Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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nur nach der Religion - gefragt;' und" die Ungesehensten lind ehren« ' wertesten Persönlichkeiten, Universitätsprofefforen, Gelehrte von Wett- 'ruf/Merzte/- Advokaten, Schriftsteller, Theologen/ Forschungsreisende, selbst Parlamentsmitgliederder mit Rußland befreundeten oder gar alliierten westlichen Staaten bekommen die .Erlaubnis nicht, nach Rußland zu reisen, wenn sie. Juden sind oder wenn sie eine Er-' klärung über ihr Glaubensbekenntnis abzugeben sich weigern. Höchstens wird dem Reifenden vom Konsul freundschaftlich der Rat erteilt, daß er sich gegen die Wahrheit als' Vertreter einer protokollierten kaufmännischen Firma zur Rtzise melde, worauf ihm die nach dem Buchstaben der Handelsverträge nicht zu verweigernde Ermächtigung zuteilwird, sich für eine beschränkte Zeit (in der Regel sechs Monate) als^angeblicher Handlungskommis -in Rußland aufzuhalten- Es unterliegt keinem Zweifel, daß Amerika im vollen Rechte ist, wenn es eine derartige demütigende und mit den Verträgen in .Widerspruch stehende Behandlung eines großen : und angesehenen Teiles seiner Bürger nicht . dulden. will. Auch in! den westeuropäischen Staaten, in England. Frankreich, Deutschland und nicht zum wenigsten in Oesterreich-Ungarn, wo ebenfalls' zwei Millionen Juden wohnen, welche ein volles Recht haben, von den Regierungen den Schutz ihrer staatsbürgerlichen Interessen und ihrer menschlichen Gleichwertigkeit zu verlangen, wird für die Dauer die kulturelle Rückständigkeit nicht aufrechterhatten werden können, welche Rußland eigenmächtig über den Kreis seiner Untertanen hinaus auf die Behandlung von Angehörigen moderner Rechts- - staaten überträgt. . Es gibt hier interessante Präzedenzfälle, die bereits im französischen Parlament vor zwei Jahren : in einer Debatte über. diesen Gegenstand an- . geführt wurden. .Am 27. Dezember 1909 -wurde in.der -Pariser Deputiertenkammer das Ministerium über zwei Zirkularschreiben interpelliert, welche '. vom Minister des Innern > an die; Präsekten ergangen waren, um sie zu veranlassen, den nach Rußland reisenden - Personen Aufklärungen darüber zu r geben, daß französische Staatsbürger-nicht-unter . allen-Umständen - zugelasfen werden?und sie, - um ein Visum für-den'Reisepaß zu erlangen, ihre Religion angeben / müssen. - Hippolyte Laroche wies ' darauf hin,? daß das im Widerspruch -mit den Verträgen ist, und daß r es ein unerhörter/Eingriff Rußlands - ist, -wenn es fordert, daß - die französischen Beamten entgegen ./den Gesetzen des Landes die Bewerber um ein Reisedokument nach ihrer Religion fragen. Francis -de PreffeNfä? schloß sich dem Proteste gegen diese. Rücksichtnahme auf das russische Polizeiregime ay und erwähnte in seiner Rede unter anderem zwei analoge Fälle, in welchen derartige Beschränkungen mit Erfolg 'zurückgewiesen wurden. Der eine Fall war im Jahre 1835 und betraf, die Schweiz^ wo die - Juden damals noch kein allgemeines Wohnrecht besaßen. Auch . französischen Juden wurde der Aufenthalt in der Schweiz nicht gestattet. Ueber Intervention Adolphe Crämieux' verlangte die Regierung des Königs Louis Philipp die gleiche Behandlung aller . -französischen Bürger. Die Schweizer erwiderten darauf: «Die Franzosen haben bei uns dieselben Rechte wie die Schweizer Bürger, und in unserem