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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-12-16 · Heft 50 (16.12.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Provinzialgemeinden. Er richte die Frage an den Vorsitzenden/ wiees damit stände, ob man an die Weiterberatung des Organksationsentwnrfs herantreten werde. Herr Professor'Philippson erwidert darauf, daß män'zunächst die - Beschlüsse des Rabbinerverbandes/ die aufder -Tagung am 28. ÜNd-29. d. M. gefaßt werden sollen, abwärten müsse. Eilte ungünstige Stellungnahme des Rabbinerverbandes' könnte sehr leicht für den Orgänisationsentwurf bedaüerl i ch e> F o l g e n Haben. Hoffentlich werden die Herren der schweren Verantwortung eingedenk sein. Nach seiner Auffassung brauche: man auf die jetzige Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses nicht die Ansicht zu begründen, daß auf eine Annahme dortselbst nicht zu rechnen fei. - Es wehe jetzt ein anderer Wind und was die Hauptsache sei, für alleFälle sollte man einen Gesetzentwurf - feststellen, damit mast,- wenn eine Reform des Gesetzes betreffend die jüdischen Gemeinden eintrete, einen bestimmten Vorschlag der Regierung sofort unterbreiten könne. Herr Professor Blaschke ist der Ansicht/ daß auch dann weiter gearbeitet werden sollte, wenn die Rabbiner auf dem Vetorechte, dem bekannten Differenzpunkt beständen. Herr Jüstizrat Choyke-Magdeburgbittet gleichfalls, für alle Fälle weiter zu arbeiten. Herr-Sanitätsrat Tr. Apfel-Köln meint, die Frage der Organisation ist geradezu eine Lebensfrage der preußischen Judenheit. .Seine Interpellation wolle verhüten, daß die Frage ad acta, gelegt wird, ganz gleich, wie der Rabbinerbeschluß lautet. Er stellt den Antrag, der Verbandstag möge beschließenes soll die Arbeit am Organisationsentwurf fortgesetzt werden. Der IV. Verbandstag nahm hierauf mit allen Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen den Antrag Apfel an. Herr Flörsheim- Dortmund, der sich der Stimme enthielt, erklärte, daß er persönlich voll auf dem Standpunkte des Antrages stehe, aber keine Legitimation besitze, den Provinzialverband auch in dieser .Frage heute Per zu Vertreter Herr Rabbiner Dr. Walter-Bromberg enthielt sichgleichfalls der Abstimmung, aus Rücksicht auf die Stellungnahme des von ihm vertretenen Verbandes. Dann wurde nach den üblichen Dankesworten der IV. Verbandstag geschlossen. *»* Berlin, 13. Dezember. Die Vertretung der Berliner jüd ischen Gemeinde hat beschlossen, die Steuern nicht mehr durch Boten äbhölen' zu lassen; vielmehr sind die Steuern zu bringen. Jedes steuerpflichtige Mitglied der Gemeinde erhält eine Benachrichtiguyg. über den veranlagten Jahressatz .und die einzelnen für jedes Vierteljahr zu entrichtenden Beträge. Es 'sind Einrichtungen getroffen, um die Erfüllung der Steuerpflicht möglichst bequem zu machen. Die Steuern können gezahlt - werden : Bei. der Steuerkasse der Gemeinde, Oranienburger Straße 29,. bei jeder Depositenkasse der Deut schen Bank in Berlin und Vororten, dürch Ueberweisung an das Konto der Steuerkaffe der 'Gemeinde bei det 'Hauptkasse der Deutschen Bank, durch Einzahlung auf das Postscheckkonto der Gemeinde, welche keinerlei Portokosten verursacht und ^wosüt-Postsch'eckformutare^/.jedex- Veranlagung beigefügt.werden. Die pünktliche Erfüllung der Steuer- Pflicht liegt im eigensten Interesse der Gemeistdemitglieder, da' von ihr das,, Wahlrecht abhängt. : ^' *»* Berlin, 13. Dezember. Im Verein für,' jüdische Geschichte und- Literatur hielt am 6. d. M. Herr Rabbiner Dr. Lucas-Glogau den ersten der drelangekünöigtenVorträge über die Juden in Spanien. Der Vortragende, schilderte die Eroberung Andalusiens und Kastiliens durch die Möhammedaner und stellte den Anteil der Juden an der Vernichtung' des.Gotenreiches in der bislang behaupteten Form/ in Abrede. Als derDruck der ' gotischen von W^zänz inaugurierten Politik mit der Herrschaft der Mohammedaner.-zu Ende war, entwickelte sich rösch - das kulturelle Lehen der. Indem . Ünter dem - Schutze jüdischer MWßen ^blühte häs Studium der hebräischen Sprachforschung: Diese führte zu einer neuen Form der ^DxeMe^ welche/ der IraMions exegesel in wichtigen. Punkten getz'ett^berst^nh.