Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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MveüÄbbiner. Hirsch Wölk zu- Pinsk, ^der vor einigen Jahren^starb. S)r; Wolk ist auch -selbst' einbedeutender Talmud.ist - und ein vorzüglicher Hebräer und setzt noch jetzt seine jüdischen.Studien fort. England.. : — London, 18. Oktober. Vor kurzem wurde hier das Testament des am 22. März 1909 verstorbenen Baron Horaz Günzburg, des Vaters des.im Vorjahre verstorbenen Baron David Günzburg, bekanntgemacht. Das Testament bezieht sich auf das in England liegende Vermögen im Werte von 390600 Pfund Sterling. Nach den rein vermögensrechtlichen Bestimmungen des Testaments, schreibt der Erblasser, da er dem Beispiele seiner Eltern folgend, zeitlebens die Wohltätigkeitsanstalten großzügig unterstützt habe, und hie von ihm gegründeten Wohlfahrtseinrichtungen durch ihn so gut fundier* wurden, daß sie auf fremde Hilfe nicht angewiesen, sehe er sich nicht veranlaßt, für Wohltätigkeitszwecke neue Summen zu testieren. Er tue dies um so beruhigter, als er nicht daran zweifle, daß seine Kinder dem Glauben ihrer Väter immer treu bleiben und in Wahrung der Traditionen der Familie stets dem Hilferufe der Gemeinschaft und Einzelner Folge leisten und sowohl sie selbst als ihre Kinder und Kindeskinder nicht jene Institutionen vergessen, werden, die mit den ihnen so teuren Namen verbunden sind. Von Sah und jfrrn. Die Hauptversammlung desVerbandes der Deutschen Juden, die am 5. November im Königlichen Operntheater (Kroll) Zusammentritt, wird voraussichtlich rege Beteilung finden. Von den etwa 600 zur Hauptversammlung berufenen Delegierten haben bereits mehr als 400 ihr Erscheinen zugesagt. Das bisher noch nicht angekündigte Thema des dritten (politischen) Vortrages, den der .Landtagsabgeordnete Dr. Cvhn-Dessau halten wird, lautet: „Der Stäa* und die Juden". Zuhörerkarten sind, von Sonntag den 22. d. M. an im Bureau des Verbandes, Potsdamer Straße 45 II. täglich außer Sonnabends von 10—2 Uhr zu haben. — An den 300 Berliner Gemeindeschulen sind zurzeit tätig 270 evangelische ünd 32 katholische Rektoren, ferner 2937 evangelische, 328 katholische und ^jüdische Lehrer, ferner 1447 evangelische, 197 katholische und ^.jüdische Lehrerinnen, zusammen 5255 Lehrkräfte. Dazu kommen 407 angestellte Fachlehrerinnen, sowie 550 wissenschaftliche und technische Hilfskräfte; insgesamt rund 6250 Personen. — Am Mittwoch den 1.. November abends 9 Uhr findet die Wiedereröffnung der jüdischen To mb ee- H a l le (Gipsstraße 12 a) statt. — Dem Salzgroßhändler Kommerzienrat JuliusGoldschmidt in Berlin ist der KöniglicheKronenordenIII. Klasse, dem Fabrikbesitzer Herrn Jakob Mandelbaum in. Charlottenburg der Königliche Kronenorden IV. Klasse und Herrn Justizrät Isidor Boß in Ostrowo der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden.' — Am 14. d. M. ist der langjährige Sekretär des Brüder- Vereins Herr Siegmund Cohn verschieden. Der Verblichene, durch - reiche Gaben des Geistes und Herzens gleich ausgezeichnet, zählte auch zu den allerersten Mitgliedern des Berliner Vereins für jüdische Geschichte und 'Literatur. Ehre dem Andenken dieses braven, edlen Mannes! — Aus Königsberg i. Pr. wird geschrieben:- Wie verlautet, verläßt Rabbiner Dr. Vogelstein unsere. Stadt, um nach Stettin, dem früheren Wirkungskreis seines verstorbenen Vaters, überzusiedeln. Unsere Gemeinde.verliert in Dr. .Vogelstein eine Persönlichkeit., die' sich allgemeiner, auch gegnerischer Achtung erfreute, und es ist eine Liste im Umgang, welche, eine Resolution vorbereitet, die auf ein Verbleiben Dr, Vogelsteins in. Königsberg hinzielt. — Das Ehrenbürgerrecht wurde Herrn Stadtrat Rosenthal in Sagan anläßlich; seines Scheidens: aus. deni Amt eines unbesoldeten Maptrats . in , Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Sagan von den städtischen Behörden verliehen. Eine Deputation.derselben überreichte Herrn Rosenthal den aus- , gefertigten Ehrenbürgerbrief. — Nach 30jähriger Tätigkeit in der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth scheidet Rabbiner Dr. Kusnitzky. Er gedenkt mit seiner Familie nach Breslau-überzusiedeln. Dr. Kusuitzky hat sich als Seelsorger.wie auch sonst hier allgemeines /Vertrauen und- Wertschätzung ertvsrben. — Durch Entschließung der L«. Regierung der Pfalz vom 14. September Nn >2Y 760 ll?: ist der Sitz .des- Rabbinatsbezirks Zweibrücken -nach. Pirmasens verlegt worden. > i Die. Zuständigkeit des Rabbiners" sowie-- die Zugehörigkeit -der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücken zum-Rabbinat und die Aufsicht - über die dortigen Kultusinstitütidne'n und Kultusdiener bleibt ausdrücklich aufrecht erhalten. Hiermit sind die! zehnjährigen 'Differenzen. in befriedigender Weise.