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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-10 · Heft 45 (10.11.1911) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 45 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. erschienenen metrischen Uebersetzungen der Poesien des Alten Testaments und des Hoheliedes Salomons einen Namen erworben. Frankreich. V. Z. Paris, 2. November. Vor dem Pariser Bürgerlichen Gericht begann gestern die Schlußverhandlung in einem Rechtsstreit, dessen Anfänge in das Jahr 1902 zurückreichen und der bereits häufig in der antisemitischen Presse erörtert wurde, die ihn mit großem Behagen breittritt. Der ehemalige RabbinerHeinrich Brauer von Tours verklagt nämlich die Mitglieder des jüdischen Hauptkonsistoriums von Frankreich, unter denen sich der Baron Edmond v. Rothschild, Herr Heinrich Deutsch de la Meurthe usw. befinden,, auf Bezahlung eines Schadenersatzes von 500 O0O Frank, weil das Konsistorium ihn 1902 auf Antrag seiner Gemeinde seines Rabbineramts in Tours enthoben hatte. Der Ämtsentsetzung war ein maßloses Aergernis voraufgegangen. Am Versöhnungstage war der eigene Schwager des Rabbiners in der Synagoge vor den Altar getreten und hatte laut in die Gemeinde hineingerufen: „Der Rabbiner Brauer, der hier den Gottesdienst versieht, ist unwürdig, eine gottesdienstliche Handlung auszuführen. Er hat am Versöhnungstage im hiesigen Gasthof „Zur goldenen Kugel" Schweinerippchen gegessen." Die Eemeindemitalieder erhoben eiy Wutgeschrei, drangen auf den -Rabbiner ein, rissen ihm den Gebetsmantel von'den Schultern und jagten ihn aus der Synagoge. Schon früher hatte er die Feindseligkeit seiner Gemeinde gegen sich dadurch erregt, daß er antisemitische Redensarten führte und in der Dreyfus-Sache für die Nationalisten und gegen Dreyfus öffentlich Partei nahm. Brauer leugnet alle diese Beschuldigungen und behauptet, die Gemeinde sei ihm aufsässig gewesen, weil er auf der Beobachtung des jüdischen Zeremoniellgesetzes streng bestanden und sich unter anderem einmal geweigert habe, den nicht beschnittenen 13 jährigen Sohn eines der angesehensten Gemeindemitglieder einzusegnen. Er klagte, daß er seit seinem Streit mit der Gemeinde keine neue Anstellung finden könne und mit seiner Frau und acht Kindern in größtem Elend lebe. Die Rechtsanwälte beider Parteien werden in 14 Tagen plädieren. Von Ksh und Lern. — Die Abendvorlesung des Herrn Dr. A a hud a an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums,!§., Artilleriestr. 14, über „Die Propheten in Israel" beginnt Dienstag den 14. November abends 7 bis 8 Uhr. — Dem Berliner Gymnasialoberlehrer Johannes Jo el wurde der Titel Professor und der Rang eines Rates verliehen. — Dem Sanitätsrat Dr. Georg Schlesinger in Charlottenburg ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. — In Saalfeld (Ostpr.) feierte am 22. Oktober das Ehepaar Salomon Schwarz in voller Rüstigkeit, umgeben von Kindern, Enkeln, Verwandten und Freunden, das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Prediger Sturmann, Osterode, segnete das Paar ein. Herr Bürgermeister Seroski daselbst überreichte die von Sr. Majestät verliehene Ehejubiläumsmedaille. — Dem Geheimen Kommerzienrat Stadtrat a. D. Michael Herz in Posen ist die Kreuzmedaille zweiter Klasse und zum 100. Geburtstage der Kaiserin Augusta ein Bild der Kaiserin Augusta verliehen worden; desgleichen aus diesem Anlaß der Frau Medizinalrat Dr. Therese Mankiewitz eine Brosche mit "dem Namenszug der Kaiserin. — Herr Rabbiner Professor Dr. Bloch in Posen hielt einen Vortrag, über die „Entwicklung des. Judentums unter persischer Herrschaft". Dem Redner wurde allgemeiner Beifall ' gezollt. — Dem Amtsgerichtsrat a. D. Nechnungsrat Julius Holde in Meseritz ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. — Aus dem Nachlaß der Kaufleute Paul und Julius Oestreicher siel, der Breslauer Synagogengemeinde eine Stiftung von einer Million Mark zur Errichtung eines jüdischen Waisenhauses zu. — Die erste deutsche Hochschule für Frauen wurde in Leipzig am 29. Oktober eingeweiht durch eine Rede der 86jährigen Frau Dr. Henriette Goldschmidt (der Witwe des bekannten Leipziger Rabbiners), der das ZustaNdekoinmen der ersten Einrichtung dieser Art in Deutschland zu danken ist. Oberbürgermeister Dittrich überbrachte die. Glückwünsche der Stadt. — Kommerzienrat Heinrich Merzbach, der Seniorches des Bankhauses S. Merzbach und langjähriger erster Vorstand der israelitischen Gemeinde in Offenbach a. M., ist dieser Tage infolge eines Asthmaleidens im 71. Lebensjahre gestorben. Merzbach trat anfangs der 60er Jahre unter seinem Vater, dem Begründer des Bankhauses, in dieses ein und übernahm im Jahre 1870 mit seinem vor einigen Jahren verstorbenen Bruder Hermann die Leitung der Geschäfte, die er seitdem bis vor einiger Zeit als Seniorches führte. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Geheimer Justizrat Dr. Salomon Fuld, bis 1866 Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft der Freien Stadt Frankfurt und lange Jahre Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde, ist im 86. Lebensjahre verschieden. Dr. Fuld hat sich um das hiesige iüdische Wohlsahrtswesen große Verdienste erworben. — Eine Abordnung der „Vereinigung der eingeborenen Juden" in Bukarest wurde von König Karol huldvoll empfangen, irgendeine positiv bindende Versprechung gab er ihnen aber nicht.— In den letzten sechs Jahren ließen sich in Lemberg 157 und in einem Zeitraum von 16 Jahren in Krakau444Juden taufen, davon zweiDrittel Mädchen, die in Klöster entführt wurden. In Galizien nimmt jährlich ein Jude von 8000 die Taufe, in Wien aber einer von 250.— Dieser Tage wurde in London das Testament der jüngst verstorbenen Mrs. Charlotte Maud Barnato eröffnet. Die auch während ihrer Lebenszeit als wohltätig bekannte Dame hat 30 000 Pfund Sterling (720 000 Kronen) verschiedenen, zumeist jüdischen Wohltätigkeits- und Kultusinstituteu vermacht. Von den Wohltätigkeitsinstituten wurden fast ausschließlich Anstalten für Kinder- und Frauenschutz bedacht. Interessant ist, daß die Wohltäterin unter anderem auch zwei Synagogen je 7200 Kronen mit der Bestimmung hinterließ, daß diese Beträge zur Anschaffung von je einem Sefer Thora mit Silberschmuck für die betreffenden Synagogen verwendet würden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Paris - Grand Hotel Me & Maison Blanche 32 und 34 rue Bergöre. Tol.-Adr.: Hotergere - Paris. 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