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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-03 · Heft 44 (3.11.1911) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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75. Jahrgang Nr. 44 Berlin, 3. November 1911 Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch. Handel oder die. Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellcn) bezogen - , . vierteljährlich S M. vegrün-et von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regrerung§-Ra1§ Yrofeffor vr. Ludwig Geiger Verlag: Huäolk Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des.Judentums*, Berlin 8W., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von. Rudolf Blosse, Berlin. TlttflStlf Zur Müdcheilkonflrmation. Von H. Fuchs-Chemnitz. — Tie Woche. — Die Juden in China. Von Albert Katz. — Julius Stettenheim.—Meine Erinnerungen an Franz Li.zt. Von Ludwig Geiger. — Jacob Wassermann. Von Dr. Victor-Goldschmidt. --- Feuilleton: Beim Lämpchen. Roman.von Peter. UjvLri. — Literarisch e^iitteilungen. — Büch ereinlaus. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgenieinen Zeitung des Judentums^)-- Berlin, Aus der Provinz Posen- Liegnitz, Strelitz (Mecklenburg), Speyer, Frankfurt a. M. — Von Nah und.Fern. k Lur Mädchmkonkirmstion. Von Dr. H. Fuchs, Chemnitz. ^eber die Mädchenkonfirmätion hat in. Nr. 36' mehr ‘V'r Kollege Dr. Norden, in Elberfeld viel Beherzigenswertes, geschrieben. In einem Punkt sei es gestattet, ihm zu wider-st sprechen. Es scheint mir ein starker Mißgriff, wenn er „Versprechen und Schwur auf religiöse Ueberzeugungen undM Pflichten" der Konfirmandinnen „ein schweres Verbrechens an den kindlichen Seelen" nennt. Er geht damit noch weiter als Mavbaum..lL>omiletik S. 94), der allerdings meintdje^ Feier sei „nicht gegen-- die- Gefahr - des,' Religionswechsels" richtet, - aber „ein freudiges Bekennenzu den hauptsächlichsten Heilsgedankendes Judentums und ein' feierliches Geloben sie hochzuhalten" ufw. zugesteht. Ich musi sagen: 'eine Konfirmation ohne Treugelöbnis hat für' mich wenig Sinn. Zunächst rein äußerlich, damit etwas geschieht-, bei. deE Feier. Diese ist doch nicht bloß die EntlaffungsWr. am Hnde. des Kursus. Sie soll eine, und zwar sehr feierliche Hndachts-/ stunde der Gemeinde .sein, wie auch Norden will, und. wie sich , aus der ganzen Situation ergibt. Denn schließlich., werden doch bei dieser Feier die künftigen' ErLgerünien L^.Juden-.^ tums als vollgültige Mitglieder in die Gemeinde äufgenommen. Da müffen sie ja auf irgendeine Weise' dokumentieren, daß sie von dem Bewußtsein durchdrungen find: unsere Welt- und Lebensanschauung' ist das Judentum, ist mit der. Ethik und Glaubenslehre des Judentums inniger, verwandt.als, mit irgendeiner anderen Religion und/Philosophie, der AeUzei^. Norden will, das dokumentieren lasten durch Vorträge der^Mädchen, evWUell aus der Bibel. Das hat.viel gegen sich. -Es ist nicht jedermanns Sache, vor einer Menschenmenge, und nun gar in der Synagoge zu reden; Volksschüler,und mittelmäßig Begabte wollen wir doch nicht,,äusschLießen. . :J^ Berlin reden die Mädchen ja; aber vielleicht , ist-gerade darum ' die Feier dort nicht volkstümlich geworden; tatsächlich, kommen - dort nur die Mädchen in. Betracht, die;glaub.ep .das leiste^ zu können, was von ihnen verlangt wird, und skMt,hies,e-.sind meist älter, als die Konfirmandinnen in d^nMsttzlstädten.s.Ird die-sen-'- sind Vorträge der einzelnen .unmöglich. Ich habe einmal den Versuch gemacht; die Nervosität der Mädchen, die gerade im Konfirmationsalter an sich sehr groß ist, hat böse Folgen gelzeitigt. 'Auch ermüdet die .Reihe der Vorträge, wenn alle Mädchen hintereinander sprechen und 10 bis. 20 auftreten. — Eine.Vorlesung von seiten der. Mädchen ist ebenso ausgeschlossen; eine hebräische von vornherein; aber auch deutsch .könnten doch nur-solche Sätze verlesen werden,- welche die Mädchen auswendig kennen müßten; es gibt keine deutsche - Bibelfür. das Judentum; es: wäre überhaupt eine -solche Häufung von Niedagewesenem, daß schwerlich eine Gemeinde sich dazu bereit erklären würde. — -Bei der Konfirmation - ist .eben doch.-vieles grundverschieden von der Barmizwa- . Feier, .weil dort ein Knabe, hier viele Mädchen stehen. Will man-aber nur eine Konfirmandin für alle sprechen lassen, so ^ergeben stich meistens pädagogische Schwierigkeiten bei der -Auswahl! —. Sobleibt nur ein gemeinsam gesprochenes Bekenntnis übrig,., das die junge Schar, - abgewandt von der Gemeinde, zurchejligen. Lade hin spricht, ohne persönlich-physioulogische Uusreguygj und doch mit innerer.Seelenerregung und < darum auch für die Gemeinde anregend. . Dafür stpricht nun noch -eine andere Erwägung. Einer der Hauptvorwürfe gegen die Feier ist: sie sei ein rein äußerliches Prunk- und^ Schaustück. Soll -dieser Vorwurf vermieden werden, so. müssen die Mädchen nicht nur mit irgendeiner : beliebigen Beschäftigung an ihr teilnehmen. Es muß vielmehr etwas- Wirkliches dabei geschehen, geleistet werden. Die Kon ^strmation ist-eine- „Neuerung" (seit fast 100 Jahren), sie muß ihre Notwendigkeit -erst beweisen. Bringt sie weiter nichts als Predigt (Vorlesung) und Einsegnung, so läßt sich der Vorwurf ( .nichtsteicht zurückweisen/ daßsie Schalluyd Rauch ist; dann wird man es leicht beim Unterricht bewenden lassen. Das Glaubensbekenntnis bringt das notwendige stark dramatische Moment? hinein! i Natürlich iwir.b man die Mädchen nicht auf die 13 Glaubenslehren . desMaimonides vereidigen, oder auf- Niddah, Challah und Lichtanzünden. Vielmehr muß das Maubensbekenntnis - den .Extrakt;des. Unterrichts enthalten: . Aber gegenüber -meinem -hochverehrten Lehrer Maybaüm glaube ich doch die Meinung aussprechen zu müssen, daß wir meines. Erachtens < auch nicht zu zimperlich fein dürfen! Es ist wahr: in erster Linieistdie Konfirmation berechnet gegen demJndifferentismus und,nicht gegench.en „Abfall" — genau wie. die Barmizwa- .Feier. Aber.in unserer. Zeit, wo Abfall und Mischehe am .Mark-des^Judentums -zehren (und -nicht bloß -die. welken Blätternbschütteln!), da, meine-ich,; soll, uns jedes Mittel recht sein, .das-,erlaubt ist, um unsere Gemeinde zusammenzuhalten. Und da nicht nur wir, bis zum Radikalsten, sondern auch

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