Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 45 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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angerufett hat; daß die mit schweren Opfern an Mühe und Geld gegründete Institution deS Verbandsrabbiners reiche Erfolge mit fich brachte, weil neues religiöses Leben und Teilnahme an den die Ge« samtheit bewegenden Fragen geweckt und so der. Gleichgültigkeit gesteuert werde; daß die brennendste und schwierigste Materie für Oberschlesien: Die Regelung, der. Wanderbettelei zu gutem Ende gelenkt werden konnte, und daß endlich das Waisenhaus in Rhbnik die wachsende Förderung zahlreicher Gönner und die stetige Erweiterung des Kreises seiner Freunde und Freundinnen erfuhr. Die Wahlen zum Verbandsvorstande aus dem Kuratorium des Waisenhauses vollzogen sich ohne Widerspruch gemäß dem Vorschläge des Vorstandes. Die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder wurden einstimmig wiedergewählt, und für die Herren Justizrat Schüller- Gleiwitz und Stadtältesten Prager-Rybnik, die ihr Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hatten, wurden in das Kuratorium gewählt die Herren Justizrat Berger-Königshütte und ein Enkel des Hauptdonators des Waisenhauses, Herr Dr. Felix Haase-Rybnik. Mit dem Eintritt der erstgenannten Herren in das Kuratorium vollzieht sich die Tatsache» daß wie früher beide Aemter (das des Vorsitzenden des Verbandes und das des Vorsitzenden des Kuratoriums) in einer Hand liegen. Herrn Justizrat Schüller, dem verdienstvollen, langjährigen Vorsitzenden des Verbandes und des Kuratoriums brachten nunmehr. Vorstand und Versammlung rührende Beweise der Anerkennung seiner Wirksamkeit dar, indem ihm der Vorstand eine Urkunde überreichte, nach der er zum Ehrenmitgliede des Vorstandes mit Sitz und Stimme ernannt wurde, die Versammelten sich zum Zeichen ihrer Zustimmung hon ihren Sitzen erhoben. Der Gefeierte war von so viel Ehrung derart übermannt, daß er nur mit Mühe Herr der Empfindungen wurde, die ihn durchströmten. Und nur mit wenigen Worten vermochte er seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Auch das Waisenhaus wird anläßlich des nächsten Stiftungsfestes beiden Männern, die sich um dieses Institut große Verdienste erworben haben, die schuldige Dankbarkeit zollen. Der Vortrag des Herrn Justizrats Breslauer-Berlin über „Zweck und Ziele des Verbandes der Deutschen-Juden" fand die aufmerksamsten Zuhörer. Seine klaren Darbietungen,waren äußerst aufklärend, anregend und begeisternd. Sie haben den unzweideutigen Beweis erbracht, daß nur vereinte Kraft zum Ziele führt und Großes schafft und werden den Ansporn dazu geben, daß in Zukunft von Worten zu Taten übergegangen werden wird: der schönste Erfolg eines Redners. Dem brausenden Beifall der Versammlung gesellte sich der wärmste Dank des Vorsitzenden zu. Ein Mahl. im Grand Hotel, das. schöne Reden begleiteten, beendete eine der bestbesuchten (es waren etwa 120 bis ISO Teilnehmer) und schönverlaufenen Sitzungen des Verbandes. — Beutherr D.-S., 4. November. Am Sonntag 23. v. Mts. fand hier eine Pro-Falascha-Versammlung statt, die das wesentliche Resultat hatte, daß sich ein Oberschlesisches Pro-Falascha- Komitee, dem die angesehensten jüdischen Persönlichkeiten des Bezirkes angehören, gebildet werden konnte. Die Einladung zu der Versammlung war von 28 hervorragenden Glaubensgenossen Oberschlesiens ergangen. Herr Rabbiner Dr. Kopsstein-Beuthen, hielt einen von wärmstem Interesse erfüllten, ungemein wirkungsvollen Vortrag, dann sprachen Herr Dr. Fa'itlovitch, der der Versammlung beiwohnte, und eine Anzahl anderer Herren. Es wurden sofort namhafte Beiträge gezeichnet und ein Komitee gebildet. Zum Vorsitzenden wurde Herr Rabbiner Dr. Kopfstein, zum stellvertretenden Vorsitzenden Stadtrat Wiener-Kattowitz, zum Schatzmeister Sal. Grün selb-Beuthen gewählt. Zu Schriftführern wurden Rechtsanwalt Dr. Schmidt und Herr Hugo Lesser-Beuthen und zu Beisitzern die Herren Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, Rechtsanwalt Dr..Gut Han er-Zabrze, Dr. Dienemann-Ratibor, Dr. Goldmann- Oppeln. Dr. Winter-MySlowitz gewählt. L. Exin, 6 November. Der hiesige Krankenpflege- und Beerb igungs verei n blickt jetzt auf sein 50jähriges Bestehen zurück. Er wurde am 31. Oktober 1860 von dem bereits'verstorbenen Lehrer. Bartmann, Kaufmann Abraham Sutto und Bäckermeister Hermann Rosenthal gegründet und zählte damals 20Mitglieder. Zu den ersten Vorstandsmitgliedern gehörten außer diesen H. Seemann und H. Boas, der Vater des bekannten Geheimen Sanitätsrats Dr. Boas in Berlin. 