Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
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Alter von 74 Jahren erreichte, hatte eine etwas eigentümliche, aber um so ehrenvolle und glänzende Karriere zurückgelegt: vom bescheidenen Sekretär der Debreziner Kultusgemeinde^hat es der Verblichene bis zum Königlichen Hofrat, zum Vizepräsidenten der Budapester Notariatskammer und ersten Präsidenten der größten Kultusgemeinde der österreichisch-ungarischen Monarchie gebracht. Dr. Wein mann war der erste Jude in Ungarn, der das Richteramt bekleidete, und er erfreute sich in den weitesten Kreisen der ungarischen Metropole der größten Achtung und Wertschätzung. Im Jahre 1894 verlieh ihm der Kaiser von Oesterreich den Titel eines Königlichen Rates und vor ungefähr acht Jahren die Würde eines Königlichen Hosrates. Nach dem Ableben des Hofrates S. Kohner wählte die Budapester israelitische Kultusgemeinde Hofrat Dr. Weinmann zu ihrem Präsidenten. Der Verblichene hat in dieser Ehrenstellung alle Erwar' tungen, die an sein Wirken geknüpft wurden, vyllaus gerechtfertigt. Das Leichenbegängnis dieses verdienstvollen Führers der Budapester Judenschaft erfolgte unter großer Teilnahme am Donnerstag den 30. November. Fast sämtliche Rabbiner von Budapest widmeten diesem ausgezeichneten Manne, dessen Hinscheiden in der Tat eine unausfüllbare Lücka zurückläßt, ehrenvolle Nachrufe. Ehre seinem Andenken! — Aus Sanol (Galizien) wird der „Union" berichtet: In' einer Gerichtsverhandlung, die Ende Oktober dort stättfand, spielte sich folgender empörender Vorfall ab: Ein Bauer trat' als Kläger gegen einen Juden auf, an den er eine Geldforderung hatte. Der Richter, der die Verhandlung leitete, wandte sich an den Kläger mit der vorwurfsvollen Frage, weshalb er denn dem Juden kreditiert babe. Ein Jude verdiene doch kein Vertrauen. Der anwesende jüdische Advokat Dr. Spiegel wies diese antisemitische Aeußerung des Richters entrüstet zurück, worauf ihn der Richter aufforderte, den Saal zu verlassen. Als sich Dr. Spiegel weigerte, dieser Aufforderung Folge zu leisten, ließ ihn der Richter durch einen Gerichtsdiener gewaltsam aus dem Saal weifen. Dieses unerhörte Vorgehen rief einen Protest seitens der anwesenden christlichen Rechtsanwälte hervor, die auch beim Gerichtspräsidenten hierüber Beschwerde führten. Der Präsident ordnete hieraus die sofortige Versetzung des Richters.in eine andere Abteilung an. Zum Zeichen des Protestes und der Solidarität mit ihren jüdischen Kollegen weigern sich jetzt sowohl die jüdischen wie die christlichen Advokaten, Verteidigungen bei Verhandlungen, die jener Richter leitet, anzunehmen. Galizische Zustände! Wer uon-jtfbis Zeucht, entdeckt derddSma Jtdmlzy vJcF&Iä ■ mit ificen gdbäkeln, ff? JRjdstP^aJfQj&ö sded ■ IMakkaf^sQ^acr.- . llbecali und in den eigenen, ytlinlen^ derJ&ma Jd. dunfz, ge/.' fdnfCkh. j / Nürnberger ILebensverfidierungj] Stammkapital: 3.000.000 M Lebens-, Aussteuer-, Sterbekassen-, Unfall- und Haftpfflcbtvefsicbertmiseii Gegründet 1884 Von Mh und jfern. J — Frau Fauny Reichenh ei m vollendete am 11. d. M. das 80. Lebensjahr. Der wegen ihrer Wohltätigkeit und ihrer Herzensgüte in Zweiten Kreisen hochverehrten Dame brachten Oberbürger- - meifter Kirschner und Bürgermeister Dr. Re icke namens des Magistrats Glückwünsche dar. Auch von der nach ihr benannten Stiftung zur Unterstützung von Witwen und Waisen der bei den Berliner Schulen angestellt gewesenen Elementarlehrer und jüdischen Anstalten, die Frau Reichenheim bedacht hat, gingen Gratulationen ein. — Die Sportabteilung des Jüdischen Turnvereins Bar Kochba hat auch für die Wintersaison ein reichhaltiges Programm ausgestellt. Neben demMaldlauf,amMittwoch abend im Grunewald wird am Sonntag auf dem eigenen Sportplatz in Schulzendorf Hockey und Fußball gespielt. Am Sonntag den 17. Dezember findet eine interne Waldlauf-Konkurrenz statt. Start und Ziel: Sportplatz Schülzendorf. Beginn: 2^ Uhr nachmittag. Gäste zu allen Veranstaltungen stets herzlich willkommen. Nähere Auskunft über die Sportabteilung erteilt Herr Alfred Burin. Flensburger Straße 8. — Die Wohltätigkeits-Vereinigung „Judas Töchter" veranstaltet zur Feier des Chanuka-Festes am Sonntag den 17. Dezember in „Kellers Festsälen". Köpenicker Straße 96/97. nachmittags 4 Uhr ein Kinderfest. Entree mit Kaffee und Kuchen für Kinder 60 Pfennig, für Erwachsene 75 Pfennig. — Unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise feierte am 19. v. M. der Kantor und Religionslehrer Herr Schüler in Guttstadt (Ostpr.) sein 50jähriges Amtsjubiläum und gleichzeitig das Fest der goldenen Hochzeit. Die aus diesem Anlaß dem Jubelpaar därgebrachten zahlreichen Ovationen . bekundeten die Liebe und Wertschätzung, deren es sich innerhalb der Gemeinde und Stadtbürgerschast zu erfreuen hat. — Der' Vorname der Frau Saller, die zusammen mit ihrem Manne, Herrn Siegmund Saller, der jüdischen Gemeinde Filehne '20000 Mark stiftete, ist nicht, wie in der vorigen Nummer fälschlich angegeben, Pauline, sondern Amalie. — In der am 5: d. M. in H ohensalza stattgehabten Ergänzungswahl zur Handelskammer für den Regierungsbezirk Bromberg für den 3. Wahlbezirk, 'umfassend die Kreise Hohensalza und Strelno, sind zu Mitgliedern der Handelskammer auf die Wahlperiode vom 1. Januar 1912 bis Ende 1917 der Bankier Stadtrat Siegfried Salemonsohn und Herr Fabrikbesitzer Dr,- Leopold Levy, beide aus Hohensalza, MILKA VELMA NOISETTINE /im44/ ALLEINIGER FABRIKANT