Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, 26. August 1910 74. Jahrgang. Nr. 34 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zr-itung? erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. vegründet vsnRabbiner vr. Ludwig Philipps»«. Unter Leitung des Geheimen Regierungr-Rats Professor vr. Ludwig Geiger. Verlags-Lxpeättion: VerUn» Jerusalemer Strasse 46/49. Alle Zusendungen ft* Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der »Allgem. Zeitung de» Judentums^ Berlin SW., Jerusalemer Straße §6/49, zu richten. Verlag von Rndolf Masse, Berlin. Unlerrichlssragen. Von Hermann Vogelstern. — Die . Woche. — Emile G. Hirsch. Von Ludwig Geiger. — Abraham Geiger, der Laumeister des modernen Judentum?. Festrede, gehalten zur Geiger-Zentenarfeier im Hebrew Union College von Rektor Dr. K. Kohl er. — Au? einem englischen Badeorte. Von Dr. I. Chotzner. — Feuilleton: Die Wunderruten. Von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Danzig, Posen, Hamburg- Münster i. W.,. Darmstadt, Karlsruhe i. B, Wien, Konstantinopel. — Von Nah und Fern. Äntkrrichtskrsgrn. I. or mir liegen Berichte über Religionsschulen bezw.über den Religionsunterricht in einer Reihe von Gemeinden. Aus allen geht hervor, daß ernst gearbeitet wird, und daß der ReligionsunterriiHt, einst das Stiefkind der jüdischen Gemeinden, sich nun endlich in den Gemeinden der Wertschätzung und Fürsorge erfreut, die er beanspruchen muß. Im übrigen ist die Durchsicht der Berichte nicht nach allen Seiten befriedigend. Zuvörderst fehlen für viele größere und große Gemeinden die Berichte vollständig. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß die Berichte von denjenigen, für welche sie in erster Linie veröffentlicht werden, von den Gemeindemitgliedern, den Eltern der Schulkinder, vielfach gar nicht gelesen, zum mindesten nicht gewürdigt werden. Aber das geht den Programmen der höheren Lehranstalten ganz ebenso: man kann auch nicht von den Laien volles Verständnis für schultechnische oder pädagogische Einzelfragen erwarten. Für den Fachmann ist es jedoch von größtem Wert, über die Schulverhältnisse und Unterrichtsleistungen in anderen Gemeinden Ausschluß zu erhalten. Vor allem aber wird die Sache selbst dadurch gefördert. Der jüdische Religionsunterricht mit seinen verschiedenen Unterrichtsgegenständen ist noch eine verhältnismäßig recht junge Disziplin; die Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind heute teilweise wesentlich verschieden von den Voraussetzungen früherer Zeit: gilt es ganz allgemein für jeden Pädagogen, so gilt es ganz besonders für den jüdischen Religionslehrer der Gegenwart, daß er dauernd ein Lernender bleibt und bleiben muß. Heute liegt es vielfach so, daß wir über die Verhältnisse des Religionsunterrichts in den Nachbargemeinden nur mühselig Aufschluß erhalten können. Das würde anders werden, wenn alle größeren Gemeinden sich-zu regelmäßiger wahrheitsgetreuer Veröffentlichung und zum Austausch der Programme entschließen würden. Die Kosten würden nicht vergeblich aufgewendet sein, wenngleich der Nutzen sich nicht rechnerisch ermitteln ließe. Für die Programme selbst ist größere Einheitlichkeit und Uebersichtlichkeit erwünscht. Denn jetzt bedarf es oft auch nach aufmerksamer Lektüre eines eingehenden Studiums, wenn man ein klares Bild von der Anstalt gewinnen will, über die berichtet wird. Aber wie buntscheckig ist der Inhalt der Berichte, ganz besonders die Mitteilungen über die durchgenommenen Pensa! Die Verhältnisse sind allerdings in den einzelnen Gemeinden von Grund aus verschieden. Hier wird der Religionsunterricht vorzugsweise in den öffentlichen Schulen erteilt, dort wiederum ist die Religionsschule die alleinige oder doch vorwiegend in Betracht kommende Unterrichtsanstalt; hier kommen in der Hauptsache Schüler der höheren, dort der niederen Lehranstalten in Betracht; die Zahl der zur Verfügung stehenden Stunden ist verschieden usw. Aber selbst bei Berücksichtigung aller dieser Momente, welche Verschiedenheit! Wir Juden sind allerdings in der glücklichen Lage, nicht durch Reglements der Schulbehörden in der freien Entwicklung unseres Schulwesens behindert zu sein. Die verschiedenen Anschauungen können zum Ausdruck kommen, die verschiedenen Theorien praktisch erprobt werden. Am meisten Uebereinstimmung herrscht noch über den Unterricht in der biblischen Geschichte. Das ist das einzige Gebiet, für welches wir befriedigende Lehrbücher haben, wenngleich natürlich auch in dieser Hinsicht noch berechtigte Wünsche zu erfüllen blieben. Auf allen anderen Gebieten ist man über die Grundfragen noch gar nicht einig. Die Frage des „systematischen" oder, wie ich ihn zur Ausschließung jeder Mißdeutung bezeichnet sehen möchte, des zusammenfassenden Religionsunterrichts ist nach jeder Richtung noch eine offene. Ueber Aufgabe, Ziel und Methode des deutschen Bibellesens herrschen die verschiedeusten Ansichten; es fehlen selbst solche nicht, die diesen Zweig des Unterrichts als praktisch wenig wertvoll bezeichnen und nach Möglichkeit eingeschränkt sehen wollen. Die jüdische Geschichte bietet ganz besondere Schwierig, keiten. Trotz aller Bemühungen muß festgestellt werden, daß wir kein einziges brauchbares Buch für die Schüler und kein Hilfsbuch für den Lehrer haben. Bleibt das Hebräische in allen seinen Zweigen. Der hebräische Unterricht wird von den Laien gewöhnlich als der leichteste und einfachste angesehen, den zur Not auch ein weniger gut vorgebildeter Lehrer erteilen könnte. In der Tat erfordert der hebräische Unterricht -ganz besondere Tüchtigkeit des Lehrers und besonders gute Methode. Und auch hier ist alles noch im Flusse. II. . In alter Zeit bestand der jüdische Religionsunterricht überhaupt nur aus hebräischem Unterricht. Ueberreste dieses