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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-03-03 · Heft 9 (3.3.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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bis zur Gegenwart zur Darstellung bringen. Tie Leitung der Ausstellung wünscht auch die hygienischen Einrichtungen der Juden vom biblischen Altertum bis zur Jetztzeit geschlossen vorzuführen. Neben Auszügen aus der einschlägigen Literatur, neben statistischen Tabellen sollen Modelle von Bauwerken und Apparaten, die der Hygiene dienen, bildliche Darstellungen hygienischer Maßnahmen gesammelt werden. Besonders die hochbedeutendcn, in vieler Hinsicht noch heute mustergültigen hygienischen Einrichtungen der jüdischen Gesetzgebung sollen ihrer historischen Wichtigkeit ryegen in größeren! Umfange dargestellt werden. Es wird ferner ein Werk erscheinen, in welchem die hygienischen Anschauungen und Bestimmungen der biblischen und nachbiblischen Literatur im Wortlaut mitgeteilt und literarisch bearbeitet werden. Illustrationen und statistische Ausstellungen werden dieses Buch auch für die Neuzeit wertvoll und interessant machen. In weiten Kreisen unserer Glaubensgenossen hat diese Idee lebhaften Anklang gefunden, und ein aä boe eingesetztes Komitee zeigt in einem Ausruf unsere hervorragenden Mediziner an der Spitze, wie die Geheimräte Senator, Adolf Baginsky, Maretzki, Blumenthal, die Professoren Eugen Holländer, Strauß und Rosin, den Hygieniker und Direktor des städtischen Untersuchungsamtes Geheimer Regierungsrat Professor Proskauer, den Historiker der Hygiene Professor-Pagel, Sanitätsrat Dr. W. Feilchenfcld und andere mehr- Ans der Zahl unserer Gemeindevertreter find noch die Herren Louis Sachs und Professor Kalischer im Komitee. Es ist kaum nötig, darauf hinzüweisen, daß es außer der Mitarbeit an" diesem verdienstvollen Unternehmen auch sehr großer Geldanfwendungen bedarß um das umfassende Material heran zuschaffen und systematisch zu ordnen, und es wird eine Ehrenpflicht aller derjenigen sein, welche die Sorgen des Lebens nicht kennen, nach ihren Kräften sich an dem wichtigen Werke zu beteiligen. Zur Förderung des Unternehmens hat auch der Gemeindevorstand bereits einen Beitrag in Aussicht gestellt und die Bibliothekskommission ermächtigt, die ihr geeignet erscheinenden Objekte, unter denen^ wohl die Wolssche Sammlung zu den wertvollsten gehört, auszustellen. 8 Berlin, 21. Februar. ' Am Montag den 13. d. M. hielt Herr Rabbiner Dr. Bergmann in der Aula der Lehranstalt für die Wissenschaft ll^s Judentums zum Besten des Stipendienfonds einen sehr gehaltvollen Vortrag über „Griechentum und Judentum". Nach kurzen einleitenden Worten ging der Redner dazu 'übe?, das Wesen des Judentums und Griechentums am £ Beispiel des Jdealtypus, welcher für dieses der Philosoph und der Künstlerfür das erstere der Prophet ist, zu zeigen. Dem Griechen ist das Höchste äußere Schönheit, Wissen, Reichtum, Körperkraft, dem Juden aber innere Wahrheit. Glaube, Liebe, Gerechtigkeit. Der Grieche wird notwendigerweise, da das Leben auf der Erde ihm ja kaum-einmal die Erfüllung seiner Wünsche bringen wird, Pessimist; der Jude, weil er seinen Blick über die Erde hinaus in die Ewigkeit K richtet, Optimist. Der Hellene ist Individualist und wird sogar zum Egoisten, der Mann aus dem Jordanlande schätzt Zusammengehörigkeit, ist Sozialist. Der Grieche ist nüchtern, er schuf strenge, logische Gesetze, er begründete die beweisbaren Naturwissenschaften, der Jude voll Begeisterung gab der Welt die Religion. Im zweiten Teil des Bortrages sprach Dr. Bergmann von den Zusammenstößen, die diese beiden grundverschiedenen Weltanschauungen gehabt haben. Zuerst vor und zur Zeit der Entstehung des'Christentums, im Mittelalter, zur Renaissancezeit und schließlich in unseren Tagen. Alle Versuche, diese beiden Weltanschauungen zu vereinigen, sind bislang'gescheitert. Sie gingen immer nebeneinander her. Aber aus einer Tatsache heraus, nämlich aus der, daß alle hellenistischen Kulturen, wenn sie ihre Schöpfung beendet, vom Schauplatz der Weltgeschichte abgetreten sind, während das Judentum sich trotz Qualen und Nöten solange, nachdem sie die Bibel geschaffen, erhalten habe, läßt uns hoffen, daß die Vereinigung einmal durch das Judentum geschehen wird. — Die äußerst interessanten Ausführungen, die der Redner in einer ebenso schönen wie leicht verständlichen Form darbot, ernteten den ungeteilten Beifall des zahlreichen Auditoriums. z. Königsberg i. P., 24. Februar. Der hiesige „Hilfsverein für kranke russische Jsraeliten" beging dieser Tage -sein 40 jähriges