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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-24 · Heft 52 (24.12.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 52 (24.12.1909)
Date
1909-12-24
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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lernen. Als Dr. Carstairs zum Chef des Sanitätsdepartements von Geelong ernannt wurde, studierte er zunächst die sanitären Vorschriften Moses und mußte finden, daß die Juden alle Entdeckungen der modernen Wissenschaft auf diesem Gebiete bereits antizipiert hattem Diese Vorschriften enthalten die Isolierung der mit infektiösen Krankheiten Behafteten, die Verbrennung des Kehrichts und der Abfälle, peinlichste Reinlichkeit und strenge Spielgesetze. Die Juden haben seit der Zerstörung Jerusalems viel Unrecht von den Christen erdulden müssen. Ich bin . der Ansicht, daß die politische Karriere Großbritanniens als Reich von dem Tage beginnt, da es begann, die Juden menschlich zu behandeln. Jedes Land, das die Juden unterdrückt, muß früher oder später dafür büßen. Spanien unterdrückte die Juden, und Gott hat ihm heimgezahlt. Ebenso ergingt es Rußland. So wie Gott in alter Zeit Nationen erstehen ließ durch seine Streitaxt und seine Kriegswaffen, so ließ er Japan erstarken, um Rußland für die Unterdrückung der Juden zu züchtigen. Es ist um das Gewissen des Christentums schlecht bestellt, wenn wir im 20. Jahrhundert die Grausamkeiten des Sultans von Marokko gegenüber Christen verurteilen und keine Worte der Verurteilung finden, wenn es sich um Grausamkeiten handelt, die den Juden zügefügt werden. Wir Christen sind den Juden zunächst Dank schuldig und haben überdies vieles gut zu machen, was wir an ihnen gesündigt' haben." Von Sah und Sern. — Geheimrat Dr. Jastrowitz beging am 20. d. M. seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar hat sich durch eine Reihe scharfsinniger Arbeiten einen in der Wissenschaft sehr geachteten Namen erworben. Er gehörte auch eine Reihe von Jahren der NepräsentantemVersammlung unserer Gemeinde an. — Dem Kommerzienrat Siegmund Pincus ist der Kronenorden III. Klasse verliehen worden^ — Am 16. d.M. ist nach kurzem schweren Leiden Sanitätsrat Dr. Leopold Ewer verschieden. Der Verblichene bekundete lebhaftes Interesse für alle jüdischen Bestrebungen. Die jüdische Toynbee-Halle verliert in ihm einen ihrer eifrigsten Förderer. — Ein Hamburger hat dem Lübecker Rabbiner Dr. Carlebach am Ostseestrand, in Scharbeutz, Grund und Boden zur Errichtung eines jüdischen Erholungsheimes zur Verfügung gestellt. Der edle Greis, ein Christ, wollte auch jüdischen Erholungsbedürftigen seine hilfreiche Hand bieten. — Der Erweiterungsbau der Kuranstalt für arme Israeliten in Soden ist soeben fertiggestellt und ganz im Stillen seiner Bestimmung übergeben worden. Die Mittel wurden in bewährt hochherziger Weise von Freifrau Wilhelm von Rothschild bewilligt. — Der Finanzausschuß des Stadtverordnetenkollegiums in Hanau beschloß einstimmig die Ablehnung der vom Magistrat beantragten Einführung des Schächteverbots im städtischen Schlachthof. — Die drei israelitischen Bezirkskonsistorien (Unter-, Oberelsaß und Lothringen), hielten am Sonntag, den 5. d. M. eine gemeinsame Sitzung ab, in welcher nach einem Referat des Rechtsanwaltes und Konsistorialmitgliedes Dr. Schmoll beschlossen wurde, der Regierung die Schaffung eines Oberkonsistoriums vorzuschlagen! — Die Anwaltskammer zu Nürnberg hat Herrn Geheimrat Gustav Josephthal bei seinem Scheiden vom Amte des ersten Vorsitzenden, das er ^0 Jahre lang bekleidet hat, eine Dankadresse