'Große Verdienste um -diL Gründung-und 'Ent- Wicklung des Vereins erwarb sich ferner der damals hier wirkende selige Rabbiner Wolfs Klausner, der Vater des im September in Berlinverstorbenen Schriftstellers M. A. Klausner. Der Verein, der eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat und jetzt ebenfalls 20 Mitglieder zählt, blüht unter der Leitung des Beigeordneten Philipp Seemann in erfreulicher Weife weiter. Aus Anlaß des 50 jährigen Bestehens fand am 31. Oktober eine Festlichkeit in größerem. Rahmen statt. Im Anschluß an den Morgengottesdienst wurde zunächst eine Seelenfeier abgehalten, und nachmittags fand im Gotteshause ein Festgottesdienst statt, bei welchem Rabbiner Dr. Walter aus Bromberg eine eindrucksvolle Predigt hielt. Dann fand im Saale ein Festessen statt, worauf theatralische und musikalische Vorführungen in reicher Fülle und Abwechslung geboten wurden. F. Dortmund, 6. November. Das Israelitische Kinderheim für Westfalen und angrenzende Bezirke, E. V., zu Bad- Sassendorf, Sitz Dortmund, hat am 3. v. M. seine zweite Kurperiode erfolgreich und ohne jeden Zwischenfall abgeschlossen. Verpflegt wurden in den Monaten Juni bis September 214 Kinder, an welche 3207 Einzel-Solbäder im Hause verabreicht wurden. Keinem Kinde blieb die Erholung versagt und keines ging ohne Gewichtszunahme fort; bei sehr vielen Kindern war eine ganz erstaunliche Gewichtszunahme zu verzeichnen. Der Andrang war in manchen Monaten so stark, daß sich das Bedürfnis nach einer Erweiterung der Anstalt geltend machte, für die es allerdings vorläufig an dennötigen Mitteln fehlt. Auch zur Ausübung der Wohltätigkeit fand sich wieder reichlich Gelegenheit, denn Kindern unbemittelter Eltern wurde willig eine Ermäßigüng der ohnedies niedrigen Pflegegelder zugestanden, und die Kinder von Lehrern und Lehrerwitwen zahlten überhaupt nur halbe Preise. Marsberg i. W., 6. November. Nach 48 jähriger Tätigkeit in derselben Gemeinde verläßt Herr Lehrer Braun den Ort seiner Wirksamkeit, um in Kassel sein otium eum äignitate zu genießen. Bei Gelegenheit der Abschiedsfeier, welche die Gemeinde-dem scheidenden Lehrer in wohlgelungener Weise am Abend des Limebat Thora veranstaltete, hielt ein langjähriger Freund der Familie, Herr Lehrer Alexander aus Marburg, die Festrede, in der er die Verdienste des Amtsbruders in Schule, Gotteshaus und Gemeindeleben, vor der versammelten Gemeinde noch einmal in das'rechte Licht setzte und dem Scheidenden ehrende Worte der Anerkennung zollte für seine Treue und Liebe, die er als Iugendbildner, Mensch und Amtsbruder stets betätigt hatte. Die Geureinde ließ dem verehrten Lehrer und Seelsorger als äußeres Zeichen ihrer Anerkennung und treuen Gedenkens, einen wertvollen silbernen Tafelaufsatz überreichen. Möge ihm noch ein langer sonniger Lebensabend an der Seite seiner Gattin beschieden sein. Steinhorst (Provinz Hannover), 4. November. Am 29. Oktober fand das Erntefest der Land- und - Lehrguts-Gesellschaft statt, an dem neben den ungefähr 40 Personen, die zurzeit auf dem Gute beschäftigt sind, auch die bäuerliche Bevöllerung regen Anteil nahm. Nun,-nachdem auch die letzten Ernte flüchte geborgen waren und berechtigte Zufriedenheit über die Erfolge eines arbeitsreichen Jahres herrschte, konnte man sich allerseits rückhaltlos der Feststimmung hingeben. Der^Saal war auf das schönste mit Erntesrüchten und bunten Bändern geschmückt. Einer unserer Lehrlinge leitete den Abend mit einem hübschen Prolog ein. Es folgte eine Rede von Herrn Sartorius Rhein hold aus Hannover, Vorsitzender des Aufsichtsrats -der Gesellschaft, in dem die Freude an dem Gedeihen unseres jungen Unternehmens zum Ausdruck kam. Herr Rheinhold dankte all denen, die zu der guten Ernte mit beigetragen hätten und konnte hierbei auch die Lehrlinge lobend erwähnen, in deren Händen bereits ein beträchtlicher Teil der Gutsarbeit liegt. An diese Rede schloß sich eine flotte Aufführung des Körnerschen Stückes „Der Nachtwächter" seitens der Lehrlinge, die viel Heiterkeit und Beifall fand. Hierauf fand eine gemeinsame Kaffeetafel statt und dann — während Verabreichung des Erntebieres — ein mehrstündiger Tanz, an dem sich, wie es die Sitte will, alle Anwesenden und ein guter Teil der Dorfbewohner beteiligten. In voller Harmonie ging das schöne ländliche Fest zu Ende.