Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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einzelnen Genossenschaften alle drei bis sechs Monate ihre zu den Sitzungen des Verwaltungsrates, welche abwechselnd ui ven verschiedenen Kolonien, stattfinden sollen, senden. Die staatliches Behörden, - besonderst Herr Emilio: Lahitte, Staatssekretär des, land^ wirtschaftlichen Ministeriums, haben.. ihr lebhaftes Interesse - diesem Bande von Kleinbesitzern, dem ersten in der Republik, gezeigt' Die angesehenste Zeitung des Landes „La Meion-widmete ihm,am 16. und 19. November folgende zwei Artikel: „La Nacion“ (16. November 1910) schreibt: Der Plan, die jüdischen Kolonien, die in unserem' Lande existieren, zu einem Bunde, zusammenzuschließen, ist von der „Landwirtschaftlichen Genossenschaft"' der Kolonie Clara ausgegangen;- Der Vorstand des „Fordo :Qgmonal“ der erwähnten Kolonievon d^r gesündesten und patriotischsten.- Beweggründen geleitet, beabsichtigt die.Einigung.-der^zerstreuten Kräfte und Interessen zum allgemeinen Besten zu fördern. . Wennalle -jüdischen Kolonisten sich zum Zrveck gemeinschaftlicher Arbeit verbinden, können sie besser ihr Besitztum verteidigen, gemeinschaftlich Maschinenlund Ackergerät kaufen- und zwar unter viel günstigeren Bedingungen wie bisher Wenn man bedenkt, daß außer diesen Vorteilen jedes gemeinschaftliche Strebes stark macht, so begreift man leicht die Wichtigkeit dieser Idee, ää welche sich bereits offiziell vier von den sieben hier existierenden Kolonien angeschlossen Habens Es bleibt also nur noch wenig Hl tun, um den Wunsch des Bundes, Selbstschutz und gemeinschaftliche Arbeit der jüdischen Ackerbauer und Viehpächter zu verwirklichen. Um darüber Meinungen auszutauschen und über einige wichtige Maßregeln Beschlüsse zu fassen, 'findet heute nachmittag 4 Uhr eine öffent' liehe Versammlung in der Straße Hodriguer?1um 344 statt. Der zweite Artitel dcr ^La ^aelon" vom 19. November 1910 lautet. Tie Unterhandlungen, um die jüdischen landwirtschaftlichen Genosseuschasten, welche in verschiedenen Teilen der Republik existieren, zu einem Bunde zu vereinigen, haben das gewünschte Resultat gehabt, das wir in Anbetracht der sie veranlassenden Beweggründe erhofften, Sß^* gestern fand in unserer Hauptstadt eine Versammlung statt, um üb« die.Form und praktische Ausführung des Projektes zu beraten, vcm welchem seine Urheber großen Nutzen für den jüdischen Ackerbauer Viehzüchter erwarten; der Verlauf der Versammlung hat gezeigt, daßMe - Idee eine günstige Aufnahme gefunden hat. An der Versammlung, nahmen außer den zwölf Abgeordneten der landwirtschaftlichen Genossenschaften der Kolonien Clara, Lucienville, San Antonio nmd Baron Hirsch auch Vertreter des „ Centro Agricolo" der Kolonie Mauricio und zahlreiche, andere Personen teil, welche durch ihre Anwesenheit ihren Anschluß oder ihre Interessen für diese Bewegung gegenseitiger Hilfe ausdrücken wollten. Nach Eröffnung der Ver sammlung gedachte Dr. Horcho vom „Feodor Coruoral" der KolMe - Clarader Urheberin des Projektes, in ehrenden Ausdrücken Är argentinischen Republik, welche er Schutzwall der Freiheit I rnEd Gerechtigkeit nannte. Nach dieser Rede setzte der Präsident Herr Miguell Sajaroff die.Gründe der heutigen Zusammenkunft und die Vorteileeines Bundes der landwirtschaftlichen Genossenschaften auseinander; das von einer vorbereitenden Kommission ausgearbeitete Programm desselben fand allgemeine Zustimmung der Zuhörer. Darauf wurden zahlreiche Glückwünsche und Telegramme verlesen, unter anderen^üi Schreiben des „Bundes'jüdischer Farmer Nordamerikas", während Herr Dr. Zabotinskh im Namen des hiesigen Vereins „Ewah" die Konföderation begrüßte. Nachdem noch die Gründungsakte des „Bundes jüdischer Landwirte in Argentinien" verlesen war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Es fehlen jetzt nur noch einHe einfache Maßregeln, um diesen großen Schritt der Selbsthilfe uls begründet zu betrachten. Unter den zur Gründung der Konföderation eingelaufenen zahlreichen telegraphischen und brieflichen Glückwünschen befand sich auch, wie erwähnt, einer des „Bundes jüdischer Farmer Nordamerikas", welcher die. argentinischen Berufsgenossen zur Beschickung seines am 28. November in New Jork stattfindenden Kongresses einlud. Wenn auch diesmal der Einladung noch nicht ehtsprochen werden konnte, so ist doch. wie. der Vorsitzende des argentinischen Bundes in seinem Schlußwort hervorhob, vielleicht der Tag nicht fern, wo ein Weltbund die jüdischen Landwirte aller Länder (als welche.in erster Reihe Nordamerika, Kanada,..Palästina, Südrußland und Argentinien in Betracht kommen) vereinigt und das Interesse un Bodenkultur unter der großen Masse des Judentums fördert; Von MH und Fern; Die Berliner Akademie der Wissenschaften hat Herrn Prof. I Dr. Gold zieh er in Budapest, zum korrespondierenden Mitglied ernannt-.