Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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75.«Jahrgang Nr. 28 Berlin, 14. Juli 1911 Ein unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch. Handel oder die Post (in Berlin und .Vororten durch, unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson Unter Leitung.des Geheime« Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Nuckolk Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen skr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung. des Judentums*, Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Die Generalversammlung der Jewisli Co'onization Association. 1|1UJUU« _ Die Woche. — Zum Andenken an den Kirchenrat Dr. M. v. Wassermann. Von Dr. Adolf Kohut. — Der Kapitalismus der Juden und die jüdische Religion. Von Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. — Martin Bernd.t: Eheleute. .Besprochen von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Ein Jude, Inhaber des Eisernen Kreuzes. Von S. Marx. — Beim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. — Büchereinlaus. — Sprechsaal. Der Geüteindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*).' Berlin, Beelitz, Ans der Provinz Posen, Filehne, BreSlau, München, Köln, Frankfurt a. M., Amsterdam. Wien. — Von Nah und Fern. Sie Generslorrlsmmlmis der „Jewish Colonization Association“. Berlin, 10. Juli. m 1. d. M. fand in Paris unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Verwaltungsrats, Herrn F. Philippson- Brüssel, die Generalversammlung der Jewish GoloDization Association statt. Der Leiter der Versmnwlung stellte zunächst fest, daß die Versammlung ordnungsmäßig einberufen sei. Sodann wurde das Protokoll der Versammlung vom 25. Juni v. I. genehmigt und der Jahresbericht über die Tätigkeit der Gesellschaft im Jahre 1910 sowie die Bilanz des verflossenen Geschäftsjahres und die Bestätigung ihres Richtigbefundes durch einen vereidigten Sachverständigen, der die Bücher der Gesellschaft geprüft hat, vorgelegt. Nach Genehmigung vorbenannter Berichte, teilte der Vorsitzende mit, daß der Zeitraum von fünf Jahren, für welche die Herren Leonard L. Cohen, Paul Evrera, N. Leven, H. G. Lousadä, S. Reinach und Dr. James Simon-Berlin zu Mitgliedern des Verwaltungsrates gewählt worden sind, abgelaüsen sei. Und daß nach dem § 25 der Statuten die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt werden könnten. ' Auf den Vorschlag des Präsidenten erfolgte einstimmig die Wiederwahl der scheidenden Mitglieder auf einen Zeitraum von weiteren fünf Jahren, worauf er folgenden Bericht erstattete r - Meine Herren! ’ ' Indem ich die Sitzung eröffne, will ich zuerst im Namen, dieser Versammlung unsere aufrichtigsten Wünsche für. eine baldige Genesung unseres ' hochverehrten Vorsitzenden Herrn N. Leven zum Ausdruck bringen. Hoffen .wir, ihn bald wieder aus seinem Platze in unserer Mitte zu sehen.; ■ Die Gründung unserer Gesellschaft datiert von dem Tage, an welchem Herr Baron v..Hirsch mit seinem weiten!Blick mnd der ihm eigenen Hochherzigkeit den Entschluß, gefaßt hatte, unsere heimatlosen: vyn Unterdrückung und Elend verfolgten Glaubensgenossen.in den fruchtbaren Ebenen Argentiniens anzusiedeln. Indem'er diese Idee in die Tat umsetzte, ist er nach Ueberwindüng großer Schwierigkeiten, wie neue Unternehmungen dieser Art sie zu bringen pflegen, nicht allein dazu gelangt, aus unglücklichen Menschen würdige und freie Männer zu machen, sondern er hat der ganzen Welt, bewiesen, daß der Jude trotz aller durch unmenschliche Behandlung erfolgten Degradierung und Unterdrückung ein tüchtiger, intelligenter Arbeiter werden kann, der sich mit derselben Energie, mit der er den Handel und die Industrie beherrscht, auch dem Ackerbau zuwenden kann. Wir sind zu der Ueberzeugung gelangt, daß die kritische Beweisperiode der Gründung jüdischer Kolonien in Südamerika beendet ist. Wir wollen uns hier auf die Aufgabe beschränken, die Geschichte dieser Zeit uns noch einmal, zu vergegenwärtigen, indem wir zu gleicher Zeit auf den Jahresbericht von 1910 Hinweisen, der ein Gesamtbild unserer in so verschiedenen Formen auftretenden Tätigkeit enthält. Es sind jetzt genau 20 Jahre her, daß die ersten Gruppen zum Zwecke der Kolonisation in Argentinien Europa verließen. Unsere Gesellschaft existierte damals noch nicht, doch hatte Herr Baron Hirsch damals schon den Entschluß, sie zu gründen, gefaßt. Er hatte bereits eine Kommission nach Argentinien geschickt,, die beauftragt war, die Bedingungen zu prüfen, welche.das Land bot, und das nötige Terrain zu erwerben. Man sah voraus, daß man mindestens „ejn . Jahr der Vorbereitung bedürfen werde. Als aber im Sommer 1891 die Ausweisungen der Juden aus Rußland eine Menge Jsraelsten .an die Grenzen Deutschlands. und Oesterreichs führten, wandten , sich die Grenzkomitees an. den Baron. Hirsch Mt der Bitte, diese Emigranten, nach Argentinien zu senden. Noch war nichts zu ihrer .Aufnahme vorbereitet. Trotzdem sah sich Herr Baron Hirsch genötigt, den dringenden. Bitten nachzugeben. Am 5. Juni 1891 wurden einige. hundert Auswanderer in Hamburg ein geschifft . Andere Abteilungen folgten, und schließlich ließ man 800 Personen abreisen, die man unter den vielen sich in Konstantinopel aushaltenden. Flüchtlingen ausgewählt hatte. Am Ende des Jahres 1891 zählte man ungefähr.2200 nach.Argentinien expedierte Emigranten. Strenge Anweisungen . hatte man den Komitees betreffs , der Auswahl von Emigranten gegeben; nur mit dem Ackerbau vertraute Personen sollten zur Auswanderung bestimmt werden. Indessen gab es unter den Auswanderern nur wenige, die sich eine richtige Vorstellung von der Art ihrer neuen Beschäftigung machten. Man kann wohl sagen, daß diese Ignoranz auf dem Gebiete des Ackerbaues und der Landwirtschaft eine der Hauptursachen für die großen Schwierigkeiten bildete, die sich der, Entfaltung des Werkes in den Weg gestellt haben. Eine große Anzahl der ersten Ansiedler, abgeschreckt durch die Schwierigkeiten ihrer neuen Existenz und.nicht den nötigen Anhaltspunkt .bei den Verwaltern. der Kolonien findend, hatte das neue Land schon nach" kurzer: Zeit ihrer. Ankunft verlassen. . .... Im September 1891 befestigte Baron Hirsch seinWerk.indem er die „Jewish Colonization. Association“ gründete, die bei Lebzeiten, ihres Schöpfers keineswegs mehr bedeutete als nur den Namen. Erst nach demim April 1896erfolgten Tode. des . Barons Hirsch wurde der gegenwärtige Ausschuß konstituiert. -. Die sehr mittelmäßigen Resultate, die im Laufe' der ersten- Existenzperiode des Werkes erzielt wurden, hatten seinen Begründer