^..Wie.7.nun die:, Sprachforscher die einzelnen Morte deEADilrgen- SchriftUntersuchten, ' so haben -die Philosophen den Ideengehalt desJud>entum.s zuch Gegenstand der Forschung gemacht. D.en< größten Einfluß unter ihnen übte Jehuda Hulevi aus. Der Redner meinte, daß . seine Zioniden nicht national - lüdische Lieder im Sinne der Modernen seiest. Bei Jehuda Halevi seien , uationale und messianischeWotive m'icht getrennt gewesen. Man habe seinerzeit nicht, an eine friedliche- oder kriegerische Besitznahme Palästinas gedacht,'sondern an eine mit dem Besitz Palästinas verbundene tiefste- Umwandlung der menschlichen Natur,, die seit uralter Zeit von Gott vorgesehen eines Tages WiÄlichkeit werde. Trotz' allerWissenschäften habe/ so fuhr der Redner fort, das Talmudstudium die erste Stelle behauptet Besondere.Bedeutung erhielt das Talmudstu drum für Spanien durch den Untergang des Gavnats. Dieser war unabwendbär. denn die Gaonen waren nicht mehr aus der Höhe und Fortschritt wie -Konsolidation gingen, neben ihnen her unter besonderen geistigen Bedingungen. Der Vortragende schilderte dann die staatswännische Tätigkeit der Juden und ihren recht bedeutsamen Anteil an der mohammedanischen Weltpolitik; ferner die Leistungen der Juden auf dem Gebiete profaner Wissenschaft, der Aebersetzungsliteratur, der Industrie und des Handels. Die Älmohadenbewegüng bereitete 1148 der Kultur der . Juden ein Ende. Die Juden, vor die Wahl gestellt, den Islam anzunehmen oder aüszuwandern, verzögen sich nach dem' christlichen Spanien. — Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine interessanten und lehrreichen Ausführungen. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Hattingen (Ruhr) sprach Frau Johanna Meyer-Charlottenburg über „Weltliche Dichtungen jüdischer Dichter"; in Lauenburg i. Pom. Rabbiner Dr. Baron-Kolberg über „Aberglauben und Judentum"; in Stettin, Hannöver, Offenbach a. M^ Chefredakteur Tr. I. Landau- Berlin über den „Einfluß der Bibel auf die Weltkultur", in Hohensalza und Schrimm Schriftsteller Albert Katz über die „Moderne hebräische Poesie"; in Brandenburg a. H. und Schönlanke Dr. R. M. Nathan über „Jüdische Ruf-und Familiennamen in alter und neuer Zeit"; in Lissa (Posen) Frau Regina Neißer-Breslau „Aus dem Hause Moses Mendelssohn" und zwei eigene kleine Erzählungen; dieselbe in Pleschen über „Bedeutende jüdische Frauen des 19. Jahrhunderts in Literatur, Kunst und Humanität"; in Köln Karl Freiherr v. Per fall über „Die Stellung des Judentums in der modernen Literatur". J; Berlin, 9. Dezember. Die neue Synagoge des „Israelitischen Religionsvereins Gesundbrunnen Ahawas Achim" in der Prinzenallee 87 wurde am letzten Sonntag in einer überaus eindrucksvollen Feier eingeweiht. Zu dem Festakte war der Herr Polizeipräsident v. Jagow eingeladen und auch erschienen. Sowohl über den schmucken und schönen Bau wie über die weihevolle Feier der Einweihuttg sprach der Herr Polizeipräsident seine Befriedigung aus,, und auch allen anderen Teilnehmern dürfte der festliche Einweihungsakt unvergeßlich bleiben. Von Stadtverordneten nahmen . die Herren Landtagsabgeordneter Geheimer Justizrat Cassel, Kommerzienrat Bamberg' und Landtagsabgeordneter Rösenow, vorn Vorstand der jüdischen Gemeinde die Herren Netter und Geheimer Sanitätsrat Stern, von den Repräsentanten die Herren Louis Sachs. Prof. Dr. Blaschke, Emil Pinkus, Benas Levy, Willibald Löwenthal. und Lewinski teil. Das neue Gottes< hdus, im maurischen Stile gehalten und von eigenartigem architek< tonischen Reize, ist von der Baufirma Sauerwald und dem Architekten- Becker, nach des'letzteren Plänen' errichtet und macht einen ungemein - gefälligen Eindruck Auf dunkelbraunem Gestühl finden hier 175 Personen,, auf den drei Frauenemporen in Stockwerkshöhe ebettsovlele TamenPlgtz: i Der Einweihungsakt vollzog sich folgendermaßen: Während derChor' unter Harmonium-Begleitung das „8reu Lebeorim" vortrug,' erfolgte der Einzug der Thorarollen. Unter Vörantritt dreier Schamoffim/ denen drei kleine Mädchen mit Lichtern, dahinter zwei weitere, mit Palmenwedeln folgten, vollzog' sich der einmalige Umzug mit den Thorarollen. Vor der Oeffnüng der heiligen Lade trugen zwei Mädchen, die Töchter des Vorsitzenden, Herrn Direktor Wolpe und des Vorstandsmitgliedes Kü r z sinnige Gedichte 'vor, dann hielt Herr' Wölpe eine kurze Ansprache, worauf die Thorarollen unter Chor--/ gesang in die heilige Lade eingehoben wurden. Eine Sängerin sang^ dann 'mit Prächtiger Stimme das' „Hailölüjah“ von Hümmel; wörüü'' Herr Rabbiner. P ick die Weiherede hielt und das Gebet für Kaiser . und Reich sprach. Herr Kantor I o s'p e trüg bannunit dem untrrPeMn- K licher Leitung des Herrn Musikdirektors K el l erm ann stehenden-Chor D, bie „Ke'duschah“ vor, worauf Herr Rabbiner Dr. W ei ße die FestprediFt ß! hielt/ Mik dem Vorträge des Psalm 121 und einem Harmöniumvörtrag H .schloß dann die erhebende Feier.,.An der Reihe der sßrivatsynäßogen; bildet dieses neue Gotteshaus zweifellos eine der schönsten. % " - £

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