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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-14 · Heft 15 (14.4.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Fragen beschäftigte, beschlossen, alljährlich eine Liste derjenigen.Vereine, die Kollekten mit polizeilicher Gen eh mignng veranstalten, züsammenzustellen und den Mitgliedern zugänglich" zu machen. . Interessenten seien darauf aufmerksam gemacht, daß die.Geschäfts stelle der „Wohltätigkeitszentrale, der Berliner Kaufmannschaft" sich Flottwellstr. 4 befindet, woselbst alle gewünschten Auskünfte erteilt werden. ----- Berlin, 9. April. Am 25. v. M. fand die zahlreich besuchte ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins der Beamten der Jüdischen Gemeinde statt. Der Verein erstrebt den Zusammenschluß sämtlicher Beamten der Gemeinde und übt seine Tätigkeit zum Zwecke der Verbesserung der materiellen und sozialen Verhältnisse der Mitglieder aus. Er gewährt Mitgliedern, welche Spareinlagen leisten, zinsfreie Darlehen. In den. Vorstand wurden für 1911/12 gewählt die Herren: N. Cohn als Vorsitzender; I. Mansbacher, stellvertretender Vorsitzender; W. Rawack, Kassenführer; E. Goldstein, Rendant; A.. Schwarz, Schriftführer; A. Joachim, I. Schmelz. Beisitzer. Zu Revisoren: die Herren B. Silberberg und S. Löwenthal. *** Berlin, 7. April. Der Verein für Arbeitsnachweis (Monbijouplatz 10, Telephon Amt Hl, 2589) schreibt uns: Sofern man den Stand des Arb ei ts Marktes als Gradmesser für. die wirtschaftliche Lage betrachtet, so ist auch für den Monat März zu berichten daß eine nennenswerte Besserung in verschiedenen Zweigen des Wirtschaftslebens noch immer nicht zu verzeichnen ist. Viel schuld an der ungünstigen Gestaltung der Konjunktur dürfte für viele Erwerbszweige das mißliche Wetter sein. Einem Angebot von insgesamt 236 neuangcmeldeten arbeitslosen Bewerbern stand eine bedeutend geringere Nachfrage nach Arbeitskräften gegenüber. Dennoch gelang es unserer Vermittlungstätigkeit. 323 arbeitslose Personen, und zwar 86 Kaufleute, 89 Handlungsgehilfinnen und 138 gewerbliche Angestellte, in die geeigneten, zum größten Teil dauernden Stellungen zu bringen Eine weitere Anzahl vorübergehend arbeitsloser Petenten konnte in der Schreibstube unseres Vereins, in der Schreib- und Maschinenarbeiten, Anfertigung und Versand von Reklamen usw. zu billigen Preisen ansgesührt werden, Beschäftigung finden, wenngleich auch hier eine stärkere Inanspruchnahme seitens des auftraggebenden Publikums recht erwünscht wäre. L. Königsberg i. Pm, 5. April. Ter Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens berichtet etwas verspätet über seine letzte, hier im „Hotel Epstein" stattgesundene Jahresversammlung. Viele Kollegen, waren seiner Einladung trotz Siurm und Wetter gefolgt. Der Vorsitzende, Herr Sturmann, eröffnet die Sitzung mit einer warm empfundenen Ansprache, in der er mit besonderer Freude des wieder in unsere Reihen eingezogenen Friedens gedenkt. Namens des Vorstandes der Gemeinde, des erschienenen Vorstandes der Repräsentantenversammlung und vieler Gemeindemitglieder begrüßte Herr Stadtrat Professor Dr. Lassar-Cohn die Versammlung.. Seine Worte, die seine innige Liebe zu unserem Judentum aufs beste bekunden, lösten bei allen Anwesenden den lebhaftesten Beifall aus, zumal Redner , den Vereinsmitgliedern als warmer Lehrerfreund bekannt ist. Nach einem vom Vorsitzenden gesprochenen Gebet und einem auf Se. Majestät den Kaiser ausgebrachten Hoch wurde in die Tagesordnung eingetreten. Der Jahresbericht, von Herrn Sturmann erstattet, läßt noch einmal alle Ereignisse. des Vereinsjahres an uns.vorüberziehen. Insbesondere wird des seit Bestehen des Vereins diesem angehörenden Herrn Katz-Mohrungen gedacht, der. nach einer langen^ treuen Tätigkeit infolge hohen Alters sein Amt hat aufgeben müssen. Die Versammlung'ehrte ihn durch Erheben von den ^Plätzen. Es folgte der halachische Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Stein-Memel über die Malkaus-Stbafe. Von einer Diskussion wurde nach dem lebhaft applaudierten Vortrag abgesehen, der bei jedem Zuhörer das Gefühl zurückließ, daß es, um den vielfach verschlungenen Gängen der Halacha folgen zu können, intensivster Hingebung bedürfe. Ein Referat pädagogischen Inhalts': lieber die Anschaulichkeit im..Religionsunterricht hatte ein junger Kollege Echt aus Goldap übernommen. Die ^gedankenreichen Ausführungen. zu denen die Praxis als bester Prüfstein aller Methode das ihrige getan, gipfelten in der Foröerüng, .'daß sowohl bei der Durchnahme eines Gebetsstückes wie bei Behandlung der biblischen wie jüdischen Geschichte