Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Kempinski nachher allein weiterführte und zu Weltruf brachte. — Der Bankiersgattin Frau Therese Steiner in Oettingen wurde von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzregenten für. langjährige verdienstvolle Tätigkeit auf dem Gebiete des Wohltuns das ,,Verdienstkreuz für freiwillige Krankenpflege" verliehen. Frau Therese Steiner entwickelt auch in der Vorstandschaft des jüdischen Frauenvereins ein segensreiches Wirken. — Der Kaiser verlieh; dem Kommerzienrat Gustav Plaut in Kassel den Roten Adlerorden IV. Klasse. — Herr Maier Marxheimer in Mannheim hat der dortigen Stadtgemeinde testamentarisch den Betrag von 20 600 Mark mit der Bestimmung. vermacht, damit eine Stiftung zu errichten, die den Namen „Maier Marxheimer-Stiftüng" führen soll. Aus dem Erträgnis sollen alljährlich, und zwar jeweils zur Hälfte — christliche und israelitische Bewerber — Arme und Hilfsbedürftige unterstützt werden. — Die in Gebweiler i. E. im Verlage von I. Dreyfus erscheinende „Israelitische Wochenschrift" wird mit 1. September d. Js. zu einem Familienblatte für Süddeutschland ausgestaltet werden. In derselben sollen vornehmlich die Interessen der Israeliten in Württemberg ihre - Vertretung finden. Zum verantwortlichen Redakteur für Württemberg wurde Herr Rabbiner Dr. Tänzer in Göppingen bestellt. — Am 22. d. Mts. beging der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und Obmann des Oesterreichischen Israelitischen Gemeindebundes, Herr Dr. Alfred Stern, in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 79. Geburtstag. Aus diesem Anlaß fand im Sitzungssaals der Gemeinde eine kleine intime Feier statt, für die der greise Präsident tief bewegt seinen Kollegen und Mitarbeitern im Vorstande herzlichst dankte. — Der Kaiser von Rußland hat dem Leibarzt des Wiener russischen Botschafters Fürsten Urussow, Dr. Julius Mayer, das Ritterkreuz des Sankt-Stanislaus-Ordens verliehen. — Die Stadtgemeinde Prag wählte als Delegierte des Deutschen Bezirksschulrats die israelitischen Stadtverordneten Dr. Bastyr und Dr. Jakob Scharf. Beide gehören der jungczechischen Partei an. — Der Gattin des verstorbenen" Rabbiner Dr. I. Mühsam in Graz, die seit 30 Jahren als Präsidentin des dortigen Israelitischen Frauenvereins segensreich wirkt, ist das „Goldene Verdienstkreuz mit der Krone" verliehen worden. — Sir Ernest Cassel, der bekannte englische Finanzmann, hat um den in England lebenden Deutschen, wie den in Deutschland lebenden Engländern, die der Unterstützung bedürftig sind, eine Hilfe zu gewähren, eine Stiftung ins Leben gerufen, die diesem Zwecke dienen soll und bereits ein Kapital von vier Millionen aufweist. Nach einer Statistik des „Berliner Tageblatt" sind in Berlin etwa 17 000 Engländer, während in London ungefähr 30 000 Deutsche leben. Das Interessante bei dieser Stiftung ist, daß die Herrscher beider Länder das Protektorat übernommen haben- Auf englischer Seite sind der König, die Königin und die Königin-Mutter Protektoren, während auf deutscher Seite unser Kaiserpaar das Protektorat übernommen hat. — Laut dem jüngsten statistischen Ausweis zählt Warschau insgesamt 781279 Einwohner, darunter 306 750 Juden. Warschau ist demnach die größte Judengemeinde in Europa und die zweitgrößte der Welt. Im Jahre 1864 gab es in Warschau 72 776 Juden, im Jahre 1882 waren in Warschau 127 91-7 und 1892 zählte man 162 323. — Dem „Pester Lloyd" wird aus Warschau folgende Nachricht telegraphiert: „Die Palästina-Gesellschaft von Lodz hat soeben von der englischen Regierung die Zustimmung zur Gründung großer jüdischer Kolonien in Aegypten erhaltene Es wurden bereits weite Ländereien angekauft, ans welchen die Gesellschaft Kolonien für Baumwöllkultur gründen wird. Die erste Partie der jüdischen Kolonisten soll aus 15 000 (?) Personen bestehen." — Minister Sto lhp in, der sich kürzlich in Kowno aufhielt, hat eine jüdische Deputation dieser Stadt empfangen, welche dem Minister verschiedentliche Gesuche überreichte, die er sorgfältig durchlas und daraufhin bis auf ein einziges den Delegierten zurückgab. Wie verlautet, sollen diese Schriftstücke einen rein lokalen Charakter tragen und besonders Gemeindeangelegenheiten zum Gegenstand haben. — Der von dem Friedenskongreß gefaßte Beschluß, gegen die grausame Behandlung der russischen Juden zu protestieren, hat große Unzufriedenheit bei den russischen Antisemiten wachgerufen, was in ihrer Presse unverhohlen zum Ausdruck kommt. Noch größere Mißstimmung hat die Nachricht verursacht, daß Baron Günzburg zum Offizier der französischen Ehrenlegion und die Herren Dr. Frenkel und Hirschfeld zu Rittern desselben Ordens ernannt worden sind. — Daß die absurde Ritualmordlegende immer noch-ihr Unwesen treibt, beweist der neulich in Aldin (Kleinasien) geschehene Vorfall. Als dort kürzlich ein neun Jahre altes muselmännisches Mädchen von einem griechischen Wüstling vergewaltigt und ermordet würde, beschuldigte man, ehe der Täter gefunden wurde, die Juden, daß sie das Kind zu religiösen Zwecken getötet hätten. Das in Smyrna erscheinende türkische Journal „Kenylu" drückte sein Erstaunen darüber aus, daß Mohammedaner einem absurden Märchen Glauben schenken konnten, das bisher nur in fanatischen Köpfen gewisser Christen fruchtbaren Boden gefunden hatte. — Mrs. Viktori a de BUnsen erzählt in ihrem Buche „Die Seele eines Türken" eine Legende von Abraham, die vielen neu sein dürfte. In Edessa, dem alten Ur der Chaldäer, wurde ihr ein großer Wasserbehälter gezeigt, der so voll von Fischen war, daß sie fast wie eine solide Silberschicht aussahen. Der Wächter der Moschee warf Fleisch ins Wasser, und die Tiere sprangen wie eine lebende Pyramide hoch auf. Die Tradition behauptet, daß Abraham als Kind in diesem Wasser fischte, und seit unvordenklicher Zeit werden die Fische als heilig angesehen. Bis heute ist nicht ein einziger gefangen oder getötet worden, und ein jeder, der dies ungeschriebene Gesetz verletzen würde, würde mit dem Tode bestraft werden. — Vor kurzem fand in Täbris die feierliche Eröffnung der ersten persischen Handelskammer statt. Zum Präsidenten der Kammer wurde Herr Ludwig Grünberg, ein Glaubensgenosse aus Ungarn, der auch der Begründer der Kammer ist, gewählt . Hexr Grünberg, der seit Jahren in Persien lebt, hat sich um die Förderung der Handelsbeziehungen zwischen Persien und den europäischen Handelsstaaten große Verdienste erworben. Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastr. 53. "Wz Bad HarzburgTO Pension Parkhaiis, 53 Salons und Familien-Dependance — Schloss Prlnzenhof mit 28 Salons. Streng rituelle Häuser I. Ranges unter Rabbinats - Aufsicht, an schönster Waldlage. Geöffnet 1. April bis 1. Oktober. 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