Lande unterscheiden wir eben zwischen Bürgern und Juden." Crömieux wies aber nach, daß Frankreich das Recht habe, für alle seine -Bürger ohne Unterschied des- Glaubens im Auslande gleiche Geltung zu verlangen unddie Schweizer/ wenn sie auch in ihrem eigenen Lande den Juden das Bürgerrecht vorenthalten, keinem - einzigen; Franzosen israelitischen Bekenntnisses eine andere Behand- , lung als seinen anderen Landsleuten zuteil werdenlassen dürfen. Das zweite von Francis de Pressense erwähnte Faktum ist aber für uns' in Oesterreich besonders interessante Im. Jahre 1815,/‘bolb nach dem Wiener Kongreß, hat die/ Türkei, mit -Oesterreich einen Vertrag abgesrHlossen, nach dessen Wortlaut die türkischen/Untertanen in Oesterreich den Staatsbürgern des Landes gleichgestellt sein-.sollien. Die österreichische.Regierung wollte.nun mit Bezug aüf die-Anden Unterschiede machen, da selbst die eingeborenen Juden damals-noch nicht die Gleichberechtigung hatten. Die hohe Pforte protestierte aber damals gegen diese Rechtsverletzung, und im 'September 1815 mußte Metternich der Türkei Genugtuung gewähren und der türkischen Kolonie in Oesterreichs unabhängig von der Behandlung der österreichischen Juden, die volle Gleichheit der bürgerlichen Rechte zugestehen. -Heute befindet. sich Oesterreich-Ungarn in der Lage, die gleiche Forderung an Rußland zu stellen, und neben Amerika werden sicherlich auch England und Deutschland immer nachdrücklicher sich dagegen verwahren müssen, daß die Zurücks^lMg der Juden, wie sie in Rußland als Prinzip und als Staatsmaxime geübt wird, in den internationalen Beziehungen aufrechterhalten werde. Srich wolssfelö. Rom 1908. Lrich Molkskeld. ein Lebensweg unterscheidet " * fidf) in nichts von dem so vieler anderer, die sich wie ich betätigen. Selbst der übliche Widerstand beim Beginn der Studien fehlte nicht. Ich habe mir die Arbeit nie leicht werden lassen und mich grimmig mit meiner Arbeit gebalgt/ So soll es auch bleiben, denn es ist meine Ueberzeugung, daß ohne andauerndes Kämpfen und -Ringen keine Kunstleistung entsteht. Ausgesprochene Neigung für die Formführte .. mich bald zur Radiernadel. Das einschneidendste Erlebnis ■ war die Bekanntschaft' mit Leonardos ^Zeichnungen und Holbeins Familienbild in Basel, die zu sehen , ich/früh; Gelegenheit hatte, da die Lehr- und -Wanderjahre glücklicherweise eng zusammenfielen. Ich habe den sträflichen Ehrgeiz, am Ende meiner Tage wie Leonardo oder Holbein zeichnen zu können. Da ich erst 27 Jahre alt-bin und noch mindestens / zwei Menschenatter zu leben gedenke, halte ich es nicht für. ausgeschlossen. Erich Wolfsfeld. Leopold Levy. L eopold Levy wurde am 15. Juli 1870 zu Jnowrazlaw (Hohensalza) ' als Sohn des Fabrikbesitzers Julius Levtz- (eines Sohnes des bekannten Michael Levy) geboren. Er erhieltseine Schulbildung auf dem Königlichen Gymnasium seiner Heimatstadt, welches er Ostern 1889 mit. dem Zeugnis der Reife verließ, um aus den Universitäten Leipzig, München und Berlin Rechts- und Staatsw ifsen sch asten zu studieren. Im Juni 1892 bestand er die erste juristische Staatsprüfung und wurde, nachdem er im August 1892 in Leipzig zum voetor juris promoviert worden tvar-Mn verschiedenen Gerichten des Oberlandesgerichtsbezirks Pofew'Ds Referendar .beschäftigt. Vom 1/ Oktober 1892/ bis 30. ’ September 1893 genügte er seiner Dienstpflicht als 'Einjährig-/