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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-30 · Heft 52 (30.12.1910) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 52 (30.12.1910)
Date
1910-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Berlin, 30. Dezember 1910 74. Jahrgang. Nr. 52 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnemen ts-preis: durch den Luchhandel o^er die Post (in Berlin und vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf: Mosse, Berlin, Terusalemet Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgeni. Zeitung des Judentums*) Berlin SW., Jerusalemer Straße *6/$9, zu richten. Verlag von Rudolf LNosse, Berlin. Außerordentliche Tagung der Deutschen Kouferenz-Gemeinijllljni'l« schaft der Alliance Israelite Universelle. — Die Woche. — Martin Philippson. Bon Georg Caro. -- Jüdische Oberlehrer an den höheren Lehranstalten PreußenZ. — Der Einfluß des jüdischen - Elements in der russischen Literatur. Eine literarhistorische Abhandlung von Ron bin Knopping. — Systematische Theologie des Judentums. Von David Neülnark. — Feuilleton:" Das Judengrab in der Steppe. Erzählung von Sam. Eordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Drucks eh lerberichtigung. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums^). Berlin, Beuthen (O.-S.), Aus der Provinz Posen, Kosten i. P., Hamburg, Dortmund, Frauksürt a. M., Vachhosen, Erünstadt, Würzstadt, Meran, Wien. — Von Nah und Fern/ AluhrrardeutlichrTagung der Deutschen llionferen? -- Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. - m Verwaltungsgebäude der. jüdischen Gemeinde fand am Dienstag den 20. d. M. eine außerordentliche Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft statt, über deren Verlaus uns nachstehender Bericht zugeht. Nachdem: sich die Herren Flörsheim-Dortmund und Rabbiner Dr. Werner-München für die vollste Oeffentlichkeit, Herr Sanitätsrat Dr. Frankel dagegen ausgesprochen hatten, wurde mit allen, gegen eine Stimme, die Oeffentlichkeit der Verhandlungen zum Beschluß erhoben. Auf Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal- Breslaü wurde dann zunächst beschlossen, an den Präsidenten der Alliance, Herrn Narcisse Leven, wie bisher, immer üblich, ein Begrüßungstelegramm zu senden, das aber, wie Herr Gumpertz- Hamburg im Einverständnis mit der Versammlung erklärte, lediglich als eine rein persönliche Ovation betrachtet werden solle. Der stellvertretende Präsident, der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, Herr Justizrat Dr. Max Fuchs, der an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Geheimen Justizrat Timendorfer die Verhandlungen leitete, begrüßte die erschienenen Herren und gedachte sodann derseither verstorbenen Mitglieder der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, der Herren Justizrat Behrend-Tanzig und des Geschäftsführers M. A. Klausner. Zu Ehren der Verblichenen erhoben sich die Versammlungsteilnehmer von . ihren Sitzen. Auf Antrag des Herrn.Rabbiner Dr. Werner wurde sodann beschlossen, auch an den bisherigen Präsidenten der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft Herrn Geheimrat Timendorfer ein Aner- - kennungs- und Begrüßungstelegramm zu senden. Dann trat man . in die eigentliche Tagesordnung ein. Herr Justizrat Fuchs gabeine Uebersicht über die Geschichte der Unstimmigkeiten, die noch bis in die Zeiten des Präsidiums Goldbergers zurückreichen und. jetzt ihren Höhepunkt durch die Pariser Beschlüsse erreicht zu haben scheinen. Ueber. die letzte Sitzung des Zentralkomitees am 30. November, die zu dem bekannten Beschlüsse führte, die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft aufzulösen,, referierte nach persönlichen Eindrücken Herr Gumpertz-Hamburg. Er bezeichnet den Empfang, der den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees in Paris zuteil wyrde, als höflich . und freundlich. Aber in der Sache