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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-15 · Heft 50 (15.12.1911) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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75. Jahrgang Nr. 50 Berlin, 15. Dezember 1911 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luchhandei oder die pofi (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich SM. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfo» Unter Leitung des Geheim«« Regiemngs-Ratr Professor vr. Ludwig Seiger Verlag: Buclolk Mosse, SerUn, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse - Verlag de« „Allgem. Zeitung des Judentum»*, Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/4-, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Tlttftftff 3®om ^ege des Sicfytä zu Chanuka. Von Kreisrabbiner HU* Dr. Beernlann - Insterburg. — Die Woche. — Samuel. Cohn, — Brief aus London. Von Dr. Chotzner. — Brief aus Stockholm. Von /T oni Klein. — Tierschutz im Judentum. Von Professor Dr. Berthold Kohlbach. — Feuilleton: Eine Makkabäerszene. Von Rudolf Adami. — Beim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri.— Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Sprechsaal. Der.GemeindeVote (Beilage.zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"), : Berlin, Charlottenburg, Dirschau, Breslau, Posen, Hamburg, Osnabrück Wien. — Von Nah und Fern. Lu Lhsnuks. Vom Siege des Lichts. Von Kreisrabbiner Dr. Be ermann-Insterburg. Das Wahre ist eine Fackel, aber eine ungeheure, deswegen suchen wir alle nur blinzelnd so daran vorbeizukommen, in Furcht sogar uns zu verbrennen. Goethe. ie Weltgeschichte hat für uns nicht mehr in den Kriegen ihre Gipfel, sondern in den Siegen des Menschen über die blinden und blöden Naturgewalten. Nicht Kriegsgeschichte, sondern Kulturgeschichte zeigt uns der Fortschritt des Menschen im Geiste der Freiheit. Der Wilde steht hilflos und zitternd den Elementen gegenüber. Der Kulturmensch bändigt sie und zwingt sie in seine Dienste, zähmt die Tiere, rodet Urwälder aus, zaubert Fruchtfelder aus Oeden, überbrückt Ströme, durchsticht Berge, macht Lust und Dampf und den elektrischen Funken zu seinen Dienern. Ein gewaltiger Eroberer, dieser Genius der Menschheit. Man könnte ihn plastisch darstellen etwa als eine Riesengestalt, die in der Rechten eine Fackel trägt und mit dem Fuße einen überwundenen Dämon niedertritt, der sich wutschnaubend in ohnmächtigem Grimm am Boden windet — der Sieg, des Menschen über die Naturkräfte. . ' . Daneben spielt sich aber unsichtbar ein anderer Kamps ab. Seine Wahlstatt ist die Menschenbrust. Es ist wie auf Kanlbachs Gemälde, der Hunnenschlächt: Uebest dem blutigen Ringen, wo Körper an Körper drängt, sieht man in der Höhe die Geister einen heißen Strauß aussechtem Reinheit ringt mit Gemeinheit, Wahrheit mit Lüge, Höhensehnsucht mit Sinnenlust, Verrat mit Treue. Der religiös-ethischen Betrachtung der Schristgelehrten standen in der makkabäischen Erhebung die lichten Mächte des Guten und Wahren den finsteren Gewalten der Niedrigkeit und Untreue gegenüber. Die.Mannen Judas,. das waren „die Reinen, die Gerechten, die Frommen"; die Gegner hießen „Frevler, Hochmütige, Verräter am. Bunde". Und das Siegesdenkmal der Glaubenshelden ward das Chanukalicht. Ein alter Schulstreit zwischen den .Anhängern Hillels und Schammais ist uns. in . bezug auf - die- . Symbole "überliefert)" Hillel meint, man solle am ersten Festabend ein Licht an zünden, am zweiten Abende zwei Lichter, und so in wachsender Anzahl, bis am achten Abende acht Lichter aufflammen. Die Schammaiten hingegen zündeten am ersten Abende, acht Lichter an, und dann an jedem anderen eines weniger, bis am .letztem nur eine - einsame Kerze.. brannte. Ich; glaube,die Späteren, die über diese Meinungsverschiedenheit im Talmud debattieren, haben das Motiv nicht mehr recht verstanden Mir scheinen die Schammaiten sagen zu wollen : „Seht, Israels Glanz erbleicht immer mehr, bald ist er ganz erloschen, wenn ihr nicht die letzte Kerze schützt und das schmähliche Römer-.: joch im mutigen Freiheitskampfe abwerst!" Hillels Jünger hingegen sprachen: „Habt Vertrauen zu der siegenden Gewalt M jüdischen Geistes, rüstet euch mib Glaubenstreue und - Wahrheitsmut und unsere Sache wird schließlich triumphieren." Es liegt in .der Natur der Wahrheit, daß sie sich endlich durchsetzt und Siege feiert. Sie ist ja die Schwester der Aufrichtigkeit, von der Gi Ferry sagt: „Aufrichtigkeit ist eine Tugend welche ihren Lohn schon im Namen mit sich führt: sie richtet auf." - Viele Menschen glauben nun freilich, sie denken viel praktischer, wenn sie nach Bedarf auch mit der Unwahrheit paktieren und die Lüge wie einen Regenschirm benutzen, der ihnen Unannehmlichkeiten abwehrt. Das war die Lebensklugheit der hellenistischen Streber; es war viel bequemer, sich durch Pflege griechischer Art beim Shrerkönige einznschmeicheln und, von seiner Gunst gefördert, Karriere zu machen, m Werste 'dtzr /'. Treulosigkeit,? die allerlei Vorteile vorgaukelte/ standhaft zu bleiben. Was gehörte auch für ein weltfremder, verstiegener Idealismus dazu, Opfer zu bringen in so grenzenloser Hingabe, wie es die Chasfidim taten in ihrer schier unbegreiflichen Anhänglichkeit an frommem Brauch und Vätersitte. In die Oeden zogen diese, Ver solgungen erlitten sie, auf Haus und Hof verzichteten sie, nur Hce Üeberzeugüng wollten sie 'sticht preisgeben. Hatten sie röie weiland des Odysseus Fahrtgenossen Wachs in die Ohren getan, daß die Sirenenrufe von drüben ihnen nicht gefährlich wurden? Ja, Chassidim und Hellenisten, die Bejaher des Judentums und die Verehrer der Griechensitte standen einander wie fremde Welten gegenüber. Die Gesinnungsfreunde Judas glichen dem Abendstern, der immer an derselben Stelle nach jedem Sonnenuntergang am Himmel erglänzst auf den' man sich verlassen kann, und die Hellenenfreunde waren wie Hebel und Gewölk, die sich von jedem Winde formest und von jedem Strahle färben lassen- : Es war ja bei nur ganz^ Wenigen lautere Begeisterung' . für die abgeklärte Schönheüswelt von Hellas. Denn nicht die' FormenstrerM 'desPhidiäs ünd - die G edankentiefe Platos 4aüit

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