das Anschaulichkertsprinzip streng gewahrt werde. r Dieses verlange vor allem innige Verknüpfung des bekannten mit dem darzubietenden Stoffe, ein stetes Herüber und Hinüber von Verbindungen zum Zwecke der Errichtung eines klaren Gedankengebäudes. Alles was den Unterricht belebt und das Interesse erweckt, müsse herangezogen werden. Wo es geboten erscheint, auch die Lektür^ von Artikeln aus jüdischen Zeitschriften. An der sich an. den Vortrag anschließenden Aussprache beteiligten sich die Herren Peritz, Sturmann, Süßkind, Wolkowski und Sandler. Von allen wurde die Wichtigkeit des hebräischen Unterrichts betont und dessen intensive Pflege gefordert. Vor der Diskussion hatte ein Mittagsmahl die Teilnehmer der Versammlung vereinigt. — Nach demselben, wurde die reichausgestattete Ausstellung von, Anschauungsmitteln, für den Religionsunterricht mit größtem Interesse in Augenschein genommen, deren Zustandekommen der Rührigkeit unseres allverehrten Kollegen Peritz zu verdanken ist. Eine von Herrn Oberkantor Birnbaum besorgte Sonderausstellung machte mit vielen und -seltenen Werken seiner Bibliothek, den Kultus betreffend,, bekannt. Ein. spezifisches Gepräge verliehen unserer Tagung die gemeinschaftlichen Chasanusübungen, deren Leitung dieses Mal in Vertretung des indisponierten Herrn Oberkantor Birnbaum in den Händen des Chordirigenten Herrn Badrian-Königsberg lag, und für deren Zweck Hefr I der liturgischen Sammlung der Kantorenkommission des .Lehrerverbandes an die Teilnehmer verteilt worden war. Der Antrag des Herrn Kollegen Peritz. — einen Hilfsausschuß für kranke und . sonstige hilfsbedürftige Lehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen einzusetzen. — wurde von der Versammlung allgemein zustimmend ausgenommen. In diesen Ausschuß, der auch gleichzeitig eine Art Familienrat ist, werden gewählt aus dem Vorstande die Herren Peritz- Königsberg, Karo - Allenstein; ferner die Herren Dr. Stein» Memeh Jaffe-Eydtkuhnen, Rosenberg-Johannisburg. Diesem Ausschuß sollen jährlich 300 Mark von den zwecks Ablösung von Neujahrsgratnlationen eingehenden Geldern zur Verfügung gestellt werden. Nach dem Kassenbericht, der von Karo- Allenstein eiftcittet wurde, hat die Kasse einen kleinen Ueberschuß aufzuweiseu. Dem Antrag auf Entlastung des Kassenführers wurde unter Dank für die, sorgfältige Amtsführung entsprochen. Zum Delegierten zum Verbandstag in Fiankfurt a. M. wird Lehrer Sandler-Königsberg gewählt. Die darauf vollzogenen Vorstandswahlen ergaben die Wahl der bisherigen Mitglieder und — da Herr Kollege Hoffmann-Königsberg von einer Wiederwahl abzusehen gebeten hatte — des Herrn Sandler. Ein Schlußwort des Vorsitzenden, sowie ein zu Ehren des greisen Leiters der Versammlung ansgebrachtes Hoch von Oberkantor Birnbaum beschlossen die anregend verlaufene Sitzung. M. Hamburg, 4. April. Herr. Adolph M. Hey mann, der erste Sekretär der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, konnte dieser Tage auf eine ununterbrochene 50jährige Tätigkeit ' im Dienste unserer Gemeinde znrückblicken. Herr. Heymann wurde im März. 1861an Stelle des' verewigten Herrn Z. H. May zum Gemeindesekretär gewählt'Und einige Tagespäter vom -Senat in -Eid und Pflicht genommen. Der "Jubilar hat sich während seiner langjährigen Amtstätigkeit um die. Entwicklung der Hamburger Gemeinde große Verdienste erworben und erfreut sich in weiteren Kreisen großer Beliebtheit. Ter im 78. Lebensjahr.stehende Jubilar versieht noch, heute mit-jugendlicher Frische sein Amt und gilt als einer der besten Kenner, der Geschichte unserer Gemeindeverfassung und ihrer Institutionen. An maßgebender Stelle wird in schwierigen Gemeindefragen der Rat des Herrn Heymann stets eingeholt. Wie nicht anders zu erwarten, ' wurden dem Jubilar an seinem Ehrentage große Ovationen bereitet. Um 12 Uhr versammelte sich der gesamte Gemeindevorftand, das Repräscntantenkollegium und die Vorstände anderer Institutionen in der Wohnung des Herrn Heymann, um persönlich die Glückwünsche zu überbringen. Herr Levin Lion hob in seiner Ansprache als Vorsitzender der Gemeinde die großen Verdienste des Jubilars und seinen allgemein anerkannten Pflichteifer hervor und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß es dem bewährten Beamten noch lange vergönnt sein möge, im Dienste der Gemeinde zu wirken. Als äußeres Zeichen der Anerkennung Habe der Gemeindevorstand beschlossen, dem Jubilar eine Ehrengabe zu überreichen. — Diese besteht in einem kostbaren silbernen Tafelaufsatz mit entsprechender Widmung. Herr Jakob Alexander überbrachte die

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