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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-07 · Heft 14 (7.4.1911) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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.sein werden, und in-denen für die Angehörigen aller Konfeffionen, die sie in Anspruch nehmen, unmitte l bar vox der V er brenn un g die Trauerfeier abgehalten werden wird, so daß für die Glaubensgemeinde infolgedessen nur die Aufgabe erwachsen wird, die Asche beizusetzen, wozu sie nach unserem Religionsgesetz, wie. oben aüsgesührt/unter allen Umständen verpflichtet ist, ...... ... Orokellor Mybsums Scheiden aus dem homiletilchen Lehramt.! 1. April.trat Professor MaYbaum von seinem Lehramt an der Lehranstalt fürdie Wissenschaft des Judentums zurück, an der er seit 1888 alle Zweige der praktischen Theologie, „Homiletik, Midraschkunde und Pädagogik", vertrat. Aus diesem Anlaß gestaltete sich die letzte homiletische Uebung zu einer Abschiedsfeier für den scheidenden Lehrer, indem der Kasualprediger. sich dieses Mal zum Dolmetsch der' Gefühle seiner Kommilitonen machte. Es war sodann eine Stunde, stiller Weihe, als Professor Mäybaum nach.23jähriger Tätigkeit? von seinen Studenten mit bewegten Worten Abschied nahm? Gern entsprechen wir dem an uns herangetretenen Wunsche, an der Weihe dieser Stunde einen weiteren Kreis teilnehmen zu lasten. Ist doch der Altmeister der jüdischen Kanzelberedß samkeit, der Mitschöpser der modernen Predigt, gerade in seinem Eigenschaft als akademischer Lehrer,, von der jene Stunde einj Bild zu entwerfen suchte, ein Gesamtbesitz des. deutschen Juden-; tums. Sollten in den nachfolgenden Ausführungen die. zahlreichen im Vaterlande wirkenden Jünger des Meisters und« ihre Gemeinden ihnen vertraute Züge erkennen und ist nach? einem alten Philosophen die Freude des Wiedererkennensi zugleich auch die Ursache der Sympathie, so dürfen wir hoffen,? daß der Zug der Liebe und Verehrung, der in jener Stunde? die Hörer an den Lehrer fesselte, auch den Lesern dieser Zeilen? nicht fehlen wird. : . H Im Auszug entboten wir dem scheidenden Meister folgendem^ Äbschiedsgruß: \ Mannigfach sind die Gefühle, welche uns heute bewegen.,? Wie sollte es uns nicht mit Wehmut erfüllen, einen Mann aus dem Amte scheiden zu sehen, in welchem er auf uns alle, tiefgehenden Einfluß geübt hat. Und doch bedeutet es auch eine Befriedigung sür uns, zu wissen, daß unser Meister nicht von? einem Stückwerk scheidet, sondern daß er von seiner Lebensarbeit Abschied nimmt — wir möchten sagen — wie ein Künstler, der ein Werk vollendet/ indem er es abschließt. Die reifsten Früchte ' seiner Lebensarbeit aber hat er uns, seinen Schülern, dar-M geboten. Im Verkehr mit uns wurde sein innerstes Streben deutlich, das Wesen seines Judentums. Das Ideal seiner ' religiösen Impulse erblickte er in der Weisung der Sidra ,w'ossu 1i mikdoseb" (sie sollen, mir ein Heiligtum errichten). Der Ausbreitung des Gottesreiches war seine edelste Begeisterung geweiht. - - ,; , - Im Schoße des alten Judentums erwachsen, hat er frühzeitig die; Wurzeln seiner Kraft in den Boden der Frömmigkeit ^ingesenkt und seine innere Existenz an die ewige Welt der religiösen Gefühle geheftet. Nicht der sentimentalen Emp-, findungenin denen das Ich sich selbst bespiegelt, sondern dermächtigen Seelenschwingungen, in denen das Große und Ganze erklingt, Ehrfurcht und Andacht lebendig werden und der /sittliche Wille erwacht. - So; wurde er zum religiösen Führer.