Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-13 · Heft 2 (13.1.1911) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3228964--67137-3279338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse 75. Jahrgang Nr. 2 Berlin, 13. Januar 1911 Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet vo« Rabbiner vr. Ludwig Philipps»« Unter Leitung des Geheime« Regierungs-Rats Proseffor vr. Ludwig Geiger Verlag: Iluäolk öäosse, verUn» Jerusalemer Strasse 4S/49 Alle Ausendungen für Redaktion und: Expedition sind an die Adresse: Verlag der »Allgem. Zeitung de» Judentums", Berlin 8^., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements'preis: durch den Buchhandel oöer die Post (in Berlin und vor» orten durch unsere vertriebsstellen) bezogen Vierteljahr.ich 3 M.' Eine Wiederbelebung des Jüdenchristentums. Von Ludw ig LßUtlUl-t. Geiger- — Die Woche. Michael Friedländer. Von I. Elb o gen. — V. Verbandstag der jüdischen^Lehrervereine im Deutschen Reiche. — Eine jüdische Militärtolonie an der ägy'ptisch-nubischen Grenze im fünften Jahrhundert vor unserer'Zeitrechnung. Ein Vortrag von Professor Dr. Ludwig Blau in Budapest. — Kaiser Antonius und Rabbi. Von Dr. Marcus Landau. Feuilleton: Rückkehr. Eine Geschichte aus dem ehemaligen Ghetto von Le o Hvrzber.g-Fränkel. — Literarisch e Mitteilungen. Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlins Potsdam, Wreschen, Lissa i. P., Posen, Ober-Krummhübel i. R., Breslau, Hamburg, München, Wien. — Von Nah und Fern. Eine Wiederbelebung des Hudenchriltentums. ör mir liegt eine Schrift, die folgenden merkwürdigen Titel hat: „Die hundertjährige Religionskrisis im Judentums in ihrer Bedeutung für das juden-chriftliche Problem. Ein Aufruf zur Säkularfeier der Juden-Emanzipationen nebst einem Programm von Eliahab."*) Sie besteht aus einer großen Abhandlung „Preußische Juden in Deutschland — - Israeliten in der Welt voran" und einem Programmentwurf. Beginnt man die Lektüre der Schrift, die mit einem Leitwort 1 aus der Bergpredigt (Evangelium Matthäi) anhebt, und in I der viele hebräische Worte lateinisch gedruckt, die Vokale unter den Text gesetzt, zitiert werden, so gewinnt man teils durch diese seltsame Art, teils durch den salbungsvollen Ton, in dem die Schrift geschrieben ist, den Eindruck, als wenn ein christlicher Prediger redete, und als wenn es sich um Mission und Seelenfängerei handelte. Das scheint mir indessen schon dadurch ausgeschlossen, daß als Inhaber der Geschäftsstelle der Gesellschaft, von der die Schrift herausgegeben wird, ein Jude zeichnet und gewiß dadurch, daß es in dem ersten von der . Mitgliedschaft handelnden Grundsätze heißt, „ordentliches. Mitglied kann nur werden, der jüdischer Abstammung ist. Wer von den jüdischen Stammesgenossen sich einer nichtjüdischen Religionsgemeinschaft angeschlossen hat, kann ordentliches Mitglied nur dann werden, wenn , es aus ihr zuvor seinen Austritt erwirkt hat." Nicht also von Judenmission, - selbst in verkappter Form, auch nicht von verstecktem Zionismus, sondern von einer vollständigen Umbildung des Judentums ist die Rede, von einer Vereinigung des Judentums mit einem auf seine Urgestält zurückgehenden Christentum wird in unserer Schrift gesprochen. Um aber den Verfassern der Schrift, den Begründern des neuen Bundes, kein Unrecht zu tun, und um bei. meinen Lesern keine falschen Vorstellungen; *) Verlag des Bundes für religiöse