gewidmet. — Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher. Sohn des Herrn Stadt- und Konferenzrabbiners Dr. Steckelmacher, Mannheim, wurde einstimmig zum Bezirksrabbiner in Türckheim (Pfalz) gewählt. Dr. Ernst Steckelmacher ist ein Schüler des Breslauer theologischen Seminars und war bis jetzt zweiter Rabbiner in Freiburg (Baden). — Die amtliche „Wiener Zeitung" vom 12. d. M. meldet, daß der Kaiser den „mit dem Titel eines Hofrates bekleideten Generaldirektionsrat der k. k. österreichischen Staatsbahnen" Ignaz Konta das Komthurkreuz des Franz Josephs- Ordens verliehen hat. — Baron Sidney Sonnino, der neue italienische Ministerpräsident, ist am 11. März 1847 in Alexandrien (Aegypten) als Sohn eines italienischen Juden und einer protestantischen Engländerin geboren. Die Familie stammt aus dem Toskanischen. Der neue Ackerbauminister Luigi Luzzatti war schon öfters Finanzminister und entstammt der bekannten Venediger jüdischen Familie Luzzatti, die sich in der jüdischer Geschichte einen Namen gemacht hat. — Aus Jassy ist in Bukarest die sensationelle Meldung eingelangt, daß der Rabbiner Israel Rabinowitsch von den russischen Anarchisten entführt wurde, welche ihn bis nach Skuleni schleppten. Dort gelang es ihm, die Hilfe der rumänischen Grenzpolizei auzurufen, welche ihn aus den Händen seiner Entführer befreite. Die Entführer haben offenbar ein großes Lösegeld erpressen wollen. — Anläßlich seiner 50jährigen Tätigkeit als Rabbiner ist Herrn Oberrabbiner Dr. Adler in London eine feierliche Glückwunjchadresse durch Lord Rothschild auf einer Versammlung der vereinigten Synagogengemeinden überreicht worden. — Eine Jüdin — der erste weibliche Rechtsanwalt in Rußland. Der Petersburger Advokatenrat bestätigte Frau F lei schütz, welche die juristische Staatsprüfung bestanden hat, als Advokatin. — Der Dumadeputierte Brelonson sammelte viele Daten über die professionelle Bildung der Juden in Rußland. Im Jahre 1903 existierten in Rußland 16 jüdische Schulen, welche von den Gemeinden erhalten wurden. Im Jahre 1907 wuchs die Zahl bis 22. Im Jahre 1905 betrugen die Kosten der Erhaltung dieser Schulen 144 500 Rubel, im Jahre 1907: 215 500 Rubel. In den letzten Jahren wird die Zahl dieser Schulen immer kleiner. Es hängt damit zusammen, daß die ökonomische Lage der Juden sich mit jedem Jahr verschlimmert, und die jüdische Jugend sieht sich gezwungen, zu emigrieren. — Die hebräische Tageszeitung „Hazebi" in Jerusalem macht auf eine Tatsache aufmerksam, die für uns Juden sehr beschämend ist. Danach gibt es in Palästina fünf Gesellschaften zur Untersuchung des Landes, alle fünf von Nichtjuden errichtet und geleitet. Es sind: „kal68l.me exploration Fund" (englisch), „Palästinaverein" und „Deutsches Archäologisches Institut" (beide deutsch), „Amerilanisches Archäologisches Institut" und „Ecole Biblique" (letztere von den französischen Katholiken erhalten). — Ne w Jork. Am 26. November starb plötzlich im Alter von 65 Jahren Herr Dr. Samuel Kohn, der Begründer der deutschen Poliklinik in der zweiten Avenue und bis-- herige Leiter des Sanatoriums für jüdische Kinder. Redakteur: Albert Katz in Berlin«Pankow. Florastr. 58. Junger» selbständiger Kaufmann 24 Jahre alt, unbescholten, aus achtbarer Familie, vermögend, beabsichtigt sich mit jnnger Dame» 19 bis 23 Jahre alt. und 125000 Mark Barmitgift sofort zu verheiraten. Näheres zu erfahren unter A. A. 208 bei Rudolf Moste, Magdeburg. Obstsäfte Marmeladen usw«. naturrein, frei von den gefundheitsschädlichen Zusätzen: Salizyl, Weinstein, Sprit, Farbe usw. Feinstes Aroma, köstlicher Geschmack vollwertiger Ersatz für Frischobst. 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