selbst ließ man vom.Anfang an . keinen Zweifel, daß man. an der Beseitigung der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft festhalte. Den gleichen .Eindruck, hatte auch Herr Picard. Herr Justizrat Fuchs wies darauf hin, daß das Zentralkomitee keinerlei rechtliche Möglichkeiten besitze, die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft aufzulösen und auch keinerlei Anlaß hätte, einen solchen Schritt zu unternehmen. Nach den Paragraphen 16 und 18 der Alliance-Statuten habe die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft ein unabstreitbares Recht der Existenz und bedürfe dazu keinerlei Genehmigung des Zentralkomitees. . Es kommt hinzu, das; der entsprechende Beschluß der Auslösung, als von einem nicht legal zusammengesetzten Zentralkomitee gefaßt, rechtlich nicht verbindlich sei. Aber es bestände auch kein sachlicher Anlaß zu einer Auflösung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft. Goldberger und Klausner hätten die Alliance in Deutschland groß gemacht, und unsere Wünsche wären nicht etwa deutsche Wünsche, da wir für uns nichts wollen, sondern Wünsche in bezug auf die armen, hilflosen russischen und sonst ausländischen Juden. Rabbiner Dr. Werner übt gleichfalls eine scharfe Kritik an den Pariser Beschlüssen, deren Tendenz er dahin charakterisiert, daß sie unter dem Gesichtspunkte „sie volo, sic jubeo" gefaßt seien. Es gehe nicht an, jetzt zu behaupten, man habe die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft nicht, überhaupt niemals, anerkannt. Zu ihren Sitzungen erschienen Herren aus Paris, man habe mit ihr korrespondiert und von ihren Wünschen Notiz genommen. In München führe das Lokalkomitee nur zwei Drittel der Beiträge nach Paris ab, ein Drittel sei ihm zur freien Verfügung überlassen worden. Warum sollte das, was München recht ist, nicht auch der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft billig sein? An der Tätigkeit der Alliance sei viel Kritik zu üben, und es wäre erwünscht, daß man noch mehr Kritik übe. Der Redner zeigt an einzelnen Vorkommnissen, wie sehr die Kritik berechtigt ist. Man habe die deutschen Zentralkomitee-Mitglieder zu Versammlungen überhaupt nicht, oder meist zu spät eingeladen. Er fürchtet, daß man mit der Möglichkeit rechnen müsse, daß die Alliance-Mitglieder in Massen austreten würden, wenn die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft beseitigt und an deren Stelle lediglich ein Inkasso-Bureau eingerichtet würde. Das aber wäre tatsächlich ein Aufhören der Universalität der Alliance. Er spricht den lebhaften Wunsch aus, daß die Herren Professor Israel Levi..u’nb Generalsekretär Bigart, die als Delegierte des Zentralkomitees an der Tagung teilnehmen, nachdem sie sich hier von der Stimmung in den Kreisen der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft überzeugt hätten, Anlaß nehmen möchten, eine erneute Beschlußfassung des Zentralkomitees herbeizuführen, die den Wünschen der Deutschen entgegenkomme. Darauf nahm Herr Professor Dr. Levi das Wort und präzisierte in französischer Rede den Standpunkt der Pariser Herren. Er sprach von dem schönen Vorzug, der Universalität, der der Alliance eigen ist, und der durch die Existenz der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft dauernd bedroht sei, er sprach die Befürchtung einer Desorganisation der Alliance durch die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft aus, malte den Schrecken an die Wand, wenn die Alliance-Mitglieder in den anderen Ländern etwa dem deutschen Beispiel folgen würden, wehrte die Angriffe gegen die Alliance-Arbeit ab, wobei er besonders ausführlich bei der Tätigkeit, in der Falascha-Sache verweilte, und etwas kühn und souverän das „Bonmot' aussprach: „Es gäbe keine Falascha-Frage, sondern nur eine Frage , Faitlovitsch" und schloß mit - einem fast norddeutsch anmutenden

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