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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-05-19 · Heft 20 (19.5.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der (Semetndebote. ***»■»* »»■ Vetlage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". LorrelponÄkn?en und Kschrichten. Deutschland. *** Berlin, 16. Mai. Rechtzeitig, einen Monat vor dem am 11. Juni d. I. zusammentretenden XII. laußerordentlichen) Deutsch- Israelitischen Gemeindetage sind die Mitteilungen Nr. 78 des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes erschienen. Tie Tagesordung jener Versammlung weist zwei bedeutsame Beratungsgegenstände auf. Der Gemeindetag wird Gelegenheit haben, sich auf Grund des von einem hervorragenden Fachmanne zu erstattenden Referates über den Entwurf eines Reichs gesetzes für Angestellte und über die den Gemeinden bevorstehenden neuen Pflichten zu informieren. Ferner gilt es eine neue Grundverfassung des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes anzunehmen, durch die die Mängel der geltenden Satzungen beseitigt werden sollen. Dem Entwurf ist eine Begründung der Abweichungen beigefügt. Die meisten von diesen sind formaler Natur oder auch nur stilistische Verbesserungen. Wichtig ist die neue Bestimmung des § 13 über die Vertretung der Bundesgemeinden und Gemeindeverbände auf dem Gemeindetage. Die neuen Vorschläge bezwecken einerseits eine gerechte Berücksichtigung der Ansprüche der Groß- und Mittelgemeinden, anderseits eine angemessene Vertretung der kleinen Gemeinden, die durch Zusammenschluß in die Lage gebracht werden sollen, Vertreter ihrer Interessen aus ihrer eigenen Mitte zu bestellen. Der Bericht des geschäftsführenden Vorsitzenden gibt auf 2^ Druckbogen ein Bild von der nach Umfang und Kompliziertheit der Aufgaben charakterisierten Tätigkeit des Bundes seit dem letzten Gemeindetage vor zwei Jahren. Ter Bund umfaßt zehn preußische und drei außerpreußische frei willige Gemeindeverbände und 1008 Bundesgemeinden, darunter sind 661 preußische. Die von den Provinzialverbänden und den preußischen Groß- und Mittelgemeinden eingeforderten Gutachten über das Organisationsgesetz lauteten größtenteils günstig für die Fortsetzung der Arbeiten der gemischten Kommission, auch der IV. Verbandstag hat sich spontan im gleichen Sinne geäußert, dennoch wurde beschlossen, die seit zwei Jahren ausstehende offizielle Stellungnahme des Rabbinerverbandes abzuwarten. Im Anschlüsse an die Verhandlungen des III. Verbandstages vom 18. Mai 1909 ist die am 1. Oktober 1910 eröffnete Deutsche Zentralstelle für jüdische Wa nderarme n fürso rge ins Leben getreten. Besonders sei auf das Referat des Herrn Tr. Kahn, Seite 66—70, hingewiesen; hier wird zum ersten Male der bedeutsame Erlaß des Ministers des Innern vom 3. Dezember 1910, durch den die Rück, wanderersrage geordnet werden soll, bekannt gegeben. Ueber diese bedeutsame und erfolgreichste Leistung der Berichtszeit handelt ein besonderer Artikel „Reform der jüdischen Wanderarmenfürsorge", Seite 38—50, der noch durch eine tabellarische Uebersicht über die Provinzialkassen und Grenzbureaus sowie durch das sehr lehrreiche stenographische Protokoll der Mitgliederversammlung vom 29. Januar 1911 ergänzt wird. Die Bemühungen des „Deutsch- Jsraelitsichen Gemeindebundes", das preußische Schulunterhaltungsgesetz vom 28. Juli 1906 günstiger für die bedürftigen jüdischen Gemeinden zu gestalten, sind leider erfolglos geblieben, da der Kultusminister unter dem 23. Juni 1909 eine Petition des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" betreffend Herabsetzung der für die Berücksichtigung aus' dem Resolutionsfonds erforderlichen Minimalzahl von zwölf volksschulpflichtigen Kindern abschlägig beschieden hat. Infolgedessen haben die Beihilfen der Gemeinde-Unterstützungskommission und der Brünn-Stiftung an kleine Gemeinden zur Ermöglichung eines durch einen seminaristisch geprüften Lehrer erteilten Religionsunterrichts gewährte Beihilfe die'alte Bedeutung erhalten. Eine vergleichende tabellarische Uebersicht auf Seite 35 zeigt die Zunahme der im letzten Jahre unterstützten Gemeinden. 