Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228990--67624-3279851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- ... ' 51 W«»t1 ** ^386 1/ ./ Annuaire des Archives israölites pour Tan du monde 5672 (du 23 Septembre 1911 au 11 Septeinbre 1912). Adminisiratif, Litöraire Sf Religieux eontenant les' renseignements les plus complets sur. le Culle IsraSlite en France, : Alsace-Lorraine, Belgique et Suisse. Des Notices sur les Etablissements d’instruction et de Bienfaisance de Paris et des Travaux historiques sur le Judaisme. (28 e Annöe) par H. Plague R4dacteur en chef des Archives israölites. Paris. Au bureau des archives israölites. DaS neue Zivilprozeßverfahren, vor dem Amtsgericht. Zur Verwendung für Kaufleute, Gewerbetreibende und sonstige Perfoi erü Gemeinverständlich dargestellt und mit Formularen versehen von Richard Burgemeister. Anhang: DaS neue Wechselstempelgesetz. L. Schwarz L Co., Berlin 8. 14. Preis 1.10 Mark. ' - Gewerbeordnung für das Deutsche Reich. Neueste vollständig^ Ausgabe 1910. Nebst dem Kinderschutzgesetz und dem Gesetz betreffend : Beschlagnahme des Arbeitslohnes. L. Schwarz & Co., Berlin 8. 1910. Preis 1.20 Mark. ■ Der kleine Versöhnungstag. Eine - liturgische Studie von Dr. Armin Abeles. Wien 1911. Im Selbstverläge des Verfassers. Hebrevv Satire by J. Chozner ph. Dr. London. Hegan Paülj Trübner & Co. . 1911. Preis 5 Sh. Einsames Land. Erzählungen und Stimmungsbilder von Dr. Wilhelm Münz. Mit dem Bildnis des Verfassers. Zweite, durch neue Skizzen vermehrte Auflage.- Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. 1911. Preis 2.50 Mark. ' Die Ethik des Judentums. Dargestellt von Prof. Dr. M. Lazarus. Zweiter Band. Aus dem handschriftlichen Nachlasse des Verfassers. Hel ausgegeben von I. Winter und August Wünsche. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. 1911. Preis 4, 5 und 6 Mark. . Das älteste Liebeslied der Welt. Das hohe Lied Salomos. Zweiter Teil der Poesien des . alten Testaments. In deutschem Gewände von Dr. M. Epstein, emer. mährisch-schlesischer Landesadvokat in Brünn. Frankfurt a. M. 1911. I. Kauffmann. 80 Pfennig. Gleichnisse für Reden über jüdische Angelegenheiten von Dr. Felix Kanter. Rabbiner. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 1911. Preis 2 Myrk. Die Bedeutung der Bibel für die religiös-sittliche Bildung der Jugend. Vortrag, gehalten auf dem Lehrer-Verbandstag zu Frankfurt a. M. am 27. Dezember 1910 von Dr. M. Spanier, Magdeburg. Auf einstimmigen Beschluß des Verbandstages zum Druck übergeben. Hamburg. 1911. Verlag von M. Leßmann. Hxrechssal. Aus dem Gebiete der Armenpflege (Gesuche von dritter Seite). Von Registrator N. Cohn. 7^<enen, die auf dem Gebiete der freiwilligen Armenpflege — bei jüdischen Gemeinden sowohl wie bei sonstigen Ä'ohlfahrtsinstituten.— sich betätigen, ist es eine bekannte Erscheinung, daß vielfach.Bittgesuche-nicht von den Bedürftigen direkt, sondern von deren Hausgenossen, Freunden, Verwandten und Bekannten eingehen. / . So wohlgemeint derartige Gesuche von dritter Seite oftmals auch sein wögen, sind sie nicht geeignet, als Grundlage für die Prüfung der Verhältnisse der als bedürftig bezeichneten Personen zu dienen. - Größere Armenverwaltungen gehen daher auf solche Gesuche in der Regel nicht ein.' Diesem Beispiele sollten, alle Wohltätigkeitsvereine folgen. Es liegt hierin zwar eine scheinbare Härte, aber, wie gesagt, nur eine scheinbare. Die Gründe für die Zurückweisung solcher Gesuche sind mehrsacher Art. Häufig ist es der Fall, daß diese Gesuche ohne Wissen und Willen der Beteiligten, zwar in der besten Absicht, abgesandt werden, bei der Prüfung stellt sich dann aber heraus, daß die Betreffenden von einer Unterstützung irgendwelcher Art trotz ihrer. Notlage nichts wissen wollen. Wohltaten soll man aber niemandem aufznüngen. . In Ärderen Fällen wissen zwar die Betreffenden von der Absendung der Gesuche für sie, dulden aber , die Bevormundung von dritter