Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
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ihren Eltern werden plötzlich wohnrechtslos. Jüdische Handwerker werden ausgewiesen — weil der Jnnungschef, der ihnen vor Jahren die Handwerkszeugnisse ausgestellt hatte, inzwischen vom Orte fortgezogen ist. Und häufig werden Juden aus ihren Wohnorten, in denen sie Jahrzehnte hindurch friedlich und ruhig gelebt haben, fortgejagt — weil der betreffende Stadthauptmanu es verfügt hat. Wozu denn auch noch besondere Gründe angeben? Beruht ja doch die ganze paragraphenreiche Ausnahmegesetzgebung gegen die Juden auf völliger Willkür. Und da es selbst für einen geübten Juristen nicht leicht ist, in dem Labyrinth der russischen Judengesetzgebung sich zurechtzufinden, so glaubt jeder Pristaw und jeder Gouverneur nach eigenem Ermessen „Judengesetze" machen zu sollen. Zu befürchten haben sie ja dabei nichts. Eher können sie auf anerkennende Belohnung rechnen. Der unheimliche Eifer, mit dem die „radikale Lösung"' der Judenfrage in jüngster Zeit betrieben wird, die schamlose Rechtlosigkeit und Vogelfreiheit, die über die sechs Millionen Juden des Zarenreiches verhängt sind, die brutale Grausamkeit bei der Verfolgung der jüdischen Opfer, haben für unsere unglücklichen Brüder einen unerträglichen Zustand geschaffen, dev auch die Interessen der nichtjüdischen Bevölkerung aufs schwerste schädigt. Und die führenden Kreise der liberalen Politiker sind nun zur Ansicht gelangt, daß die Aufrollung der Judenfrage in ihrem ganzen Umfang im Interesse der Juden sowohl wie des gesamten Reiches nicht länger aüfgeschoben werden darf, und daß es mit der bisherigen Taktik des Abwartens und der „stufenweisen" Behandlung der Judenfrage nicht weiter geht. Wie das führende kadettische Organ „Rjetsch" mitteilt, hat die Kadettenpartei den Beschluß gefaßt, die Judenfrage in vollem Umfange in der Duma zur entscheidenden Erörterung zu stellen. Dieser Beschluß bedeutet die Einleitung zu einem neuen taktischer: Verhalten der russischer: Liberalen gegenüber der Judenfrage. Wir Juden werden sicherlich diesen Beschluß mit Genugtuung und Dankbarkeit begrüßen — ohne allerdings an einen positiven Erfolg desselben recht glauben zu können. Am guten Willen der Kadetten ist gewiß nicht zu zweifeln; leider aber vermögen sie in der reaktionären Duma nicht viel auszurichten. Von MH und firn. Dem Oberlandesgerichtsrat a. D. Geheimen Justizrat Stadtrat Professor Dr. Albert Mosse ist aus Anlaß seiner erfolgreichen Mitwirkung an dem Zustandekommen des Vertragsabschlusses zwischen der Stadt Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn der Rote Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife verliehen worden. Oberbürgermeister Dr. Kirschner machte in der letzten Magistratssitzung hiervon Mitteilung und sprach dem Geheimrat Dr. Mosse im Auftrag des Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg deren Glückwünsche zu der Auszeichnung aus. — Der Verb an d der Deutschen Juden wird seine diesjährige (vierte) Hauptversammlung am Sonntag den 5. November in Berlin abhalten, und zwar im Neuen königlichen Operntheater (Kroll), dessen Räume ihm durch das Entgegenkommen der Königlichen Generalintendantur überlassen worden sind. — Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin haben von ihrem Mitgliede Kommerzienrat Sieg m und Borchardt anläßlich seines 70. Geburtstages 10 000 Mark erhalten, die als Siegmund-Borchardt-Stiftung zur Unterstützung verarmter Kaufleute dienen soll, und deren Zinsen jährlich zur Auszahlung gelangen sollen. — Geheimrat Siegmund Lauten b urg, der verdienstvolle frühere Leiter des Berliner Residenztheaters, feierte am 11. d. M. seinen 60. Geburtstag. — Herr Archivrat Dr. Warschauer CfyttßoM AMOuji’l! r i I I Silberwarenfabrik, Modellier- :::: und Ziselierwerkstätten LAZARUS POSEN W». Hoflieferant BERLIN W. Unter den Linden 5/6 FRANKFURT a. M, . Künstlerisch ausgeführte Kultusgegenstände in Silber: . EzChajim.Tass, Jad.Ner-Tomid, ChanuKalampen usw. usw. worüber Musterheft und Preiskurant gratis und franko'. Der Israelitische Kindergarten, Berlin, Gipsstraße 3, sucht gewandte, tüchtige Wirtschafterin die gewöhnt ist, überall mit Hand anzulegen und die rituelle, einfache Hausmannskost versteht. Wohnung, evtl, auch für ^Ehepaar, im Hause. Vorstellung bei Kran z, Berlin» Holsteiner User 15 I, vormittags bis V2II oder nachmittags 6 bis 1h8 Uhr.' Gebildetes Fräulein wird für zwei Mädchen (5*/2 und 8'/s Jahr) zum 1. Oktober bei Familien- Anschluß gesucht. Etwas Nähen erwünscht. Offerten evtl. Zeugnisse und Gehaltsansprüche erbittet Frau CI». Joseph,' gotft (Lausitz). 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