1901 erhielten 149 Klientelgemeinden zusammen 14 016.25 Mark, die noch nicht abgeschlossenen Bewilligungeil für 1911 betreffen schon jetzt 200 Gemeinden mit. einer Gesamtsumme von 21076 Mark. Die vom „Deutich-Jsraelitischen Gemeindebund" begründeten und verwalteten Anstalten für soziale Zwecke haben in den verflossenen zwei Jahren eine große segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Ueber die Frequenz der Fürsorge-Erziehungsanstalt für Knaben in Repzin und für Mädchen in Plötzensee geben Tabellen auf Seite 20 Ausschluß. Seit ihrer vor 10 Jahren erfolgten Eröffnung hat die erstere Anstalt 144 Zöglinge aus allen Teilen des Reiches ausgenommen, von . denen zurzeit 37 anwesend sind. Um dem Andrang zu genügen, wird zurzeit ein kostspieliger Anbau ausgeführt. Im Plötzenseer Institut, das ein Jahr später für schulentlassene weibliche Fürsorgezöglinge eröffnet wurde, waren bis jetzt 69 Insassen; zurzeit ist die Frequenzziffer 20. Die Anstalten erfordern zusammen jährliche Zuschüsse von 9-11 000 Mark. Die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz besteht seit 2V2 Jahren und hat bereits. 39 Knaben und 27 Mädchen aufgenommen. gegenwärtig sind 27 Knaben und 13 Mädchen vorhanden. Der Andrang der ersterenist so groß, daß schon jetzt an bedeutende Erweiterungsbauten gedacht werden muß, die auch neue Arbeitsräume für die so wichtige handwerksmäßige Ausbildung der Zöglinge enthalten sollen. Die Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee hat in neun Jahren 4516 Mann, also jährlich durchschnittlich 500 Mann, beherbergt und mit Arbeit versehen. Die Bedeutung dieses segensreichen Instituts ist durch die Schaffung der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge noch gewachsen. — Das Gesamtarchiv der Deutschen Juden ist durch die Ende vorigen Jahres erfolgte Uebersiedelung in die von der Berliner jüdischen Gemeinde mietsfrei zur Verfügung gestellten, allen modernen Anforderungen entsprechenden Räume in ein neues Stadium der Entwicklung getreten. — Unter den Stiftungen zugunsten der Gemeindebeamten nimmt die Friedrich - Wilhelm - Victoria- Stiftung die erste Stelle ein. In nahezu 80jährigem Bestehen hat sie zu 1438 Versicherungen von Gemeindebeamten über eine Gesamtsumme von über 6V- Millionen Mark, von denen die Stiftung etwa ein Viertel der Prämien trägt, beigesteuert. Seit Bestehen des Vertrages sind 679 000 Mark fällig geworden. In der Berichtszeit sind 100 neueVersicherungen über eine Gesamtsumme von zirka 600 000 Mark hinzugekommen. Die übrigen Stiftungen: Theodor-M arcus-Stiftung für Beihilfen zu Prämienzahlungen. Philippson - Stiftung: Unterstützung in vorübergehender Notlage, Herxheimer - Stiftung: Stipendien an Lehramtskandidaten, Stiftung des Generalkonsuls Franz Philippson in Brüssel: zur Veranstaltung von Vorlesungskursen für akademisch gebildeteLehrer der jüdischen Religion haben in bisheriger Weise gewirkt. Neu hinzugekommen sind die beiden Stiftungen des Herrn Siegfried Brünn für Ferienfortbildungskurse jüdischer Lehrer und zur Gewährung von Prämiengaben an Lehrer in kleinen Gemeinden, die sich der schulentlassenen Jugend.annehmen. Prämiengaben haben auch die Nachod-Stiftung und die Montefiore-Stiftung verteilt. Die Kristeller-Stiftung unterstützt nach wie vor Handwerkslehrlinge, studierende Techniker und'Handwerksmeister. Die Leo Schäfer-Stiftung nimmt sich der entlassenen Fürsorgezöglinge an, die Silberstein - Stiftung wird vom nächsten Jahre ab Universitätsstudierenden beiderlei Geschlechts Stipendien gewähren. Die Lehrabteilung hat pädagogische, religions- und sprachwissenschaftliche, verwaltnngsrechtliche und belletristische Werke subventioniert und vielfache prinzipielle Fragen zu beantworten gehabt- Die Bibliothek des D. I. G. B. ist aufgelöst worden, ein Teil der Bücher ist an die Bibliothek der Berliner Gemeinde, ein anderer an die jüdische Lesehalle gefallen. Das Statistische Jahrbuch wird bis zum Gemeindetage eine Neuauflage erfahren. Von den Leistungen auf dem Verwaltungsgebiete ist die Durchführung der Konzentration der Strafgefangenen in Orten, wo sich der Sitz eines Rabbiners

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