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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-07-28 · Heft 30 (28.7.1911) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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daß seine Tage, gezählt seien. Trotzdem wirkte die Kunde von seinem Hinscheiden geradezu erschütternd auf alle Kreise der jüdischen Bevölkerung, die in ihm nicht nur ihr religiöses Oberhaupt, sondern auch Den edlen und stets hilfsbereiten Menschen verehrte, dessen Wirksamkeit besonders auf sozialem Gebiete auch .seine Gegner rückhaltlos anerkannten. Dr. Hermann Adler wurde im Mai 1839 zu Hannover als Sohn des Oberrabbiners Nathan Markus Adler geboren. Im Dezember 1862 hat er au der Universität Leipzig das'Doktprat gemacht. Seit 1891 war er Chiefr .bbi der vereinigten jüdischen Kongregationen in England. Der Verstorbene , genoß eine hohe Aütoritä nicht bloß innerhalb jüdischer Kreise; auch außerhalb des Judentums und in den höchsten Staatskreisen nannte, man seinen Namen mit hoher Achtung. . Er galt als Repräsentant der gesamten englischen Judenheit. Das zeigte'sich auch im Juni 1909 bei Gelegenheit der Feier, welche das. Londoner Judentum aus Anlaß des 70. Geburtstages seines Oberrabbiners veransialtete. König Eduard VH. hotte telegraphisch seine Gratulation gesendet, und die Universität ^zu Oxford ernannte ihn zu ihrem Ehrendoktor. Ungefähr 3000 Menschen -erschienen zu dem Empfange., den Lord Rothschild, der Präsident der United- Synagoge, zu Ehren Dr. Adlers gab. Der Empfang war von 4 bis 7 Uhr nachmittags angesagt und auf der ganzen Linie der Stadtbahn konnte man es merken, daß das Londoner Judentum in Bewegung war. Oberrabbiner Dr. Hermann Adler, dessen Leben und Wirken eingehend zu würdigen wir uns noch vorbehalten, verdiente die Anerkennung, die ihm gezollt wurde. Un« geteilt und aufrichtig ist nun die Trauer der englischen Judenheit um den Heimgang des Oberrabbiners, dessen Leben ihr zum Segen gereichte und dessen Tod für sie einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Von Osh und jferu. — Nach längerem Leiden verstarb plötzlich der Geh. Sanitätsrat und Stabsarzt a. D. Dr. Siegbert Marcus e. Er erfreute sich in ärztlichen Kreisen allgemeiner Wertschätzung,- war zweiter. sHllvertretender Vorsitzender und erster Schriftführer der Ärztekammer für die Provinz Brandenburg und den Stadtkreis Berlin. — Wie uns das Deutsche Bureau der -Alliaiftje IsrasMe Universelle mitteilt, haben letzthin in einer Anzahl jüdischer Gemeinden Rußlands verheerende Brände gewütet. Das Centralkomitee in Paris hat an die durch die Katastrophen besonders schwer hcimgesuchten Ortschaften, und zwar an die Gemeinden U, ir (Gouvernement Minsk), Janischki (Gouvernement Kowcho), Vorotynaschine (Gouvernement Mohilov), Karelitschi (Gouveruemeut Minsk), Olitä (Gouvernement Sonwatkl). Dwine (Gouvernement Grodno), Jagory (Gouvernement Kowno), Beihilfen im Gesamtbetrag von 12000 Franks geschickt. — Für verschiedene russische Jeschiboth hat das Centralkomitee den Betrag von 2000 Franks bewilligt.' — Anläßlich der 750 jährigen Gedenkfeier der Stadt Schwerin, i. M. faub am 8. d. M. in der dortigen Synagoge ein FestgotteSdienst statt. Die Feier wurde eingeleitet und beschlossen mit Rezitation der Psalmen 100. 127, 1 und 122, 7—9 durch Herrn Kantor Bers. Die Seftpredigt hielt Landesrabbiner Dr. Silberstein. — Der Badearzt Dr. Albert Goldberg in Neuenahr, bisher Oberarzt der Reserve, wurde zum Stabsarzt ernannt. — In feierlicher Weise sandeln Essen (Ruhr) die Grundsteinlegung der neuen Synagoge am Steeler Tor statt. Kommerzienrat Hirsch lau d eröffnete die Feier mit einer Ansprache. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. Samuel, — Am 13. d. M. beging Herr Philipp Schiff in Frankfurt a.. M. die Feier seines 70. Geburtstages. Ter Jubilar erfreut 1 sich wegen seines ausgeprägten Wohltätigkeitssinns allgemeiner Achtung und Anerkennung. Er ist in der Verwaltung einer großen Anzahl sowohl städtischer wie auswärtiger philanthropischer Institute, und er hat sich besonders als Förderer bei der Gründung des Frankfurter Vereins für jüdische ' KraWeupflegerinnen bewährt. — Aus Stuttgart wird gemeldet: ' Der König hat im Einverständnis mit der Königin von dem Ertragnis des Blumentags in Württemberg 18000 Mark dem jüdischen Alkers-! asylin Sontheim bei Heilbronn zugewendet und damit die gleiche'tzari- ~\ täti sche Praxis beobachtct, wie bei, der bereits.gemeldeten Verwendungsbestimmung über die Silberhochzeitsspende des Köpigspaares. — Die israelitische Bevölkerung der Schweiz, hat während des' letzten Jahrzehnts ganz bedeatend zugenommen und hetxügt laut der im vergangenen Jahre borgen omm .neu- Volkszählung ^M0 H- Seelen gegen 12000 im Jahre. 