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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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Triest, Marseille oder Rotterdam expediert werden. Auch die' vor -einigen Tagen eingetroffenen Gruppen, welche durch ihre Unerfahrenheit nicht die Auskunstsstelle avisiert hatten und sich vom Bahnhof mit dem Massengepäck, in das Bureau der Allianz begaben, wurden noch am selben Tage nach den Hafenstädten expediert. — In der Gemeinderatssitzung vom 1. September stellte der Stadtverordnete St ein nach eingehender Motivierung folgenden Antrag: Der löbliche Gemeinderat möge beschließen, es sei dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien und ehemaligem Gemeinderate Dr. Alfred Stern aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres der Glückwunsch der Gemeindevertretung auszusprechen. Es ist nämlich seit Beginn der christlich-sozialen Herrschaft, im Wiener Gemeinderate stillschweigender Brauch, Juden, mögen sie im öffentlichen Leben noch so verdienstvoll wirken, zu ignorieren, ihnen bei freudigen Anlässen weder zu gratulieren, noch bei traurigen.Anlässen zu kondolieren. Während z. B. die gesamte Oeffentlichkeit an dem 70. Geburtstage Sonnenthals teilnahm, hat es der Wiener Gemeinderat fertig gebracht, diesen Tag und diesen Künstler einfach zu ignorieren. Dasselbe war vor zirka einem Jahre der Fall, als Goldmak seinen 80. Geburtstag feierte. Und dieselbe Praxis wendet der Wiener Gemeinderat an bei einem Manne wie Dr. Alfred. Stern, der sich nicht bloß unvergängliche Verdienste um das Wiener Judentum erworben hat, sondern der auch jahrzehntelang als Gemeinderat zum Wohle der Stadt Wien gewirkt hat. — Sehr eifrig wird hier die edle Handlungsweise des Pfarrers Michael Hersan besprochen, der, obgleich der christlich-sozialen Partei angehörend, in wahrhaft edler Weise für das verkürzte Recht eines Juden eintrat. Besagter Pfarrer begab sich vor einigen Tagen mit einer Deputation, die auch aus vielen Bezirksräten bestand, ins Wiener Rathaus, um bei den maßgebenden Faktoren in der Angelegenheit des städtischen Oberbezirksarztes Dr. Ludwig Klaar vorzusprechen. Der Führer der Deputation, Pater Hersan, führte aus, Oberbezirksarzt Dr. Klaar sei, weil er Jude ist, durch 17 Jahre präteviert worden, und es. sei ein Gebot der Billigkeit, demselben jene Einkünfte zu gewähren/die ihm rechtmäßig nach seiner Dienstzeit gebühren. Pfarrer Hersan gab dem Wunsche Ausdruck, Dr. Klaar möge zum Physikus extra statum ernannt werden. Hoffentlich wird dieser Schritt von Erfolg begleitet sein, um so mehr, als die Prätevierung des jüdischen Magistratsbeamten selbst Angehörige der christlich-sozialen Partei als Unrecht empfinden. Luszland. ■J. L. Petersburg, 8. September. Die „Beruhigung des Landes" scheint hier schon sehr weit fortgeschritten zu sein und den maßgebenden Faktoren.keine besondere Sorge mehr zu bereiten — so daß sie ihre ganze „Aufmerksamkeit" den Juden zuwenden könnem Sieht man die rastlose „Fürsorge", mit der die Juden hierzulande seitens der Behörden bedacht werden, so müßte man annehmen, daß im Zarenreiche sonst alles aufs beste bestellt sei, und allein noch die „Judenfrage" einer Lösung harre. Mit dieser „Lösung" befassen sich alle Grade des kompliziertenadministrativen Apparats, vom Dorfschulzen und Polizeipristaw bis hinauf zum Generalgouverneur und dem Ministerium selbst. Mit unermüdlicher Energie und erstaunlichem Erfindungsgeist arbeiten sie alle an einer „radikalen Lösung" der Judenfrage: an der Vernichtung der Juden! Die „breite Natur" der russischen „Ordnungswächter" begnügt.sich nicht mit „Kleinigkeiten", sie. geht gleich auf das Ganze los^ „Rußland den Russen — für die Juden isthier kein Platz!" So lautet die Devise. Die Juden müssen fort, vernichtet, ausgerottet werden. Und sie werden es auch tatsächlich. Das Vernichtungswerk an ihnen wird stetig betrieben. Es herrscht der „Pogrom, in Permanenz". Oder ist es nicht gleich, ob den Juden ihr Hab und Gut geraubt wird, oder sie ihrem Besitz und ihren Ernährungsquellen gewaltsam entrissen werden? Es vergeht jetzt kein Tag ohne Judenausweisungen. Städte werden in Dörfer verwandelt — damit die dort wohnhaften Juden ihr Aufenthaltsrecht verlieren. Von Juden besuchte.Privatschulen werden geschlossen — und die jüdischen Schüler an diesen Anstalten samt Geschmack ist dennoch erlernbar, auch für denjenigen, der keiMr" hat. Genau so ist Kunstverstehen erlernbar, auch für den Nichtkünstler. Jedes hohe Kunstwerk offenbart etwas, und derjenige, der empfindet, was er offenbart, ist oft in der Lage, es durch Worte anderen zu erklären-. Alle Kunstregeln (das Genie braucht keine) sind aus '^genialen Kunst werken -gewonnen /deshalb dürfen wir sie ja gerade Offenbarungen nennen. Hat ein Genie den Weg gezeigt, dann können ihn viele gehen. — Was bei der Kunst möglich ist, das geht ohne weiteres beim Kunstgewerbe. Es -ist jedem möglich gemacht/ seine Wohnung geschmackvoll einzurichten. Das HZft „Bilderhängen, Möbelstellen, Einrichten", das die wesentlichsten Bedingungen für gutes Einrichten tief erfaßt und zeigt, steht gern zu Gebote durch W. Dittmar, Berlin 6-, Molkenmarkt 6. Einrichtungs-Geheimnisse, so heißt der Titel der kleinen Schrift, die die Firma Dittmar neu herausgibt. Sie gibt wirkliche Geheimnisse dem, der die Einrichtung seiner Wohnung sinnvoll treffen will. Sie gibt aber noch mehr, denn sie zeigt uns in seltener Klarheit die zwingende Notwendigkeit, daß wir die alten Maßstäbe für Einrichtungen abändern müssen, sie beweist, daß die alte Art einzurichten nicht mehr zu uns und unserer modernen Kleidung paßt. Ist das aber der Fall, dann müsse Wandel geschaffen werden, denn, so heißt es, „nicht allein sieht dieses Nichtpassen schlecht aus, es kann auf die Dauer auf das Geschmacksempfinden des Wohnenden nicht ohne nach teiligen Einfluß bleiben. Nicht zu reden von den Kindern." W. Dittmar, Berlin 6., Molkenmarkt 6, sendet die vollständige Schrift mit vorbildlichen Erläuterungen unseren Lesern auf Wunsch gern kostenfrei. Carl Salbach |Berlin, Unter den LiMiTe?] [Berlin, Leipziger StrTnff, Vornehmstes Spezial-Geschäft für feine Pelzwaren Eröffnung der Winter-Saison Sämtliche Neuheiten sind fertiggestellt und in zahlreichen Ausführungen am Lager Zu Fest-GeschenKen besonders geeignet Besichtigung ohne Kaufzwang. 'Modernisierungen und Reparaturen r I werden möglichst frühzeitig erbeten und bis Ende September zu den billigen Sommerpreisen ausgeführt. i I

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