Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228907-3228947--66862-3279021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
außerstande erachtet wird, dauernd das Gehalt für den Lehrer aufzubringen; 7. den Rabbinern und Lehrern ist eine ständige Vertretung im Vorstande der Provinzialgemeinde und in dem der Landesgemeinde zu gewähren; 8. die Einheitszahlen zu den Wahlen für den Provinzial- und Landesgemeindetag sind wesentlich herabzusetzen.—Die Versammlung war recht zahlreich besucht. Es^nahmen 30 Gemeindevertreter und zirka 40 sonstige Verbandsmitglieder (Herren und Damen) daran teil. 8. W. Posen, 22. September. Der Verb and der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen hielt im Gemeindesitzungssaale Hierselbst seine 13. ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Bankdirektor Goldschmidt, erösfnete die Sitzung und hieß vor Beginn der Tagesordnung die erschienenen Mitglieder sowie die als Gäste geladenen Herren Bezirksrabbiner willkommen. Bei Beginn des Berichtes über das vergangene Geschäftsjahr wurde des am 7. Mai verstorbenen Herrn Samuel Schönlank gedacht- Der Dahingeschiedene hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vorstandes der hiesigen Synagogengemeinde an der Begründung des Verbandes mitgewirkt und ihm eine Reihe von Jahren mit unermüdlicher Schaffenskraft und regem Eifer vorgestanden, bis er wegen überhäufter Amts- und Berufstätigkeit sowie wegen vorgerückten Alters im Jahre 1903 von seiner erfolgreichen Vorsteherwirksamkeit für den Verband zurückzutreten genötigt war. Im Berichtsjahre haben sich die Gemeindest Mixstadt und Schildberg dem Verbände neu angeschlossen, ihren Austritt erklärt hat die Gemeinde Zduny wegen Rückganges der Zahl der Gemeindemitglieder und geringerer Einnahmen trotz 260 Prozent Gemeindesteuern, und Schwerin a. W. wegen Fortzuges ihrer steuerkräftigsten Mitglieder. Zurzeit gehören dem Verbände 36 Gemeinden an. Zur Förderung des Religionsunterrichtes sind den Gemeinden Dobrzyca und Zduny auf deren Antrag Zuschüsse gewährt worden. Wie früher hat der Vorstand der Syuagogengemeinde Posens in dankenswerter Weise auch für das Verwaltungsjahr 1910/11 eine außerordentliche Beihilfe bewilligt, und es steht zu erwarten, daß auch der bisherige Zuschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes zu den Kosten der Bezirksrabbiner nicht ausbleiben wird. Es erfolgte, nun der Bericht über die entfaltete Tätigkeit in den Bezirksrabbinaten. In den angeschlofsenen Gemeinden wurden Vorträge gehalten, der Religionsunterricht geprüft, die Gemeindesituation revidiert und zum Teil Literaturvereine gegründet. Gedachte Einrichtungen in der Gemeinde wurden seitens des deutschisraelitischen Gemeindebundes durch materielle Unterstützung gefördert- Eine regere Ausgestaltung der so außerordentlich segensreichen Einrichtung der Vezirksrabbinate in der Provinz ist durchaus wünschenswert. Die Aufwendungen des Verbandes für die Ausbildung junger Kultusbeamten haben gute Erfolge gezeitigt. Gegenwärtig befinden sich 24 unter der Leitung des Gemeinderabbiners Herrn Dr. Feilchenfeld ausgebildete Kultusbeamte in Aemtern, und zwar 16 im Regierungsbezirk Posen, 2 im Regierungsbezirk Bromberg, 6 außerhalb der Provinz Posen; in. der Ausbildung begriffen sind 5 Kandidaten, wovon 2 vermutlich demnächst zur Entlassung reif sein werden. Vom Vorstande des Vereins jüdischer Lehrer in den Ostprovinzen war an den Verband eine Einladung zu der stattgehabten 22. Jahres- Versammlung ergangen. Die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Ausschusses, und zwar die Herren Bankdirektor Ignatz Goldschmidt, Samuel Silberberg, Israel Friedlaender--Posen, Rabbiner Dr. Lewin - Wreschen, Georg Hermann Loewy-Rawitsch, Alfred Markus-Pinne, wurden für die Zeit bis 31. März 1912 wiedergewählt. M. Hamburg, 25. September. Der Israelitische Unterstützungsverein für Obdachlose hielt seine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt I. Alexander ab. Es wurde der Bericht und die Abrechnung des 25. Geschäftsjahres des Vereins erstattet. In der Reihe der vielen so segensreichen Institutionen der Hamburger Gemeinde, die teilweise auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken, gebührt'dem Unterstützungsverein für Obdachlose, der im Jahre 1884 von dem unvergeßlichen Daniel Wormser s.A. begründet wurde, ein Ehrenplatz. Während der 25 Jahre hat sich dieser Verein große, unvergängliche Verdienste um die Aermsten der Armen unter