1900. Der.5Ka-n.ton.^..Zürich.,^rMt ",§530 Basel-Stadt 2400, Genf 2200, Bern 2M.Maadt 1080' uyd>St-Gallen .1010 Israeliten auf, dann folgen die Kantone Neuenburg< Aargau -und Luzern mit stärkeren Kontingenten,., wähxend sich die übrigen namentlich auf die Kantone Freiburg, Bajelland, Schaffhausen und Thurgau verteilen. — Aus Lemberg wird uns geschrieben: Im hiesigen' jüdischen Theater veranstalteten die Zionisten gegen den amerikanischen Schauspieler Keßler, der die Rolle des. Hamlet mangels Kenntnis, der Jargonsprache in deutscher Sprache rezitierte, große Demonitrationeu. Eine große Anzahl Demonstranten drang in den Hof des Theaters ein und sehte die Demonstrationen dort fort, die erst nach der Verhaftung der -Rädelsführerihr Ende fanden. — In der Bibliothek der Edinburgher Advokaten-ist ein vollständiges hebräisches Bibelmanuskript aus dem 13. Jahrhundert entdeckt worden, das als eins der ältesten hebräischen Bivelmanuskripte angesehen werden darf. Eine ausführliche Beschreibung bringt Professor Ä. R. S. Kennedy in „The Expository Times“. — Durch emen Erlaß des Königs von Spanien werden die Juden in Melilla, die bisher davon ausgeschlossen waren, zur Beteiligung an der Lokalverwaltung ermächtigt. Canalejas, der kürzlich von diesem anachronistischen Uet erbleibsel erfuhr, hat seine Abstellung veranlaßt und die liberale Presse zollt ihm deswegen Beifall. — Mit den beiden, kürzlich vom italienischen König neu ernannten Senatoren gibt es augenblicklich zwölf jüdische Senatoren in Italien. Ueber die Hälfte von ihnen sind Universitäts-Professoren, während die übrigen hervorragende Staatsstellungen bekleiden. — Wie berichtet, ist der berühmte Archäologe, Professor Emanuel Loewy von der Universität Rom. von der Negierung zum Präsidenten des Ausschusses vom »Internationalen Archäologen" Kongreß" ernannt worden, der kommenden Herbst in Rom stattfinden ^soll. — Eine in Sa loniki stattgehabte Versammlung der jüdischen Gemeindebehörden beschloß, Herrn Rabbiner Jakob Meir zu bewegen, endgültig aus das ihm in Jerusalem angeträgene Rabbinat zu verzichten. Der beliebte Oberrabbiner wendete gegen diesen Vorschlag ein, daß er sich bereits der Jerusalemer Gemeinde verpflichtet hätte.' Doch wollen seine Anhänger auch hier Rat wissen und alle Kontraktangelegenheiten in Konstantinopel und in Jerusalem ordnen. Der Oberrabbiner gab endlich dem Drängen seiner Gemeinde .nach und' Jerusalem ist bereits hon diesem Entschluß' iit Kenntnis gesetzt worden. Das ' Verdienst, den vielverehrten Oberrabbiner nun doch in Saloniki zu behalten, ist wohl zum größten Teil dem national-jüdischen Klub Salonikis zuzuschreiben. — Alfred Chalom, der berühmteste Advokat Aegyptens, der Mitschöpfer jener Gesetzesreformen, aus denen gegenwärtig oer bürgerliche und soziale Frieden in Aegypten ruht, ist im 50) Lebensjahr verschieden. — Aus New Aork wird uns gemeldet, daß Prof. Dr. Salomon Sch echter von der Harvard-Universität zum Ehrendoktor der Wissenschaften ernannt worden ist. Dem »American Hebrew" zufolge ist diese Ehrung durch die Veröffentlichung seines Werkes „Dokumente jüdischer Sektarier" erfolgt, vr. Schechter ist der erste Jude, dem diese Ehrung von der Harvard Unversität zu teil wurde. — In Niagara-Fall fand vor kurzem die Grundstein» legung für eine neue Synagoge statt, die in Gegenwart von über 2000 Menschen in feierlicher Weise vorgenommen wurde. An der Feier nahmen alle Behörden der Stadt. Abordnungen von Buffalo und Nochester sowie zahlreiche Besucher teil. Der Bürgermeister der Stadt hielt die Begrüßungsansprache und rühmte den Fleiß und die Ehrlichkeit der Juden, die überall, wo sie sich niederlassen, sobald sie die Möglichkeit hierzu haben, vor allem ein Haus Gottes errichten. Die Synagoge hat den Namen „Beth Israel" erhalten. ' ' v .. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Druck und^Derläg von Rnd ols Masse in Berlin. - '

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