Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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75.< Jahrgang Nr. 14 Berlin, 7, April1911 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zseitang erscheint wöchentlich. ÄbonnementL'pieis: burch den Luch. Handel öder die Post (in Berlin -und vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlichem. vegrü«-et von Nabbiuer vr. Ludwig Philipps»« Unter Leitung des ' -> Geheimen Regierungr-Ratr Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen fftr Redaktion und Expedition sind an die Adresseverlagdtt „Allgem. Zeitung des Judentums^, Berlin; 8^ -! Jerusalemer Straße 4K/V, zu richten. Verlag von Nüdolf rNqffe, Bertis. Iltlhfilf Die Jüden in TeutschlänS. Von LÜdwig Geiger. — Die IJiUjUlf« Woche.-Die Feuerbestattung. Ein Gutachten von S. Maybaum. — Professor Maybaums Scheiden aus dem homiletischen Lehramt. Von Emil Berger. — Paul Ehrlich. — Die Bedeutung der Forschungen Prof. Ehrlichs für das Völkswohl von Dr. Heinz Zikel. — Heine-Studien. Von Ludwig Geiger. April. Von Ludwig Geiger. — Feuilleton: Beim Lämpchen. Roman von Peter UivLri. — Sprechsaal. ... ' Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin,- Fvanks'.lrt a. Q., Posen, Hirschberg i. Schl., Hamburg, Seesen a.H., Hannover, Marburg, Worms, Wien, Petersburg, Nest» York. — Bon Nah und Fern. Die Juden in Deutlchlgnd. Voll Lüdlvig Geiger. as Heft, das den obenstehenden Titel führt — es ist mit einer Vorrede vom September 1910 versehen, Friedrich' Blach unterzeichnet und im Verlag von Karl Curtius in Berlin erschienen — ist von der „Staatsbürger-Zeitung" in drei großen Artikeln, nach der sattsam bekannten Art jenes Blattes gewürdigt worden, — ein Zeichendaß es manches enthält, was auch uns zu denken gibt. L Auch in jüdischen Kteisen hat dies von „einem jüdischen Deutschen" herrührende Schristchen Aufmerksamkeit erregt'; ritt Vortrag im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat sich damit beschäftigt, und auch jüdische Blätter haben davon gesprochen. Wenn ich erst heute davon rede, so glaube ich mich nicht einer Verletzung meiner journalistischen Pflichten zeihen zu müssen; denn ist die Schrift nur ein Tagesprodukt, das mit dem Tage vergeht, so hat es sich überhaupt nicht gelohnt darauf einzugehen; besitzt sie irgendwelche Bedeutung, so kann man auch einige Monate nach ihrem Erscheinen über sie handeln. Die Schrift zerfällt in zwei Ungleiche Teile, der zweite kleinere, das Verhaltest dev christlichen Mehrheit, den man; zuerst besprechen kann, geht uns im Grunde nicht viel an- Er zeigt iNMnM Haüpkabschnitk „die Erziehungspflicht der M gerchemheit gegenüber Hren-Mitgliedern und ihre Wahrnehmung gegenüber den Oüden", wie die Allgemeinheit sich dieser .Erziehungspflicht sehr wenig bewußt ist, wie der Jude vielmehr durch die Entfernung der Christen zum ausschließlichen UMgaNge mit Juden gedrängt' wird, wie. er schon in der Schule wegen seines Glaubens leidet, auf der Universität von vielefl VeMnvüNgett aUstzeschlosieN/ von-TurnervereiNeN Und Logen ausnahmsweise geduldet wird, selbst in kaufmännischen Gewerben Schwierigkeiten begegnet, und wie er seitens deS Staates von der Offiziers- und Beamtenkarriere ferngehalten wird. Ter Schluß dieser Darlegungen ist sehr bemerkenswert und, der Mitteilung würdig: „Seitdem wir uns von dein jüdischen Schüler getrennt und den erwachsenen Juden, auf seinem Lebens- und Leidensweg begleitet haben, konnten wir wenig Erfreuliches, wenig der Assimilation Gültiges darstellen. Wir waNVerten durch eine öde Steppe, die den Namen Asemitismus trägt. Dieser Bastard von Feigheit und Rasseneitelkeit erschwert ungeheuer die Ueberwindung seines weit besseren 'Halbbruders, " des' Antisemitismus. Denn was nutzt alle 'Anpassüngsfreüdigkeit aüf der einen, aller Gerechtigkeitssinn auf der anderen. Seite, weNw wir nicht zusammenkommen konnten! Das verhindert aber der Asemitismus. Für ihn gibt es überhaupt keine Rechtfertigung. Ihm fehlt sogar — im Gegensatz zum Antisemitismus — die subjektiv geschlossene -Begründung, die es wenigstens ermögliche« könnbe, die sbona! fides seiner Anhänger anzuerkennen. Dettn er weicht stets vor dem Zaubermittel der Taufe, mag sie aus noch so äußerlichen, ijä aus niedrigen Gründen erfolgt sein. Eine Ueberzeugung, die ethische Selbsterniedrigung stolzer Treue vorzieht; kann nicht ernst genommen werden. Darum ist es auch so schwer, .sie zu bekämpfen; Denn unlogisch und widerspruchsvoll, wie sie ist, kann man ihr Mit scharfer, wohlbegründeter Logik nicht beikommen." Viel wichtiger ist der Hauptteil unserer Schrift: „Das Verhalten der Juden". Er zerfällt in fünf einzelne Abschnitte. von denen wenigstens einzelne näher zu betrachten . sind. . In dem Ersten, „Das Judentum in der Volkswirtschaft", macht der Verfasser beherzigenswerte Vorschläge, die alle darauf hinauslaufen, den Juden mehr und mehr dem Kaufmannsstande zu entziehen. Es liest sich ganz gut, wenn folgendes gelehrt wird: „Der. einzelne einflußreiche Jude darf den Sohn des Synagogendieners oder des Faktotum spielenden Hausierers nicht mehr dem befreundeten Bankhaus als Lehrling empfehlen; er muß ihm z: B. einen Truppenteil besorgen,' der ihn als Kapitulanten nimmt, einen Postdirektor veranlassen, für seine Aufnahme in den unteren oder mittleren Wo'sMenstzu sorgen." - Aber wo ist der Truppenteil, der einen jüdischen Jüngling annimMt, wo der Postdirektor, der ihm ''Me. Stellung., verschafft? : Weniger befreunde« kann man sich mit dem zweiten Abschnitt' „ J u d e n t u mun d P o l i t i k ". Gewiß kann ich und diejenigen, die auf meinem Standpunkt stehen, mich dem 'Protest anschließen, der hier gegen die Ansicht erhöben.'wird, vie Juden seien ein Volk, und man mag das lebhafte Äuf- ^eten des Verfassers gegen den Zionismus unterschreiben; daraus aber die Folgerung zu ziehen, daß-man als Jude sich Mit' aller Entschiedenheit gegen die Einwanderung osteuropäischer Juden wenden soll, ist übertrieben, ja verkehrt: Denn bisher hat das Judentum durch diese Elementedie kulturfähig und für das Deutschtum höchst: brauchbar sind, wenig -verloren, ja sogar viel: gewonnen - und gerade eine . ernste