Luch- Handel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsön Unter Leitung des Geheimen Regiernngr-Ratr proseffor Dr. Ludwig Geiger Verlag: nuclolk Ülosse, verlln» Jerusalemer Strasse 4S/4S All« Zusendungen str Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung de» Judentum;^, Berlin SWV Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Zum neuen Jahrgang. Von Ludwig Geiger. — Die lslllIUtt^ Woche. — Die. wirtschaftliche Lage der Juden in Konstantmopel. Von Dr. Alphons Sußnitzki. — Dr. Hosea Jacobi. — Jüdisches von den Jubiläumsausstellungen in Rom. Von Romanus. — Wie man Schutzjude wurde. — Feuilleton: Ein Dilemma. Von Ludwig Klausner - Davoü. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gemcindebote (Beilage zur ^AllgemeinenZeitung des Judentums"): Berlin, Gleiwitz, Chemnitz, Hannover, Wien. — Von Nah iknd Fern. Lum nrum Jahrgang. Von Ludwig Geiger. . IIch habe im vorstehenden die Einwände zu entkräften 1 gesucht, die, wie ich höre, gelegentlich erhoben werden. Nun aber wende ich mich mit meinen Wünschen und meinen Bedenken an die Mitarbeiter und an solche, die es werden wollen: : . 1. Haltet euch nicht für zu vornehm, euch zu melden, selbst wenn ihr nicht immer aufgefordert werdet. Ein Herausgeber, und habe er auch die größte Personalkenntnis, kann nicht immer von selbst den geeigneten Mann herausfinden. Es gibt so viele einsame Denker, von denen man nichts weiß, so viele Unbekannte, die etwas zu sagen haben, so viele Neulinge, die sich regen wollen;, kommt herbei, ihr seid willkommen. % Wenn ihr selbst nicht schreiben wollt, gebt Anregung. Gar mancher ernste Mensch möchte über diesen oder jenen Gegenstand belehrt werden, warum wenden sich so wenige vertrauensvoll an den Herausgeber? Neulich ist mir — es war einer der ersten Fälle in meiner Redaktionspraxis -rvon einem hochstehenden Mann, der wenig jüdische Blätter liest und vermutlich, noch nie für eins derselben geschrieben hat, die Anregung gegeben wordenich sollte einmal einen Artikel bringen über die Frage „Was ist: der Unterschied zwischen Ausscheiden aus der jüdischen Gemeinde und Ausscheiden aus dem Judentum"; ich veröffentliche diese. Anregung gern (möchten sich nur häufig solche finden) und fordere einen Rechtskundigen auf, sie bald' und ausführlich zu behandeln. 3. Räsonniert nicht im stillen/ svndern laut,.nicht auf den Straßen und nicht in änderen Blättern, denn deren Lektüre vermeide ich, sondern in einem anständigen Briefe an den Herausgeber, damit eure gegenteilige Meinung beachtet, und geprüft werden kann. 4. Schreibt deutlich, knausert nicht mit dein Papiere. Noch gar wenige Meiner Mitarbeiter kennen den «Segen der Schreibmaschine, sehr viele ahnen noch immer nicht, daß man auf jeder Seite des Manuskriptes einen Rand lassen muß. um dem Herausgeber die Möglichkeit zu gewähren, Aenderungen und Zusätze anzubringen, und noch viele schätzen das Papier so hoch, daß sie es auf beiden Seiten beschreiben, ohne zu ahnen, welche Schwierigkeiten ein so beschriebenes Papier dem Setzer bereitet.' 5. Liefert pünktlich. Ein Chanukagedicht z. V., das Mitte Dezember gedruckt sein soll, hat durchaus keine Aussicht ausgenommen zu werden, wenn es am 12. oder 14. Dezember eingeliesert wird, es muß Wochen vorher in den Händen des Redakteurs sein; Festartikel, die namentlich manche Theologen gern schreiben, müssen mit dem Redakteur eine geraume'Zeit vor dem Feste'verabredet werden. 6. Mir fehlt in gewisser Weise der Zusammenhang mit dem Publikum. Ich habe diesen Gegenstand schon einmal behandelt, scheue mich aber nicht, meine Ausführungen, wenn auch anders formuliert, zu wiederholen. Ich bin keineswegs lüstern noch mehr Briefe zu erhalten, und dünke mich frei von jeder Lobsucht, aber ich Möchte nicht nur wissen, wie es in den Wald hinein-, sondern auch wie es aus dem Walde herausschallt. Ich möchte in höherem Grads, als ich mich dessen bisher rühmen kann, erfahren, wie meine Leser — denn nur auf diese kommt es mir an — überdas denken, was ich geschrieben, oder was ich von anderen ausgenommen habe. Gewiß, man schreibt zunächst für sich, man will sein Herz ausschütten, seiner Begeisterung oder seinem Unmut Luft machen. Aber man möchte auch seine Bundesgenossen zählen, ihre freudige Zustimmung als einen Ansporn zum Beharren, ihren Widerspruch als einen Anlaß zu neuer Ueberlegung und zum Aufgeben falscher Meinungen nehmen. . III. ' Den vorstehenden Widerlegungen von Bedenken, der Ans, spräche von Wünschen, die ich am Beginne des neuen Jahrganges gern vortrage, füge ich ein paar Sätze hinzu über das,, was diese Zeitung war und sein.soll. Die Zeitung soll jüdisch sein, sie ist es hoffentlich stets geblieben und wird es weiter sein. Aber darf man den Begriff so eng ziehen, daß alles ausgeschlossen wird, was nichtjüdisch ist? Wir sind deutsche Staatsbürger, nicht nur deutsche Juden. Hat nicht alles das auch für unsere Leser Interesse, was in Deutschland, ja was in der gäüzen Welt geschieht? Gewiß, wenn das Deutsche Reich, unser deutsches Vaterland) daran Interesse nimmt. Ich hatte einmal angesaugen politische Quartalsberichte einzuführen, habe sie dann aber wieder aufgegeben, teils weil es. schwer hielt, .Bearbeiter des Gegenstandes zu;gewinnen, teils weil ich den Einwand hörte, eine.derartige Berichterstattung gehöre nicht in eine jüdische Zeitung. Ich habe gelegentlich : einmal in einer Wochenübersicht. den ziemlich umfangreichen

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