-erledigt. ^- Am7^.11.'..dr'-M??'ist.•• Dr. Holzer aus .Anlaß seiner -durch Dekret erfolgten Ernennung -zum großherzoglichen Rabbiner des Kreises W arm §? mit > dem Amtssitz in Worms vom Großherzog von Hessen in huldvoller-Weise'in Audienz empfangen worden. Der Großherzog erkundigte sich angelegentlich nach den Verhältnissen der israelitischen Gemeinde Worms und zeigte.lebhaftes Interesse für deren berühmte, altehrwürdige Synagoge. — Das im Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. bereits in zweiter Auflage erschienene „Kochbuch für die einfache und feine jüdische Küche" von Marie Elsässer erhielt soeben aus - der „Internationalen Kochkunstausstellung in Frankfurt a. M," die große Ausstellungsmedaille. — Auf dem israelitischen Friedhof in Straßburg fand eine Frau, die mit der Instandsetzung eines Grabes beschäftigt war, als sie den Grabstein wegrückte, zwei Doppelflinten, von denen eine mit Kugeln geladen war. Man vermutet, daß die Gewehre entweder Wilderern oder einer Verbrecherbande gehören. - Die seit dem vor einigen Monaten erfolgten Tode des Oberrabbiners bon England Dr. Adler vakante Stelle eines Oberrabbiners von Großbritannien wird demnächst wieder besetzt werden. Wie es heißt, ist die Wahl des großen Synagogenrates auf den Großrabbiner von Frankreich Israel Levh gefallen, der bald sein Amt in England antreten dürfte. Rabbi Levy steht gegenwärtig im 52. Lebensjahre und erfreut sich in Frankreich nicht bloß als Gelehrter und Autor, sondern auch als Prediger und Seelsorger großer Wertschätzung. Levy ist der Verfasser zahlreicher historischer Schriften Und hat die hebräische Literatur um viele wertvolle Werke bereichert. — In Mailand starb im Alter von 73 Jahren der Professor -der Ophthalmologie Giacobbe Rava. Der Verstorbene war seit 1864 Professor und einmal Dekan, vor einigen Jahren Rektor der Mailänder Universität. — In Paris ist vor kurzem das Mitglied des Instituts „Akademie der Wissenschaften" August Michel-Levh verschieden. Der Verstorbene, ein langjähriges Mitglied des israelitischen Konsistoriums von Paris, war Offizier der Ehrenlegion^ — Nach den allgemeinen Wahlen für die Sobranje, die der Regierung von 213 Sitzen 192 einbrachten, fänden am vorletzten Sonntag die Stadtverordnetenwahlen für Sofia statt. Es wurden vier Juden in das Stadtparlament gewählt: Sabbat David, Jsac Nahimow, Abraham Prull und Jacques Levi. -- In der Petersburger Kunstausstellung, die vor einigen Tagen eröffnet wurde, meldete der russische Maler Zlotnikoff einige „Kunstwerke" an: ein Porträt Stolypins mit der Ueberschrift: „Ein Opfer jüdischer Menschenfeindlichkeit". Die anderen Beiträge Waren lauter aufreizende Karikaturen von Juden und jüdischen Festen. Die Zensur verbot die Ausstellung dieser Karikaturen und verordnte die Streichung des Zlotnikoffschen Stolhpin-Bildes aus dem Katalog. Zlotnikoff hausiert schon feit einigen Jahren mit seinen antisemitischen Künstärtikeln bei verschiedenen Ausstellungen herum, konnte aber bisher selbst in Rußland nirgends Obdach-finden. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Sieben arabische Räuber drangen am Hellen Tage in Basra ein, Plünderten die Läden zweier Juden aus, töteten den einen und verletzten den anderen schwer. Schließlich kam es. auf dem Marktplatz zu einem regelrechten Gefecht zwischen den Räubern und Gendarmen, bei dem zwei Räuber getötet und zwei verwundet wurden. Bei den Räubern fand man etwa 90Y0 Mark. Der Mali und der Kommandant nahmen sofort den Tatbestand auf. Die Bevölkerung beschenkte die Gendarmen.— Seit einiger Zeit versehen in den Straßen von Jerusalem mehrere Polizeibeamte den Ordnungsdienst, die dadurch Aufsehen erregen, daß sie die hebräische Sprache vollkommen beherrschen und sich ihrer im Verkehr mit den Juden bedienen. -Ein Teil dieser erst vor kurzer Zeit angestellten /Polizisten ist im muselmännischen Stadtviertel postiert und leistet Den Juden, die in diesem Stadtteil zu tun haben, große Dienste. " Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. - Drück und Verlag von Rudolf Masse in Berlin.? '