Seite nur darum, weil ffie.', glauben, daß ihre eigens Bitte nicht den gleichen Erfolg haben würde, wie die von einem »Gönner" eingereichte, der häufig für die.Armen weiter nichts tut, als. ihnen gegenüber eine Gönnermiene aufzusetzen. Hat ein solches Gesuch Erfglg» dann glaubt der Bedürftige zumeist, daß er diesen einzigumd allein dem Einfluß feines »Gönners" zu v^danken habe und fühlt sich für diesen von schwerer Dankesschuld belastet, die . manchmal drückender empfunden wird als die Not selbst, weil die Armut den Menschen empfindlich macht. Jeder Bedürftige soll sich vertraüÄlsvoll an die richtige Stelle wenden, wo man eine schlicht vorgetragene Bitte sympathischer aufnimmt, wie weitschweifige Auseinandersetzungen dritter Personen. Eine Armenverwaltung,' ein Wohltätigkeitsinstitut, ein Hohltätigkeitsverein heischt auch für die Unterstützungen nicht den Dank des Unterstützten. Bedrängten geholfen zu,haben ist ihnen Befriedigung und Lohn genüg. Auch wird bei Verwaltungen und den Personen, die auf humanitärem Gebiete tätig sind, die Diskretion besser, gewahrt als bei Privatpersonen. Selbstverständlich sind mit Gesuchen von dritter Seite nicht solche gemeint, die von Fürsorgevereinen ufw. für ihre Schützlinge ausgehen. Kann jemand einem Armen durch sachgemäßen Rat dienen, dann mag er es tun; am besten ist der, ihnen die richtige Stelle zu weisen. Direkte Gesuche liegen also im Interesse des Bedürftigen, denn selbst begründete Gesuche von dritter Seite haben oft Verschleppungen zur Folge, durch die die Not des Bedürftigen häufig ins Ungemessene gesteigert wird. Wird aber jemand von einer Wohltätigkeitsvereinigung unterstützt, dann soll er es wissen, woher die Unterstützung kommt, daß er sie nicht dem Einfluß des einzelnen, verdankt. Er soll wissen, daß. das durch Tradition geheiligte Gebot, der Nächstenliebe noch heute in Geltung ist. und daß es daher auch in dem Bestreben unserer Zeit liegt, den wirtschaftlich Schwachen zu stützen. So wird dem oft schon Verzweifelten neuer Mut und aufs neue der Glauben an die Menschheit eingeflößt. Dies ist wahre „erziehliche Wirkung" in der Armenpflege; ein Wort, das dann nicht mehr ein bloßes modernes Schlagwort ist. Nr. 25 d. Bl. S. 300 ist ein Aufsatz von Louis Germain L6vy J erwähnt, der darzütun versucht, daß Judas der Verräter niemals existiert habe. Vom Herrn Herausgeber wird"dazu bemerkt: „Zunächst möchte man meinen, daß es sich bei dieser Ausführung um einen Aprilscherz handle. Diese Meinung ist aber gänzlich irrig usw." Der Gedanke darf jedoch durchaus nicht so sehr überraschen. Denn so wie, es für die christlichen Theologen der kritischen Richtung feststeht, daß viele Züge in dem Lebensbilds des Stifters der christlichen Religion, das die Evangelien bieten, aus Bibelstellen herausgestaltet sind, so muß auch die Möglichkeit .zügegeben werden, die Erzählung von Judas auf denselben Ursprung zurückzuführen. Der Gedanke ist aber auch nicht neu. Der vor wenigen Jahren als Prosessor der evangelischeu Theologie in Breslau verstorbene William Wrede hat dieselbe Frage in einem Aufsatze „Judas Jscharioth'" in der urchristlichen i Ueberlieferung" (in seinen Vorträgen und Studien S. 127 ff.) .dej handelt. Wrede, einer der gründlichsten Forscher auf neutestamentlichem Gebiete, der sich namentlich durch sein Buch .„Das Messiasgeheimnis in den Evangelien" einen Namen gemacht hat, will in ( jenem Aufsatze Nachweisen, daß die ganze Erzählung, vom- Verrate des Judas aus der christlichen Deutung von Psalm 41, 10 hervorgegangen sei, indem man die Worte nüf den Messias bezog (vergl. Evg. Joh. 13, 18; 17, 12). Den Bericht über das Ende des Judas bezeichnet Wrede ebenso wie Lövy als eine Nachbildung des Schicksals des Achitophel (2. Sam. 17, 23). Ob der französische Gelehrte unabhängig von Wrede zu seiner Ansicht über Judas Jscharioth gelaugt ist, weiß ich nicht, da mir die Zeitung „Les droits de l'homme" nicht zugänglich ist.;.L. CVHn (Breslau).