- Won feinem reichen Leben ' teilte er besonders seinen Schülern mit, die er.zu Jüngern seines Geistes zu machen strebte. Wie der Prophetenvater Mose; war. auch er. von dem Wunsche erfüllt:. „O. möchten sie . doch, alle Prophetensein, .daß der Ewige seinen Geist auf sie legte." Hinter seinem Unterricht stand sein Charakter. Streng gegen-sich selbst,; hatte ' er in harter und redlicher. Arbeit-mit seinen Wissensstoffen gerungen. So gestaltete er sein Forschen wie^ sein Handeln zu einem Gottesdienste, zu dem wie eine ewige Ampel:.die Liebe zum jüdischen Schrifttum ihm. leuchtete: Zahlreiche Beobachtungen und Entdeckungen, wie sie nur das ■ liebevolle Eindringen belohnen, bereicherten und schmückten seine Midraschvorträge, in denen vom Geist der von ihm interpre tierten Auslegungskünstler selbst ein Stück - lebendig war. Was uns oft als steiniger und unfruchtbarer Grund entgegenstarrte, erschloß sich unter seiner Meisterbeleuchtung zu nahrungspendender Ackerkrume. Und wenn erso eine versteckte Falte des tiefgründigen Bibeltextes, enthüllte, wie schlug aus dem Ton seiner Stimme das Herz hervor, wie leuchtete im Glanz seines Auges der. Grund seiner Seele auf. Da wich der Philologe dem Theologen. . W’ossu li mikdosch — sie sollen . mir ein Heiligtum errichten; der Redner löste den Schriftgelehrten ab, der Lehrstuhl ward zur Kanzel, der Unterricht Weihe. Wie durch mündliche Belehrung, so hat er durch seine literarischen Werke unsere . Auffassung von den Aufgaben des rabbinischen Amtes gefördert und erweitert. Ist er doch selbst einer der ersten, die alten Geist und neue Würde zu vereinen wußten, die die Goldbarren des alten Väterglaubens in . gangbare Scheidemünze umzusetzen verstanden. So hat er auch, seine Schüler befähigt, die großen Gedanken des alten Judentums den- Menschen der Gegenwart zu verkünden. Er hat sie zu einer schönen Form, zu edler Einfachheit, zu innerer Klarheit erzogen. Wie aber nahm er bei der Ausbildung auf die Eigenart jedes einzelnen. Rücksicht. Wie kannte, er die Jugend, ihre Freiheit, ihre Ideale! Er, der Verfasser einer anerkannten Homiletik, warnte stets davor, individuelle Eigenart durch aufgestellte Regeln einzuengen. Weil ihm die Religion etwas Innerliches ist, war .er Feind jeder Schablone, war ihm jeder Schüler willkommen, der religiös Wertvolles zu bieten hatte. - : Er selbst war Lehrer und Vorbild zugleich; an seinem markigen Wesen hat unser junges Gemüt sich emporgerankt. Wir haben ihn bei allen Amtshandlungen beobachtet. Wir haben ihn gesehen, wenn er Ehebündnisse segnete und Toten den Abschiedsgruß entbot, wenn er auf hoher Warte stehend der versammelten Gemeinde das. Gotteswort kündete. Stets ein Priester des höchsten .Gottes, der. der Weisung lebte „sie sollen mir ein Heiligtum errichten, rmdich wlflinihrerMitte wohnen. '? .? Eine alte Erklärung bemerkt zu den Worten unseres Textes ' „Ihr seid meine Kinder und, ich bin Euer Vater. Die Ehre der Kinder ist es beim Vater zu sein, des Vaters Ruhm aber ist es inmitten seiner Kinder zu leben." Unser/Meister hat auf einem Höhepunkt seiner Lehrtätigkeit das Verhältnis des Lehrers zu den Schülern mit dem der Eltern zu den Kindern verglichen. Nun denn! „sionaüd labbonim k’schehen ezel awihem' — mit Stolz nennen Uiw .uns Deine "Schüler!" Und da Du nach einer arbeitsreichen Tätigkeit aus dem Amte scheidest, bringen wir Dir von neuem begeisterte Huldigung dar. Dank quillt-Dir entgegen für das Größe/ das Du uns gegeben : Dn hast -Dir im dankbaren Herz'eU Deiner Schüler ein dauerndes Denkmal gesetzt. - - -• ■ '^ : „w’kowaud l’ow k’sehehu ezel bonow —.Dein Ruhm aber soll es sein??in-.-der--'Mtte'--Deinrr?S'chAer?zu leben."' Ja> wir geloben > weiter zu - bauen - an dem Heiligtums, das Du

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