Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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plötzlich verschieden. Der Heimgang tsieses trefflichen, hochgeachteten Mannes bedeutet für seine Gemeinde sowohl als auch für die allgemeinen Interessen des Judentums einen schweren Verlust. — Das Königlich Bayerische Statistische Landesamt gibt nunmehr offiziell die statistischen Ergebnisse der letzten Volkszählung in Bayern bekannt. Bayern hat danach 6 887 40t Einwohner, ist seit letzter Zählung um 5,6 Prozent gewachsen. Von diesen rund 7 Millionen sind 4862343, also 70 Prozent Katholiken. 1942385, also 28,2 Prozent Protestanten und nur 55 065 (0,8 Prozent) Juden. — Dem 1. Kultusvorstand der jüdischen Gemeinde in Jchenhausen, Magistratsrat Michael Sulzer. wurde anläßlich der Feier seines 80. Geburtstages nach einstimmigem Beschluß des Magistrats und Gemeindekollegiums in Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens das Ehrenbürgerrecht verliehen. — Herr Geheimer Justizrat Friedländer in Bielefeld erhielt anläßlich seines 60jährigen Dienstjubiläums den Kronenorden 3. Klasse. — Die Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands ernannte dessen Vorsitzenden. Herrn Lehrer Steinhardt in Magdeburg, zum Ehrenmitglied. — Entgegen der Meldung, die vor einigen Tagen durchrdie Presse ging, daß der bekannte Multimillionär Jakob Schiss eine Stiftung zur Errichtung einer Universität zu Frankfurt a. M. gemacht und bereits mit dem Kultusministerium Besprechungen gepflogen haben soll, erfährt der «Reichskorrespondent" von Herrn Jakob Schiff, daß er sich niemals mit Gründü'ngsplänen für eine Universität in Frankfurt a. M. getragen habe und daß er nicht im entferntesten daran denke, eine solche oder ähnliche Stiftung zu machen. — Herr Paul Löwenthal in Frankfurt a. M. wurde zum Konsul von Siam ernannt. — Der jüdischen Gemeinde Diedenhofen wurde im elsaß-lothringischen Landeshaushalt ein Zuschuß von 25 000 Mark zum Bau einer Synagoge bewilligt und davon die erste Rate von 1000 Mark eingestellt. — Wie das Organ der galizischen Orthodoxen „Machsike Hadath" zu berichten weiß, hat die österreichische Negierung den Erlaß vom Jahre 1890, wonach die galizischen Rabbiner durch ein Zeugnis die bestandene Reifeprüfung einer Mittelschule nachzuweisen haben, außer Kraft gesetzt. Der neue Bildnngszensus wird darin bestehen, daß die galizischen Rabbinatskmdidaten vor einer Prüfungskommission in Nus Bädern und Kurorten. Chiemsee-Sanatorium und Kurhaus Strand-Hotel bei Prien in Oberbayern zwischen München und Salzburg. An einer Bucht des Weftgestades des „bayerischen Meeres" liegen beide auf terrassenförmig ansteigendem Gelände, durch waldige Hänge gegen rauhe Winde geschützt, breit ausladend zum grünen See, umgeben von reizenden Villen, abseits von allen störenden Betrieben. Gegenüber grüßen die liebliche Frauen-Jnsel, das Malerparadies und der stolze Märchentraum König Ludwig II., das Prunkschloß Herrenchiemsee, und ringsumher thronen die Riesen des Kaisergebirges und des Salburgerlandes. Der erfrischenden Seeluft ausgesetzt, senken sich die großen Golf-, Tennis- und Kroquetplätze zum See. ein weites künstliches Bassin, zirka 3000 gm groß, nach dem See zu abgeschlossen durch praktische Kabinen, ladet zum erquickenden Seebade. Einen besonderen Nachdruck legt das Sanatorium aus die Behandlung von Nerven-, Verdauungs-, Stoffwechsel- und Frauenkrankheiten nach dem System von