Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 das sowohl in den äußeren Formen und Verzierungen, als auch vorzüglich im Innern zum Ausdruck komme. Ganz besonders fesselten aber die weiteren Ausführungen des Festredners über die Entstehung des Tempels wie über die mit dessen Gründung verbundenen Absichten des Stifters. L. Kassel, 13. November. Am 3. d. M. und den vorangegangenen Tagen fand im israelitischen Seminar zu Kassel die zweite Lehrerprüfung statt. Die fünf Lehrer, Frohsinn, Lehrer in Peckelstein, Goldschmidt, Lehrer in Nesselröden, Landsberg, Lehrer in Werther, Mayer, Lehrer in Geldern und Neu mark, Lehrer in Windecken, bestanden die Prüfung. Den Vorsitz führte Herr Provinzial-Schulrat Leist. Von den fünf Herren sind drei im hiesigen Seminar selbst ausgebildet worden, einer im Seminar zu Hannover, und der fünfte hat nach dreijähriger Vorbildung in einem nicht mit der Berechtigung, die Entlassungsprüfung abzuhalten, ausgestatteten Seminar, an der hiesigen Anstalt 1907 seine erste Prüfung als Hospitant abgelegt. Das Thema des 'pädagogischen Aufsatzes lautete: „Was sagt dem Lehrer das Wort in Nathan der Weise: „Jede Kleinigkeit, zu sehr verschmäht, die rächt sich, Bruder." — Bruchsal, 11. November. Nach dem für das Jahr 1909 erstatteten 22. Jahresbericht war der Vereinsvorstand, an dessen Spitze Stadtrat Louis Marx in Bruchsal steht, wiederum in der Lage, allen berechtigten Gesuchen zu entsprechen. Es wurden 14 Kinder aus der Vereinsfürsorge entlassen, dagegen 30 neu ausgenommen' wodurch, die Zahl der versorgten Kinder von 92 am 1. Januar 1909 aus 108 am 1. Januar 1910 stieg. Von diesen sind neun bei geeigneten Familien, zwei Knaben in der israelitischen Erstehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover, ein Knabe in der israelitischen Erziehungsanstalt „Wilhelm - Auguste - Viktoria - Stiftung" zu Beelitz, ein Knabe als Kaufmannslehrling untergebracht, die übrigen unter Gewährung von Erziehungsbeiträgen bei ihren Eltern, Müttern oder sonstigen Verwandten verblieben. Ter Bezirksangehörigkeit nach verteilen sie sich wie folgt: Mosbach-Merchingen-Wertheim 13, Heidelberg - Sinsheim-Ladenburg 17, Bruchsal 19, Breiten 10, Karlsruhe- Psorzhesm 17, Bühl 13, Offenburg 1, Freiburg - Sulzburg 9, Gailingen 9. An Mitgliederbeiträgen unÜ Schenkungen wurden im ganzen 6707 -1-8352 Mark vereinnahmt. Die Zinsen aus den angelegten Kapitalien betrugen 10 393 Mark. Das Vermögen belief sich am 1. Januar 1910 auf 264 404 Mark, hierunter Wertpapiere 258 656 Mark, Kassenvorrat 5297 Mark. Als schmerzlichen Verlust verzeichnet der Bericht das am 24. Februar 1910 erfolgte Ableben des dem Vorstand ungehörigen Bezirksur»d Konferenzrabbiners Dr. Adolf Lew in in Freiburg, der an der Gründung des Landesvereins mit warmem Eifer sich beteiligt und zu dessen Ausbreitung und Erstarkung in hervorragendem Maße beigetragen hat. ÄuszlMd. L. T. Petersburg, 8. Novembers In einer der letzten Nummern des „Odessky Lislok* finden wir eine Mitteilung, die für Ihre Leser nicht uninteressant sein dürfte. Unter dem Titel „Jüdische Kosaken"; erzählt das „Odessaer Tageblatt" folgendes: Am 4. Oktober kamen in die Synagoge der Stadt Kamenez (Podolier Gouvernement), in; der Dolgoerstraße, gelegentlich des jüdischen Neujahrs fünf Kosaken des Linien-Kosakenregiments. Die im Gotteshause sich befindlichen Juden glaubten nicht, daß dieselben ihre Glaubensgenossen wären. Nach langem Herum fragen und Erkundigungen überzeugten sich die Zweifelnden, daß diese Kosaken wirklich Juden seien. Nach dem 'Gottesdienste bestrebte sich eine große Anzahl der Betenden, die Kosaken zu ihrem Festmahle einzuladen. Auf Verordnung des Kommandeurs des genannten Regiments waren die jüdischen Kosaken für alle jüdischen Feiertage vom Dienste befreit worden. Uns selbst scheint diese Mitteilung fabelhast, da unseres Wissens die Kosaken in Rußland eine besondereKaste bilden; dieselben stammen vom Don und Ural, und alle müssen ihren Dienst in Kosakenregimentern ableisten, während andere außer ihnen in dieselben nicht ausgenommen werden.