unseren Glaubensbrüdern erworben. Der leitende Gedanke war stets, daß der Verein dahin zu streben habe, die Fremden, die aus ihrem Vaterland Vertriebenen, nicht sinken zu lassen, sondern sie zu einem Ziele zu bringen oder mindestens diesem Ziele nahe zu bringen. So verschiedenartig auch die Anforderungen waren, die an den Verein in den 25 Jahren gestellt wurden, an diesem Zweck,'den Wormser als Panier des Vereins aufgestellt hat, ist stets - festgehalten worden. Im Laufe der Jahre wurde..die Tätigkeit des Vereins vielfach ausgedehnt. Das „Daniel Wormser-Haus", das. im vorigen Jahre seiner Bestimmung übergeben wurde, sorgt in vorzüglicher Weise für die Beherbergung der Obdachlosen in der Stadt. .60000 Mark waren für Erwerbung und Errichtung dieses Heims erforderlich; der Verein hatte die Genugtuung, die. ganze Summe durch Spenden aufzubringen. Jm Jahre 1909 wurden 1759.Personen in der Stadt beherbergt und verpflegt, in den .Auswandererhallen betrug die Zahl der verpflegten Personen 21572. In den 2.5. Jahren des Bestehens des Vereins sind die Einrichtungen des Vereins mehr alß 500000Glaubensgenossen in der einen oder anderen Weise zugute gekommen. Diese Zahlen sprechen deutlich und bedürfen keines weiteren Kommentars, wie viel Not und Elend, durch die Tätigkeit des Vereins gelindert wurde.. Neben Daniel. Wormser Und dem Baron und der Baronin v. Hirsch, ohne, deren Wirken sich die Tätigkeit des Vereins wohl nie so. entfaltet hätte, wird, der Verein auch dauernde Dankbarkeit den anderen, auch leider schone in .die Ewigkeit eingegangenen Wohltätern des Vereins bewahren, dem Organisator des Werkes M. W. Hinrichsen, dem edlen Philanthropen Hermann Pincus, dem stets für den.Verein mit Wort und .Tat . bereiten Oberrabbiner Markus Hirsch und dem erst jüngst zur Ruhe gebetteten Moritz Marburg. Innigen Dank. gebührt auch den Hamburger Behörden für ihr allzeit bewiesenes Entgegenkommen gegenüber den Einrichtungen des Vereins. Die Einnahmen des Vereins betrugen im letzten* Jahre 18 OOO Mark, denen Ausgaben von mehr als 22 000 Mark gegenüberstehen, so daß das Vereinsjahr mit einem Defizit von 4011 Mark abschließt. In den Auswandererhallen erhielten im Vereinsjahre 21672 jüdische Emigranten 79 255 Portionen Mittagessen aus der rituellen Küche.. In der Stadt wurden unterstützt 1759 Personen. Reise-Unterstützung wurde gewährt 1400 Durchreisenden. Bekleidung erhielten .in der Stadt. 1397, in den Auswandererhallen 2434 Personen. Auf Kosten des Vereins wurden aus dem Baronin Clara v. Hirsch-Krankensonds .462 Verpflegungstage im Hospital gewährt. Den jüdischen Emigranten nach Nord- und Südamerika wurde unterwegs koschere Verpflegung (Fleischkost) verabreicht. Für die rituellen Einrichtungen auf. den Dampfern sowie für die Beschaffung jüdischer Köche hat der Verein Sorge getragen. --- Schwerin i. M., 22. September. Nach dem Ableben des Landesrabbiners Dr. Feilchenfeld, der über 34 Jahre an der hiesigen israelitischen Gemeinde und an denen des Landes mit vielem Segen gewirkt hat, vernotwendigte. sich ein Ersatz für denselben. Mit Zustimmung der Regierung war daher eine Aufforderung zum Bewerb um diese Stelle erlassen, worauf sich eine großeAnzahl von Rabbinern gemeldet hatte. Unter diesen siel die Wahl auf Dr. Silberstein in Elbing, der nun am 1. Oktober sein neues Amt antreten wird. Ueber den neuen Landesrabbiner, der im Anfang der 40er Jahre steht, wird uns aus Elbing gemeldet, daß sein Fortgang von dort, wo er fast 18 Jahre zum Wohl und Segen der dortigen Gemeinde gewirkt hat, sehr bedauert wird. Ganz besonders hat er an seinem bisherigen Wirkungskreis für die Heranbildung der Jugend zur Religion und Sittlichkeit seine volle Kraft eingesetzt. Seinem Einfluß und rastlosen Wirken ist es zu danken, daß die Elbinger Gemeinde sich große Aufgaben gestellt hat, deren. Verwirklichung man dort entgegensieht, so unter anderem auch den Neubau einer Synagoge. Mit den Vertretern der andersgläubigen Gemeinden stand Herr Dr. Silberstein stets auf freundschaftlichstem Fuß- und. in regem gesellschaftlichen Verkehr. Wir wollen für die israelitischen Gemeinden unseres Landes wünschen, daß der neue Landesrabbiner in Mecklenburg bald ebenso wie sein unvergeßlicher Vorgänger'Liebe, und .VertrauenJich erringt und-ein segensvolles Wirken hier entfaltet.. Die-Witwe 'des verstorbenen Landesrabbiners Dr. Feilchenfeld ist nach Berlin verzogen, woselbst sie bei ihren Kindern ihren Lebensabend zu verbringen gedenkt.