Kultur, für den Buchhandel Hugo Schildberger, Berlin Alss., Flensburger Straße. Bogen 42. zu erwecken, gebe ich hier die Satzungen wieder,: die Zweck und Ziel des Bundes dartun sollen: 1. Der Eliahab-Bund (Bund der Gottsucher) will den jüdischen -Stammesgenossen, deren religiösen Streben der Gottesdienst und die Predigt in den jüdischen Bethäusern allein nicht mehr genügt, eine -^Zufluchtsstätte sein, wo die peinlichen Gewissenszweifel, welche int Kampf zwischen Glauben und Wissen immer heftiger zutage treten,- der Klärung entgegengeführt werden sollen. 2. Der Eliahab-Bund bezweckt keineswegs, den jüdischen Kultus in seinem durch diegegenwärtigen Zeitverhältnisse bedingten Zustande zu stören oder zu ersetzen. Der Bund betrachtet es vielmehr lediglich als seine Aufgabe, der religiösen Kultur der Zukunft den Boden zu bereiten. Er will zunächst allen denen, denen Religion wahres Herzensbedürfnis ist, und die nach Aufklärung über die sie bewegenden Zweifel' inniges Verlangen tragen, Gelegenheit zu einer Aussprache verschaffen — wofür im Rahmen des bestehenden jüdischen Kultus naturgemäß kein Raum ist. _v : Der Eliahab - Bund soll nicht etwa für die' Streitigkeiten prinzipiell entgegengesetzter Weltanschauung bzw. vorgefaßter, -. irreligiöser Meinungen oder für alteingewurzelte konfessionelle Vor- ^urteile starr denkender Kreise einen Nährboden bilden, sondern er bezweckt zielbewußt die Förderung und Befestigung wahrer religiöser Kultur vom doppelten Standpunkt eines vöraussetzungslosen Strebens nach Gotteserkenntnis im religionsphilosophischen (religionspsychologischen) Sinne sowie einer freien, geschichtlichen Forschung in Religionswissenschaft. 4. Das kosmopolitische Ziel dieser, Bestrebungen ist die Aufklärung und Befreiung der nach Gotteserkenntnis ringenden Menschheitsseele; entsprechend ber religions- und weltgeschichtlichen Mission des jüdischen Stammes. Diese Kulturaufgabe ist unter verständnisvoller Würdigung des biblischen Schriftwerks, und zwar auf Grund vertiefter Anschauung seines gesamten Inhalts, als eines Erzeug- . nisses und Erbteils des jüdischen Volksgeistes ihrer Lösung entgegen zu führen. Es ist dabei nicht nur auf einen Ausgleich des inneren Zwiespaltes abgesehen, wie er zwischen-dem auf einem geheimen Gottesbewußtsein beruhenden religiösen Gewissen und dem auf verstandesmäßiges Erfassen gerichteten Streben nach Gotteserkenntnis im Einzelmenschen hervortritt; sondern es wird auch die Anbahnung t einer religiös-geistigen Aussöhnung mit der von den Kulturvölkern 1 adoptierten Tochterreligion des Judentums als Endziel ins Auge zu! fassen sein.! | 5. Das eigentliche Ziel des Eliahab-Bundes liegt zufolge des ureigensten Wesens, des jüdisch-religiösen Geistes in Richtung der ' religionsgeschichtlich gezogenen Linien. Die Bestrebungen des Bundes dürfen dabei keineswegs, aus vermeintlichen Pietäts-Rücksichten vor der heiklen, durch eine vertiefte Bibelforschung in der längst spruchreif gewordenen Frage Halt machen, welche Stellung im besten Sinne aufgeklärtes/ bzw. aufzuklärendes und vorurteilslos gesinntes Judentum zu dem Lehr-- und Glaubensinhalt ' der neutestamentlichen Schriften einzünehmen hat — entsprechend der inneren' geistigen und religiösen Entwicklung des Judentums und seiner Wirtsvölker seit! Beginn des Humanitäts-Zeitalters und der gleichzeitig einsetzenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.