Dr. Lahmnnn. ausgeschlossen sind Tuberkulöse und Anstoß erregende Leiden. Das Haus ist das ganze Jahr geöffnet und eignet sich infolge der herrlichen geschützten, milden Lage und inneren Einrichtungen mit allem Komfort: elektrisches Licht. Zentralheizung usw. besonders zur Durchführung von Herbst-, Obst-, Trauben- und Winterkuren, die gerade bei Stoffwechselkrankheiten und Frauenleiden besonders wirksam sind. Das Kurhaus Strand-Hotel eignet sich besonders für Touristen, die das herrliche Herren-Chiemsee, Frauen-Jnsel kennen lernen wollen und für Erholungsbedürftige sowie zur Nachkur, da die an Naturschönheiten so reiche Umgebung den Kurgästen so angenehme Eindrücke bietet, daß sie von vornherein guter Stimmung sind. Alles weitere besagt das reich illustrierte Prospekt-Album, welches gratis und franko zugesandt wird. Wiesbaden. Wiesbaden steht zurzeit im Zeichen der Haute- Saison. Die große Frequenz beweist, daß die heilkräftigen, schon im Altertum bekannten Thermen ihren unvergleichlichen Ruf bis in unsere Zeit erhalten und ständig vermehrt haben. Die Zahl der Besucher belief sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres auf 65 000 im Vergleich zu 61000 in dem gleichen Zeiträume des Vorjahres. was einer Steigerung von 4000 Fremden gleichkommt. Wiesbaden verdankt diese Wertschätzung in erster Linie seinen großartigen Kurerfolgen, sodann aber auch den vielen anderen Vorzügen, die den Kurgästen sowohl, wie den Vergnügungsreiseuden hier das ganze Jahr hindurch geboten, werden. Die geographische Lage Wiesbadens im Herzen Deutschlands ist eine sehr günstige. An die Hauptlinien des großen Eisenbahnverkehrs angeschlossen, ist es von allen Seiten leicht und bequem zu erreichen, und durchgehende Wagen und Züge führen von den meisten Großstädten Europas direkt nach Wiesbaden. der Statthalterei eine allgemeine Bildungsprüfuug abzulegen habe" werden, in welcher das Hauptgewicht daraus zu legen sein wird, daß die Rabbiner einer der drei Landessprachen, polnisch, ruthenisch oder deutsch mächtig sind. — Aus Paris wird berichtet: Die Testamentsvollstrecker des verstorbenen jüdischen Multimillionärs Osiris haben die Konkurrenzbestimmungen für die Errichtung eines Monumentes der Baronin Hirsch bereits festgesetzt. Das Monument, das eine testamentarische Widmung Osiris ist, wird auf der Square des Menages, an der Ecke der Rue de Sevres und de Babylons, zur Aufstellung gelangen.—Unter dem Vorsitz des Chiefrabbi Dr. Adler fand vorige Woche in London die zweite englische Rabbinerkonferenz statt. Die Verhandlungen, die wichtige religiöse und kulturelle Fragen der englischen Judenheit zum Gegenstand hatten, nahmen einen sehr stürmischen Verlauf. — In Kiew haben neue Bedrückungen der Juden begonnen. Gegen tausend Juden sollen polizeilich ausgewiesen werden. Darunter sind; viele Inhaber von Drogerien und deren Angestellte. Die Lage einer Anzahl von Familien ist sehr bedrängt, da ihre ganze Existenz durch die plötzliche Ausweisung vernichtet wird. — Bei dem Aufenthalt des Sultans in Saloniki haben sich die dortigen Juden nicht nehmen lassen, den Padischah besonders lebhaft zu begrüßen. DieStraßen, die besonders von Juden bewohnt sind, waren ausnehmend reich dekoriert, wozu sogar Shnagogen-Gegenstände verwendet wurden. Der Sultan sprach seine Anerkennung aus für die patriotische Haltung der jüdischen Bevölkerung und empfing den Rabbiner und Gemeindevertreter in Audienz. Diese überreichten eine