Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, L.HnHr M 76. Jahrgang Nr. I Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint «öchentlich. Abonnemeyts-preis: durch den Luch- Handel oder die Post (in Berlin und vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 ITC. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philipps»» Unter Leitung des Geheimen Regiernngr-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: kuäolk blosse, SerUn, Jerusalemer Strasse -46/49 Alle Zusendungen ftr -Redcittsön und'- Expedition find an di» Adresse: verlag^der-l .Allgem. Zeitung de» Judentumr*, verlln. «SW., Jerusalemer Straße £6|$9, zu-richten. .* Verlag von Rudolf Aloss«, Berlin.; Zum neuen Jahrgang. Von Ludwig Geiger. — Die iJlUjaU« Woche. — Erich Wolssfeld. — Leopold Levh. - Die wirtschaftliche Lage der Juden in Konstantinopel. Von Dr. Alphons Snßnitzki. — Jüdisches von den Jubiläumsausstellungen in Rom. Von Romanus. — Ein jüdischer Roman eines christlichen Schriftstellers. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Ein Dilemma. Von Ludwig Klausner-Davo6. — Sprechsaal. Der Gemeiirdebote (Beilage zur »AllgemeinenZeitung des Judentums"): Berlin, Aus der Provinz Posen, Hamburg, Würzburg, Magdeburg, Hannover, Wiesbaden, Bonn, Köln, Budapest, London, Jaffa. — Von Nah und Fern. Lum neum Jahrgang. Von Ludwig Geiger. I. ", -; rei Vierteljahrhunderte sind verfioffen; mit der vorigen Nummer ist der 75. Jahrgang zu Ende gegangen. In Nr. 51 des 75. Bandes ist das Verdienst des Begründers und langjährigen Herausgebers dieser Zeitung nach allen Seiten gewürdigt worden. So sehr die späteren Redakteure das Andenken des Stifters ehrten und ehren, so müssen sie ihre Selbständigkeit wahren und die alte Prägung durch neue Stempel.-verändern. Unsere Zeitung kann und will dem Wandel der Zeiten nicht widerstehen. Die Aufgaben sind andere geworden, das Publikum hat sich verändert. Aus einem bloßen Nachrichtenorgan hat sich die Zeitung zu einem allgemeinen jüdischen Wochenblatt mit stark literarischen Tendenzen verwandelt, sie hat die eigentlichen Nachrichten in ein Beiblatt verwiesen, gibt in der „Woche" eine Ueberficht wichtiger Ereignisse, legt aber besonderen Wert auf allgemein verständliche Artikel über wichtige geistige Vorgänge, versucht der regen wissenschaftlichen Arbeit zu folgen und wagt es bisweilen, auch Stellung zu nehmen in den Fragen allgemeiner Politik. , Sie pflegt das Feuilleton, sie bringt Bilder hervorragender Männer und Frauen sowie bedeutender Stätten) sie unterrichtet von dem Wirken deutscher und ausländischer Künstler jüdischen Glaubens. Daß durch alle -diese Neuerungen eine tiefgreifende Umgestaltung vorgenommen worden ist, weiß der Herausgeber sehr wohl; aber seine Ausgabe ist es nicht, alle, diese Veränderungen als Besserungen zu preisen, er muß das Urteil gutmeinenden Lesern überlassen und scheut sich auch nicht vor dem Tadel der Uebelwollenden. ... Wenn das alte, vielgebrauchte und oft gemißbrauchte Wort: „Viel Feind', viel Ehr^" volle Wchtigkeit besitzt, so hat die Zeitung in den letzten Jahren..viele Ehre erworben — freilich haben sich die lauten Rufer in der letzten Zeit gemäßigt, hoffentlich hat sich die Ehre dadurch nicht gemindert. Wenn ich die . privaten Urteiledie indirekt an mich gelangen — denn von öffentlichen Anremplungen nehme ich - niemals Notiz erwäge, so sind es drei Punkte, in denen der Herans^d geber und manche Leser nicht, einerlei Meinung find. v •VCV.Cj - Als ersten Einwurf höre ich: die Zeitung ist ein. Partei« organ, als zweiten : sie fei nicht theologisch genug, als drittMM sie entbehre der Aktualität. Ich versuche auf alle drei-Ein^H würfe zu antworten. 1 8 Die Zeitung ist kein Parteiorgan. Sie ist es^ nicht? weilB sie, obgleich liberal, von den Bewegungen innerhalb ^konservativen Richtung getreulich Bericht erstattet, weil sie, obr; gleich antizionistisch, die Leser von den Vorgängen innerhalbH des Zionismus unterrichtet, weil sie, obgleich jüdisch, denZz Leser keineswegs im unklaren lasten will über das, was ctiifrj christlichem Gebiete vorgeht. Sie ist ferner lein PartAorgän,? da sie auch -der Orthodoxie Gerechtigkeit gewährt, - dasie)-^. keineswegs das Gute verkennt, was der Zionisnnrs schafft oder> wenigstens anregt: Stärkung des jüdischen SelbstbewußtseiNs,^ Aufrüttlung -der Massen, Erziehung der Jugend zu jüdischeri Gesinnung. Sie ist endlich deshalb kein Parteiorgan, weil/sieA in würdigem Tone - von allen Gegnern zu sprechen: suchtA kleinlichen Nörgeleien und wüstem Schimpfen gleichermäßen ihre Spalten verschließt. Zweitens: Sie ist nicht theologisch genug. BederNet dies, . daß sie nicht mehr ausschließlich von Theologen geschrieben. nicht vorzugsweise für Theologen bestimmt ist, so wäre dies eher ein Vorzug als ein Nachteil. Denn es ist ein Vorzug, " daß Juristen und Aerzte, Philosophen und Geschichtsschreiber, . Literarhistoriker und gebildete Frauen in ihr'das- Wort ergreifen; es ist ein; Lob, und zwar Hein', geringwertiges, daß . - -unserenichttheologischen Kreise sich -für das jüdische Leben mächtig interessieren und ihre Geistesnahrung in unserem Blatte suchen und finden. Soll der . Vorwurf aber -heißen, : daß unsere Zeitung absichtlich Theologisches ausschließt; so ist - er unbegründet. Das wäre ja etwas Aeußerliches, wenn ich darauf hinwiefe, daß die großen Feste und die hohen Feiertage, daß Chanuka und Purim durch Artikel theologischer Färbung gewürdigt werden; aber wer .ohne Voreingenommen-, heit die letzten Jahrgänge durchforscht, der wird finden, daß religiöse und theologische Angelegenheiten gar manchmal abgehandelt werdet Derjenige, de m dies nicht häufig', genügt erscheint, möge bedenken, daß wir nicht mehr im Zeitalter eigentlich religiöser Kämpfe sehen, daß weder die AüstzildünA unserer Lehrenoch tzie Auseinandersetzung -.mik änderen; Religionen im Vordergründe des Jntereffes steht, sondern daßf die Angelegenheiten der Abwehr politischer Angriffe,'staatlicher' Zurücksetzung, der Raffentheorie und andere - uns - Heutes:, im höherem Grade^beschäftigen ' als rein theologische Diskussionen/