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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-23 · Heft 51 (23.12.1910) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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74. Jahrgang. Nr. 61 Berlin, 23. Dezember 1010 Lin unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbmer vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf; Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion »nd Expedition find an die Adresse Verlag der „Allgenl! Zeitung > des Judentums", Berlin L'VV.. Jerusalemer Straße *6/^9, zu richien. Verlag von Rudolf rNosse, BerUn. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oter die Post (in Berlin und vororten durch unsere vcrtriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 JTI. Tfttfttfll.t Judas Matkabäus und Theodor Herzt. (Ein Gespräch im IJlUJuU« ^arabiefe am 25. Kislew 5671.) — Die Woche. — Die Gründung städtischer jüdischer Votkssüiulen. — Justizrat Johannes Behrendt.' Von Dr. Freudenthal-Nürnberg. — Der Einfluß des jüdischen Elements in der russischen Literatur. Eine literarhistorische Abhandlung von Rou bin Knopping. — Feuilleton: Chanukah. — Menorah. — Des Makkabäers Traum. Von Klara Janlus. — Das Judengrab in der Steppe. 'Erzählung von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. Der Gcmeindebote (Beilage zur .Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Spandau, Posen. Aus der Provinz Posech Hamburg, Chemnitz, Ahlem,'Homburg v. d. Höhe, Straßburg i. E., Wien. — Von Nah und Fern. _ ,_. ___ Judas Madkabäus und Theodor hrr?l.' (Ein Gespräch im Paradiese am 25. Kislew 5671.) erzl: Mein Feldherr, ich gratuliere zum Namenstag. Vor 2074 Jahren — erinnerst Du Dich? — hast Du am 25. Kislew den Ältar des jerusalemischen Heiligtums seinem Gottesberufe wieder geweiht. Seitdem nennt und rühmt Dich Israel in allen Landen als den großen Makkabäer. Es muß aber auch was Herrliches sein, so nach 2000 Jahren mit dem stolzen Bewußtsein hier oben lustwandeln zu dürfen, da unten ein vielgenannter, weit berühmter Mann zu sein. Juda: Mein junger Freund, für Deine Wünsche sag' ich herzlichen Dank. Doch, um es ehrlich zu gestehen, derartige Paradetage lieb' ich nicht. Ich bin ein einfacher Soldat. Es wird mir manchmal Bericht erstattet übev die Reden, die am Makkabäerfeste in Tempeln, Schulen, Versammlungen gehalten werden. Wenn ich davon höre, denke ich stets an das Wort Lessings — dort in der Ecke steht er mit seinem Freunde Nathan und disputiert sicherlich wieder über Baruchs Philosophie — „Wir wollen weniger erhoben Und fleißiger gelesen sein." Reden, nichts als Reden. Schaut man sich aber dann im Laufe eines Jahres die Leute näher an, finde ich verdammt wenig von'meinem Geiste . . . Herzl: Verzeihe, wenn ich unterbreche. Meine Zionisten verleugnen Dich niemals. Juda (lächelnd): Natürlich. Du kennst kein anderes Thema. Möchtest gern den ganzen Himmel zu Deiner Idee. bekehren. Herzl: Jawohl, düs will ich. Eine solche Enttäuschung, wie sie mir das Paradies gebracht, Hab' ich auf Erden nie erlebt. Und das will viel sagen. Dieses Assimilantentum! Als wäre da unten gar nichts vorgesallen, seh' ich täglich Moses mit Jesus Arm in Arm spazieren gehen, Jesaja mit Platon, Akiba mit Paulus, Maimuni mit Luther. Und überall eine Sprache, eine Sitte. Keine. Spur von .Nationalitäten, Rassen. Und gesell' ich mich zu ihnen, will ihnen vom Zionismus erzählen, kehren sie mir den Rücken und gehen weiter. Juda: Und dieser Himmelsfrieden, diese Eintracht. Gelt, die kommt Dir spanisch vor. Und weit und breit keine Zeitung, fein Journalist. Herzl: Und doch war's unten schöner. Kämpfen, streiten, ah, welche Lust! Juda: So ganz unrecht hast Du nicht. Himmelsfrieden ist nichts für Erdenkinder. Gilt nur der Kampf stets großen. Dingen. Herzl: Wie zum Beispiel der Kampf der Zionisten- Jst's nicht eine große Sache, für die sie kämpfen? Juda: Aber auch 'gegen die sie kämpfen, mein junger Freund. Herzl: Wie meinst Du das? Juda: Sieh'! Eure Geschichtsschreiber haben mein und meines Vaters Streben ziemlich mißverstanden. Glaubst Du etwa, daß wir uns gegen der Griechen Geist auflehnen wollten, oder uns weigerten, Untertanen des Schrars zu heißen? Frag' nur meinen Vater, dort steht er neben Miltia des, dem Helden von Marathon. Wie gern . las er im Homer. Ost vergaß er den Opferdienst, war er versunken in den Sang der köstlichen Erzählung. Mein Bruder Simon kannte keinen höheren Genuß als Platens „Staat". „Wär' ich Fürst" — so hört' ich oft ihnsprechen —' „nur so würde . ich ein Land regieren." Armer Bruders . . -Mir kämpften nur um die Freiheit unserer Religion; wir duldeten kein Joch auf unserem Glauben und keins wegen unseres Glaubens. Staatsambitionen waren uns fremd. Für die Freiheit des Menschen zum Schwerte greifen, ist ein heilig Recht. , Herzl : Wir lechzen ja auch nur nach dieser' Freiheit: Weil die uns aber in Europa nie zuteil wird^ wollen Wirtin die alte Heimat wieder ziehen. Juda: Um in der alten Heimat mit alter Großmannssucht ein Staatchen aufzurichten und hohe Politik zu spielen. Ich kenne das, Hab' es an der eigenen Familie erfahren. - H erzl: Du irrst. Wir wollen das Land der Väter treu, und liebevoll' bebauen, Kunst und Wissen pflegen- Schulen / errichten, Handel und Industrie treiben, wollen glücklich sein im glücklichen Land. I Juda: Träumer! Herzl: Ach, laß mich weiter träumen. Komm', laß uns 5 zur Erde schauen. Siehst Du dort im Osten? Tolstois Heimat, jenes Neuankömmlings, den ich Dir gestern-vvvgestellt. Sechs Millionen Menschen gehen da nach und nach zugrunde,; seelisch, leiblich. Die wollt'ich retten. Juda: Ich habe nie gehört, daß irgendeiner diesen Wunsch mißbilligt hätte. Ich will Dir was verraten. Als %

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