— Wie Gerüchte verlauten, soll die dritte Abteilung des Departements der allgemeinen Angelegenheiten, die auch die jüdische Angelegenheiten verwaltet, dem Polizeidepartement übergeben werden. — Den Hörern und'Hörerinnen der höheren dramatischen und Opernkurse von Medwedjew, denen bis vor kurzem, ohne jegliche Hindernisse gestattet war, in Kiew zu wohnen, verordnete der dortige Gouverneurin Zukunft, keine Bewilligung des Wohnrechts in Kiew zu gewähren. — Das vom gewesenen Minister Schwarz der Reichsdum a übergegebene Projekt des Universitätsstatuts wird, den Worten der Oktobristen zufolge, einer, radikalen Umarbeitung unterworfen werden. Was die die Juden beschränkende Norm betrifft, so sprechen die Oktobristen die Meinung aus. daß in Allbetracht der Kompliziertheit und der Schärfe im gegenwärtigen Momente es unbequem sei, diese Frage anzuregen. — Im Petersburger medizinischen Fraueninstitut wurden 125 Hörrerinnen, darunter fünf Jüdinnen ausgenommen. — Aus Minsk telegraphiert man: Das Kuratorium der Handelsschule nimmt nachträglich jüdische Schüler in der Norm von 40 Prozent auf, und zwar aus dem Grunde, weil man der Deputation der städiischen Verwaltung in Petersburg versprach, für die Minskcr Schule die frühere Norm zu belassen. — Der Deputierte derReichsdumaFriedmann hielt in Riga eine Vorlesung über das Thema: „Das Eesetzprojekt über Abschaffung des jüdischen Ansiedlungsrayons". Nach der Vorlesung wurde von den jüdischen Gemeindevertretern ein Bankett veranstaltet. — Der Petersburger Stadthauptmann bestrafte den Redakteur des „Nowy Woschod", Rechtsanwalt Syrkin, für einen in Nr. 26 dieser Zeitung veröffentlichten Aussatz „Ter neueste Beseht des Generals Tolmatschew" mit dreihundert Rubel, und im Falle der Zahlungsunfähigkeit zu zwei Monaten Arrest — Die Verwaltung der Tomsker jüdischen Gemeinde teilte der Stadttnprawa (Magistrat) mit, daß sie nach einem Beschluß vom 22. August das Geschenk von I. S. Bychowsky. ein aus Stein errichtetes zweistöckiges Gebäude als Asyl für ältere Juden angenommen habe. Am 12. September fand die Feier der Eröffnung des „Pflegehauses" statt. — Ende Dezember d. I. feiert der bekannte jüdische Schriftsteller, der Nestor der Jargonliteratur Salomon Abramowitsch .(Mendele Mocher- Sforim) seinen 75jährigen Geburtstag in Odessa. Die dortige jüdische Literatnrgesellschaft gedenkt dieses Jubiläum in feierlicher Weise zu begehen. Dem Jubilar wird die komplette Ausgabe seiner sämtlichen Werke in hebräischer Sprache überreicht werden, welche von allen Abteilungen dieser Gesellschaft in ganz Rußland herausgegeben wird. — Ter populäre jüdische Schriftsteller Leon Lewin, der unter dem Pseudonym „Jehallel" schreibt, beging am 27. Oktober das 50 jährige Schriftstellerjubiläum. — Die Kiewer jüdische Intelligenz veranstaltete zu dieser Gelegenheit ein Bankett im Klub der'„Konkordia". Dem Jubilar wurde eine Adresse, in einer prachtvollen Mappe mit plattierten silbernen Inschriften versehen, und eine goldene Feder überreicht. Von den Vertretern der rechten Fraktion der Reichsduma und den Mitgliederndes Verbandes Michael des Erzengels ist eine Kommission gewählt worden, die sich mit Ausarbeitung der Materialen „über die Bedrückung des russischen Theaters durch die Juden" beschäftigt. In diese Kommission sind folgende Deputierte: Pnrischkewitsch, Zampolowsky, Wolodimirow und der Schauspieler Feodoro gewählt worden. — Die Kownoer Gesellschaft zur Regulierung der jüdischen Emigration befördert wiederum Emigranten nach Galveston. Der Betrag, der, nach den Gesetzen der Vereinigten Staaten der Emigrant bei seiner Ankunft vorzuzeigen verpflichtet ist, ist für die Personen, die von dieser Gesellschaft expediert werden, bis zu 20 Rubel vermindert worden. Von MH und Lern. Geheimer Medizinalrät Herrmann Senator, der Ehrenpräsident der Berliner Medizinischen Gesellschaft, wurde von der Aerzteschäst in Odessa zum Ehrenmitglieds ernannt. — Dem Fabrikbesitzer Stadtrat Max Cassirer in Charlottenburg ist der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Am 11. d. M. war der 62. Geburtstag von Dr. Gustav Karpeles. Aus diesem Anlaß er. sucht uns ein Freund des teuren Entschlafenen mitzuteilen, daß der Entwurf für dessen Grabmal vom Stadtbaumeister Herrn Bronia» towski herrührt, der dem Bildhauer Herrn Carl Schwarz die Ausführung in Werkstein übertragen hat. Bei dieser Gelegenheit sei auch mitgeteilt, daß die hebräische Grabinschrift nicht, wie unser Berichterstatter in Nr. 30 d. Jahrg. irrtümlich angegeben, von Rabbiner Dr. Warschauer, sondern von einem intimen Freunde des Verstorbenen herrührt. — Herr Dr. Auerbach aus Dresden ist von der jüdischen Gemeinde in Elbing als Nachfolger des nach Schwerin berufenen Rabbiners Dr. Silberstein gewählt worden.