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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-06-09 · Heft 23 (9.6.1911) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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75/ Jahrgang Nr; 23 Berlin, 9. Juni 1911 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philipps«« Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats prvsejjor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Uuäolk ÜLosse» verUn» Jerusalemer Strasse 46/49 Diese. . Zeitung l-rscheiyt . wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luchhandel o>er die Post (in Berlin und vororten, durch unsere vertriebsstellen) bezogen Vierteljahr ich Z M. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition-sind an die Adressen Verlag her „AUgem. Zeitung de» Judentums", Berlin SW;, Jerusalemer Straße 46/40, zu richten.J Verlag von Rudolf Mosse, Berttn. Tlnl^ptll' ^as ist israelitische Religion. Von Dr. M. Levin. — Die ^•../l***** Woche. — Markus Reich. — Zum Zentenarium Leopold Löws. Von Prof. Dr. Evttlieb Klein. — Der Kapitalismus der Juden uni) die jüdische Religion. Von Dr. I. Z iegler. — Ein kleiner literarischer: Skandal in Kopenhagen 1794. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Beim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. — Literarische Mitteilungen. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin.. Allenstein- Posen, Aus der Provinz Posen, Breslau, Hamburg,' Friedrichstadt, Wiesbaden, Stuttgart, Wien, Kremsier. — ^Don, Nah und Fern. Mas ift llrartttilche Hrligimi? Von Dr. M. Levin. , ine kurze und bündige Antwort zw geben äüf^iMFLäge.- was israelitische Religion sei,ist uns erschwert wovdest durch die: vielen Klassifikationen, in die man sie gebrächthati-Man spricht von einer Volksreligion, von einer ProPhetenOliUon, von . einer Gesetzesreligion- . von einer ZHüchreligron. ' Ganz anders gliedert sich unser Religionsgebäüde nach dev Dreiteilung. der HeUigen Schrift in Thora (Lehre)/Mebiirü (Propheten),: Kesubim(Schriften). ' . Die Thora ist das. Religionsbuch des Volkes-Israel.-. Es geht/ nicht: an> auch mach von einer Volksreligiorr der gemeinen Masse zu sprechen, weil sie sich, von der kanäanitischen Umwelt beeinflußt,: dem Tierkult und Bilderdienst,- der Zauberei und Wahrsagerei.hingegeben hatte; In der zügellosen Richterzeit wie in der noch schlimmer^ Königszeit sind die Verirrungen. als Abfall zu bezeichnen, gleichviel.ob er aus Schwäche oder aus politischen . Rücksichten oder aus Nachahmungssucht erfolgte. Warum sollte das Land, bevor es ein heiliges werden konnte, die Kanaaniter ausspeien, diese Völkerschaften, die unter dem Banne Babels standen? Weil sie den grausigsten Götzendienst triebey, der sich bis zu Menschenopfern verlor, und weil sie den erniedrigendsten widernatürlichen Lastern verfallen waren. Sie sollten den Israeliten wie „Dornen im Auge sein und Stacheln in den Seiten"?) Darum-die Weisung: ,;Jhr sollt die Sitten Aegyptens und Kanaans nicht befolgen!^) Darum die Mahnung, sich von dem abzusondern, was! unter, der Herrschaft der Natürgottheiten geübt wurde?) -Die Volksreligion Israels empfängt ihren eigentümlichen Charakter dadurch, daß das Volk mit Gott einen Bund eingeht, durch den es ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk bilden-sollte. Durch diesen Bund ward es das „auserwählte Volk" in der gesamten Religionsgeschichte; durch diesen Bund y/I V/ Möse 33, 55. 2)1II. UJiofe 18, 1 bis 5. sj-V-. -Mose .18,. 9 bis 14; 4?19. Ezechiel 21. 26. „Jesaja 8, 1/9 ff..; 47<1ß. « . , trat es in einen Gegensatz zu der. babylonischen und ägyptischen Weltansicht und Lebenshaltung. Das Heidentum hat höchstens den Anstoß gegeben und den Gegensatz hervorgerusen. Abraham, d^r aus Babel kam, und Mose, der aus Aegypten und Arabien kam, was hätten sie uns sagen können, wenn sie nicht eine "Stimme vernommen hätten, die noch in. keinem Lande und unter keinem Volke gehört' worden war! Was sie vernommen, erscheint neugeartet' und ursprünglich?) Daß die' ganze Thora nicht einem Verfasser zugeschrieben werden kann, das ändert nichts an unserem Verhältnis zur Thora. War auch Mose im Hause Gottes der „Bewährteste", so waren die Priester doch ebenfalls Gotterwählte. Wieweit auch die einzelnen Bücher und Kapitel der Zeit nach auseinander liegen mögen — die Zehn Worte,, sie sind und bleiben an den Namen dessen geknüpft, der' unsere Volksgeschichte' eröffnet, an den Namen Mose?) Warum sind uns gerade diese Worte die „Worte des Bundes"? Weil sie die Sittlichkeit an die Religion binden. Das Sittliche ist das Gesetzmäßige und verleiht dem Gottesbunde den Stempel der Ewigkeit. Vom Dekalog aus wird die Gesetzesreligion eine befreiende Macht, die zumal in der gestählten Gesinnung die Ehre des Menschen zutage fördert. Aus dein Sittengesetz, das gleich fest gefügt'ist wie das Naturgesetz, erblüht uns ein unzerstörbarer Optimismus, daß Willkür . und Gewalt auf die Dauer nichts vermögen gegen das Rechte. Nicht sklavisch gebunden, keine fremde Schuld tragend, be-. kündet der Geist seine Freiheit, seine zum Göttlichen erhobene Menschenwürde, indem er sich über die Natur erhebt, sich, selber beherrscht und das Sollen in ein Wollen wandelt?) Alles/ was die Neuzeit an Religion und Moral von uns fordern kann -- wir können es ans dem Zehnwort herleiten. 'Was sagt uns nicht schon das einleitende Bundeswort! „Ich, der Ewige, bin Dein Gott!" Kein Lokalgott, kein Nütionalgott! Äer Ewige, der Schöpfer des Alls, der Allgegenwärtige ist es, der sich auch in der Menschenwelt in seinem Walten offenbart. Aus diesem Grundgedanken werden alle Gesetze und Berichte der Thora verständlich; in allen weht der mosaische Geist, selbst' in den ersten Erzählungen, die in ein parabolisches' Gewäüd gekleidet'sind^ selbst in den Patriarchengeschichtett. Je nach Zeit und Verhältnissen wurden die Gesetze erteilt, und'zwar von denen, die am meisten dazu berufen waren, von den Priestern, den Stämmesgenossen Moses?) "; ' ' ' ' . / Jedes Volt muß seine GesW 'haben. Sollte etwa gerade Israel - -feine ' Siltengesetze, seme Rechtsbestunmüngen- ' y I. Mose 17, 1 bis 11. V. Mose 4. 32 ff. 2) ji Mose 34, 27.;3) II. Mose 19,8', .V.'Mvse 5,26/ -h V/Möse 17.Ä ff.;'21. 51 33/2Ü.

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