— -In Wilmersdorf ist>der^Geheime Iuftizrat-und Amtsgerichtsrüt a. D. Joseph Pollack gestorben. .Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung am 25. d. M. auf dem jüdischen Friedhofe in Weißensee statt. — In Königsberg i. Pr. ist im Alter von 71.Jahren Di', phil. Ignaz Herz gestorben. Mit ihmsist einer der, immer seltener werdenden Vertreter jenes interessanten Typus von gelehrten; jüdischen Kaufleuten aus dem Leben geschieden. — Geheimer Justizrat Dr. Wilhelm Freund, Vorsitzender der Anwaltskammer in Breslau, wurde zum 25. Male zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. — In der Frage der- Anstellung jüdischer Lehrer an den städtischen Volksschulen in Breslau ist jetzt der bezügliche Magistratsantrag, der bekanntlich einer Kommission zur Vorbereitung überwiesen worden war, von dieser mit elf gegen fünf Stimmen zur Annahme gelangt. ' So ist zu hoffen, daß auch das Plenum der Stadtverordneten, \ dem jetzt die definitive Entscheidung zufällt, in gleichem zustimmenden - Sinn .beschließen wird, so daß wir nun-doch in nächster Zeit auch '.,-Kädt.ische->VolksschullHrer jüdischen Glaubens hier in Breslau haben ». werden. — Dr. Georg Landsberg, der bisherige außerordentliche Professor für Mathemathik an-der Universität Kiel, ist zum ordentlichen Profesior daselbst an Stelle des nach Heidelberg berufenen Hefter ernannt worden. Der neue Ordinasius ist. ein Schwager des . in den. Ruhestand. getretenen Rabbiners Professor Dr. Maybaum in Berlin. — Der. im Ruhestande lebende frühere Leiter der israelitischen Volksschule in Köln, Herr A. Hermanns, beging seinen 90. Geburtstag. Hermanns hat als Lehrer und Erzieher sich große Verdienste und die Schätzung weiter Kreise erworben. Nicht minder . verdienh sein Wirken für di.e Reglung der Verhältnisse der israelitischen Lehrer, besonders in Rheinland und Westfalen, Anerkennung. — Aus Heidelberg wird uns berichtigend mitgeteilt, daß.der kürz- - | lidj verstorbene Hofrat Prof. Dr. Georg Jellinek nachdem Tode seines berühmten Vaters zur protestantischen Kirche übergetreten war und auch unter Assistenz eines protestantischen Geistlichen bestattet wurde. — Herr Adolf Essl in ger, ein bekannter Wohltäter in. Stut tgart, machte auch neuerdings zum Andenken an seine Gattin ' Karoline geb. Wolf, verschiedene größere Zuwendungen. So unter anderem 1000 Maxk für das israelitische Landesasyl, 500 Mark für die Ferienkolonie der. Stuttgart-Loge und 500 Mark für. den israelitischen Frauenverein. — Prof. Dr. Guido Goldschmidt-, der-seit l lanfien Jahren die Chemie an der Prager Universität vertritt, ist! als Nachfolger des verstorbenen Prof. Skraup an die Wiener \ Universität berufen worden. — Die Öxsorder Universität hat den Professor/ der Chemie an dem Londoner . technischen . Institut, Raphael Meldola, einen jüdischen Gelehrten, zum Ehrendoktor promoviert. — Der ehemalige Präfekt und Generalschatzmeister Leon Cohn, zweiter Sohn pon Albert Cohn (Paris), ist im Alter von 61 Jahren gestorben. — Aus Madrid wird gemeldet: Die Juden . aus Melilla entsendeten an den Ministerpräsidenten Eanalejas eine Abordnung mit dem Ersuchenihnen das Bürgerrecht zu geben. Der Ministerpräsident hat die Abordnung wohlwollend empfangen und. ihnen die Erfüllung ihres Ansuchens unter Hinweis , auf die jetzt in Spanien allen Glaubensbekenntnissen erteilte Freiheit,zugesagt. — Der Ingenieur Hirsch Wolfensohn in Odessa wurde vom Gericht zweiter Instanz zu 100 Rubel. Geldstrafe oder dreiWochen Gefängnis, verurteilt, weil er sich den Vornamen Gregori beilegte. Das Bezirksgericht hatte ihn sreigesprochen. — In Wodraschkyff (Rußland) hat. d er Inspektor der Volksschulen angeordnet, daß die israelitischen Schüler am Sabbat schreiben müssen.. Als die Schüler der zweiten Klasse sich weigerten, dies zu tun, ließ der Herr Schuldirektor die Bänke, auf welchen die jüdischen Kinder sitzen, aus der Klasse entfernen. Die ganze Stadt ist auf den Ausgang dieser Sache gespannt. — Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, ist Herr Morse Jessua, ein Bruder des.Sektionschefs im Kriegsministerium Isaac Jessua zum Dragoman des Generaldepots, der Gendarmerie in Saloniki, und Herr Jacuas Devid.as in Smhrn-a zum Schulz . inspektor der mitylenischen Inseln ernannt worden. _* Aerantwortlicher Redakteur: Albert St atz.-in .Berlin-Pankow, Floraftr. 58- '