Adresse. — Wie aus Washington gemeldet wird, hat Kongreßman Sulzer dem Kongreß die Protestresolution zahlreicher Organisationen gegen die unerhörten Zustände auf der Einwanderungsinsel Ellis Island unterbreitet. Die Resolution fordert, daß der Kongreß eine spezielle Untersuchungskommission einsetze, die die Aufgabe hätte, alle die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten aufzudecken, denen die Einwanderer ausgesetzt sind, seitdem Williams dort als Einwanderungskommissär regiert. Der Kongreß dürfte noch in dieser Session die Einsetzung der Untersnchungskommission beschließen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastr. 58. Wohl die zehnfache Zahl" von Kranken gegen früher aus allen Ländern des ganzen Erdballs, deren Widerstandsfähigkeit im Kampfe nms Dasein erlahmt ist, und die in ihrer Hei»nat keine Hilfe finden können, kommen jetzt alljährlich nach Wiesbaden, um nach kurzem oder längerem Kurgebrauch befreit von ihren Leiden mit den Gefühlen tiefer Dankbarkeit die gesegneten Quellen wieder zu verlassen, deren Heilkraft ergänzt und verstärkt wird durch die Nutzbarmachung aller modernen Hilfsmittel unserer hochentwickelten Heilkunst. Eine willkommene Ergänzung der Bäder bildet eine große Anzahl von Spezialsanatorien, die der Behandlung der verschiedensten Krankheitsformen dienen und unter ärztlicher Kontrolle die Durchführung von Regeln und Vorschriften ermöglichen, die in der Häuslichkeit des Kranken meist ganz unmöglich sind. Auch die mediko-mechanische Behandlung kommt hier zu ihrem Recht. Die günstigen klimatischen Verhältnisse und die unvergleichliche Lage Wiesbadens nahe dem vielbesungenen Rheinstrom an den Ausläufern des reich bewaldeten Taunusgebirges sind schätzenswerte Imponderabilien für den vollen Erfolg eines Kuraufenthalts in Wiesbaden. Das Mineralbad Mergentheim, das deutsche Karlsbad, hat in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung genommen. Dasselbe dürfte im Laufe des Winters und Frühjahrs erhebliche Verbesserungen und Vergrößerungen zwecks Umgestaltung in ein großes Bad erfahren haben. Die Wohnungen im Kurhause für die Kurgäste wurden vermehrt, elegant und komfortabel ausgestattet, in derselben sind neue, hübsch und modern eingerichtete Gesellschaftsräume geschaffen. Das Badehaus wurde vergrößert und in dasselbe eine geräumige, luftige Ruhehalle eingebaut; die Badeeinrichtungen sind verbessert worden. Die Heilquelle, sogenannte Karlsquelle ist durch Herrn Oberingenieur Scherrer von Bad Ems, einer der ersten und bekanntesten Autoritäten auf dem Gebiete der Sanierung der Mineralquellen, neu gefaßt worden; zwar sind die umfangreichen Arbeiten der Herstellung und Einrichtung der im Bau begriffenen großen Ouellhallen noch nicht vollendet; doch kann jetzt schon konstatiert werden, daß die Mineralwässer vollständig geschützt und gesichert sind gegen den Zutritt von Grund- und Süßwasser und keinerlei ungünstigen Beeinflussungen mehr ausgesetzt sind, vielmehr in ihrer Zusammensetzung von Glauber-, Koch- und Bittersalz einen konstanten Charakter angenommen haben und in Verbindung mit ihrem reichen Gehalt an freier Kohlensäure die Vorzüge der Bitterwässer, der Koch- und - Glaubersalzquellen in sich vereinigen, wie keine andere Quelle, daher auch gegen Magen- und Darmkrankheiten, insbesondere bei chronischer Verstopfung, Gallensteinen, Leberleiden, Zuckerkrankheit, Fettsucht, Gicht usw. erfolgreich angewendet werden können.