Stiftungsfest. Ueber die Geschichte des bedeutsamen Vereines bringt die, „Königsberger Hartnngsche Zeitung" folgenden interessanten Artikel: Aus der „Geschichte.der Königsberger Chewrn Kadischa" wissen wir, daß schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts Kranke aus Polen in sehr großer Anzahl nach Königsberg kamen, um sich hier behandeln zu lassen. Sie kamen aus Grodno, Wilna, Kowno und anderen hart an der Grenze liegenden Gemeinden. Die Chewra muß wohl unter diesem Zustrom von Kranken stark gelitten haben, denn sie sah sich genötigt, das von ihr begründete Krankenhaus aus diesem Grunde aufzulösen. Die Ueberflutung durch solche Fremde verursachte eine zu starke finanzielle Belastung des Vereins. Dann heißt es in der erwähnten Schrift weiter: „Die Sorge für die von auswärts hierherkommenden Kranken hat in neuerer Zeit der Hilfsverein für kranke russische Israeliten übernommen." In den vielen dazwischen liegenden Jahren muß sich wohl klar herausgestellt haben, daß der immer mehr anwachsende Zustrom von Kranken überhaupt in keinem Gemeindekränkenhause, und wäre es das allergrößte und besteingerichtete, untergebracht werden könnte, daß dagegen die staatlichen Kliniken aller Art, lvo auch die Fremden in dieser langen Periode Aufnahme und Heilung fanden, in ihrer großen Ausdehnung die einzige Möglichkeit boten, all die verschiedenen Arten von Kranken der jedem einzelnen angemessenen Spezialbehandlung zuzuführen. Der Gedanke, für die fremden Kranken einen besonderen Verein zu gründen, drängte sich dem großen Chirurgen und noch größeren Menschenfreunde Professor Dr. Bürow auf, der gleich , seinem Kollegen. dem Professor der Augenheilkunde Julius Jakobsohn, das Elend der ihm zuströmenden russisch-jüdischen Patienten tagtäglich vor Augen hatte. Der- Anregung Burows folgend, der gleich mit einem namhaften Beitrag an der Gründung sich beteiligte, berief im Jahre 1870 der kaiserlich russische Kollegienrat Salomon Feinberg eine Anzahl von Männer, die sich zu einer Vereinigung unter dem Namen: „Hilfsverein für kranke russische Israeliten" zusammentaten. Diese Herren, Stadtrat Walter Japha, Jacob Theodor, I. Dinesmann und die Gebrüder Gerber, bewogen eine größere Anzahl hiesiger Kommissionsfirmen, einen bestimmten Prozentsatz von allen Waggon- und Schiffsladungen von und Nach Rußland beizutragen. Diese Beiträge im Verein mit den Mitgliederbeiträgen und milden Stiftungen bilden die Einnahmen des Vereins bis heute. Salomon Feinberg, der Begründer des Vereins, blieb bis zu seinem Tode (26. April 1893) Vorsitzender des Vereins. Er stellte sich mit voller Hingabe in den Dienst seiner Schöpfung und lenkte sie mit großem Verständnis in die Bahnen, auf welchen sie bis heute sortschreitet. Nachdem jedoch die Anzahl der Hilfesuchenden seitdem sich verzehnfacht hat, können naturgemäß die an den Verein gestellten Ansprüche nicht mehr voll befriedigt werden. Denn nicht nur die Beträge sind zu entrichten, welche' die Kliniken zu fordern haben (die Dauer der Krankheit zählt oft nach vielen Monaten, manchmal nach Jahren), sondern auch die vielen Kranken, welche hier ambulatorisch behandelt werden, erfordern eine ständige Beihilfe für Wohnung und Nahrung. Damit noch nicht genug, bedürfen die meisten Patienten, besonders dre chirurgischen, noch nach ihrer Entlassung kostspieliger, orthopädischer Apparate, ohne die man sie nicht in ihre Heimat entlassen kann. So beginnt der Bericht für das Jahr 1908 mit der Klage: „Das Jahr 1908 hat unserem Verein die so dringend nötige Besserung nicht gebracht. Die laufenden Einnahmen halten bedauerlicherweise nicht Schritt mit den stetig wachsenden Aufwendungen für Hilfszwecke." Und an der Spitze des Berichtes über das Jahr 1909 heißt es: „Auch im Jahre 1909 sind die Ansprüche an die Hilfstätigkeit unseres Vereins weiter angewachsen." M. Hamburg, 24. Februar. In der unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander stattgefundenen Sitzung der Repräsentanten-Versammlung I kam zunächst ein Schreiben des Gemeindevorstandes zur Verlesung, worin mitgeteilt wird, daß das langjährige Mitglied des Kollegiums Herr H. Araustädter sein Mandat niedergelegt habe. An seiner Stelle ist Herr W. Peine als erster Ersatzmann in das Repräsentanten» Kollegium eingetreten. Der Vorsitzende spricht sein Bedauern darüber I aus, daß ein so bewährtes Mitglied wie Herr Fraustädter, dev auch mehrere Jahre als Schriftführer dem Vorstand der Repräsentanten angehörte, aus dem Kollegium geschieden sei. Die nun notwendig | gewordene Neuwahl eines Schriftführers fällt auf Herrn

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