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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-08-18 · Heft 33 (18.8.1911) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWWWW 75. Jahrgang Nr. 33 WWWDSWWW Berlin, 18. August 1911 Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis.- durch den Buch. Handel oder die Post (in Berlin und vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheime« Regierungs-Rats Professor Vr. Ludwig Seiger Verlag: Rudolf Mossef Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Mgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW-, Jerusalemer Straße *6/49, zu richten. Verlag von Rudolf rnofse, Berlin. TTflflftft Die Lage der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Von Max Bergmann-Charlottenburg. — Die Woche. — Zehnter Zionistenkongreß. — Die Propheten in der jüdischen Volksschule. Von Seminardirigent Tr. M. Spanier-Münster i. W. — E. Gans und L. Zunz am Mordechai Noah (1822). Mitgeteilt von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Beim Lämpchen.. Roman von Peter UjvLri. — Büchereinlauf. — Sprechsaal. — Berichtigung., Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Äus der Provinz Posen, Stettin, Leipzig, Dresden, Kissingen, Wien, Pilsen, London. — Von Nah und Fern. Die Lage der jüdischen Gemeinde?u Lrrlin. Von Max Bergmann, Charlottenburg. I. - preußische Gemeindeverfassung beruht auf dem Ge- / setz vom 23. Juli 1847. Die jüdische Gemeinde zu Berlin hatte seinerzeit wohl gegen 10 000 Seelen, denn um das Jahr 1850 zählte man erst 11 867 Juden. Damals umfaßte die jüdische Gemeinde den Stadtbezirk Berlin, die Stadt Charlottenburg und mehrere ländliche Ortschaften. * Welche Veränderungen sind seit dieser Zeit vorgegangen, auf kulturellem, wirtschaftlichem und technischem Gebiet, aber auch in der Seßhaftigkeit der Juden in Preußen. Wo früher , in den kleinen Städten blühende jüdische Gemeinwesen waren,, insbesondere in den östlichen Provinzen, Posen, Preußen und Schlesien, ist jetzt eine Verödung eingetreten; dort ist die Judenschaft dezimiert, sie ist nach den großen Städten, vornehmlich nach Berlin übergesiedelt. Es ist müßig und würde uns vom Thema ablenken, wollten wir an dieser Stelle den Gründen hierfür nachgehen; genug, die jüdische Gemeinde zu Berlin nahm hierdurch einen Aufschwung, das Wachstum derselben ist beinahe vergleichbar mit dem amerikanischer Städte, denn die Berliner Gemeinde g zählt heute mehr denn 140 000 Juden. ß Und auch hier ist eine lokale, bedeutende Verschiebung eingetreten insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten insofern, als ein großer Teil der Juden seinen Wohnsitz nach den Vororten, hauptsächlich nach den westlichen verlegt hatte. Es erscheint sicher, daß in diesen westlichen Vororten weit über ein Drittel der Gesamtjudenschaft von Groß-Berlin wohnt, denn allein Charlottenburg zählt 22 400 Seelen, während Schöneberg und Wilmersdorf zusammen zirka 25 bis 30 000 haben dürften. Diese Abwanderung ist nun nicht etwa beim Beharrungszustand angelangt, sondern sie wird eine noch intensivere werden; in weiteren zehn Jahren wird aller Voraussicht nach die Hälfte der jüdischen Gemeindemitglieder in den westlichen Vororten wohnen. -Während, wie wir sehen, hier alles im Fluß ist, Veränderung auf Veränderung folgt, alles im Fortschritt begriffen, ist in der jüdischen Gemeinde zu Berlin, deren Seelenzahl in den letzten 60 Jahren um das zwölffache gestiegen ist, hinsichtlich der Verwaltung beinahe alles beim Alten geblieben. Das Gesetz vom Jahre 1847 besteht noch heute, lediglich i sind Veränderungen des Statuts vorgenommen worden; die l Zusammensetzung in der Verwaltung ist noch die gleiche wie « im Jahre 1847. Heute, wie vor 60 Jahren haben wir f sieben Vorsteher, drei Vorsteherstellvertreter, ähnlich wie in t kleinen und kleinsten Gemeinden; nicht anders ist die Zuj sammensetzung der Repräsentantenversammlung. i Aber was für 11 867 Juden im Jahre 1850 richtig war, ( hat heute bei einer Anzahl von 140 bis 150 000 Juden, die den vierten. Teil der deutschen Juden darstellen, und die auf einer großen Fläche verteilt wohnen, seine Berechtigung verloren: Bei den Unzuträglichkeiten, die sich durch das uni geheure Wachstum der Gemeinde herausgestellt haben, helfen nicht kleine Mittel, wie sie jetzt von Zeit zu Zeit angewendet werden, auch die Vergrößerung beider Körperschaften bietet kein taugliches Mittel hierfür, da helfen nur einschneidende Maßnahmen, die sich ohne Gesetzesänderung, nur durch Aenderung des Statuts ermöglichen lassen. Schon der frühere Kultusminister Bosse soll sich einer jüdischen Deputation gegenüber geäußert 'Wien, er begreife ' nicht, wie eine so große Gemeinde von einem Punkte aus geleitet werden könnte. Die jetzige Zusammensetzung der jüdischen Gemeinde, die wie schon erwähnt, große Städtegebilde umfaßt, entspricht aber nicht einmal dem Gesetz vom j; Jahre 1847; dort heißt es im § 35: „Die Juden sollen nach Maßgabe der Orts- und Bevölkerungsverhält- - Nisse dergestalt in Synagogengemeinden (Judenschasten) ver-. einigt werden, daß alle innerhalb eines Synagogenbezirks wohnenden Juden einer solchen Gemeinde angehören." Zu dem Standpunkt des Ministers Bosse müßte ein jeder sich bekennen, der es ernst mit seinem Judentum meint, der nicht achtlos an. den offensichtlichen, zutage tretenden Schäden im Gemeindeleben, die sich aus den Zentralisationen herausgebildet haben, vorübergeht. Bevor ich auf Einzelheiten eingehe, will ich ausdrücklich hervorheben, daß biefe: und die noch folgende Kritik keine persönliche Spitze gegen die Mitglieder der Gemeindeverwaltung enthalten soll. Vorbehaltlos muß man anerkennen, daß die Verwaltungsmitglieder außerordentliches leisten, wobei man berücksichtigen muß, daß sie meist noch durch ihren Beruf stark in Anspruch genommen werden. Die Ausführungen (T'r^r

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